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Zweitliga-Check: FSV Mainz 05 Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Dienstag, 24 Juli 2007

ImageIm dritten Teil des SEITENWAHL-Zweitligachecks folgt heute folgerichtig unser Gegner vom dritten Spieltag, der uns am 24. August im Bruchweg-Stadion begrüßen wird. Nach dem 1.FC Kaiserslautern und der TSG Hoffenheim in den letzten beiden Tagen darf der heutige Kandidat aus Mainz getrost als einer unserer größten Konkurrenten um den Aufstieg angesehen werden.


Ausgangslage:
Trotz eines Etats von nur 22 Millionen Euro (Borussia kommt im Vergleich auf 36 Mio.) gilt der FSV Mainz 05 als einer der größten Aufstiegsanwärter. Auch wenn Trainer Jürgen Klopp den Druck auf die beiden Traditionsvereine aus Köln und Mönchengladbach abzuladen versucht, wird er um diese Favoritenrolle nicht herumkommen. Immerhin stieg Mainz als 16. ab und kämpfte sich nach desolater Vorrunde noch beinahe an den Klassenerhalt heran. Inwieweit man diese Aufholjagd aber auf die kommende Saison übertragen darf, erscheint fraglich, da sie hauptsächlich durch gelungene Zukäufe in der Winterpause erklärbar ist. Doch die beiden Bremer Leon Andreasen und Mohamed Zidan blieben nur für ein halbes Jahr und sind mittlerweile nach Norddeutschland zurückgekehrt.  


Zu- und Abgänge:
17 der 23 Mainzer Rückrundentore wurden vom Duo Andreasen/Zidan erzielt, zwei weitere vorbereitet. Nur vier Tore blieben also ohne ihre direkte Beteiligung, von denen zwei auch noch beim bedeutungslosen 2:5 in München zum Saisonabschluss fielen. Es wäre also zu erwarten, dass Mainz ohne die beiden wieder auf das Niveau zurückfällt, mit dem man in der Vorrunde 2006 sogar noch schlechter abschnitt als Borussia. 11 klägliche Punkte hatte man zur Winterpause auf dem Konto und bot bis dahin eine Leistung, die wohl kaum für einen Wiederaufstieg ausreichen wird.  

Doch es gibt auch Hoffnung für den beliebten Karnevalsverein. Im Sturm heißt diese Srdjan Baljak, der als Zidan-Nachfolger keinen leichten Stand haben wird. Der 28jährige Serbe wurde im Vorjahr Torschützenkönig seiner Heimatliga (18 Tore), nachdem er die Jahre zuvor in der zweiten serbischen Liga ähnlich erfolgreich traf. Man wird abwarten müssen, inwieweit ihm ein Jahr nach dem Ligasprung in der Heimat jetzt noch der in die zweite deutsche Spielklasse gelingt. Gesucht wird nicht zuletzt deshalb auch in Mainz ein weiterer Stürmer.
 

Während im Mittelfeld neben Andreasen noch Mimoun Azaouagh ein weiteres Mal den Klub in Richtung Schalke verließ, musste man in der Verteidigung den Abgang von Manuel Friedrich hinnehmen. Der Nationalspieler wurde etwas überraschend durch Bo Svensson ersetzt. Zudem steht mit Tim Hoogland eine neue Alternative in der Defensive bereit, die sich bei Schalke 04 nicht entscheidend durchsetzen konnte. 
 

Im defensiven Mittelfeld machte man mit Miroslav Karhan einen guten Fang. Der 31jährige Slowake bringt es auf immerhin 173 Erstligaeinsätze für den VfL Wolfsburg, wo er zuletzt aber nicht mehr gebraucht wurde. Der Cottbuser Daniel Gunkel könnte qualitativ in etwa Fabian Gerber ersetzen, den es nach Kreta zog. Die Abgänge von Szabics (Augsburg), Weigelt (Aachen) und Cha (Koblenz) an die Ligakonkurrenz wird man verkraften können, da diese drei Spieler zuletzt nicht über eine Ergänzungsrolle hinauskamen.
 


Tor/Abwehr:
Im Tor bahnt sich eine Fortsetzung des Zweikampfs Wache vs. Wetklo an, das in der Vergangenheit meist der Ex-Borusse für sich entschied. Der 33jährige Dimo Wache fiel zuletzt mit Sehnenriss lange aus, dürfte aber erneut bessere Chancen besitzen.  

Als Absteiger hatte Mainz den Abgang mehrerer Stammspieler zu beklagen. Halten konnte man dagegen trotz ausgelaufenem Vertrag Nikolce Noveski, der sich aber eine Ausstiegsklausel für den kommenden Sommer in den neuen Kontrakt schreiben ließ. Zuletzt war insbesondere der 1.FC Köln vergeblich bemüht, sich selbst auf Kosten eines Konkurrenten zu verstärken. So soll der Mazedonier, der nach Leistenproblemen inzwischen wieder in die Saisonvorbereitung eingestiegen ist, der kopfballstarke Turm in der Aufstiegsschlacht werden. Neben ihm besitzen die Neuen Bo Svensson und Tim Hoogland die besten Karten, Manuel Friedrich zu beerben. Hoogland ist ebenso ein Kandidat für die rechte Außenverteidigerposition, wo er wiederum mit Christian Demirtas konkurrieren wird. Links defensiv verfügt man zwar mit Marco Rose über einen Spieler, der sich bereits in Liga 1 bewährte. Dieser wird aber zu Saisonbeginn ausfallen, was Klopp intern lösen möchte. Demirtas wird hierzu anfänglich nach links rücken, wenngleich ihm mit dem gehörlosen Stefan Markolf ein interessanter und talentierter Kandidat im Nacken sitzt.
 

Taktisch hat Klopp angekündigt, bei Standards des Gegners nicht mehr am Mann, sondern im Raum zu verteidigen. Borussia könnte hier am 3.Spieltag evtl. von einer noch fehlenden Abstimmung profitieren. Insgesamt ist die Abwehr der Mainzer für die 2.Liga sehr ordentlich besetzt. Aber schon 1-2 Ausfälle können das Bild gewaltig trüben.
 


Mittelfeld:
Gesetzt ist zunächst einmal Karhan im defensiven Mittelfeld. Mit seiner Routine soll er dem Spiel der Mainzer den Stempel aufdrücken und zudem die Defensive weiter stabilisieren. Im linken Mittelfeld scheint Klopp viel vom Kolumbianer Elkin Soto zu halten, der in seinem ersten halben Jahr noch gewisse Anlaufschwierigkeiten offenbarte. Eine feste Größe war zuletzt Milorad Pekovic im offensiven Mittelfeld der Mainzer. Im Schatten von Leon Andreasen brauchte er bisher aber noch nicht die absolute Verantwortung zu übernehmen. Zudem gelang ihm in 29 Einsätzen kein einziges Tor, was für einen Offensivakteur ein gewisses Problem darstellt. Mit Daniel Gunkel besteht eine Alternative, wenngleich diese in Cottbus nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinauskam. Auch Markus Feulner, der im Mainzer Mittelfeld noch am ehesten so etwas wie Torgefahr versprüht, ist nicht mehr als Durchschnitt, so dass die Mainzer in diesem Bereich nicht sonderlich zu fürchten sind.  

Es sei denn, die Erwartungen des Trainers in seine Youngster erfüllen sich. Hier sind insbesondere die Vrancic-Brüder zu nennen, die im Vorjahr bereits in den Kader hineinschnuppern durften, ohne bislang übermäßig aufzufallen. Der technisch versierte Damir Vrancic ist mit 21 Jahren schon etwas weiter und dürfte auf mehr Einsätze kommen. Seinem 18jährigen Bruder Mario wird noch mehr Talent nachgesagt, was er ansatzweise erstmals im Spiel bei den Bayern unter Beweis stellte. Seine Schwächen liegen aber noch in der Rückwärtsbewegung, die er bei aller Offensivfreudigkeit zu sehr vernachlässigt. 
 


Sturm:
Im Angriff – und generell in der Mainzer Offensive – steht und fällt vieles mit Neuzugang Baljak. Kann er seinen Torriecher auch in Mainz umsetzen, wäre dies ein Meilenstein für den Bundesliga-Aufstieg. Allerdings blickt der Serbe auf eine ereignisreiche Vergangenheit zurück, die ihn zwischenzeitlich in die japanische J-League und gar nach Aserbeidschan verschlug, ehe er in den letzten 3 Jahren in seiner Heimat zu Erfolgen kam. Petr Ruman und Ranisav Jovanovic balgen um einen weiteren Sturmplatz, wobei der Tscheche zuletzt eher die Nase vorn hatte. Jovanovic dürfte erneut die Rolle des Jokers bleiben, die er bei nur einem Tor nach 22 Einwechselungen im Vorjahr eher dürftig ausfüllte.  

Mit Chadij Amri und Tobias Damm lauern zwei jüngere Spiele auf ihre Chance. Amri war bislang meist im Mittelfeld eingesetzt worden, wo er aber nicht zu überzeugen wusste. Inzwischen scheint Klopp ihn eher als flinken Angreifer einzuplanen, wenngleich er hier zunächst über Einwechselungen seine Chance erhalten wird.
 

Der 23jährige Damm war im Vorjahr zur Rückrunde nach Wuppertal ausgeliehen worden, wo er in 17 Regionalliga-Spielen beachtliche 9 Treffer erzielte und sich für eine neuerliche Chance in der Klopp-Elf empfahl.
 

Taktik:
Jürgen Klopp spielte zuletzt meist in einem 4-4-2, wovon er vermutlich auch zur kommenden Saison nicht abrücken wird.  

Breite des Kaders:
Die Mainzer haben sich bewusst für einen kleinen Kader entschieden, in dem zur Zeit nur 20 Feldspieler auftauchen. Fallen wie zur Zeit einige Spieler aus (Rose, Pekovic, Svensson, Amri, Damir Vrancic), ist man auf den Nachwuchs angewiesen. Mal schauen, ob sich das Vertrauen in die Jungen bei den Mainzern besser auszahlt als im Vorjahr bei Borussia. 

Trainer:
Zu Jürgen Klopp muss nicht mehr viel gesagt werden. Der ZDF-Experte ist in Mainz nach 17 Jahren als Spieler und Trainer eine lebende Legende und stand trotz des Abstiegs niemals zur Disposition. Dass aber die besten taktischen Erklärungen nichts nutzen, wenn die Qualität im Kader fehlt, musste Klopp im Vorjahr bitter erfahren.  

Mögliche Aufstellung:

Wache – Demirtas, Noveski, Svensson, Rose – Feulner, Karhan, Pekovic, Gunkel – Baljak, Ruman  

Gesamteindruck/Prognose:
Verglichen mit der Mainzer Elf der Rückrunde ist ein erheblicher Qualitätsverlust feststellbar. Die Elf von Jürgen Klopp wird höchstens das Niveau aus der Vorrunde abrufen können, wobei die Verpflichtungen von Karhan und Svensson für mehr Stabilität sorgen sollten. Viel wird davon abhängen, ob Baljak der erhoffte Torjäger mit „15-Tore-Garantie“ sein wird. Insgesamt erscheint die Offensive sonst nämlich eher schwach besetzt. Der dünne Kader dürfte sein übriges tun, dass es für Mainz eine sehr schwere Mission werden wird. Nichtsdestotrotz wird man bis zum Ende um den Aufstieg mitspielen, den man dann aber in guter, alter Tradition unglücklich am letzten Spieltag verpasst.