Bundesliga 2011/2012

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Schwache Vorstellung dämpft Euphorie Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Mittwoch, 25 Juli 2007
ImageMit einer sehr schwachen Vorstellung hat Borussia ihr vorletztes Testspiel der Vorbereitungsphase beendet. Gegen den Oberligisten Bergisch-Gladbach verlor man mit 2:3 (0:2), wobei die Treffer von Rafael und Paauwe lediglich den zwischenzeitlichen 0:3-Rückstand korrigierten. Auch wenn Borussia am Ende dem Ausgleich nahe war, so dürfte dieses Spiel die Euphorie der vergangenen Wochen deutlich dämpfen. In der ersten Halbzeit konnten die 2200 Zuschauer keine einzige Torchance der Gäste vom Niederrhein verzeichnen, erst nach dem Seitenwechsel wurde Borussia feldüberlegen, ohne überzeugen zu können. Das Spiel gegen die defensiv eingestellten und kämpferisch starken Gastgeber war ein Vorgeschmack auf das, was Borussia in einigen Spielen der kommenden Saison erwarten wird. Testspieler Vlatko Grozdanovski war bemüht, konnte aber keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Die Augen der Zuschauer waren besonders auf die Startaufstellung gerichtet, da in den Spielen gegen Bergisch-Gladbach und den VfL Bochum am kommenden Samstag erste Rückschlüsse auf die Elf gezogen werden können, die dann auch in den ersten Pflichtspielen in Osnabrück und Kaiserslautern auflaufen wird.
So begann Heimeroth als gesetzte Nr. 1 im Tor, vor ihm bildeten Bögelund, Gohouri, Brouwers und Voigt die Viererkette. Eine Variante, die von einigen Beobachtern bereits als wahrscheinliche Formation für den Ligabetrieb angesehen wird.
Im Mittelfeld begannen Sebastian Svärd und Sascha Rösler in der Zentrale, wobei Svärd hier erneut den defensiveren Part übernahm. Auf den Außenpositionen liefen Moses Lamidi (rechts) und Johannes van den Bergh (links) auf, komplettiert durch das Sturmduo Neuville und Friend.

Bereits nach vier Minuten zappelte der Ball im Netz der Gastgeber, doch dem Tor von Rösler wurde die Anerkennung verweigert, da der Schiedsrichter zuvor ein Foulspiel von Rob Friend abgepfiffen hat. Dies sollte für lange Zeit der letzte Torschuss Borussias werden, doch der Reihe nach: der Oberligist aus dem Rechtsrheinischen agierte sehr laufstark und ging aggressiv in die Zweikämpfe. Bereits Borussias Verteidiger wurden bei Ballbesitz umgehend attackiert. Die Taktik von Bergisch-Gladbachs Trainer Lars Leese schien aufzugehen, denn die Gäste hatten große Mühe, ein sauberes Offensivspiel aufzuziehen. Man war auf Seiten der Mönchengladbacher bemüht, Ordnung ins Spiel zu bringen und nicht nervös zu werden, doch gegen das eng gestrickte Netz im Mittelfeld fanden weder Rösler noch Svärd ein probates Mittel.

Nach einer knappen Viertelstunde fiel dann der zu diesem Zeitpunkt überraschende Führungstreffer für Bergisch-Gladbach, die bis dahin zwar in der Defensive stark, offensiv indes vorsichtiger agierten. Nach einer bereits geklärten Ecke von der rechten Seite kam der Ball erneut auf den rechten Flügel zu Volkert, der den Ball scharf und halbhoch in den Strafraum brachte. Borussia war bereits aufgerückt, die Flanke von Volkert fand am zweiten Pfosten Jörg Heineke, der aus kurzer Distanz zum 1:0-Führungstreffer vollendete.

Borussia ließ sich durch diesen ersten Rückstand nicht merklich aus der Ruhe bringen. Doch die Gastgeber wurden durch die eigene Führung noch stärker, jeder Respekt, der vielleicht in der Anfangsphase vorhanden war, fiel nun endgültig. Das Spiel Borussias wurde zusehends unansehnlicher. Pässe wurden ins Aus geschlagen, Doppelpässe misslangen, die Anspiele in die Spitze verpufften völlig. Achselzucken, Kopf schütteln und hilflose Blicke zum Mitspieler: die Körpersprache einiger Borussen hatte wenig von dem beherzten Auftritt der vergangenen Woche, als man Bayern München bezwingen konnte. Sascha Rösler, Sebastian Svärd und zum Teil auch Alexander Voigt versuchten immer wieder, Angriffe zu initiieren und die Mitspieler aufzumuntern, doch es wollte nichts von dem gelingen, was in den vorangegangenen Testspielen bisweilen sehr gut gelang. Vor allem an der gut sortierten Viererkette aus Bergisch-Gladbach bissen sich die Borussen die Zähne aus, immer wieder stellte man Neuville, Friend oder Rösler ins Abseits.

Kurz vor der Halbzeitpause entlief Daniel Fischer auf dem rechten Flügel Alex Voigt nach einem Stellungsfehler des Ex-Jenaers, der dem schnellen Außenspieler in den Strafraum folgte. Fischer kreuzte vor Voigts Laufweg, ließ sich geschickt in die Hacken laufen und bekam folgerichtig einen Elfmeter zugesprochen. Zum diesem Strafstoß trat Uwe Brüggemann an, Heimeroth tauchte in die richtige Ecke, parierte den Schuss, doch beim „Rebound" war Claudio Marino (gedanklich) schneller als Borussias Verteidiger und staubte aus kurzer Distanz zur 2:0-Pausenführung ab. Mit großem Applaus wurde der Gastgeber vom eigenen Publikum in die Kabinen verabschiedet, Borussias Akteure schlichen mit gesenktem Kopf hinterher.

Bereits in der Halbzeitpause bat Co-Trainer Gellhaus acht Feldspieler zum Warmlaufen, die in der zweiten Halbzeit das Ergebnis korrigieren sollten. Lediglich Heimeroth, van den Bergh und Kapitän Neuville blieben auf dem Feld. Die Viererkette bildeten Tobias Levels auf der rechten und Marvin Compper auf der linken Seite, begleitet durch die Innenverteidiger Fleßers und Paauwe. Im Mittelfeld spielten Eugen Polanski, Baumjohann und der mazedonische Testspieler Vlatko Grozdanovski, der wie erwartet auf der rechten Außenbahn zum Zuge kam. Neben Neuville stürmte Nando Rafael.

Doch alle guten Vorsätze für die zweite Halbzeit waren bereits nach wenigen Sekunden Makulatur. Der Oberligist aus Bergisch-Gladbach hebelte mit einem feinen Pass aus dem Mittelkreis die kompette Defensive Borussias aus, Volkert lief frei durch und schob mit Hilfe des linken Innenpfostens zum 3:0 ein. Die Zuschauer rieben sich ob des deutlichen Spielstands verwundert die Augen, die Führung war zu diesem Zeitpunkt auch in dieser Höhe nicht unverdient. Bergisch-Gladbach hatte wenig Torchancen, nutzte jedoch fast alle.

Borussias erster Torschuss konnte dann in der 51. Minute bewundert werden. Baumjohann schlug einen Freistoß auf den zweiten Pfosten, wo Eugen Polanski es mit einer Direktabnahme versuchte, die Torhüter Scheel ohne größere Mühe parieren konnte. Nun wurde der Zweitligist stärker, da sich die SSG ob des beruhigenden Vorsprungs gegen die zwei Klassen höher spielenden Gäste mehr und mehr zurückzog. In der 58. Minute hatte Vlatko Grozdanovski seinen erste Szene. Der Mazedonier wurde von Rafael schön in Szene gesetzt, doch Grozdanovski konnte Torhüter Scheel aus zehn Metern halbrechter Position nicht bezwingen. Wenige Minuten später wechselte Trainer Jos Luhukay auch den unauffällig spielenden Oliver Neuville und Johannes van den Bergh aus, für die beiden kamen Coulibaly und Marko Marin ins Spiel. Nominell spielte Borussia nun mit einer einzigen Spitze, was einige Zuschauer zu einem spöttischen Ruf „Ergebnis halten, Jos!" hinreißen ließ.

Der Mann der zweiten Halbzeit war aus Borussen-Sicht ganz eindeutig der Schiedsrichter-Assistent, der mit vielen Abseitsentscheidungen (oft) zu Ungunsten Borussias einigen Unmut auf sich zog. Die Zuschauer, sofern auf Gladbacher Seite, nahmen das ehrgeizige Treiben des jungen Linienrichters zum Anlass, um bei jedem Pass in die Spitze bereits vorab laut „Abseits!!" zu rufen. In der 66. Minute blieb die Fahne jedoch unten. Compper schlug einen Ball von der linken Seite schräg nach vorne in die Spitze, die Abseitsfalle schnappte nicht zu, sodass Rafael alleine vor Carsten Scheel auftauchte. Mit einem gekonnten Heber erzielte Rafael den 1:3-Anschlusstreffer, der zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient war.

Wieder zwei Minuten später zeigte Jungstar Marin, warum gerade er in Spielen gegen defensiv stehende Gegner schon jetzt unverzichtbar ist. Nach herrlichem Dribbling an der Mittellinie schickte Marin mit einem Pass in die Gasse Coulibaly auf die Reise, der sich jedoch gegen einen direkten Torschuss aus aussichtsreicher Lage entschied. Stattdessen schob er den Ball zurück zu Vlatko Grozdanovski, der wiederum unsauber auf Rafael ablegte, somit war die Torchance vertan. In der 70. Minute war es erneut Grozdanovski, der auf dem linken Flügel seinen Gegenspieler überlief, jedoch aus kurzer Distanz und spitzem Winkel am hervorragend aufgelegten Torhüter Scheel scheiterte. Weiter ging es im Zwei-Minuten-Takt. Marin trat einen Freistoß von der rechten Seite, Patrick Paauwe deutete durch Handzeichen schon bei Marins Anlauf an, wohin er den Ball haben möchte. Marin tat ihm den Gefallen, flankte sauber auf den ersten Pfosten, wo Paauwe per Kopf zum 2:3 traf.

In den letzten 15 Minuten der Partie blieb Borussia feldüberlegen, eine richtige Torchance sprang indes nicht mehr heraus. Man war bemüht, versuchte viel, doch fast alle Aktionen blieben Stückwerk. Borussia agierte verkrampft, zum Teil ohne Ideen, erlaubte sich in der Vorwärtsbewegung gegen nun ganz tief stehende Gegenspieler zu viele leichte Feher im Spielaufbau. Lediglich Marin belebte mit seinen Dribblings und Pässen das Offensivspiel. In der Nachspielzeit hatte die SSG Bergisch-Gladbach dann sogar die Chance auf 4:2 zu erhöhen. Der zwischenzeitlich eingewechselte Sebastian Holsten scheiterte jedoch an Christofer Heimeroth. Marin versuchte es in allerletzte Sekunde noch einmal mit einem Dropkick von der Strafraumgrenze, sein Schuss strich jedoch am Tor vorbei.

ImageDieses 2:3 in Bergisch-Gladbach war Borussias erste Niederlage nach sechs Siegen in Folge in der Vorbereitung. Überbewerten sollte man dieses Ergebnis ebensowenig wie den Sieg gegen die Bayern vergangene Woche. In einigen Szenen war zu erkennen, dass der letzte Biss gegen einen stark und frech aufspielenden Gegner aus der Oberliga fehlte. Vlatko Grozdanovski wirkte in seinen 45 Minuten präsenter als Milan Ivana, der im Testspiel gegen den Wuppertaler SV Borussia vorspielen durfte. Ob der insgesamt eher durchschnittliche Auftritt des jungen Mazedoniers Trainer Luhukay überzeugt hat, bleibt abzuwarten. Man muss Grozdanovski zu Gute halten, dass das heutige Spiel sehr undankbar für einen Gastspieler ist, der sich präsentieren muss. Der Gegner stand tief, war aggressiv in der Mann- und Raumdeckung.

Borussia befindet sich laut eigener Aussage im Feinschliff für die neue Saison. Die erste Garde scheint bis auf wenige Position festzustehen, doch bleibt viel Arbeit. Oliver Neuville ist als Kapitän gesetzt, sucht jedoch noch seine Form. Es wird interessant zu sehen, inwieweit der neu ernannte Spielführer gegen stark defensiv auftretende Mannschaften seine Vorzüge ausspielen kann. Sascha Rösler überzeugt mit einer ausgezeichneten Körpersprache und einer gesunden Aggressivität. Das Gleiche gilt für Sebastian Svärd, der im defensiven Mittelfeld eine der positiven Erscheinungen der Vorbereitung ist. Alex Voigt wird wohl den Vorzug vor Marvin Compper erhalten, der nach einem guten Auftritt in Freialdenhoven nach und nach abbaute und sich im Spiel nach vorne zu viele unnötige Ballverluste leistet. Die Innenverteidigung um die kopfballstarken Brouwers und Gohouri wirkt nicht immer sattelfest, steht jedoch mangels qualitativer Alternativen. Speziell Gohouris Vorstoß-Versuche sollte Luhukay bis zum Saisonbeginn zu unterbinden versuchen. Kasper Bögelund hat seinen Stammplatz auf der rechten Seite ebenso sicher.
Interessant wird es im Mittelfeld. Nach den bisherigen Eindrücken sollten Paauwe, Rösler, Svärd und Marin die Nase vorne haben, was zur Folge hätte, dass Spieler wie Polanski oder Coulibaly vorerst mit der Bank vorlieb nehmen müssten. Da die Leistungsunterschiede zum Teil nur minimal sind, hat Luhukay hier gute Alternativen.

Sucht man das gesamte Leistungsniveau der Mannschaft, wird man irgendwo zwischen dem 2:1 gegen den FC Bayern und dem heutigen 2:3 gegen Bergisch-Gladbach fündig. Der Abschlusstest am Samstag gegen den VfL Bochum sollte weitere Erkenntnisse bringen, danach muss die Feinschliff-Phase abgeschlossen sein, zwangsläufig.

Borussia: Heimeroth - Bögelund (46. Levels), Gohouri (46. Fleßers), Brouwers (46. Paauwe), Voigt (46. Compper) - Svärd (46. Polanski) - Lamidi (46. Grozdanovski), Rösler (46. Baumjohann), van den Bergh (63. Marin)- Neuville (63. Coulibaly), Friend (46. Rafael).

Tore: 1:0 Heineke (16.), 2:0 Marino (45.), 3:0 Volkert (47.), 3:1 Rafael (66.), 3:2 Paauwe (72.).

Gelbe Karten (Borussia): keine

: 2.200