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Zweitliga-Check: Erzgebirge Aue Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Donnerstag, 26 Juli 2007

ImageTeil 5 des SEITENWAHL-Zweitligachecks befasst sich mit dem erfolgreichen Ost-Klub Erzgebirge Aue, der mit geringen finanziellen Mitteln seit Jahren Beeindruckendes auf die Beine stellt. Am 17.9. wird man im Hexenkessel des Erzgebirgsstadions versuchen, Borussia und Millionen DSF-Zuschauer zu beeindrucken.



 

Ausgangslage:
In Aue ist man bemüht, im fünften Jahr nach dem Aufstieg die Verhältnismäßigkeiten gerade zu rücken. Wer wüsste besser als wir, wohin eine übersteigerte Erwartungshaltung führen kann? Aus dem Vorjahr hat man zudem Wacker Burghausen als mahnendes Beispiel vor Augen, die sich ebenfalls nach 4 Jahren Klassenerhalt in Folge für etabliert hielten und prompt abstiegen. Anstatt also langsam nach höherem zu streben, gibt man sich im Erzgebirge weiter bescheiden und setzt sich nur einen frühzeitigen Klassenerhalt zum Ziel. 

Zu- und Abgänge:
Im Sturm wurde kräftig durchgemischt. Andrej Juskowiak beendete seine bewegte Karriere, in der er zuletzt in Aue doch noch sein Glück fand, das ihm in Mönchengladbach verwehrt geblieben war. Neben ihm fehlen zukünftig David Siradze, der sich Holger Fach und dem SC Paderborn anschließt sowie der ausgeliehene Dimitar Rangelov, der nun in Cottbus sein Glück versucht.  

Mit Jiri Kaufman, Fiete Sykora und Ljubisa Strbac wurden die drei Spieler zumindest quantitativ gleichwertig ersetzt. Sykora verdiente sich in den letzten Jahren bei Carl-Zeiss Jena seine Meriten, und muss nun mit dem erfahrenen Kaufmann konkurrieren. Der Tscheche kommt vom Karlsruher SC, wo er durch Verletzungen stets zurückgeworfen wurde, so dass sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde. Den Auern blieb er bei seinem Rückrundenauftritt in Erinnerung, als er zwei seiner insgesamt nur drei Saisontore erzielte. Bleibt er fit, dürfte er eine Verstärkung sein und Juskowiak in der Sturmmitte vergessen lassen, wenngleich er als quirliger Konterstürmer ein anderer Spielertyp ist als der polnische Brecher.
 

Der Slowene Strbac ist als Außenstürmer eingeplant und darf sich in einem System mit Dreiersturm gute Chancen ausrechnen. 2005 war er bei Borussia noch unter Horst Köppel in einem dreitägigen Probetraining durchgefallen.
 

Für die Defensive hat man insbesondere Thomas Paulus vom 1.FC Nürnberg verpflichtet. Der 25jährige ist schnell, kopfballstark, vielseitig einsetzbar, spielte aber bei Hans Meyer keine Rolle mehr. In Aue verspricht man sich von ihm dennoch einiges, was der 1,95m große Hüne in dieser Liga wahrscheinlich besser wird umsetzen können.
 

Im Mittelfeld verstärkte man sich in der Breite durch die beiden Hachinger Sträßer und Feldhahn sowie durch Kevin Hansen, dem in Rostock der Sprung ins Stammteam nicht gelungen war.
 

Tor/Abwehr:
Ein Torhüter namens Keller. Da werden Erinnerungen wach. Doch die Auer haben nicht etwa unseren Kasey vor dem vorzeitigen Ruhestand bewahrt. Ihr Axel Keller ist mit 30 Jahren unwesentlich jünger und verdrängte in der Vorsaison den bisherigen Stammkeeper Tomasz Bobel. Nachdem er die Jahre zuvor in Rostock nicht an Schober vorbeigekommen war, hielt Keller in Aue erstaunlich solide und konstant. Weitgehend ohne spektakuläre Paraden, aber eben auch ohne größere Patzer. 

Mit Thomas Paulus und Tomasz Kos entwickelt man sich in der Verteidigung immer mehr zu einer Nürnberger Resteverwertung. Die beiden sind jeweils auf den Außenpositionen einer Dreierkette einsetzbar, können aber ebenso flexibel in eine Viererkette eingebaut werden. Beide fallen alleine schon wegen ihrer Größe auf und sind enorm kopfballstark. 
 

Routiniert und erfahren ist genauso der 33jährige Jörg Emmerich, der zentral in der Abwehr steht und bei einer Dreierkette einen verkappten Libero abgibt. Als freier Mann im Defensivspiel nimmt er eine zentrale Rolle im Spiel von Aue ein und ist auch bei seinen Offensivvorstößen durch einen knallharten Schuss zu beachten. Insgesamt sollte der erste Anzug in Aues Verteidigung mit den drei Routiniers ordentlich sitzen.
 

Norman Loose
(rechts) und Rene Trehkopf (links) können in einer Viererkette als durchschnittliche Außen-Alternativen zu Kos und Paulus gelten.  

Mittelfeld:
Das Mittelfeld wird meist mit einer Raute besetzt, in der Marco Kurth die zentral defensive Rolle einnimmt. Der 28jährige ist bereits seit 2000 im Verein, gehört als einer der wenigen also noch zum Aufstiegskader. Ähnlich wie der FC Erzgebirge hat er sich mittlerweile in Liga 2 etabliert, ohne dort aber allzu sehr zu glänzen. Konkurrenz könnte ihm durch Nicolas Feldhahn erwachsen, der sich aber gegenüber seiner Vorjahresform steigern müsste, um einen Stammplatz zu ergattern. 

Einen solchen sollte in der Offensive Tom Geissler behalten. Der Ex-Mainzer war im Vorjahr ausgeliehen, konnte Jürgen Klopp in dieser Zeit aber nicht davon überzeugen, dass er zum Aufstiegsspieler taugt. Dennoch erscheint ihm mangels Konkurrenz sein Platz im Auer Team sicher, zumal Neuzugang Kevin Hansen wegen Leistenproblemen die gesamte Vorbereitung über ausfallen wird. 

Als Stammspieler gilt Florian Heller. Der einstige Jugendspieler der Bayern verfügt über einen guten Schuss und kam so in 25 Spielen der Vorsaison auf immerhin 5 Torerfolge sowie 3 Assists.
 

Je nachdem, wie viele Positionen Schädlich fürs Mittelfeld vorsieht, wird Neuzugang Carsten Sträßer Aussichten auf einen Platz im Team haben. Dies kann entweder auf der linken Außenbahn oder aber im linken Mittelfeld der Fall sein. Im Vorjahr kam Sträßer auf 33 Einsätze beim bajuwarischen Absteiger.

Sturm:
Wie bereits bei den Zugängen beschrieben, hat sich in diesem Bereich einiges getan. Da sich erst zeigen muss, wie sich die neuen Stürmer bewähren, ist es schwierig, eine Prognose über die Stammformation zu wagen. Wie bereits angedeutet, bahnt sich in der Mitte ein Duell zwischen Kaufmann und Sykora an, wobei ersterer über höheres Potential verfügt. Dies konnte er aber zuletzt nicht immer abrufen, so dass es am Ende vielleicht doch auf die etwas sicherere, weil konstantere Variante mit Sykora hinauslaufen könnte. 

Thomas Klinka
stand bereits zum Verkauf, weil man sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen konnte. Auch Borussia soll angeblich bei seinem Berater angefragt haben. Inzwischen hat er sich aber mit seinem alten Verein geeinigt, so dass der Rechtsaußen weiter für Aue auf Torejagd geht (9 Tore in 30 Spielen der letzten Saison). Mit ihm streitet sich Skerdilaid Curri um den Posten. Der Albaner, der vor 2 Jahren durch einen Kung-Fu-Tritt des Burghauseners Vukovic in die Schlagzeilen geriet, ist mit seinen 1,66 Metern sehr wendig und schnell, dabei aber nicht ganz so torgefährlich wie sein tschechischer Konkurrent. Nachdem er zuletzt bei einem Testspiel mit Trainer Schädlich verbal aneinander geriet, sind seine Aussichten auf einen Platz in der Startformation rapide gesunken. 

Auf der linken Außenbahn dürften der Slowene Strbac sowie der Ex-Hachinger Sträßer beste Aussichten besitzen, sofern sich Schädlich für einen Dreiersturm entscheidet. Ein weiterer Angreifer wird zur Zeit aber noch gesucht, so dass die Transferplanungen in dem Bereich noch nicht abgeschlossen sind.
 

Taktik:
Ob 4-4-2, 4-3-3, 3-5-2 oder 3-4-3. Wie so viele Trainer setzt auch Gerd Schädlich auf Flexibilität. So änderte er im Vorjahr des öfteren sein Spielsystem, was in der neuen Saison erneut zu erwarten sein wird. In der Rückrunde wurde meist ein 4-3-3 praktiziert. Da Stoßstürmer Juskowiak aber nicht mehr spielt, könnte eine Umstellung auf 4-4-2 Sinn machen.  

Breite des Kaders:
Auch in der Breite braucht man sich im Erzgebirge keine Sorgen zu machen. Da der große Star nicht im Kader zu entdecken ist, erscheint kein Spieler unersetzlich. Selbst in der nominell etwas dünn besetzten Verteidigung ließe sich durch taktische Umstellungen auf etwaige Verletzungsprobleme reagieren. 

Trainer:
Nach dem Ende von Volker Finke in Freiburg ist nunmehr Gerd Schädlich der dienstälteste Trainer der 2.Liga. Nur Thomas Schaaf ist im Profifußball schon zwei Monate länger im Amt. Genau 8 Jahre sind es seit diesem Juli, in denen Schädlich nicht nur den Aufstieg aus der Regionalliga bewältigte, sondern den Ostklub erfolgreich in der 2. Bundesliga etablierte. Dass man zuletzt gar stärker nach oben schauen durfte als nach unten zu blicken, darf man getrost zu weiten Stücken der kontinuierlich guten Arbeit des Trainers zurechnen.  

Mögliche Aufstellung:

Keller – Kos, Emmerich, Paulus, Trehkopf –  Heller, Kurth, Geißler, Sträßer – Klinka, Sykora  

Gesamteindruck/Prognose:
Aue verfügt über einen kompakten, ausgeglichenen Basiskader, aus dem niemand positiv oder negativ herausragt. Die im Vorjahr anfällige Defensive (48 Gegentore) sollte durch Paulus an Stabilität zulegen. Im Sturm wird man abwarten müssen, welche Rolle die Neuen spielen können und inwieweit sie die Qualität gegenüber der Vorsaison ändern. Damals spielte man lange Zeit um den Aufstieg mit, ehe man zum Ende noch auf Rang 10 absackte. Eine ähnlich erfolgreiche Saison oder sogar noch mehr ist aber nur drin, wenn die Konkurrenz übermäßig schwächelt. Unter normalen Umständen wird sich Aue – wie immer in den letzten Jahren – zwischen Platz 7 und 11 einpendeln.

Bisher im Zweitligacheck:
1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück