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Zweitliga-Check: FC Augsburg |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Freitag, 27 Juli 2007 |
Am 6. Spieltag empfängt Borussia mit dem FC Augsburg den Verein, der in den 80ern als Talentschmiede des Landes galt und Borussia mit Spielern wie Armin Veh und Christian Hochstätter versorgte. Ob das zweite Jahr in Liga 2 das bekanntermaßen schwere wird oder ob man gar noch weiter nach oben streben kann als im Vorjahr, soll der folgende SEITENWAHL-Zweitligacheck untersuchen.
Ausgangslage:
2006 der souveräne Aufstieg mit 76 Punkten aus der Regionalliga Süd. 2007 der souveräne 7. Platz in der ersten Zweitligasaison. Anstatt um den Abstieg kämpfen zu müssen, hätte man beinahe gar aktiv ins Aufstiegsrennen eingegriffen. Die Fans der Schwaben durften nach 23 Jahren ohne Profifußball endlich wieder jubeln. Dank einer kompakten Defensive und einigen gezielten Zukäufen befindet sich Augsburg jetzt sogar in der komfortablen Situation, für viele als Geheimfavorit auf den Aufstieg zu gelten.
Zu- und Abgänge:
Am meisten schmerzt den Augsburgern der Abgang des Torjägers Axel Lawaree, der sich trotz seiner 15 Tore aus privaten Gründen zu einem Wechsel in die Regionalliga nach Düsseldorf entschloss. Gleich zwei Ex-Erstligaprofis werden versuchen, seinen Verlust aufzufangen. Imre Szabics galt vor Jahren als Sturmhoffnung beim VfB Stuttgart. 9 Tore erzielte er 2003/04 gleich in seiner ersten Saison, ehe er im zweiten Jahr immer mehr gegenüber dem Top-Sturm Kuranyi-Cacau sowie einem aufstrebenden Mario Gomez ins Hintertreffen geriet und sich bei nur noch 5 Toren zu einem Wechsel entschloss. Doch in Köln kam er ebenso wenig zurecht wie beim FSV Mainz 05. Nach zuletzt zwei enttäuschenden Jahren versucht der Ungar nun in Liga 2 einen neuen Anlauf. Er gilt dabei als spielstarker Stürmer mit einem ausgeprägten Torriecher.
Torgefahr entwickelte zuletzt auch Marco Vorbeck, obwohl er einst in Rostock als Chancentod verschrien war. Schnell, technisch stark, ordentlich im Kopfball, aber im Abschluss dann doch unglücklich. So mühte er sich durch seine 4 Jahre bei den Hanseaten. Der Schritt zurück in Liga 2 erwies sich für ihn als richtig. Mit Dynamo Dresden stieg er zwar ab, konnte aber endlich wieder spielen und gar treffen. 6 Tore waren es in Liga 2. 10 Mal netzte er im Vorjahr in der Regionalliga ein, was den FC Augsburg auf ihn aufmerksam werden ließ.
Abwehrspieler Vaclav Drobny soll die ohnehin schon gute Defensive weiter verstärken. Der Tscheche ist in der Innenverteidigung sowie auf der rechten Verteidigerposition einsetzbar.
Während der letztjährige Spielmacher Leonhard Haas (5 Tore in 13 Rückrundenspielen) von Fürth abgeworben werden konnte, ergänzte man sich mit Peter Hlinka und Froylan Ledezma. Hlinka war bei Rapid Wien jahrelang Führungsspieler und wurde in der Meistersaison 2004/05 zum besten defensiven Mittelfeldspieler der österreichischen Liga gewählt. Im Vorjahr entwickelte der 28fache slowakische Nationalspieler erstmals auch echte Torgefahr mit 8 Toren für die Wiener, die er nun in Richtung Augsburg verlassen hat.
Ebenso aus Österreich kommt Froylan Ledezma, der offensiver ausgerichtet ist. Der inzwischen 29jährige Costa Ricaner galt einst als Riesen-Talent und wurde mit 19 Jahren von Ajax Amsterdam nach Europa geholt. Hier zeigte der südamerikanische Heißsporn aber disziplinarische Probleme, durch die er bei den Holländern bald suspendiert wurde. Auch auf seinen folgenden Stationen in Paraguay und Bolivien wurde er rausgeschmissen, so dass es überrascht, wie er anschließend doch noch die Kurve bekam. Seit 2004 geht es in seiner Karriere langsam wieder aufwärts, so dass er im Vorjahr den Sprung zurück nach Europa wagte und in Altach zum bestimmenden Spieler aufstieg, der insbesondere als Vorbereiter bestach. Zuletzt kam sein Temperament aber wieder durch, was zu einer erneuten Suspendierung und einem neuerlichen Wechsel in ein anderes Land führte.
Ein emotionaler Abgang ist mit Karsten Hutwelker zu verzeichnen, der zwar sportlich keine Rolle mehr spielte, sich aber nach Heilung seines Knochenkrebses immerhin wieder in den Kader zurückgekämpft hatte. Jetzt bemüht sich der 35jährige in der österreichischen Liga beim Ex-Klub von Ledezma um einen versöhnlichen Karriereausklang.
Tor/Abwehr:
Mit dem 29jährigen Sven Neuhaus verfügt der FC Augsburg über einen allerhöchstens durchschnittlichen Zweitligakeeper. Einen Großteil seiner Karriere spielte dieser bei Greuther Fürth, wo er als Nr.1 aber nicht überzeugte und bald von Mavric verdrängt wurde. Immerhin kann er sich damit rühmen, ein Probetraining bei Arsenal London absolviert zu haben, wo man ihm dann aber doch einen Korb gab. In Augsburg hatte er mehr Glück, indem er den inzwischen 39jährigen Zdenko Miletic nach wenigen Spielen der vorigen Saison ablöste. Anschließend spielte der neue Kapitän des FC keine schlechte Saison, fiel aber auch nicht sonderlich positiv auf.
In der Verteidigung lässt Trainer Hörgl mit einer Dreierkette spielen, die im Vorjahr auf den Außenseiten zwei bundesligaerfahrene Spieler integrierte. Rechts war dies der einstige Lauterer Ingo Hertzsch, der zwar routiniert, aber nur begrenzt schnell ist, was ihm gegen flinke Spieler (wie Marin oder Lamidi) manchmal alt aussehen lässt.
Links spielt der Ex-Kölner Roland Benschneider, der in seinen drei Jahren beim FCK nicht überzeugen konnte. In Augsburg stieg er zum Stammspieler auf. Mit seinen 2 Metern Körperlänge ist das Kopfballspiel folgerichtig seine größte Stärke. Spötter meinen sogar, es sei seine einzige. Gepflegtes Aufbauspiel oder saubere Pässe zum Mitspieler sind von Benschneider eher selten zu erwarten.
In der Mitte ist Sören Dreßler eingeplant, der mit seinen 31 Jahren zu den Routiniers zählt und seinen Job solide erledigt. Mit Vaclav Drobny wächst aber für ihn oder Hertzsch Konkurrenz heran, denn der 2fache tschechische Nationalverteidiger wird vermutlich mehr als nur ein Ergänzungsspieler sein. Mit seinen 1,92 Metern wird er die Lufthoheit der Augsburger im eigenen Strafraum zusätzlich sichern und in einer Dreierkette so etwas wie einen verkappten Libero spielen.
Alternativen bieten sich sonst mit dem variablen Ex-Stuttgarter Timo Wenzel, dessen Karriere inzwischen aber ziemlich versackt ist, sowie mit dem Österreicher Patrik Pircher. Insgesamt ist zu erwarten, dass sich die ohnehin schon starke Defensive gegenüber der Vorsaison noch verbessert hat. Da war man mit nur 32 Gegentoren enorm solide und wurde nur von Hansa Rostock (30) unterboten.
Mittelfeld:
Ein Schlüssel zum Erfolg des FC Augsburg liegt definitiv im defensiven Mittelfeld. Mit zwei 6ern vor der Dreierkette verschafft Trainer Hörgl seinem Team die nötige Stabilität. Patrick Mölzl, Elton da Costa, Peter Hlinka und Mourad Hdiouad heißen die Kandidaten für die beiden Plätze. Da Costa und Hdiouad zeichnen sich durch Torgefahr aus, kamen sie doch beide im Vorjahr auf 5 Treffer. Speziell der 23fache marokkanische Nationalspieler Hdiouad trieb nach einer Eingewöhnungsphase die Augsburger gekonnt an und gehörte in der Vorsaison zu den besten Mittelfeldspielern der 2.Liga. Seine Tore erzielte er überwiegend durch (insgesamt 4) Elfmeter.
Mitentscheidend für die Frage, ob aus dem FC Augsburg ein ernsthafter Aufstiegsanwärter werden kann, ist die Frage, wie die beiden „Österreicher“ Ledezma und Hlinka den Sprung nach Deutschland bewältigen. Knüpfen sie an ihre Vorjahresleistungen an, ist der FCA im Mittelfeld hervorragend aufgestellt und Trainer Hörgl hat sogar fast zu viele Stammplatz-Kandidaten an Bord. Allerdings macht gerade das zentrale offensive Mittelfeld nach dem Abgang von Haas Sorge. Haas hatte hier in der Rückrunde groß aufgespielt und wird nur schwer zu ersetzen sein. In den letzten Spielen füllte Benjamin Kern die Position zufrieden stellend aus, aber eben nicht mit der Brillanz, mit der man sich im oberen Drittel der 2.Liga etablieren kann.
Auf den Außenseiten im Mittelfeld ist Lars Müller auf links weitgehend konkurrenzlos. Für die Position des erfahrenen Ex-Nürnbergers wird evtl. noch nach einer Absicherung gesucht. Rechts spielte meist Robert Strauß, dessen Talent mit 20 Jahren ausbaufähig ist. 2 Tore und 2 Vorlagen konnte er bei 26 Spielen in seiner ersten Zweitligasaison verbuchen.
Sturm:
Nach dem Abgang von Lawaree fallen 15 der nur 43 Tore aus dem Vorjahr weg. Da die übrigen Stürmer des Vorjahrs selten überzeugten und noch seltener trafen, könnte das neue Duo Szabics und Vorbeck gemeinsam auflaufen.
Felix Luz und Mamadou Diabang heißen die Alternativen. Letzterer ist Borussen-Fans aus dem Jahr 2003 im Gedächtnis geblieben, als er beim 4:1-Sieg Bielefelds drei Tore erzielte und Borussia im Alleingang abschoss. Nach weniger erfolgreichen Jahren in Bochum schlug er 2006 in Offenbach mit 8 Toren in 13 Rückrundenspielen groß ein. Doch der Zweitligist konnte finanziell nicht mithalten, so dass der FC Augsburg zuschlug. In den ersten Spielen des Vorjahres konnte der Senegalese nicht überzeugen, ehe ihn ein Achillessehnenriss für ein halbes Jahr außer Gefecht setzte. Kommt er wieder in die Form, die ihn in Offenbach oder dereinst in Bielefeld auszeichnete, würde er mit Szabics ein Angriffsduo bilden, das einen Lawaree mehr als nur vergessen macht.
Taktik:
Trainer Hörgl schwört auf ein 3-5-2-System und bewies damit im Vorjahr, dass man auch mit nur 3 Abwehrspielern kompakt stehen kann. Dafür sorgen die beiden defensiven 6er, die vieles vorab ausbügeln und die nominell nicht mal überragend besetzte Verteidigung gut dastehen lassen.
Breite des Kaders:
Spätestens durch die gezielten Zukäufe dieser Saison ist der Kader des FC Augsburg auf allen Positionen doppelt besetzt, so dass man sich um Verletzungen keine zu großen Sorgen machen braucht. Im Sturm bestehen allerdings recht viele Fragezeichen. Ein Szabics sucht seit Jahren nach seiner alten Form und Torgefahr. Ein Vorbeck muss noch beweisen, ob es bei ihm für mehr als Regionalliga reicht. Ein Diabang ist für seine Unbeständigkeit bekannt und muss nach seiner langen Verletzung zunächst einmal wieder auf die Beine kommen.
Trainer:
Rainer Hörgl tingelte in den ersten Jahren seiner Karriere durch Bayern (Burghausen, Schweinfurt) und Österreich (Graz, Bregenz), ehe er 2004 beim FC Augsburg aufschlug. Hier stieg der einstige Jugendtrainer des FC Bayern München in seiner zweiten Saison souverän auf und konnte den Verein gar sensationell stark auf Platz 7 etablieren, was seine Position im Verein enorm gefestigt hat.
Mögliche Aufstellung:
Neuhaus – Hertzsch, Drobny, Benschneider – Hdiouad, Hlinka – Strauß, Ledezma, Müller – Szabics, Vorbeck
Gesamteindruck/Prognose:
Der FC Augsburg hat einen mehr als ernstzunehmenden Kader. Die nach den letzten Erfolgsjahren extrem positive Stimmung hat zudem eine Euphorie ausgelöst, die bei gutem Saisonverlauf ganz nach oben tragen kann. Zwar überrascht diese Einschätzung, wenn man sich das reine Spielerpotential anschaut. Aber in der Gesamtheit stimmt es bei den Bayern, die somit zum erweiterten Favoritenkreis zu zählen sind. Gelingt es, den Abgang von Lawaree zu kompensieren und findet sich im offensiven Mittelfeld eine geeignete Lösung, so ist Platz 3 nicht unmöglich. Das Saisonziel, die Platzierung der Vorsaison mindestens zu wiederholen, sollte aber in jedem Fall realistisch sein.
Bisher im Zweitligacheck:
1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück
Erzgebirge Aue
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