|
|
Home Trainingslager Zweitliga-Check: TuS Koblenz
|
Zweitliga-Check: TuS Koblenz |
|
|
Geschrieben von Michael Heinen
|
|
Montag, 30 Juli 2007 |
Mit dem inzwischen 9. Teil des SEITENWAHL-Zweitliga-Checks tritt dieser bereits in seine 2. Hälfte ein. Quasi als Sandwich zwischen den beiden großen Derbys wartet Anfang Oktober die TuS Koblenz, die sich im Vorjahr als Aufsteiger beachtlich schlug und mit zwei bekannten Männern an der Seitenlinie auf eine bessere Zukunft hofft.
Ausgangslage:
Der Star sind die Trainer. Dem bundesligaerprobten Uwe Rapolder steht mit Mario Basler ein noch bekannterer Name zur Seite, der seine verkorkste Zeit als Cheftrainer bei Jahn Regensburg vergessen machen möchte. Koblenz kann aus den Jahren zwischen Nachkriegszeit und Bundesliga-Gründung auf eine langjährige Tradition verweisen. Damals firmierte man noch unter dem Namen TuS Neuendorf und zog dreimal in die Endrunde zur deutschen Meisterschaft ein (u.a. Halbfinal-Teilnahme 1948). Heutzutage ruft der seit 1982 bestehende Name TuS Koblenz bei Fußballfans nur selten irgendwelche Emotionen wach. Das möchte der Verein in den nächsten Jahren ändern. Dafür verfolgt man mit Basler eine ähnliche Strategie wie einst Bayer Leverkusen, das unter Calmund so publicitywirksame Leute wie Stepanovic, Schuster oder Völler zum Plastikklub lotste.
Das alles macht aber nur Sinn, wenn es auch sportlich weiter bergauf geht. Im zweiten Jahr nach dem Aufstieg wird man zunächst bemüht sein, so schnell wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. Nach Platz 12 im Vorjahr traut man sich trotz der prominenten Trainernamen und einiger Zugänge nicht, nach Höherem zu streben. Von einem Uwe Rapolder darf man aber erwarten, dass er Ambitionen besitzt, früher oder später wieder dorthin zurückzukehren, wo er sich 2005 auf dem Höhepunkt seiner Karriere schon einmal befunden hat.
Zu- und Abgänge:
Trotz des erfolgreichen Klassenerhalts war der neue Coach nicht vollständig von der Klasse seines Teams überzeugt. Insbesondere in der Breite war der Klub im Vorjahr nicht sonderlich stark besetzt, was man mit 10 Neuzugängen jetzt ausgebessert haben sollte.
Für die Abwehr wurden zwei Spieler von Partizan Belgrad verpflichtet. Innenverteidiger Branimir Bajic durfte 2003 in der Champions League ein 0:0 gegen Real Madrid zu verteidigen helfen, während es bei Marko Lomic nur zu Partien in der CL-Qualifikation reichte.
Der schnelle Dauerläufer Du-Ri-Cha macht sich bereits auf seine vierte Station im deutschen Profifußball. In Bielefeld, Frankfurt und Mainz wurde er anfangs im Angriff eingesetzt. Als man aber merkte, dass der Koreaner zu viele Chancen versiebte, wurde er ins Mittelfeld zurückgezogen, wo er nunmehr auf der rechten Seite flexibel einsetzbar ist. Während seine Torstatistik in Liga 1 mit nur 5 Treffern in 92 Spielen ernüchternd ausfällt, konnte er 2004/05 bei seiner bislang einzigen Zweitligasaison mit der Eintracht in 29 Partien 8 Tore markieren.
Fürs Mittelfeld wurden zudem noch einige Ergänzungsspieler mit Ardian Djokaj, Manuel Hartmann und Sascha Traut geholt. Nahezu komplett neu kommt der Sturm daher, wo vier Spieler hinzukamen. Abgegeben wurde Stefan Maierhofer, der es in der Rückrunde auf 3 Tore brachte und den Verein jetzt in Richtung Fürth verlässt. Der Verlust von Bakary Diakité, der sich nicht durchsetzen konnte und den man somit ohne Wehklagen nach Wehen weiterreichte, wird man ebenso verschmerzen können wie jenen der übrigen Ersatzspieler, die man abzugeben bereit war.
Mit Fatmir Vata holte Rapolder einen alten Weggefährten aus besseren Bielefelder Zeiten an die Mosel. Der zeckige Albaner, der zu den unbeliebtesten Spielern des Landes zählt, wird im September bereits 36 Jahre alt, so dass er in Zukunft wahrscheinlich aus Altersschwäche noch häufiger als ohnehin schon zu Boden fallen dürfte. Rapolder hofft aber, daß Vatas Klasse noch für einen mittelklassigen Zweitligisten ausreicht, obwohl sein hohes Alter, ein Kreuzbandriss im Vorjahr und die damit verbundene, fehlende Spielpraxis ein gewisses Risiko darstellen.
Dragan Bogavac empfahl sich durch überzeugende Leistungen in Burghausen für einen Transfer, wo der schnelle, technisch starke Stürmer meist alleine in der Sturmmitte aufgestellt wurde und in 62 Zweitligapartien 18 Tore erzielte. Aber auch der Makedonier Artim Polozzani und das Schalker Talent Tayfun Pektürk sind ambitioniert, sich einen Platz im Team zu ergattern.
Tor/Abwehr:
Bei den Torhütern ist man zwar nicht, wie Rapolder meint, von allen Zweitligisten am besten besetzt. Mit drei nahezu gleichwertigen Keepern kann aber zumindest in punkto Ausgeglichenheit kaum ein Ligakonkurrent mithalten. Aufstiegstorwart Michael Gurski wurde in der vergangenen Vorrunde weiter das Vertrauen ausgesprochen. Als zum Ende die letzten vier Spiele mit 10 Gegentoren verloren gingen und der Keeper dabei nicht immer glücklich aussah, hielt man nach Konkurrenz Ausschau. Es kam der 1,98m große Serbe Djordje Pantic, der in diversen Belgrader Mannschaften Erfahrungen gesammelt hatte. Doch wie es so schön heißt: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Dennis Eilhoff überzeugte Ex-Coach Sasic in der Winterpause so sehr, dass er seine Chance bekam. Trotz eines Patzers direkt im ersten Rückrunden-Spiel blieb der Ex-Bielefelder im Kasten und fortan abgeklärt und weitgehend fehlerlos. Nachdem er jahrelang vergeblich darauf wartete, Mathias Hain bei der Arminia beerben zu dürfen, könnte er jetzt sein Glück gefunden haben. Obwohl sich Eilhoff zuletzt mit Problemen an der Achillessehne plagte, hat Rapolder sich dafür entschieden, mit ihm als Nr.1 in die Saison zu starten.
Überhaupt ist der TuS-Trainer bereits relativ weit festgelegt. Seine Viererkette wird zu Beginn voraussichtlich in der Besetzung Forkel, Mavric, Bajic, Lomic auflaufen.
Martin Forkel ist ein 1,71m kleiner, kompakter Rechtsverteidiger, der fünf Jahre für Burghausen spielte, hier aber Anfang 2005 durch das peinliche 1:8 gegen den 1.FC Köln in Ungnade fiel. Fortan fand er sich vermehrt auf der Bank wieder, was sich nach seinem Wechsel nach Koblenz im Vorjahr zunächst fortsetzte. Sein Konkurrent heißt Brenny Evers, ist ein 28jähriger Holländer und war unter Sasic gesetzt. Erst ein Fingerbruch und die neuen Ideen eines Rapolder änderten die Situation zu Forkels Gunsten.
Innen ist Matej Mavric nach halbjähriger Ausleihphase jetzt fest von Molde FK verpflichtet worden. Auch der 28fache slowenische Nationalspieler konnte sich erst unter Rapolder in den letzten Wochen so richtig durchsetzen, leistete dann aber durch kämpferisches, solides Spiel seinen Beitrag zum Klassenerhalt. Zudem ist er kopfballstark.
Sein Partner wird Neuzugang Bajic sein, dessen Zweikampfstärke und Stellungsspiel zur Stabilisierung der Defensive beitragen sollen. Technisch hat er seinem Konkurrenten Joshua Grenier einiges voraus. Der 28jährige US-Amerikaner spielte in seiner Jugend Eishockey, was auch heute noch auf sein robustes, limitiertes Spiel ausstrahlt. Allein seine Maße (90 kg bei 1,86m) sagen einiges über seine Statur und sein Spiel in der Abwehr aus.
Auch Andreas Richter hofft, seinen Stammplatz aus der Vorsaison gegenüber Bajic verteidigen zu können. Insgesamt hat man also in der Innenverteidigung vier relativ gleichwertige Spieler, wenngleich auf überschaubarem Niveau. Links hinten ist der schnelle, technisch starke Lomic eingeplant. Er konkurriert mit Frank Wiblishäuser, der derzeit wieder einmal verletzt ist. Schon in seinen 5 Jahren in Nürnberg stand er oft kurz vor der Sportinvalidität, was ihn immer wieder zurückwarf.
Mittelfeld:
Manuel Hartmann und Goran Sukalo haben momentan die besten Karten, die beiden vorgesehenen 6er-Positionen auszufüllen. Der 23jährige Hartmann hat sich in der Regionalliga bei den Stuttgarter Kickers bewährt, hat einen starken Schuss, ist aber nicht der Schnellste. Genau wie Sukalo ist er groß und verfügt über einen guten Kopfball. So werden diese beiden bei Standards mit nach vorne gehen und für Torgefahr sorgen. Der Slowene Sukalo erzielte letztes Jahr bereits 7 Tore, ist erfahren, taktisch und technisch gut geschult.
Insbesondere Hartmann wird sich aber mühen müssen, um gegen Routinier Rüdiger Ziehl zu bestehen, der in den letzten 3 Jahren Stammspieler im defensiven Mittelfeld der TuS gewesen ist. Der 29jährige ist ein unermüdlicher Dauerläufer, der jedem Ball und Gegner bis zum Umfallen hinterher rennt.
Im linken Mittelfeld plant Rapolder vorläufig mit Neuzugang Ardian Djokaj. Neben dem talentierten, aber konditionsschwachen Phillip Langen und dem vielseitigen Sascha Traut sind insbesondere auch Vata und Pektürk offensive Varianten für diesen Posten.
Rechts spielte in den letzten 3 Jahren unter Sasic regelmäßig Evangelos Nessos. Er könnte von Rapolder aber für den offensiveren Bogavac geopfert werden. Auch Traut oder Du-Ri-Cha sind Alternativen. Allassane Ouedraogo ist zwar aus Oberhausener Zeiten zweitligaerfahren, konnte sich aber in Koblenz im Vorjahr auf der Position nicht durchsetzen.
Sturm:
Die Offensive wird durch ein Balkan-Trio bestimmt, auf dem nahezu alle Hoffnungen ruhen. Neben dem quirligen Wühler Vata agiert Anel Dzaka als hängende Spitze. Von dort ist er durchaus torgefährlich (9 Treffer im Vorjahr) und traut sich coulibaly-like oft aus der Distanz abzuziehen. An guten Tagen kann er ein Spiel allein entscheiden. Dafür taucht er aber oft auch wochenlang komplett ab.
Der Serbe Bogavac komplettiert das Trio, bei dem sich nur zeigen muss, in welcher Ausrichtung sie spielen werden. Für den 1,69 Meter kleinen Bogavac, der 4 seiner 10 Tore aus dem Vorjahr erstaunlicherweise per Kopf erzielte, kommt ebenso ein Platz in der Sturmmitte wie auf der rechten Außenbahn in Frage.
Eine interessante Alternative bietet sich mit Tayfun Pektürk, der seinem Vornamen alle Ehre machte, indem er mit zwei Toren im Testspiel über Slavia Prag hinwegfegte. Der Deutsch-Türke kam aus der Schalker Jugend und gilt als technischer Rohdiamant, der im Sturm ebenso wie im linken, offensiven Mittelfeld einsetzbar ist. Zu Beginn dürfte er als Edeljoker dienen. Ein solcher war im Vorjahr Kenan Sahin, der als dribbelstark, aber auch als abschlussschwach gilt.
Als talentierte Alternative hat man den 25jährigen Mazedonier Artim Polozzani verpflichtet, der ein dribbelstarker Vorbereiter mit gutem Schuss ist. Insgesamt fällt auf, dass man sich im Sturm eher auf kleine, spielstarke Spieler spezialisiert hat, so dass Borussias kopfballstarke Abwehr im direkten Duell eher am Boden gefordert werden wird. Einzig bei den Standards, die den TuS im Vorjahr auszeichneten, wird man in der Luft aufpassen müssen, da in der Defensive einige kopfballstarke Spieler lauern.
Taktik:
Momentan plant Rapolder mit einem 4-4-2, wobei das Balkan-Trio vorne variabel rochieren dürfte. Auch ein 4-3-3 ist mit dem Spielermaterial umsetzbar, obwohl der großgewachsene Stoßstürmer in der Mitte nach dem Abgang von Maierhofer nicht mehr vorhanden ist.
Breite des Kaders:
Dank der Neuzugänge ist Koblenz erstaunlich breit aufgestellt. Für alle Positionen gibt es gleich mehrere Alternativen, die zumeist nicht mal einen allzu großen Qualitätsverlust darstellen würden.
Trainer:
Wie schnell man vom modernen Trainer-Vorbild zum überschätzten Versager mutiert, diese Erfahrung machte Uwe Rapolder 2005 innerhalb eines halben Jahres. In der Saison 2004/05 führte er die aufgestiegene Arminia aus Bielefeld ins sichere Mittelfeld und wurde für seinen Konzeptfußball landesweit geachtet und gerühmt. Ambitioniert sagte er dem 1.FC Köln zu, der vor dem Wiederaufstieg in die Eliteliga stand und sich dort wieder fest etablieren wollte. Doch das Unternehmen ging gewaltig schief. Trotz einiger namhafter Neueinkäufe verblieb man auf einem Abstiegsplatz und zum Ende der Vorrunde beendete der FC das Arbeitsverhältnis mit dem gescheiterten Rapolder. Nachdem er bereits 2001 bei Waldhof Mannheim und 2002 beim LR Ahlen jeweils in akuter Abstiegsgefahr entlassen worden war, hatte sich der Kreis quasi wieder geschlossen und es fanden sich überraschenderweise kaum noch Interessen für den im Sommer 2005 so umworbenen Coach. Dennoch kam der Wechsel zur farblosen TuS Koblenz ein wenig überraschend. Zumal Rapolder sich in Gefahr begab, gar wieder zurück in die Regionalliga zu müssen, wo er 1997 bereits mit dem SV Waldhof zwei Jahre verbracht hatte. 4 Spieltage vor Schluss behauptete er sich aber als Feuerwehrmann und verhalf dem Aufsteiger mit 3 Siegen in Folge zum Klassenerhalt.
Mögliche Aufstellung:
Eilhoff – Forkel, Bajic, Mavric, Lomic – Bogavac, Sukalo, Hartmann, Pektürk – Vata, Dzaka
Gesamteindruck/Prognose:
Koblenz hat einen interessanten Kader auf die Beine gestellt, der für das 2. Jahr in Liga 2 gut gerüstet ist. Etwas optimistisch erscheint das Vertrauen in den alternden Vata. Mit Bogavac, Pektürk oder Cha hat man aber im Sturm einige ordentliche Alternativen, die das Team schwer ausrechenbar machen. Hinten sind die beiden Belgrader schwer einzuschätzen, sollten der Defensive aber mehr Stabilität verleihen. Insgesamt sollte man so mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Man wird vielmehr ins obere Drittel hineinschnuppern, ehe man am Ende eine Position zwischen 8 und 12 erreicht.
Bisher im Zweitligacheck:
1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück
Erzgebirge Aue
FC Augsburg
FC St. Pauli
Alemannia Aachen
|
|