Bundesliga 2011/2012

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SEITENwechsel, der 34. Drucken
Geschrieben von Mike Lukanz   
Dienstag, 31 Juli 2007
ImageLieber Mike, liebe Seitenwähler,

herzlich willkommen zur Bundesliga der Herzen! Endlich haben wir uns alle wieder: Ball, Spieler, Fans und VfLs blicken besorgt, beschwingt, begeistert nach vorn. Das tut ganz gut nach viel Larifari in den letzten Wochen. Bald geht es endlich los, bald wissen wir, wo unsere VfLs nach gefühlten 40 Testspielen und geschossenen 200 Toren stehen. Dass diese "Jetzt zählt's"-Phase gerade mit einem Vfduell im Pokal anfangen muss, da hast du recht, zeugt von einem kruden Humor des Fußballgottes. Er mag ja recht haben: Eine Gladbacher Niederlage in Karlsruhe und ein Osnabrücker Debakel gegen Fürth wären furchtbarer gewesen. Aber warum losen die Hivis vom DFB nicht einfach Heimspiele gegen Rostock und Offenbach? Nun müssen wir uns mit einem VfL in der 2. Runde begnügen - er hat es nicht anders gewollt.

Du schreibst von einem "Ausflug in die große Bundesligawelt" und im gleichen Atemzug von Bayern München, Klose, Toni und Schweinsteiger. Das passt für mich nicht recht zusammen! Die große Bundesligawelt - das, lieber Mike, sei dir noch einmal gesagt - dreht sich in diesem Jahr in Köln, Freiburg, Kaiserslautern, Mainz, Achen - ja, und auch in Gladbach und Osnabrück. Anderswo, in den niederen Sümpfen fragwürdiger Großmannssucht, wird womöglich die deutsche Meisterschaft entschieden. Aber hallo? Wenn man dort derlei monetärer Stimulanzen bedarf, um in Stadien "höchster sexueller Erregung" (deine Worte!) vorzudringen, gönnen wir's ihnen. Dazu braucht es in Gladbach und Osnabrück nicht erst jemanden, der sich mit einem Traumtor zurückmeldet.

Die VfLiebe ist allerdings rarer gesät als man denkt. In Hamburg zum Beispiel fordert sie Kopfschütteln heraus. Hamburg, das ist die Stadt in Deutschland, in der die versammelte Sportkompetenz des DSF nicht in das örtliche DVB-T-Bukett eingeflochten ist. Das heißt: Fernsehzuschauer ohne Kabel- oder Satellitenempfang bleiben von der Bundesliga der Herzen komplett abgeschnitten. Mehreren vermeintlich mitleidigen Zeitgenossen machte ich das Angebot, ihnen ein Premiere-Abo zu bezahlen, denn auch dafür ist die Voraussetzung Kabel- oder Satellitenempfang. Der vorgeschlagene Deal: Ich zahle und darf gucken kommen, wann ich will. Begeisterung allenthalben: "Ja, gern, dann können wir ja Freitagabend und Samstagnachmittag und vielleicht auch Sonntagabend immer schön Bundesliga gucken!" Nein. "Das könnt ihr gern. Mir geht es drum, dass ich immer freitags am frühen Abend und Sonntagnachmittag kommen darf. Alles andere ist mir egal!" Ich suche weiter.

Ihr Gladbacher habt euch ordentlich verstärkt. Oder anders: Ihr habt einige neue Spieler verpflichtet und seid von außen besehen ganz gut aufgestellt. Das gilt auch für Osnabrück, gemessen an anderen Mitteln natürlich. Eigentlich ist alles angerichtet, eigentlich könnte euer Sharbel Touma Samstag das 1:0 machen, das dann von unserem Rouwen Hennings ausgeglichen wird. Wenn alle Neuzugänge einschlagen, geht das Spiel 7:7 aus, und am Ende gibt's Elfmeterschießen. Dann, versprochen, kreieren unsere Chefdesigner umgehend ein Christian Ziege-Gedächtnisshirt, mit goldenen Lettern und Ziegenbart des Propheten.
Übrigens hast du recht: Gladbach braucht den Sieg im Pokal eher als Osnabrück. Das hülfe aber alles nichts, wenn am Samstag Osnabrück gewänne. Dann hätte die Borussia unweigerlich ihre erste Krise, bevor
die Saison überhaupt angefangen hat. Ist Gladbach wirklich angekommen in der Realität der Bundesliga der Herzen, wenn es einen Auswärtssieg bei einem Ligakonkurrenten zur Voraussetzung für einen gelungenen Saisonstart macht? Oder erinnert dieses Selbstverständnis eher an den 1. FC Köln der letzten Spielzeit?

Verdächtig harmonisch seien wir, schreibst du und wähnst die Ruhe vor dem Sturm. Wir sind immer harmonisch, antworten wir, fußballgottfromm dazu und harren der Dinge, die da kommen. Und ein Glas Wasser haben wir uns eingeschenkt. Für den nahenden Sturm.

"Gut Sport" oder "Frisch auf" oder was auch immer: Schön, dass wir wieder voneinander lesen.

Beste Grüße, bis nächste Woche.
Maik

Neue Saison, neue (und gleiche) Liga, aber altes Prinzip. Auch in dieser Saison heißt es: Auf schillernde Juwelen kann man von vielen Seiten blicken und staunen. Seit 1997 bereits blickt SEITENWAHL für seine Leser auf das Gladbacher Geschehen, 2004 gesellte sich der VfLog dazu. Beide Projekte haben ihren eigenen unverwechselbaren Charme. Seit Beginn der Saison 06/07 kommt es zum SEITENwechsel: SEITENWAHL und VfLog pflegen einen Briefwechsel, in dem alles möglich ist: Fachsimpelei, Verbalfouls, Streit und Harmonie. Solange die Tinte reicht, wird auf www.seitenwahl.de und www.VfLog.de künftig nach Spieltagen der Brief der jeweils anderen Seite veröffentlicht. Auch in der neuen Saison - wenn nicht jetzt, wann dann? - werden der VfLog und SEITENWAHL die Lage der VfLs aus ganz persönlicher Sicht kommentieren.