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Zweitliga-Check: SpVgg Greuther Fürth |
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Geschrieben von Michael Heinen
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Mittwoch, 01 August 2007 |
Der SEITENWAHL-Zweitliga-Check nähert sich langsam seinem Ende. Während morgen bereits die Saison mit dem DFB-Pokal beginnt, hat die Liga noch eine Woche länger Zeit. Die SpVgg Greuther Fürth steht vor einem schwierigen Jahr, die ein neuer Trainer zu bewältigen hat. Mit einer runderneuerten Elf geht es für Bruno Labbadia im ersten Pflichtspiel gleich zurück an die alte Wirkungsstätte, da Fürth im Pokal auf Darmstadt 98 trifft.
Ausgangslage:
„Jugend forsch“ heißt es in der kommenden Saison bei der SpVgg Greuther Fürth. Mit einem Durchschnittsalter von knapp über 23 Jahren vertraut man dem jüngsten Kader des Profifußballs. Zahlreiche aktuelle und ehemalige Junioren-Nationalspieler des DFB tummeln sich unter der Leitung des neuen Trainers Bruno Labbadia, der damit die schwerwiegenden Verluste zahlreicher Leistungsträger zu kompensieren versucht. Nachdem man in den letzten 7 Spielzeiten der 2. Liga 6mal den 5. Platz belegt hat, wäre man in dieser Saison über eine solche Platzierung heilfroh.
Zu- und Abgänge:
Der sportliche Aderlass ist bei den Franken gewaltig. Gleich sieben Spieler verließen den Verein, die es im Vorjahr auf mehr als 20 Einsätze für den Verein brachten. Darunter das vielleicht beste Innenverteidiger-Paar der Zweitliga-Saison. Mijatovic (Bielefeld) wie Kleine (Hannover) versuchen ihr Glück nun in Liga 1 und stellen ihren alten Verein damit vor Probleme. In der Offensive schmerzt besonders der Verlust der beiden neben Kleine (9 Treffer) torgefährlichsten Spieler der Vorsaison. Christian Timm (12 Tore) zieht es nach Karlsruhe und Danny Fuchs (7 Tore, 10 Vorlagen) zum VfL Bochum.
Daneben machen sich die Zugänge eher bescheiden aus. Wie es sich für einen ehemaligen Stürmer gehört, holte Labbadia für diesen Bereich gleich drei neue Akteure. Am Magdeburger Torjäger Aleksandar Kotjulac soll angeblich auch Borussia Interesse gezeigt haben. Dem immerhin schon 26jährigen Strafraumstürmer gelang einst in Hannover nicht der Durchbruch, so dass er gar bis in die Oberliga runtergereicht wurde. Hier verhalf er Magdeburg vorletztes Jahr mit seinen Toren zum Aufstieg, ehe er sich schwer verletzte und die komplette Hinrunde der Vorsaison ausfiel. Als er anschließend aber fulminant mit 9 Toren in 17 Spielen zurückkehrte, wurde u.a. Fürth auf ihn aufmerksam. Mit seiner dynamischen, robusten Art erinnert der 1,80m große Wühler von der Art an seinen jetzigen Trainer. Es darf aber bezweifelt werden, dass er in der 2.Liga die zuletzt hohe Torquote aufrechterhalten kann.
22 Zentimeter größer ist Stefan Maierhofer, der zuletzt für ein halbes Jahr von den Bayern an TuS Koblenz ausgeliehen war, dort aber nur bedingt überzeugte (3 Tore in 14 Spielen). Der Österreicher kam 2005 zu den FCB-Amateuren, wo er sich zum Kapitän mauserte und es in der Vorrunde 06/07 auf 11 Tore in der Regionalliga brachte. Auch bei den Profis durfte er damals hereinschnuppern und wurde von Felix Magath zweimal eingewechselt. Damit darf er sich neben Jan Koller und Stefan Brasas als größter Bundesliga-Profi aller Zeiten fühlen. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Stärke des gelernten Kochs das Kopfballspiel. Da er sich Hoffnungen macht, an der EM 2008 im eigenen Land teilnehmen zu dürfen, wird er besonders motiviert sein sich durchzusetzen.
Ein weiterer Regionalliga-Torjäger ist Bernd Nehrig, der für den VfB Stuttgart 18 Tore in 37 Regionalliga-Partien vorweisen kann. Sein erster Ausflug in die 2. Liga ging schief. In der letzten Rückrunde wurde er nach Unterhaching ausgeliehen, wo er aber nur auf 3 Spiele (kein Tor) kam.
Drei Spieler sind es auch, die im Mittelfeld den Kader verstärken sollen. Leonhard Haas kommt von Ligakonkurrent Augsburg, wo er sich in der vergangenen Rückrunde zum Stammspieler auf der Spielmacher-Position entwickelte. In 13 Partien erzielte er 5 Tore und legte 3 weitere vor. Wenngleich er in der Regionalliga zuvor nur auf ähnliche Zahlen kam, traut ihm Labbadia weiteres Steigerungspotential zu.
Auf den endgültigen Durchbruch im Profifußball hofft Marco Caligiuri, der aus der Stuttgarter Jugend stammt, im Winter 2005/06 aber nach Duisburg wechselte, weil er sich dort bessere Chancen ausrechnete. Gleich im ersten Spiel markierte er beim Trainerdebüt von Jürgen Kohler den 1:0-Siegtreffer für den MSV – ausgerechnet beim VfB Stuttgart, wo Startrainer Trapattoni düpiert wurde. Einen ähnlich spektakulären Auftritt hatte er im Vorjahr beim Hinrunden-Spiel des MSV in Fürth. Die Gastgeber führten bereits 2:0 zur Pause, ehe der Deutsch-Italiener eingewechselt wurde und mit 2 Toren sowie einem Assist Mann des Tages beim 5:3-Erfolg seines alten Teams wurde. Trotz solcher lichter Momente, die der eher defensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler hat, fehlte ihm die positive Konstanz, um sich dauerhaft in der Startelf zu positionieren.
Aus Burghausen, wo er 2005 hingewechselt war, kehrt Thorsten Burkhardt zurück. Dort war er gleichfalls wie in den 3 Jahren zuvor bei Fürth Stammspieler. Seine Rückennummer ist die 10 und zeigt an, auf welcher Position er auch in Zukunft eingesetzt werden möchte. Zuletzt war er deutlich torgefährlicher als in seiner ersten Zeit im Ronhof und übernahm beim Zweitliga-Absteiger auch Führungsaufgaben.
Während Sascha Kirschstein als Alternative für Loboue im Tor gilt, kann U21-Nationalspieler Tom Bertram von RW Erfurt als Alternative in der Innenverteidigung angesehen werden. Mit Marino Biliskov ist hier wiederum ein bekannter Name für die Stammformation vorgesehen. Der Kroate hatte 2004/05 nach 6 Jahren seinen Stammplatz beim VfL Wolfsburg eingebüßt und auch anschließend in Duisburg nur bedingt überzeugt. Ein weiteres Jahr bei Iraklis Saloniki saß der 1,95m große Recke vorwiegend auf der Bank, so dass er auf drei schwache Jahre in Folge zurückblickt.
Neben Biliskov ist Asen Karaslavov für die Rolle des Abwehrchefs vorgesehen. Vom Bulgaren hält Bruno Labbadia schon nach einer Trainingswoche sehr viel. Der 14fache Nationalspieler war bei Slavia Sofia Kapitän und hat somit Leader-Qualitäten, die einem Marek Nikl abgehen, weshalb der Nürnberger eben nicht verpflichtet wurde. Karaslavov ist ein ruhiger, sachlicher Verteidiger, der bei Bedarf aber auch mit in die Offensive geht. Genau wie Biliskov ist er mit seinen 1,86 Metern kopfball- und zweikampfstark. Inwiefern er allerdings seine Nebenleute dirigieren kann, ohne die deutsche Sprache zu beherrschen, wird sich zeigen.
Tor/Abwehr:
Bruno Labbadia hat sich im Tor noch nicht auf seine endgültige Nr.1 festgelegt. Die bisherige Nr. 1, Stephan Loboue wird durch Neuzugang Sascha Kirschstein herausgefordert. Der Ivore verdrängte im Vorjahr den langjährigen Fürther Keeper Borut Mavric, nachdem dieser am 16.Spieltag eine Rote Karte gesehen hatte. Loboue überzeugte dabei so sehr, dass Mavric im März seinen Vertrag bei den Fürthern auflöste. Schon von 2002-2004 stand der 1,94m große Keeper bei der SpVgg unter Vertrag, kam damals aber noch nicht zum Zuge, so dass er nach Paderborn wechselte. Hier spielte er eine gute Regionalliga-Saison, ehe er sich zu Beginn der Zweitliga-Saison 2005/06 schwer verletzte. Als er in der Winterpause ein Trainingcamp schwänzte, um an einem Lehrgang mit der Nationalelf der Elfenbeinküste teilzunehmen, wurde er von Jos Luhukay aussortiert, was seinen Wechsel zurück nach Fürth ermöglichte.
Ähnlich bewegend verlief die Karriere des Sascha Kirschstein, der von 2002-2004 zwei sehr starke Jahre bei Rot-Weiß Essen in der Regionalliga hatte. Auch Borussia soll damals kurzzeitig auf ihn aufmerksam geworden sein, wenngleich der Braunschweiger schließlich beim HSV landete. Hier kam er zunächst weder an Pieckenhagen noch an Wächter vorbei, so dass er 1 ½ frustrierte Jahre auf der Bank absaß. Erst in der Rückrunde der Saison 2005/06 kam endlich seine große Chance, die er gleich ordentlich nutzte, ohne an die überragende Form aus der Essener Zeit anzuknüpfen. Die Champions League im darauf folgenden Jahr wurde für ihn eher Fluch als Segen. Zunächst sah er gegen Arsenal die Rote Karte wegen einer Notbremse. Nach dem 1:3 in Porto und einer insgesamt bis dahin durchwachsenen Saisonleistung entschloss sich Trainer Doll, doch wieder auf Stefan Wächter und später auf Frank Rost zu setzen. Fortan machte Kirschstein kein Spiel mehr, ehe er nun also in die 2.Liga wechselte.
Zur Innenverteidigung ist bereits alles gesagt. Biliskov und Karaslavov haben hier mit ihrer Routine die Nase vorn und sollen zum neuen Traumpaar reifen. Bertram und Talent Jan Mauersberger sind als Ergänzungen eingeplant.
Auf der Linksverteidiger-Position ist Timo Achenbach bislang konkurrenzlos, weshalb man hier noch nach Alternativen schaut. Der 24jährige stammt aus der Dortmunder Jugend, war U21-Nationalspieler, konnte sich beim 1.FC Köln aber nicht durchsetzen. Auch in Fürth hatte er zunächst Probleme, ehe er im letzten Jahr eine gute Saison spielte, was u.a. Christian Ziege veranlasste, ihn zu beobachten. Trotz einer gewissen Schnelligkeit wäre Achenbach aber kein Spieler, der Borussia z.B. im Vergleich zu einem Compper maßgeblich weiterbringen würde.
Rechts hinten spielt mit Daniel Felgenhauer ein Ex-Borusse, der inzwischen in die Verteidigung zurückgerutscht, von hier aus aber bemüht ist, offensive Flankenläufe zu starten. Ähnlich wie Achenbach hatte er in Fürth zwischenzeitlich schlechte Karten, konnte in der letzten Rückrunde dann aber überzeugen. Er ist schnell, kann gefährliche Freistöße schießen, ist in der Offensive aber zu wenig effektiv. Mit 31 Jahren ist er neben dem gleichalten Biliskov bereits der älteste Spieler im Kader der Kleeblätter.
Mittelfeld:
Im defensiven Mittelfeld drängt Caligiuri ins Team. Dort sollte allerdings Talent Juri Judt gesetzt sein, der mir seinen 21 Jahren bereits auf zwei Jahre als Stammspieler zurückblicken kann. Der gebürtige Kasache ist einer der vielen Spieler, die in der U19 Deutschlands Meriten gesammelt haben. Selbiges gilt für den etwas offensiveren Daniel Adlung, der vornehmlich im rechten Mittelfeld zuhause ist. In der Offensive hat er neben Haas und Burkhardt gute Chancen auf Einsätze.
Als Ergänzungen gelten defensiv Markus Karl und Martin Lanig, sowie offensiv Stephan Schröck, die langweiligerweise ebenfalls als große Talente gelten.
Sturm:
5 Stürmer streiten sich im Sturm um die vermutlich zwei freien Plätze. Neben den bereits vorgestellten 3 Neuen sind dies Stefan Reisiger sowie Cidimar da Silva. Der Brasilianer wurde im Winter der Vorsaison eher als Notlösung verpflichtet, weil kein besserer Stürmer auf dem Markt verfügbar schien. Der kompakte Strafraumstürmer (82kg bei 1,83m) traf dann aber beachtliche 5mal in nur 12 Einsätzen, und wurde als Joker gar zum Publikumsliebling, den die Fans hinter Kleine zum zweitbesten Fürther der Saison wählten. Seine Stärke ist insbesondere das hervorragende Kopfballspiel, mit dem er 4 seiner 5 Tore erzielte.
Konkurrent Stefan Reisiger ist eher ein spielender Stürmer, der gerne auch für seine Kollegen auflegt. Nach einer herausragenden Saison 2004/05, in der er für Wacker Burghausen 15 Tore erzielte, enttäuschte er bei 1860 München und auch bei der SpVgg konnte der schnelle Stürmer in den vergangenen 1 ½ Jahren keine Bäume ausreißen. Nur 3 Tore verbuchte er letztes Jahr, als er aber auch nicht durchgängig zum Stamm gehörte.
Taktik:
Angesichts des vorhandenen Spielermaterials sollte sich ein 4-4-2-System anbieten. Für ein 4-3-3 hat man zwar mit Cidimar und Maierhofer zwei gute Strafraumspieler. Allerdings ist nicht zu erkennen, wer sie mit gezielten Flanken versorgen sollte.
Breite des Kaders:
Quantitativ ist Fürth auf nahezu allen Positionen einigermaßen ordentlich besetzt. Lediglich auf den Außenbahnen besteht noch dringender Handlungsbedarf, was allerdings auf links mit Sicherheit noch bis zum Saisonstart vollzogen werden wird.
Trainer:
Auf seiner ersten Trainerstation in Darmstadt gelang Bruno Labbadia direkt im ersten Jahr 2004 der Aufstieg aus der Oberliga Hessen. In der darauf folgenden Regionalliga-Saison hielt er die 98er nicht nur in der Liga, sondern führte sie gleich zu einem beachtlichen 5. Platz, den er im Vorjahr gleich noch mal wiederholte. Auch wenn man beide Male mit dem Aufstieg nie ernsthaft zu tun hatte, weil die Konkurrenz jeweils zu weit enteilt war, musste der Ex-Bayer mit dieser Statistik einfach zum ewigen 5. aus Fürth wechseln. Als ehemaliger Stürmer ist es kein Wunder, dass Labbadia stets bemüht ist, offensiven Fußball spielen zu lassen.
Mögliche Aufstellung:
Kirschstein – Felgenhauer, Karaslavov, Biliskov, Achenbach – Adlung, Judt, Haas, Burkhardt – Cidimar, Kotuljac
Gesamteindruck/Prognose:
Bruno Labbadia hat keinen einfachen Job angenommen. Die Mannschaft hat sich personell deutlich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert und wird in der Zusammensetzung kein ernsthafter Aufstiegskonkurrent für Borussia sein. Viel, wenn nicht gar alles, wird davon abhängen, wie die zahlreichen Talente einschlagen. Selbst die etablierten Adlung und Judt müssten noch einen gewaltigen Schritt in ihrer Entwicklung zulegen, wenn man Platz 5 ein weiteres Mal wiederholen möchte. In der Verteidigung ist das Vertrauen in den zuletzt schwachen Biliskov etwas sehr groß. Sollte auch der hoch gelobte Bulgare Karaslavov nicht wie erwünscht einschlagen, droht hier ein Fiasko. Insgesamt führen die Franken ein gewagtes Spiel, mit dem sie vermutlich eher fünftletzter werden dürften. Setzt Labbadia jedoch das um, was er in Darmstadt andeutete, sollte für diese Saison zumindest ein gesicherter Mittelfeldplatz möglich sein, auf den man mit der jungen Mannschaft in der Zukunft aufbauen könnte.
Bisher im Zweitligacheck:
1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück
Erzgebirge Aue
FC Augsburg
FC St. Pauli
Alemannia Aachen
TuS Koblenz
1.FC Köln
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