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Zweitliga-Check: SC Freiburg Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Montag, 06 August 2007
ImageDie Pokalaufgabe beim Oberligisten aus Villingen war für die Freiburger schwieriger als erhofft. Erst spät sorgte man für die Entscheidung beim 3:1-Sieg, deutete aber an, dass noch einige Abstimmungsprobleme bestehen. Einige Verletzte sowie zahlreiche Neuzugänge, die einigen bekannten Abgängen gegenüberstehen, sorgen für Probleme, die ein neuer Trainer zu lösen hat. Ob Robin Dutt mit seiner Arbeit an die Erfolge eines Volker Finke anknüpfen kann oder ob das Präsidium schon bald seine umstrittene Entscheidung gegen die SC-Ikone bereuen wird. Der SEITENWAHL-Zweitliga-Check versucht, sich den Antworten auf diese Fragen anzunähern.

Ausgangslage:
16 Jahre Volker Finke haben in Freiburg ein Ende gefunden – und dies mit einem gewaltigen und unschönen Paukenschlag. Denn nachdem der Abgang des Erfolgscoaches frühzeitig verkündet worden war, startete die Elf eine beispiellose Siegesserie und wäre beinahe noch in Liga 1 aufgestiegen. Kein Wunder, dass sich bald Proteste über den Abgang der SC-Ikone regten und einige Fans alles daran setzten, die Entscheidung des etwas voreiligen Präsidiums doch noch umzukehren. Finke-Nachfolger Dutt wird bemüht sein, möglichst bald aus dem Schatten seines großen Vorgängers zu treten, der in seiner Zeit dreimal in Liga 1 aufgestiegen war. Zuletzt reichte es zweimal in Folge zu einem 4. Platz in Liga 2, was die Breisgau-Elf auch in diesem Jahr zu den Favoriten auf den Aufstieg zählen lässt.
 

Zu- und Abgänge:
Notgedrungen musste der SC eine komplett neue Mannschaft aufbauen. Fünf langjährige Stammspieler, welche die Finke-Ära stark mitbestimmt hatten, verließen den Verein. Freiburg war und ist weiter bemüht, diesen sportlichen Verlust durch erfahrenen Ersatz zu kompensieren, um auch im kommenden Jahr konkurrenzfähig zu bleiben.  

In der Abwehr waren Diarra und Hansen zuletzt nur bedingt Stammspieler und sollten ersetzbar sein. Schwieriger erscheint es, den Weggang von Mohamad nach Köln zu verkraften. Mit Oliver Barth hat man bereits einen 27jährigen Defensiv-Allrounder verpflichtet, der bislang aber nur in der Regionalliga (zuletzt in Düsseldorf) seine Qualitäten andeutete. Daher soll noch ein weiterer Spieler für die zentrale Position in der Abwehr kommen.
 

Mit Heiko Butscher hatte man ohnehin schon einen erfahrenen Innenverteidiger hinzu bekommen, der 2005/06 erst spät den Weg in den Profifußball fand. Damals holte der VfL Bochum den inzwischen 27jährigen von den Stuttgart-Amateuren und konnte in den letzten zwei Jahren auf einen soliden Verteidiger bauen, der auch links oder vor der Abwehr zum Einsatz kommen kann. Mit seinen 1,89 Metern ist er zudem kopfballstark.
 

Die meisten Veränderungen sind im Mittelfeld vorgenommen worden, wo Riether, Coulibaly und Antar weggebrochen sind. Die erfahrenen Günes, Banovic und Kruppke sowie der talentierte Kevin Schlitte sollen helfen, sie zu ersetzen. Letzterer stieg erst im Vorjahr mit schon 25 Jahren zum Shooting-Star auf, als er bei Carl-Zeiss Jena über die rechte Seite wirbelte und mit seinen Flanken zahlreiche Chancen und Tore einleitete. Höhepunkt des tollen Jahres waren zwei Tore beim 3:2-Erfolg über den 1.FC Köln.
 

Ivica Banovic ist ein erfahrener Offensivspieler, der für die zentrale Position hinter den Spitzen eingeplant ist. Der 27jährige Kroate bringt es auf 122 Erstligaspiele für Werder Bremen und Nürnberg, wo er es trotzdem aber nie über den Status eines Durchschnittskickers herausbrachte. Zuletzt legte Hans Meyer keinen Wert mehr auf seine Dienste, so dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. 
 

Ali Günes
spielte bereits von 1997 bis 2000 für den SC, wo er 1998/99 Stammspieler war und durch seinen unermüdlichen Einsatz im defensiven Mittelfeld zum „Fußballgott“ bei den Fans aufstieg. Im Jahr darauf verlor er seinen Stammplatz und wurde von Fenerbahce Istanbul in die Türkei gelockt, wo er bis zuletzt spielte und zum türkischen Nationalspieler aufstieg. Jetzt kehrt er als erfahrener Mann zurück und man erhofft sich von ihm für die Rolle vor der Abwehr einiges. 

Auch Dennis Kruppke ist ein Rückkehrer, der in der Rückrunde nach Lübeck ausgeliehen war und dort 7 Tore in 15 Regionalligaspielen schoss. In seinen Jahren zuvor im Breisgau (seit 2003) war er aber nicht ganz so erfolgreich, wenngleich er meist zum Stamm gehörte. Der gelernte Stürmer ist ein absoluter Allrounder, der alles bis auf Torwart spielen kann. Am wohlsten fühlt er sich im offensiven Mittelfeld, wo die Konkurrenz aber zu groß sein dürfte. 


Für den Sturm hat man mit Jonathan Jäger den Torschützenkönig aus der Regionalliga Süd verpflichtet, der in Saarbrücken zuletzt auf 17 Treffer kam. Nach sieben Jahren in der französischen Erstklassigkeit (mit Metz und Le Havre) suchte der 29jährige Anfang 2005 in Deutschland sein Glück, das er im Saarland auf Anhieb fand. Er ist schnell und hat einen Torriecher, der auch für Liga 2 reichen sollte.
 

Tor/Abwehr:
Alexander Walke wurde als Nachfolger von Coulibaly zum Kapitän gewählt. Der 24jährige sollte daher gesetzt sein, wird aber nach einem Autounfall die ersten Wochen der neuen Saison ausfallen. Wie viele reflexstarke Torhüter hat er bei Flankenbällen Probleme, ist aber durch sein selbstbewusstes Auftreten ein Führungsspieler. 2003 sorgte der damalige Keeper der Werder-Amateure für Aufsehen, als er bei der U20-WM des Cannabis-Missbrauchs überführt wurde. 2005 ging es in seiner Karriere aber durch den Wechsel nach Freiburg bergauf, wo er auf Anhieb Richard Golz verdrängte und in den letzten zwei Jahren ein zuverlässiger Stammkeeper war. 

Vertreten wird er durch Carsten Nulle, der als stets loyale Nr.2 parat steht. Der 32jährige konnte sich im Profifußball nicht so recht durchsetzen und kommt auf insgesamt nur 48 Einsätze in Liga 2 (weitgehend bei Waldhof Mannheim). Seit 2005 hat er kaum Spielpraxis und beim Herauslaufen zeigt er sich oft unentschlossen. Dennoch sieht es derzeit so aus, als würde Dutt ihm vertrauen und keinen weiteren Keeper verpflichten. Mit dem 19 Jahre alten Josip Solic hat man noch ein kroatisches Talent in der Hinterhand.
 

Bislang sind es vier echte Innenverteidiger, die Robin Dutt zur Verfügung stehen. Neben Butscher und Barth streiten sich ein Georgier und ein Nigerianer um die Posten in der Zentrale sowie um den Titel des unaussprechlichsten Namens im Team. Beide vereint, dass sie des Öfteren mit Verletzungen zu kämpfen haben und in ihrer Freiburger Zeit längere Zeit wegen eines Kreuzbandrisses ausfielen. Seyi Olajengbesi zog sich diesen im August 2004 beim 1:1 gegen Borussia ohne Fremdeinwirkung zu, nachdem er gerade begonnen hatte, im Breisgau Fuß zu fassen. In den letzten beiden Zweitliga-Jahren gehörte er meist zum Stamm und spielte zuletzt eine sehr ordentliche Rückrunde. Der 26jährige ist schnell, kopfballstark und wirkt ähnlich angsteinflößend wie Steve Gohouri. Otar Khizaneishvili ist spielerisch etwas limitierter als sein Konkurrent, scheint zur Zeit aber dennoch die Nase leicht vorne zu haben.
 

Auf den Außenbahnen werden die Rollen an zwei höchst talentierte Spieler vergeben. Andreas Ibertsberger ist über den Talentstatus aber schon hinaus, da er seit Januar 2005 kontinuierlich auf der linken Defensivseite der Freiburger zum Einsatz kommt und dort solide Arbeit abliefert. Der Österreicher ist schnell und kann ordentlich flanken. Dies ist aber zu selten effektiv, da in seinen 72 Partien für die Breisgau-Kicker nur 1 Tor und 2 Vorlagen zu verzeichnen waren. In der Defensive leidet sein Spiel zudem unter gelegentlichen Konzentrationsmängeln.
 

Der erst 18jährige Daniel Schwaab lief zuletzt bei der U19-WM für Deutschland auf. Im Vorjahr stieg er von der A-Jugend zur Oberliga-Elf und gleich direkt weiter zur ersten Mannschaft auf, wo er es in seiner ersten Profisaison gleich auf 27 Einsätze brachte. Der Rechtsverteidiger verfügt über ein gutes Stellungsspiel und schaltet sich gerne mit nach vorne ein.
 

Da einige Defensivspieler sehr variabel einsetzbar sind, sollten die Ersatzkandidaten aus der Zentrale bei Bedarf auch für einen Platz auf den Außen zur Verfügung stehen. Im Mittelfeld sind des Weiteren mit Kruppke, Aogo sowie den Talenten Konrad und Schutzbach einige flexible Alternativen vorhanden, so dass Freiburg defensiv insgesamt ordentlich, wenngleich nur mit gehobenem Zweitliga-Durchschnitt, aufgestellt ist. 
 

Mittelfeld:
Mit Ali Günes werden im Breisgau immense Hoffnungen verbunden, die der kleine Türke im defensiven Mittelfeld aber erst noch bestätigen muss. Gemeinsam mit Banovic wird er die zentrale Mittelfeldachse bilden. Auch Dennis Aogo fühlt sich in defensiverer Rolle wohl, wird aber eher auf die linke Halbposition in der Raute ausweichen.  Dort kann er z.B. im Wechselspiel mit Günes agieren, wie es bei Borussia evtl. auch mit Paauwe und Svärd klappen könnte. Der U19-Nationalspieler Aogo gab 2005 mit 17 Jahren sein Bundesliga-Debüt und spielte sich in der Rückrunde gleich in den Stamm, wo er seitdem immer wieder aufzufinden ist. Spätestens mit dem Abgang von Riether und Antar sollten sich für ihn Möglichkeiten für Einsätze ergeben, die der technisch starke Standard-Spezialist zu nutzen versuchen wird.  

Ebenso wie Aogo aus der Freiburger Fußballschule kommen Maximilan Mehring, Manuel Konrad und Maik Schutzbach, die im Profifußball ihren Durchbruch schaffen möchten. Neben Kruppke, der so etwas wie ein Lückenbüßer für etwaige Ausfälle werden könnte, dürfen sich Schlitte und zwei weitere gelernte Stürmer Hoffnungen auf einen Platz im rechten Mittelfeld machen. Karim Matmour hat hier die besseren Aussichten, da er zuletzt bereits zum Stamm gehörte. Der technisch starke Franzose algerischer Abstammung brachte es in 47 Spielen für den SC auf 5 Tore und 9 Vorlagen. Wilfried Sanou hingegen spielt zwar bereits seit 2003 in Freiburg und kommt bereits auf 91 Spiele. Der schnelle, technisch starke Akteur gilt aber als Chancentod, so dass er zwischenzeitlich gar korzynietz-like auf die Rechtsverteidiger-Position zurückgezogen wurde. Mit seinen 1,65 Metern ist er der kleinste Spieler der 2. Liga. 
 

Im offensiven Mittelfeld eigentlich gesetzt, ist Jonathan Pitroipa, der durch den Banovic-Transfer aber auch öfter in den Sturm eingebunden werden könnte. Der 21jährige Stürmer aus Burkina Faso feierte im Vorjahr seinen Durchbruch, als er mit 8 Toren und 8 Vorlagen bester Offensivspieler der Finke-Elf war. Seine unnachahmlichen Dribblings, bei denen er kaum vom Ball zu trennen ist, machten auch den HSV neugierig, der Pitroipa in der Saison 2008/09 wohl unter Vertrag nehmen wird. 
 

Sturm:
Vorne agiert der SC meist mit kleinen, schnellen Spielern, die sich auswärts für gefährlichen Konterfußball eignen. Beste Chancen auf einen Platz in der ersten Elf haben der 1,76m kleine Pitroipa und der mit 1,73m noch kleinere Jäger, die in der 2. Liga  gehobeneren Ansprüchen gerecht werden sollten.  

Schlitte
, Matmour und Sanou sind ebenso in einer hängenden Form in der Spitze vorstellbar wie Cafu. Der 1,77m große Nationalspieler der Kapverdischen Inseln hofft, die missratene vergangene Saison vergessen zu machen, in der er nur zweimal von Beginn an spielen durfte, weil er mit einem Fersensporn lange verletzt ausfiel. Auch Owusu Ampomah kam bislang nur selten zum Einsatz, steht mit seinen 22 Jahren aber noch am Anfang seiner Karriere. 
 

Bliebe noch Henrik Bencik, der 2005/06 bereits mit Jäger zusammen für Saarbrücken spielte. Dort erzielte er in zwei Jahren 2. Liga 20 Tore, während er für Freiburg im Vorjahr vorrangig als Joker eingesetzt wurde, wobei er viermal traf. Trotz seiner technischen Schwächen bei der Ballkontrolle verfügt er über einen ausgeprägten Torriecher, den er im Vorjahr insbesondere beim 5:4-Siegtreffer im Spiel gegen Aue per Hackentrick unter Beweis stellte. Mit 1,88 Metern ist er der einzige kopfballstarke Strafraumstürmer im Team, der wohl vornehmlich eingewechselt werden wird, wenn noch ein weiteres Tor benötigt wird.
 

Taktik:
Robin Dutt dürfte in einem 4-4-2 mit Mittelfeldraute agieren. Dank der wendigen Spieler ist ein 4-3-3 zwar möglich, angesichts der fehlenden Stoßstürmer aber wenig realistisch. Dutt legt gehobenen Wert auf gepflegten Kombinationsfußball und Pressing, was in Freiburg aber ohnehin Tradition hat. 

Breite des Kaders:
Der SC Freiburg hat das Glück, über viele flexibel einsetzbare Spieler zu verfügen, die Verletzungen auffangen sollten. Einzig im Tor besteht zur Zeit noch Ungewissheit, ob Nulle die Klasse besitzt, um den Ausfall von Walke kompensieren zu können. Gelingt ihm dies in den ersten Spielen nicht, könnte bis zum 31.8. noch nachgebessert werden. 

Trainer:
Die Frage, wieso man seinen Sohn Robin nennt, wenn man mit Nachnamen Dutt heißt, werden uns die Eltern des neuen SC-Trainers wohl nicht beantworten. Der indischstämmige Ur-Kölner fand 2002 seinen Weg zu den Stuttgarter Kickers, wo er zunächst die zweite Mannschaft in der Oberliga trainierte. Im Oktober 2003 übernahm er nach der Entlassung von Rainer Adrion die Regionalliga-Elf und führte sie von Platz 15 auf einen gesicherten Mittelfeldplatz. Dort etablierte er die Schwaben in den Folgejahren, ohne jemals ernsthaft Ambitionen bzgl. eines Aufstiegs in Liga 2 haben zu dürfen. Diesen vollzog er jetzt durch einen Wechsel nach Freiburg. Schon von der Vita erinnert der 42jährige ein wenig an Jos Luhukay. Doch auch in der Arbeitsweise ergeben sich Schnittmengen, da auch Dutt sehr viel Wert auf Teamgeist legt und als penibler Arbeiter gilt.  

Mögliche Aufstellung:

Walke – Schwaab, Olajengbesi, Butscher, Ibertsberger – Matmour, Günes, Banovic, Aogo – Jäger, Pitroipa 

Gesamteindruck/Prognose:
Hätte man beim SC auch noch Pitroipa abgegeben, so wäre ein Aufstieg nahezu ausgeschlossen gewesen. Durch das Beharren auf Einhaltung des Vertrags darf man darauf hoffen, dass der 21jährige an seine Vorjahresform anknüpft, was für das Offensivspiel enorm wichtig wäre. Der Kader ist insgesamt recht ausgeglichen besetzt und genügt gehobenen Zweitliga-Ansprüchen, ohne aber die absolute Brillanz auszustrahlen. Gerade bei den Neuen verbleiben noch viele Fragezeichen, wie sie den Verlust der abgewanderten Stammspieler kompensieren können und ob Dutt aus der neu kreierten Elf eine schlagkräftige Mannschaft formen kann. Gelingt ihm dies, könnte mit dem SC zu rechnen sein. Wahrscheinlich wird es aber nur zu einem Platz im oberen Mittelfeld reichen.

Bisher im Zweitligacheck:

1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück
Erzgebirge Aue
FC Augsburg
FC St. Pauli
Alemannia Aachen
TuS Koblenz
1.FC Köln

SpVgg Greuther Fürth
FC Carl-Zeiss Jena
1860 München
Kickers Offenbach
SV Wehen Wiesbaden