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Zweitliga-Check: SC Paderborn Drucken
Geschrieben von Michael Heinen   
Dienstag, 07 August 2007
ImageNein, dies links ist nicht das Vereinslogo des SC, sondern das Stadtwappen von Paderborn. Da der Verein auf seiner Website auf sein „lizenzgeschütztes Logo“ und auf etwaige Lizenzstrafen hinweist, wollen wir kein unnötiges Risiko eingehen. Immerhin wird uns so zum Abschluss des SEITENWAHL-Zweitliga-Checks verdeutlich, dass wir durch den Abstieg in die 2. Liga auch auf einige allzu provinzielle Vereine treffen. Hauptsponsor Wilfried Finke führt diesen Klub, von dem man eigentlich annehmen sollte, er sei froh über jeden, der sein Logo freiwillig nutzt und damit wenigstens ein Stück weit zur Steigerung des bislang doch eher geringen Bekanntheitsgrades beiträgt. Der Chef einer Möbelhaus-Kette beginnt zwei Jahre nach dem Aufstieg langsam, sich für höhere Ziele als Zweitliga-Mittelmaß zu interessieren. Ob dies realistisch ist oder doch nur ein schöner Traum eines romantisch verklärten Mäzens, soll im Folgenden untersucht werden.

Ausgangslage:
Die Ex-Mannschaft von Jos Luhukay wird mit Holger Fach von einem Ex-Trainer Borussias trainiert. Am letzten Spieltag kann es theoretisch zu einer Rückkehr unseres Coaches an die alte Wirkungsstätte kommen. Allerdings würde er dann in die neue Paragon-Arena reisen dürfen, die 15.000 Zuschauern Platz und dem Verein eine bessere Zukunft bieten soll als der Mittelfeldplatz, der in den letzten beiden Spieljahren jeweils erreicht wurde.  

Zu- und Abgänge:
Im Vergleich zu den meisten anderen Zweitligisten mit ihrer hohen Fluktuation kann der SC Paderborn auf eine überschaubare Zahl an Zu- und Abgängen blicken. Verschmerzen muss man lediglich, dass mit Tom Starke und Roel Brouwers zwei wesentliche Bestandteile der zuletzt so starken Defensive zu ambitionierteren Vereinen gewechselt sind. Ihren Abgang sollen Alexander Bade und Thomas Kläsener kompensieren. Bade ist mit seinen 36 Jahren bereits lange im Geschäft. 1991 startete er als Bodo Illgner-Ersatz seine Karriere beim 1.FC Köln. Wie damals schon konnte er sich aber nur selten in seiner Karriere als Nr.1 durchsetzen. In lediglich 4 seiner 16 Jahre im Profifußball war er Stammtorhüter, darunter aber immerhin in den beiden Kölner Aufstiegsjahren 2003 und 2005. Beide Male wurde ihm dann aber Stefan Wessels in Liga 1 vorgezogen, so dass er sich hüten sollte, für den SC zu gut zu halten. Zuletzt in Bochum waren Skov-Jensen und Drobny zu gut für ihn, so dass er nun auf Spielzeiten in der 2. Liga hofft. 

Kläsener
ist ein Schalker Urgestein, der 2003 bei den Knappen sein Profidebüt feierte. Wenige Tage vor seinem 27. Geburtstag. Seinen Stammplatz unter Trainer Jupp Heynckes verlor er bald wieder, so dass er 2006 nach Essen wechselte, wo er eine solide Saison spielte. Der inzwischen 30jährige ist ein zuverlässiger Arbeiter, der konstant seine Leistung bringt, die für die 2. Liga auf jeden Fall ausreicht. Für mehr ist sein Talent dann vielleicht etwas zu beschränkt, aber für den SC stellt der einstige RWE-Kapitän eine Verstärkung dar. 
 

Für die linke Seite wurde Emil Noll geholt. Der kopfballstarke Ex-Aachener spielte bei der Alemannia bereits im UEFA-Cup, konnte sich aber in Liga 1 nicht mehr durchsetzen. Zuletzt absolvierte er in Koblenz eine ordentliche Rückrunde und wird jetzt auf der linken Seite in Paderborn sein Glück suchen. Mit dem zuletzt ausgeliehenen Lionel Djebi-Zadi und dem 20jährigen Talent Sören Gonther wird die Defensive aufgefüllt.
 

Das Mittelfeld wird durch den schnellen, einsatzfreudigen Jan Männer verstärkt, der in Freiburg und Karlsruhe bereits zeitweilig im Stamm spielte und dort jeweils für seine zu kläglich vergebenen Chancen gerügt wurde. Am nötigsten war aber die Ausbesserung der Schwachstelle Sturm, wo mit Danko Boskovic und David Siradze zwei potentielle Stammspieler kamen. Der Georgier ist technisch stark und schnell, so dass er eher als hängende Spitze oder Außenstürmer eingesetzt werden kann. Aufgrund häufiger Verletzungen kam er zuletzt in Aue nicht mehr zum Zuge und wurde aussortiert. Außerdem wurde ihm oft das Kahê-Syndrom attestiert, d.h. er lässt sich stets viel zu weit ins Mittelfeld zurückfallen und ist vorne viel zu wenig torgefährlich.
 

Boskovic
hingegen ist das genaue Gegenteil, also ein typischer Strafraumstürmer, der in seinen letzten 5 Jahren konstant zwischen 8-12 Tore pro Saison erzielt hat. Zuletzt auch in der 2. Liga beim RWE, wo er anfänglich auf der Bank saß, dann aber Alexander Löbe verdrängen konnte. Der 25jährige Deutsch-Serbe wird dank eines Knorpelschadens erst einmal 2-3 Monate ausfallen. 
 

Als talentierte Ergänzung wurde ein ehemaliger Borusse an Land gezogen, der einst in unserer B-Jugend Torschützenkönig wurde. Jerome Assauer wechselte ausgerechnet zum 1.FC Köln, wo er in der A-Jugend weiter treffsicher blieb, den Sprung in die U23 mit nur 3 Einsätzen im Vorjahr aber noch nicht schaffte. Jetzt wagt er gleich den großen Sprung in die 2. Liga und darf sich durch die Verletzungsmisere zu Beginn gar Hoffnungen auf Kurzeinsätze machen.
 

Tor/Abwehr:
Die Torwartfrage bereitet Holger Fach Sorgenfalten, da beide Kandidaten in der Vorbereitung Schwächen zeigten. Die Nr.2 des Vorjahrs, Lukas Kruse, verfügt über kaum Erfahrung, da sie in 6 Jahren im Paderborner Profikader nur 2005 kurzzeitig Stammkeeper Loboue wegen Verletzung vertreten durfte. So wirkt Kruse wenig souverän, obwohl er damals in der Rückrunde solide hielt und u.a. 2 Elfmeter entschärfen konnte. Für Bade spricht die Erfahrung, aber es hat schon seine Gründe, warum er sich sportlich nirgendwo so recht durchsetzen konnte. 

Die Viererkette steht, solange keine Verletzungen dagegen sprechen. Innen wird Dusko Djurisic mit Kläsener einen neuen Partner zur Seite gestellt bekommen. Der Serbe kam 2005 aus Israel, nachdem er vorher bereits in Belgien, Serbien, Frankreich und der Schweiz arbeitete. Nach kurzer Eingewöhnung stieg er zum Stammspieler auf, wo der kopfballstarke 1,90m-Mann seither einen wichtigen Part einnimmt.
 


Auf den Außenbahnen waren zuletzt David Fall (rechts) und Garry de Graef (links) gesetzt. Letzterer fällt nach einer Operation am Fuß zunächst aus und wird in der Zeit von Noll ersetzt. Anschließend sollte der 32jährige Belgier aber stark genug sein, sich ins Team zurückkämpfen zu können. Fall ist ein schneller, zuverlässiger Rechtsverteidiger, der auf seiner Position allerdings auch wenig Konkurrenz zu fürchten hat. Sein Vorgänger auf der Position, Markus Krösche, könnte für ihn einspringen, ist inzwischen aber eher fürs defensive Mittelfeld vorgesehen.

 
Neben den Talenten Gonther und Strohdiek bieten sich Alternativen mit dem kopfballstarken Ex-Lauterer Nils Döring und mit Thorsten Becker. Letzterer war lange Jahre Stamm-Linksverteidiger in Paderborn, ehe er 2005 durch de Graef verdrängt wurde und seither ins defensive Mittelfeld wechselte. Dort spielte der solide Kämpfer mit tollem Schuss, ehe er sich Ende 2005 einen ersten Kreuzbandriss zuzog, den er im Jahr darauf gleich noch mal wiederholte. Die lange Leidenszeit des Defensiv-Allrounders soll jetzt aber bald vorbei sein. 

Mittelfeld:
Im defensiven Mittelfeld hat Holger Fach die größte Auswahl. Beste Aussichten besitzt hier Marc Gouiffe á Goufan. Der Kameruner mit dem Spitznamen „Goofy“ kam einst als Innenverteidiger, setzte sich aber ab 2005 in Paderborn als rustikaler, beinharter Abräumer vor der Abwehr durch. Mit seinen 23 Jahren hat er zudem noch Entwicklungspotential, was insbesondere im Offensivspiel dringend nötig sein wird. 

Neben Krösche und dem einstigen Wolfsburger Bundesliga-Spieler Karsten Fischer, der bei Fach aber nur eine Ergänzungsrolle spielt, kommt auch Andrew Sinkala für die Position vor der Viererkette in Frage. Der Ex-Geißbock kam 1999 als sambischer Meister zum FC Bayern München, ehe er 2001 nach Köln weitergereicht wurde. Dort gehörte er immer mal wieder zum Stamm, aber ohne diesen Posten konstant halten zu können. Insbesondere für die 1. Liga reichte seine Klasse, wie die des FC insgesamt, nie so recht aus. So wechselte der Techniker im Vorjahr nach Paderborn, wo er es auf immerhin 23 Einsätze brachte, die seiner Flexibilität zuzurechnen sind. So ist er auch auf der linken Seite wie als Innenverteidiger einsetzbar.  

2005 von Jos Luhukay entdeckt und aus der eigenen Jugend in den Profikader berufen wurde Daniel Brinkmann. Er ist laufstark und mit seinen 21 Jahren noch unbekümmert. Seine Vielseitigkeit macht ihm zu einem Mittelfeld-Allrounder und sollte ihm zu einigen Saisoneinsetzen verhelfen. Neben einigen Bundesligisten soll auch Borussia den talentierten Spieler unter Beobachtung haben. 
 

Im zentralen offensiven Mittelfeld wird er sich gegen den Routinier Nebosja Krupnikovic durchsetzen müssen, der in seinem ersten Paderborner Jahr nur zu 12 Einsätzen kam. Der Ex-Hannoveraner kam 2006 aus der japanischen J-League zurück nach Deutschland. Mit inzwischen 33 Jahren ist er natürlich erfahren, wie seine starke Technik immer noch für brandgefährliche Freistöße sorgt. Borussia bekam dies 2003 zu spüren, als er Hannover im Abstiegsendspiel mit 1:0 in Führung brachte. Krupnikovic nimmt sich aber auch immer wieder Auszeiten in seinem Spiel und wirkt daher etwas phlegmatisch.
 


Offensiv ausgerichtet sind die Kandidaten fürs linke Mittelfeld. Erwin Koen ist ein schlampiges Genie, der seine beste Zeit beim RWE hatte, die er 2004 mit 18 Toren in die 2. Liga führte. Dort kam er dann aber nur noch auf 4 Treffer, so dass seine fehlende Effektivität bemängelt wird. Er hat einen harten Schuss, der ihn aus der Distanz und bei Freistößen gefährlich werden lässt. Während er zunächst die Joker-Rolle einnimmt, darf Benjamin Schüßler spielen. 2000 war er als großes Talent von Magdeburg zur Borussia gekommen, konnte sich hier aber in der 2. Mannschaft aufgrund zahlreicher Verletzungen in 2 ½ Jahren nicht so recht durchsetzen. Es folgte der Wechsel in die Regionalliga nach Osnabrück, wo er zum Aufstieg beitrug, dann aber den direkten Abstieg nicht verhindern konnte. Der schnelle Techniker kommt inzwischen auf 86 Einsätze in Liga 2, bei denen er 7 Tore erzielte und 6 Vorlagen leistete.

 
Etwas defensiver wäre das Paderborner Urgestein Stephan Maaß einzuschätzen, der sich aber zuletzt in der Reha nach seinem Kreuzbandriß den Oberarm brach und vorläufig nicht zur Verfügung steht. 

Sturm:
32 Tore in einer Saison mögen für einen Borussen viel klingen. Für den SC war es im Vorjahr die zweitschlechteste Quote aller Zweitligisten. Kapitän René Müller war mit 7 eigenen und 3 vorbereiteten Treffern an den meisten Toren beteiligt. Der 33jährige Sturmführer fällt wegen einer Rücken-Operation für die gesamte Vorbereitung aus und wird als Torschütze und Führungsspieler fehlen. Da auch Boskovic lange verletzt ist, wird man in Paderborn notgedrungen die zweite Wahl ranlassen müssen. Hier ist Timo Röttger gesetzt, der immerhin 8 Tore aus der Vorsaison vorweisen kann. Mit seinen 1,76 Metern ist der 22jährige Offensivallrounder eher der spielerische Stürmer, der sich auch im offensiven Mittelfeld wohl fühlt.  

Ähnliches gilt für Siradze und für den Türken Serdar Bayrak, der im Vorjahr zwei Halbzeiten spielen durfte und schon auf noch mehr Verletzte hoffen muss, ehe er sich Chancen ausrechnen kann. Koen und Assauer heißen die übrigen Alternativen für eine Sturmposition, von denen man aber nicht so sehr überzeugt ist, als dass man nicht noch nach einem weiteren Neuen Ausschau hält. Nachdem mehrere Kandidaten bereits durchs Raster fielen, wirkt Fach mittlerweile leicht resignativ, was die Möglichkeiten angeht, noch bis Ende August brauchbaren Ersatz zu finden. 
 

Taktik:
Zuletzt wurde in Paderborn meist im 4-3-3 gespielt. Für die neue Saison scheint Fach aber eher ein 4-4-2 zu bevorzugen, wenngleich die Verletzten im Sturm ein Umdenken in Richtung 4-2-3-1 möglich machen. Allerdings ist Röttger als anfangs gesetzter Sturmführer kein typischer Stoßstürmer für ein solches System.  

Breite des Kaders:
Dank der Neuzugänge sollte der Kader auf allen Positionen doppelt besetzt sein. Dies schützt aber leider nicht vor eine Verletzungswelle, wie man sie zur Zeit gerade in der Offensive erlebt, wo der zweite Anzug qualitative Mängel aufweist. Hier ist die Verpflichtung eines weiteren Spielers dringend erforderlich. 

Trainer:
Es wäre überraschend, wenn es am letzten Spieltag tatsächlich zu einem Duell zweier Trainer mit ihren jeweiligen Ex-Vereinen kommen könnte. Denn genau wie Jos Luhukay steht Holger Fach in Paderborn unter Druck. Der Präsident hat lauthals einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel ausgegeben, was die Erwartungshaltung entsprechend anheizen sollte. Holger Fach hat aber schon genug erlebt in seiner Karriere als Spieler und Trainer als sich hiervon nervös machen zu lassen.  

Begonnen hat er seine Trainerlaufbahn bei der Amateurmannschaft von Borussia, ehe er sich im September 2003 zum Wechsel in die Regionalliga zu RW Essen entschloss. Nach drei Siegen in Folge war sein Intermezzo aber bereits beendet, da in Mönchengladbach zwischenzeitlich Ewald Lienen entlassen worden war und Christian Hochstätter seinen alten Mannschaftskameraden zum Nachfolger bestimmte. Eine entsprechende Ausstiegsklausel im Vertrag von Fach machte es möglich, nachdem Klaus Toppmöller der Borussia abgesagt hatte. Doch nach Platz 11 in dieser Saison stand man im folgenden Jahr nach 10 Spieltagen auf einem Abstiegsrang, was dem bei den Fans nie sonderlich beliebten Fach seinen Job kostete. Seine Zeit als Borussen-Trainer wird von einigen noch heute als erfolgreich verklärt, was aber eher durch die noch tristeren Jahre danach unter Advocaat, Köppel und Heynckes erklärbar ist. Zwar spielte Borussia unter Fach einen halbwegs ansehnlichen Fussball, aber Fakt ist auch, dass die nötigen Ergebnisse schlichtweg nicht erzielt wurden. So zog es Fach weiter zum VfL Wolfsburg, wo er schon nach einem halben Jahr gemeinsam mit Thomas Strunz zur Winterpause entlassen wurde. Nach einem Jahr Pause, die er sich durch zwei misslungene Engagements in Folge verdient hatte, kam er Anfang 2007 nach Paderborn, das Fach auf Platz 11 übernahm und bis zum Ende der Saison dort hielt. 
 

Mögliche Aufstellung:

Bade – Fall, Kläsener, Djurisic, de Graef – Männer, Gouiffe á Goufan, Krupnikovic, Schüßler – Boskovic, Röttger 
 

Gesamteindruck/Prognose:

Die Sturmmisere könnte zu einem Riesen-Problem werden. Gefährlich dürfte Paderborn in der Vorrunde fast nur durch Standards werden, wo man mit Krupnikovic oder Koen gefährliche Schützen und mit Kläsener, Djurisic und Gouiffe á Goufan kopfballstarke Spieler hat. Defensiv hat man den Kader halbwegs stabil gehalten, da Kläsener nicht viel schlechter sein dürfte als Brouwers. In der Offensive wurde mit Boskovic zwar eine gute Ergänzung verpflichtet, die aber lange ausfällt. Von daher wird es Paderborn nicht leichter haben als im Vorjahr, zumal die Konkurrenz stärker erscheint. Der Traum vom einstelligen Tabellenplatz wird sich nicht realisieren lassen. Zu befürchten ist eher, dass der Verein am Ende der Saison in die 3. Liga zurückkehren wird.

Bisher im Zweitligacheck:

1.FC Kaiserslautern
TSG Hoffenheim
FSV Mainz 05
VfL Osnabrück
Erzgebirge Aue
FC Augsburg
FC St. Pauli
Alemannia Aachen
TuS Koblenz
1.FC Köln

SpVgg Greuther Fürth
FC Carl-Zeiss Jena
1860 München
Kickers Offenbach
SV Wehen Wiesbaden
SC Freiburg