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Home Zweitl.-check ('07) Borussia M'gladbach im Zweitligacheck - Teil 1
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Borussia M'gladbach im Zweitligacheck - Teil 1 |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Mittwoch, 08 August 2007 |
Im sechsten Jahr der erneuten Zugehörigkeit hat es Borussia Mönchengladbach sozusagen erwischt. Mit einer der gewöhnungsbedürftigsten Ausbeuten, die sich jemals eine Mannschaft in der fast 45-jährigen Geschichte der Bundesliga erlaubt hat, stieg der Verein zum zweiten Mal in seiner Geschichte sang- und klanglos als Tabellenletzter aus der Eliteliga ab und darf sich in den kommenden Monaten deshalb in der 2. Bundesliga daran versuchen, diese vergangene Saison doch nur als bloßen Betriebsunfall darzustellen. Nachdem in den vergangenen Wochen an dieser Stelle alle 17 anderen Teilnehmer an dieser 2. Bundesliga des Jahres 2007/2008 beleuchtet worden waren, folgt nunmehr eine detailtiefe Erhebung über Borussia Mönchengladbach als den das Feld komplettierenden Wettbewerber.
Wie zuletzt immer, so auch in diesem Sommer in zwei Teile aufgeteilt.
Zu-/Abgänge: Personalwechsel waren in den
letzten Jahren ein Talisman der Borussia. Auch in dieser Saison hat der Verein
wieder einmal kräftig auf dem Transfermarkt zugeschlagen und dabei nicht nur
die Hoffnung angefügt, es möge der letzte Umbruch der Umbrüche sein, sondern
sich auch durch die Verantwortlichen auf die Fahnen geschrieben, dass nunmehr
nur noch Spieler bei der Borussia unter Vertrag stehen sollen, die sich mit den
Zielen und mit den Gepflogenheiten an der Hennes-Weisweiler-Allee
identifizieren wollen, können und es am Ende auch wirklich tun. Wie es die
Borussia in den vergangenen Jahren in der Mehrzahl stets getroffen hatte, daran
kann man erkennen: dem Erfolg förderliche Neuzugänge bildeten die Minderheit.
Bis zur Abfahrt in ihr zweites Trainingslager innerhalb
Saisonvorbereitung, im Sportcenter Kamen-Kaiserau, hatten elf Akteure aus dem
Kader der Vorsaison die Borussia verlassen und der Borussia rundweg achtzehn
Millionen Euro an Transfereinnahmen zurückgelassen. Den größten Batzen dieser
18 Millionen hinterließ Nationalspieler und Eigengewächs Marcell Jansen, der
für 12 Millionen Euro, zuzüglich erfolgsabhängiger Nachzahlungen, den Weg zum
zuletzt strauchelnden Rekordmeister Bayern München fand, dort einen
Dreijahresvertrag unterschrieb und bei der Borussia in qualitativer Hinsicht
durch seinen Abgang eine merkliche Lücke riss. Ebenfalls eine Lücke hinterließ der
letztjährige Mannschaftskapitän Kasey Keller, der der Borussia mit vorerst
unbekanntem Ziel ebenso den Rücken kehrte und nach reiflicher Überlegung
trotzdem gerne geblieben wäre. Doch die sportlich verantwortlichen Kräfte der
Borussia wollten dem 37-jährigen US-Nationaltorhüter, einer der wenigen
Leistungsträger in den letzten Spielzeiten, keine ihm ausreichende sportliche
Perspektive mehr anbieten. Mit Peer Kluge verabschiedete sich zudem ein
weiterer Leistungsträger der vergangenen Saison - im Gegensatz zu Keller
freiwillig - da er beim 1. FC Nürnberg mit dessen ehemaligem Borussentrainer
Hans Meyer einen Dreijahresvertrag einging. Sportdirektor Christian Ziege
erlitt hierbei eine erste schmerzhafte Niederlage, denn nicht nur, dass Ziege
Kluge sehr gerne gehalten hätte, der einst aus Chemnitz verpflichtete
Mittelfeldspieler war auch noch ablösefrei.
Immerhin 32 Saisoneinsätze verbuchte auch der erst zur
vergangenen Saison an den Niederrhein gekommene argentinische Mittelfeld- und
Nationalspieler Federico Insúa, der sich gegen Ende seines Sommerurlaubs dazu
entschloss seine Karriere in der ersten mexikanischen Liga bei CF America
fortzusetzen. Der amtierende Vizemeister des nordamerikanischen Landes, der in
der dortigen Hauptstadt Mexiko-Stadt angesiedelt ist, überwies für die Dienste
des zuvor von den Boca Juniors aus Buenos Aires verpflichteten Offensivspielers
cirka 4 Millionen Euro und brachte der Borussia damit annährend die Summe
wieder ein, die sie selbst für den in der letzten Saison kaum einmal effektiven
Südamerikaner (2 Saisontore) überwiesen hatte.
Mit Michael Delura (war vom FC Schalke 04 ausgeliehen) und
mit dem gleichermaßen ablösefreien Hassan El Fakiri (SK Brann Bergen) verließen
weitere zum Schluss häufig eingesetzte Spieler die Borussia, wobei es für beide
Spieler die Möglichkeit gegeben hätte zu verbleiben. Doch weder der
Gelsenkirchener, noch der mehrfache norwegische Nationalspieler hatte sich
gedanklich mit der 2. Bundesliga anfreunden können und somit war - gemäß der
vorher festgelegten Grundsätze des Duos Ziege/Luhukay - ihr Verbleib ebenso
ausgeschlossen wie der des Oliver Kirch (wechselte zu Arminia Bielefeld), der
gerne geblieben wäre, den die Borussenverantwortlichen mit Vertragsende
allerdings nicht behalten wollten.
Gleichmaßen „die Papiere" bekam der belgische
Mittelfeldspieler Bernd Thijs, vor zweieinhalb Jahren aus der türkischen Liga
nach Mönchengladbach übergetreten. Ihm zahlte die Borussia eine Abfindung für
den ursprünglich noch 12 Monate währenden Kontrakt und war darob zufrieden,
dass sie eine solche Zahlung bei Innenverteidiger Bo Svensson umgehen konnte,
da dieser beim alten und neuen Ligakonkurrenten FSV Mainz 05 eine Anstellung
fand, die der Borussia etwa 350.000 Euro Entschädigung in die Kasse spülte.
Auch der langjährige Publikumsliebling Vaclav Sverkos, der zuletzt an den
österreichischen Pokalsieger Austria Wien verliehen war, durfte auf Geheiß der
Verantwortlichen die Borussenelf verlassen. Nachdem zunächst Wien von einer
Verpflichtung abstand nahm und Sverkos selbst einen Wechsel zu Sparta Prag
ablehnte, überwies sein Stammverein Banik Ostrau - dem sich der Spieler
emotional verbunden fühlt - eine Entschädigung in den Regionen der
Svensson-Ablöse für den eigentlich noch 24 Monate der Borussia vertraglich
verpflichteten Angreifer.
Der erst in der zurückliegenden Winterpause nach
Mönchengladbach gekommene dänische Nationalspieler Mikkel Thygesen, der bei der
Borussia über die Rolle eines Edelreservisten nicht hinauskam und trotzdem
unter gewissen Umständen eine Perspektive unter Trainer Luhukay gehabt hätte,
hatte einige Tage vor dem ehemaligen tschechischen
U21-Nationalmannschaftskapitän diesem diesen Weg zurück zum Stammverein
vorgemacht, als er sich wieder dem FC Midtjylland anschloss. Die Dänen, bei
denen der gebürtige Kopenhagener (anders als in Mönchengladbach) ausschließlich
im Mittelfeld auf ihm bekannten Positionen zum Einsatz kommen wird und sich
nicht als Angreifer verdingen soll, gaben der Borussia für diese Rückholaktion
ihres „verlorenen Sohnes" die etwa 1,5 Millionen Euro zurück, die die Borussia
im Winter für den Fußballer überwiesen hatte.
Gut drei Millionen Euro hatte die Borussia in diesem
Transfersommer für acht externe und einen internen Neuzugang ausgegeben, wobei
der als Ersatztorhüter vom Zweitligaabsteiger Wacker Burghausen geholte Uwe
Gospodarek der erste Neuzugang des Sommers wurde. Für den reaktionsschnellen
Bayern überwiesen die Borussen ebenso keine Entschädigung wie für den
gebürtigen Kölner Alexander Voigt, der zuletzt für Carl Zeiss Jena die Stiefel
geschnürt hatte und bei Trainer Luhukay aus einer gemeinsamen Zeit beim 1. FC
Köln hohe Sympathiewerte besitzt. Der auf mehreren Defensivpositionen
einsetzbare Linksfuß, der sich in früheren Spielzeiten beim Borussenpublikum
kaum große Sympathien erarbeitet hatte, soll mit seiner Zweitligaerfahrung
(Voigt stieg im Trikot des 1. FC Köln dreimal in die 1. Bundesliga auf) wie
seiner Kampfstärke und seiner angesprochenen Variabilität das
Lizenzspielerkontingent der Borussia auf seine Weise bereichern. So verkündete
es zumindest Sportdirektor Ziege.
Für den Niederländer Roel Brouwers, den Jos Luhukay einst
von Roda Kerkrade zum SC Paderborn geholt hatte, und für den bisherigen
Aachener Sascha Rösler, der beim Mitabsteiger u.a. das Kapitänsamt ausführte,
musste dann die Borussia erstmals in dieser Transferperiode Ablösesummen an
andere Vereine entrichten. Für den kopfballstarken Brouwers, der als
Innenverteidiger eingeplant ist, gingen cirka 250.000 Euro nach Ostwestfalen,
die Alemannia aus der Kaiserstadt empfing die vertraglich festgeschriebenen
500.000 Euro für den Wechsel ihres sowohl im Angriff wie im linken, im
offensiven oder gar auch im zentralen Mittelfeld Verwendung findenden
Offensivspielers, der ebenso wie Brouwers für seinen bisherigen Verein in den
letzten 24 Monaten ein durchgängiger Leistungsträger war und in Mönchengladbach
als Führungsspieler angedacht ist.
Im Windschatten der Verpflichtung Röslers lotste Borussia
den bei Werder Bremen in der Regionalligamannschaft aktiven Sebastian Schachten
für eine geringe sechsstellige Summe an die Hennes-Weisweiler-Allee. Der
gebürtige Nordhesse, dessen größter Vorzug seine Variabilität als Spieler für
die linke wie rechte Außenseite ist, war Borussias Assistenztrainer Markus
Gellhaus aus einer gemeinsamen Zeit in Paderborn wohlbekannt und überzeugte
darüber hinaus im letzten Halbjahr der vorigen Saison bei mehreren
Spielbeobachtungen in der Regionalliga. Dem hochaufgeschossenen Nachwuchsmann
wird es jedoch zunächst obliegen sich mehr über das Training dem Trainer
anzubieten, ist er doch als vielseitige Ergänzung des Kaders angedacht.
Anders ergeht es dabei dem einzigen internen Neuzugang des
Sommers, U18-Nationalspieler Marko Marin. Um die trickreiche und flinke
Nachwuchshoffnung führte die Borussia einen wochenlangen Kampf gegen sportlich
wie auch finanziell weitaus lukrativere Adressen innerhalb des europäischen
Fußballs. Allen diesen war nicht entgangen, dass der 1989 geborene Youngster zu
einer Zeit, in der er noch zwei Jahre in der A-Jugend hätte spielen können,
bereits in der dritten Liga auf Seniorenebene zum Dreh- und Angelpunkt im
Offensivspiel der Elf von Horst Wohlers geworden war und zum Saisonende in
seinen Einsätzen in der Bundesliga (in der er als jüngster Borusse aller Zeiten
gegen seinen vormaligen Klub Frankfurt zu seinem Debüt gekommen war) eine
bemerkenswerte Karriere angedeutet hatte. So geht der schon im vergangenen Jahr
mit der Fritz-Walter-Medaille in Silber ausgezeichnete 18-jährige nicht nur mit
der zu bemerkenden Rückennummer 11, sondern auch mit der berechtigten Aussicht
auf einen Stammplatz in der Anfangsformation in seine erste von (zunächst) drei
Lizenzspielerspielzeiten.
Auf Marins Zusage folgte für die Verantwortlichen die des
Patrick Paauwe, der für 500.000 Euro Ablösesumme vom französischen Erstligisten
Valenciennes AFC an die Hennes-Weisweiler-Allee übersiedelte und nicht nur die
Erfahrung von fünf A-Länderspielen für die Niederlande für die Borussia in die
Waagschale werfen soll. Der routinierte Defensivspieler, im zentralen oder
linken Mittelfeld ebenso beheimatet wie mit der Rolle des Innen- und
Außenverteidigers bekannt, hatte im Laufe seiner Karriere mit seinem
Langzeitverein Feyenoord Rotterdam einmal den UEFA-Pokal errungen und war neben
seiner Rolle als Integrationsfigur für das dortige Publikum auch eine Zeit lang
Kapitän des Klubs aus der Hafenstadt gewesen. Dem robusten 31-jährigen
Niederländer mit dem strammen Schuss, der einen Dreijahresvertrag bekam, ist
bei der Borussia so dann auch eine Führungsrolle zugedacht.
Wie Paauwe, einst in Rotterdam (und Rösler in Aachen), war
auch der malische Nationalspieler Soumaila Coulibaly bei seinem ehemaligen
Verein als Mannschaftskapitän unterwegs. Der schussgewaltige Afrikaner, im
offensiven wie zentralen Mittelfeld aktiv und über gut sieben Spielzeiten
hinweg ein zentraler Fixpunkt im Spiel des SC Freiburg (& seines
Langzeittrainers Volker Finke) wechselte mit der Ambition der
schnellstmöglichen Rückkehr in die höchste deutsche Bundesliga für etwa 500.000
Euro an den Niederrhein. Hier soll er unter anderem seine Qualitäten bei
Standardsituationen für die Borussia einsetzen und dabei helfen, dass der achte
Neuzugang des Sommer, der kanadische Nationalstürmer Robert Douglas Friend,
seine primäre Stärke auch in Tore ummünzen kann.
Mit 1,2 Millionen Euro Ablöse war dieser Zukauf ungleich
teurer ausgefallen, da dessen Vertrag beim niederländischen Erstligisten SC
Heerenveen (der ihn zuletzt an den Ligakonkurrenten Heracles Almelo verliehen
hatte) noch mehr als zwei Jahre Gültigkeit besaß. Früher in Norwegen und in der
US-Förderliga als kaltschnäuziger Goalgetter unterwegs, hatte Friend - ein
mannschaftsdienlicher Zentralangreifer - in der abgelaufenen Saison immerhin
acht Treffer in 31 Erstligapartien bejubeln können und war damit genau doppelt
so erfolgreich wie der treffsicherste Borussen der letzten Saison.
Stärken: Wenn die Borussia in der
Vorsaison überhaupt irgendwo eine Stärke gehabt haben sollte, dann war dies
gewiss das Abwehrspiel, denn abgesehen vom 1. FC Kaiserslautern (37) in der
Spielzeit 1995/1996 stieg keine Mannschaft aus der 1. Bundesliga jemals mit
weniger als jenen 44 Gegentoren ab, die die Borussia (inklusive zweier
Elfmeter) im Saisonverlauf kassierte. Wenn die Borussia also in einer
abscheulichen Spielzeit auf einem Gebiet kein Problem gehabt hatte, es war die
Verteidigung des eigenen Tores. Dementsprechend waren unter den zwanzig
Saisonniederlagen immerhin zehn Partien vertreten, in denen der Gegner am Ende
bloß ein Tor mehr erzielt hatte. Oft war dieses allerdings das einzige Tor des
Spiels gewesen.
Weil nun aber drei (Keller, Jansen, Zé António) von fünf
Stammspielern auf diesem Gebiet den Verein in der Zwischenzeit verlassen haben,
muss die Borussia normalerweise dort Einbußen erlitten haben. Allerdings gilt
dies für das Niveau der 2. Bundesliga eher nicht, da insbesondere die
Deckungsreihe, mit Roel Brouwers und Alexander Voigt etwa, zwei der zuletzt
auffälligsten Zweitligaverteidiger hinzugewann. Somit darf die Abwehr trotz
angeführter Verluste weiterhin als einer der stärksten Mannschaftsteile gelten,
gewissenhaft gefolgt von einem Mittelfeld, dass nicht allein durch die auch aus
der zweiten Reihe torgefährlichen Paauwe, Rösler und Coulibaly an Qualität
zugelegt haben dürfte, auch wenn aus ihm nominell ebenso der individuell
herausragendste (Federico Insúa) zu einem anderen Klub entschwunden ist wie in
der Abwehr Marcell Jansen zum FC Bayern München.
Auffällig ist auch die Ballung von Linksfüßen und auf der
linken Bahn starken Spieler im Rückraum des Borussenangriffs. Marvin Compper,
der länger schon verletzte Filip Daems, die Neuzugänge Voigt, Paauwe,
Coulibaly, Rösler, die Jungprofis Marin und Baumjohann, wie auch die ebenfalls
links zum Einsatz kommenden Rafael und Schachten (ebenfalls ein Neuzuzug) und
der immer mal wieder zu den Lizenzspielern hinzugezogene van den Bergh. Das
sind bis zu elf Kandidaten für zwei bis maximal drei oder vier primär an
Linksfüße zu vergebende Spielpositionen. Hier hat die Borussia also
unabstreitbar das größte Reservoir, hier kann Trainer Jos Luhukay schon aus
mehr als einem kleinen Überangebot schöpfen; mit bis zu sechs entsprechend
beleumundeten unmittelbaren Kandidaten (Polanski, Paauwe, Svärd, Voigt,
Fleßers, Coulibaly) für bis zu zwei Positionen kann sich auch das
ballgewinnende zentrale Mittelfeld über echten Konkurrenzkampf nicht beklagen.
Zu den Stärken zu zählen sein müsste ferner das Spiel
jenseits des Rasens, womit nicht zwingend der teaminterne Zusammenhalt gemeint
ist, sondern die Lufthoheit im eigenen wie gegnerischen Strafraum. Hier wurden
einige Zentimeter zugelegt, in erster Linie durch in der Länge größere
Neuzugänge wie etwa Brouwers, Voigt, Schachten, Friend oder Paauwe, von denen
etliche im Kopfballspiel ihre Stärken haben und einem in diesem Fach zu den
Koryphäen zu zählenden Akteur wie dem verbliebenen Steve Gohouri bei der
Bewältigung der Aufgabe helfend zur Seite springen könnten. Das Kopfballspiel
dürfte keine Schwäche dieser Borussenelf sein.
Positiv bemerkbar machen müsste sich auch, dass die
Borussia trotz einiger talentierter Spieler (zuzüglich ihrer
Juniorennationalspieler wie Polanski oder Marin) dazu eine Reihe erfahrener
Kräfte besitzt. So „kennen" Roel Brouwers, Alexander Voigt, Uwe Gospodarek und
Sascha Rösler die 2. Bundesliga und die Verhältnisse in ihr aus zum Teil
langjähriger Erfahrung als Stammspieler. Hinzuzurechnen sind noch
A-Nationalspieler wie der für die Elfenbeinküste aktive Steve Gohouri (7
Einsätze), der immer wieder für Dänemark in Frage kommende Kasper Bögelund (15),
Malis Soumaila Coulibaly (58), Kanadas Rob Friend (11), der ehemalige
niederländische Internationale Patrick Paauwe (5) und Mannschaftskapitän Oliver
Neuville mit 65 Partien für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die sich
allesamt aus einem eigenen auf internationaler Ebene erlangten Erfahrungsschatz
zur Hilfestellung bedienen können.
Schwächen: Zu den Schwächen im Spiel der
Borussia der vergangenen Saison zählten etliche von der Borussia bereits seit
Jahren (und somit chronisch) vollführten Mängel. So etwa das Spiel auf des
Gegners Platz mit „schicken" 10 Siegen in den letzten 102
Bundesligapflichtspielen oder die mitunter eklatant torungefährliche
Mittelfeldreihe, wenngleich diese in der vergangenen Saison immerhin 40% aller
Torerfolge auf ihrem Konto verbuchen konnte. Jedoch erzielte die Borussia
inklusive gegnerischem Hilfstor und Elfmeter eben nur 23 Saisontore, womit die
spezifische Ausbeute von 40% durch Mittelfeldspieler (Michael Delura war mit
drei (!) Torerfolgen ihr gefährlichster) wiederum schnell ihrer entstellenden
Mickrigkeit überführt ist. Auch die Verwertung von Standardsituationen,
vielmehr allerdings das „leidenschaftliche Angriffsspiel voller Hingabe", wie
es vor exakt einem Jahr an dieser Stelle schon einmal hieß, ist Bestandteil des
Gesamtproblems.
Vor diesem Hintergrund wäre es womöglich sehr sinnig die
ganze entsprechende Passage aus dem letztjährigen Bundesligacheck stupide zu
repetieren und damit der Wahrheit Ausdruck zu verleihen, dass die Mannschaft
abgesehen von einigen Einzelspielen über die gesamte Saison bei der
Aufarbeitung ihrer Schwächen komplett enttäuscht hat. Die aus den Augen
verlorene Leidenschaft, das fehlende Kombinationsspiel, die Defizite im
zielgenauen Passspiel und der seit Jahren nicht vorhandene Tempofußball in Form
einer wirklich konsequenten Bewegung in Richtung des gegnerischen Tores gaben
immer und immer wieder den Ausschlag gegen die Borussia. Vor allem auch auf
fremdem Platz, auf dem manche Borussenelf bereits froh war, wenn der Gegner sie
erst nach der Überschreitung der Mittellinie zur Balleroberung attackierte und
dementsprechend das langatmige Spiel in die Breite als Stilmittel für sich
entdeckt hatte. Begreifbar, dass für Borussia Mönchengladbach dort bisweilen
schon die unfallfreie Überquerung der Mittellinie mit gleichzeitigem Ballbesitz
als Erfolg zu gelten hatte - wie schon in Bezug auf die eklatant
torungefährliche Mittelfeldreihe entstellte jedoch sogleich die innewohnende
Mickrigkeit diese vermeintlich „guten Ansätze".
Die wachsende Gleichgültigkeit bezüglich der Resultate und
der Endplatzierung Borussias im Vorjahreskader - in gleichen Teilen kumuliert
im Abstieg und in der erbärmlichen ersten Halbzeit im schon zur Staffage
zählenden Heimspiel gegen Bayern München Anfang Mai 2007 - hofft die sportliche
Leitung durch ihr Auswahlverfahren bei Neuzugängen abgestellt zu haben. Dieses
Auswahlverfahren, das ausschließlich ambitionierte Akteure an die
Hennes-Weisweiler-Allee geführt habe, solle gleichermaßen dafür sorgen, dass
die selbstreinigenden Kräfte, die innerhalb einer Mannschaft unter anderem für
eine stichhaltige Hierarchie (und Harmonie) sorgt, in der Zukunft wieder
vorhanden sind und damit die unter dem Strich drei fehlgeschlagenen Versuche
der Jahre 2004, 2005 und 2006 - die überdies die Mannschaft und die
Anhängerschaft voneinander immer stetiger entfremdet sahen - der Historie
angehören. Der Gemeinplatz des „Der weiß, worauf es ankommt," war in seinen
Varianten dann auch einer der wiederkehrendsten Nebensätze bei den
Verpflichtungen des Sommers.
Das Fehlen eines echten Torjägers, an dem es der Borussia
seit der Rückkehr von Leihspieler Mikael Forssell zum FC Chelsea London trotz
der zwischenzeitlichen Leistungshochs von Stürmern wie Vaclav Sverkos und
Oliver Neuville (der in verletzungsanfälliger Verfassung jedoch weiterhin zum
Kader zählt) in stetiger Form mangelt, konnte in dieser Form allerdings
keinesfalls von der sportlichen Leitung bekämpft werden, da sie auf mehreren
Gebieten anderen Bewerbern unterlegen war. Treffsichere Stürmer zu finden und
zum Wechsel zu überzeugen, das ist bereits als Erstligist nicht einfach, als
ein in die 2. Liga absteigender Klub mit eingestandenen Brachen in der
Spielersichtung ist dieses Unterfangen umso schwerer. Folglich sind mehrere
damit in Verbindung stehende Tatsachen nicht verwunderlich. Einerseits, dass
der gefundene „Garantiestürmer" (Rob Friend) ein (inter-)national weitgehend
unbekannter Angreifer ist und andererseits, dass die Borussia in der
zurückliegenden Spielzeit bis zu sechs Torschüsse für einen Treffer benötigte.
Vergegenwärtigt man sich dann, dass sie im Durchschnitt kaum auf drei wirkliche
Torgelegenheiten pro Spiel gekommen ist, wird die jämmerliche Ausbeute von
lediglich 22 eigenen Treffern in 34 Saisonspielen erklärbar.
Sieht man von solchen primären Schwächen ab, die bereits
aufgeführt sind und bei ihrer Aufrecht- und Beibehaltung garantiert dafür
sorgen, dass die Borussia keine erfolgreiche Saison spielt, und folglich mit
dem Aufstieg nichts zu tun haben würde, muss man bei einem genauen Blick auf
den derzeitigen Kader ebenso konstatieren, dass die Mannschaft neben einigen
juvenilen Akteuren (dazu zählt beispielsweise auch ein Nando Rafael), die eher
in der Breite des Kaders anzusiedeln sein dürften (& die sich selbst in
Liga 2 erst einmal beweisen müssen), auch weniger ausgeprägt mit Rechtsfüßen
bzw. auf der rechten Seite angesiedelten Spielern bestückt ist. Weniger als
dies in Bezug auf Linksfüße und auf der linken Seite angesiedelten Spielern der
Fall ist. So erscheint etwa der verletzungsanfällige Kasper Bögelund als
rechter Außenverteidiger recht konkurrenzlos und in der Offensive wendbare
Lizenzspieler mit vorzugsweise starkem rechten Fuß (Polanski, Neuville, Rafael,
(Schachten)) dürften dies ebenso sein.
Und damit existiert im Verhältnis ein Ungleichgewicht zur
ungleich ausgeglichener besetzten linken Seite. Zum Ausdruck gebracht wird dies
auch dadurch, dass nahezu alle im Mittelfeld einsatzfähigen Neuzugänge
(namentlich: Rösler, Paauwe, Coulibaly, Voigt, (Schachten)) Linksfüße sind und
die Borussia im Mittelfeld mit David Degen, Michael Delura, Hassan El Fakiri,
Bernd Thijs und gerade auch Mikkel Thygesen vor allem Akteure für die rechte
Bahn abgegeben hat.
Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Situation im Tor
entwickelt. Dort muss sich mit Christofer Heimeroth ein neuer Stammtorhüter
etablieren und mit der Vorderelf abstimmen, während sein potentieller
Konkurrent, Neuzugang Uwe Gospodarek, zum einen einen von Heimeroth
abweichenden Stil pflegt und in der Vorsaison genauso wenig überzeugend konnte
wie Heimeroth in dieser Zeit auf nötige regelmäßige Praxis gekommen war.
Ausrichtung und Stil: Durchaus forsch
formulierte Trainer Luhukay bereits in der Endphase der abgelaufenen Saison
seine Vorstellungen von der Spielweise der Borussia in der neuen Saison, die
nach seiner Prägung vor allem offensiv und aktiv sein sollte. Zur Erzielung von
Toren, und keinesfalls mehr bemüht defensiv und doch eher passiv wie noch in
der zurückliegenden Spielzeit allzu oft gesehen und allzu oft konsequent von
der jeweiligen gegnerischen Mannschaft ausgenutzt. Ein wesentlicher Punkt war
dabei gewiss die Identität, die das sportliche Verantwortungsteam von der
„neuen Mannschaft" als Teilnahmebedingung an der vermeintlichen
Aufstiegsmission verlangt. Ein anderer ganz zentraler Punkt war dabei die
Anforderung im spieltaktischen Bereich eine fußballerische wie gedankliche
Komponente zu besitzen und nicht von vornherein auf ein System festgelegt zu
werden.
In diesem Geiste mühte sich die Borussia etwa Spieler zu
finden, die nicht allein die weitverbreitete Anordnung mit vier
Mittelfeldspielern verkörpern können, sondern auch mit der nötigen Flügellast
um eine Zentrumsspitze herum das Spiel gestalterisch prägen können.
Sportdirektor Ziege etwa ließ sich bei der Suche nach (offensiven) Akteuren für
die Außenbahnen durchaus plakativ dahingehend zitieren, dass er keine
„System-Idioten" gebrauchen könne und Luhukay führte ergänzend aus, dass es bei
der von dem Duo angedachten Kaderstärke von 24 Akteuren überdies sehr wichtig
sei, möglichst variable Neuzugänge zu finden, die gleich für mehrere Positionen
in Frage kommen könnten.
Vordergründig im Auge hat der Borussentrainer zwei
taktische Grundkonzeptionen, die in modifizierter Art und Weise kontinuierlich
Anwendung finden könnten. Neben der Anordnung von 2 Stürmern vor 4 jeweils
Mittelfeldspielern und Verteidigern (das sogenannte „4-4-2"), wird auch mit
einer Anordnung von 4 Verteidigern hinter jeweils 3 Mittelfeldspielern und
Stürmern (das sogenannte „4-3-3") geliebäugelt.
Allen diesen Variationen wohnt inne, dass sich die jeweils
offensiv orientierten Akteure bei gegnerischem Ballbesitz an der
Wiedererlangung der Ballführung beteiligen - und sich dabei mitunter bis tief
in Richtung des eigenen Strafraumes zurückziehen müssen - und die jeweils
defensiv orientierten Spieler sich im Moment des Ballbesitzes in konstruktiver
Weise dem Ziel des Torerfolgs verschreiben. Dass kopfballstarke
Innenverteidiger bei Standardsituationen mit vorrücken, dass für Balleroberer
im zentralen Mittelfeld der Spielzug mit der Balleroberung und dem folgenden
Abspiel nicht endet, dass die Außenverteidiger probieren spielerisch möglichst
bis zur gegnerischen Grundlinie durchzukommen und der Schlussmann im eigenen
Kasten im Bedarfsfall das Spiel, etwa mit gezielten Abwürfen, beschleunigt.
Alles in dem Ansinnen ein erreichbarst reibungsfreies
Direkt- und Kombinationsspiel zu ermöglichen und mittels dieser Art von
„Rochaden" jene Stilmittel zur Unbrauchbarkeit zu degradieren, die einer
qualitativ unterlegenen Elf zum Vorteile gereichen können: das sogenannte
Abwehrbollwerk.
Es ist die erfolgreichste Art Fußball zu spielen, wenn man
dem Gegner sämtliche Anspielstationen, Lauf- und Passwege in Richtung des
eigenen Tores verwehrt, im eigenen Ballbesitz dann die fußballerische Qualität
besitzt, dessen mannigfaltige Unterbindungsversuche ins Leere laufen zu lassen.
Bis einschließlich zwei Wochen vor Saisonstart hatte die
Borussia bei allem Wunsch nach so einer größtmöglichen taktischen Flexibilität
allerdings das Manko, nicht über hinreichend Außen- bzw. Flügelstürmer zu
verfügen, um das angedachte „4-3-3" in seiner Varianten konkret wie ein
Automatismus einstudieren zu können. Im Gegensatz zur Vorsaison - als sie bis
zur Ankunft von Federico Insúa für ihr Mittelfeld im Mittelfeld eine Spielform
geprobt hatte, die sie mit dem Argentinier erst wieder tief in der
mängelbehafteten Rückrunde einigermaßen spielen konnte (Stichwort:
„Doppel-Sechs") - muss dies in einer Liga, in der ihre Elf zu den qualitativen
und individuell stärksten Equipen zählt, jedoch nicht zwingend derart negativ
durchschlagen. Auch weil der Trainer etwa durch die Miteinbeziehung von
förderungswürdigen Nachwuchskräften wie U23-Mann Moses Lamidi in die
Saisonvorbereitung der Lizenzspieler dieser Befürchtung ein Stück
entgegengewirkt hatte; trotzdem bleibt eine Variante mit vier
Mittelfeldspielern kurzfristig die dem Kader natürlichste Spielform.
Hierbei muss man zweckdienlich zwischen den Möglichkeiten
der „Raute" und der „Doppel-Sechs" unterscheiden. Beide bilden voneinander
differenzierende Konzeptionen. Bei der „Doppel-Sechs" etwa positionieren sich
zwei Mittelfeldakteure im zentralen Spielfeldbereich mit relativ geringer
Staffelungstiefe und führen dies geradezu durchgängig über das Spielfeld aus,
bei einer „Raute" ist diese Staffelung nicht zwingend nötig. Bei einer „Raute"
wird von dem offensiv positionierten Mittelfeldakteur eine geringere
Defensivarbeit verlangt, da er nicht allein von dem einen defensiven
Mittelfeldspieler hinter ihm, sondern zusätzlich auch von den beiden Fußballern
auf den Halbpositionen abgesichert wird. Andererseits verlangt diese Spielform
von dem defensiven Mittelfeldspieler nicht zwangsläufig die stetige Einbindung
in das eigene Angriffsspiel, dies wird wiederum vom offensiven bzw. vor allem
von den in dieser Spielform somit vielbeschäftigten Halbposition-Akteuren
verlangt und gewährleistet.
Und auch in der Variante der „Doppel-Sechs" gibt es
voneinander zu differenzierende Positionierungen. Agiert sie etwa auf einer
durchgängig Linie und weisen alle vier Mittelfeldspieler eine geringe
Tiefenstaffelung auf, ist von ihr verlangt sich situationsbedingt so konsequent
zur Seite des Balles zu verschieben, dass dem Akteur auf der ballentfernten
Seite die Aufgabe zukommt sich im Grunde als zusätzlicher Verteidiger extrem
tief einzuordnen.
Diese Variante ist allerdings ebenso zum Scheitern
verurteilt wie jene populär gewordene „4-2-3-1", wenn dort die äußeren
Mittelfeldspieler ihre bestehenden Verbindungs-Aufgaben zwischen Defensive und
Offensive (konsequente Defensivarbeit mit aggressivem Verhalten zum Zwecke des
Ballgewinns, schnelles Umschalten nach dem Ballgewinn der Mannschaft) nicht
(ausreichend) erfüllen.
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