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Borussia M'gladbach im Zweitligacheck - Teil 2 Drucken
Geschrieben von seitenwahl.de   
Donnerstag, 09 August 2007
Borussia MönchengladbachNachdem beim ersten Teil des diesjährigen Bundesligachecks vor allem die Stärken und Schwächen, die Neuzugänge und der Spielstil unter die Lupe gekommen waren, befasst sich der heutige zwei Teil mit den restlichen Komponenten, zu denen nicht allein der Trainer und die Saisonvorbereitung zählen. Zum Abschluss wartet anschließend die SEITENWAHL-Redaktion zudem einzeln mit Saisonprognosen auf.

Trainer: Wesentlich konsequenter als der Erfolg blieben der Borussia in den Jahren nach der Demission von Hans Meyer 2003 die Trainerwechsel treu. Der Niederländer Jos Luhukay ist bereits der sechste neue Trainer der Borussia in den letzten 54 Monaten und wie in bislang jeder Spielzeit nach ihrem Umzug an die Hennes-Weisweiler-Allee startet die Borussia auch in diese neue Saison eben mit einem anderen Trainer. Auf den juvenilen Fach, dessen Ära die Stadioneröffnung kurz überdauert hatte, war der kühle Advocaat, auf diesen der vertraut wirkende Köppel und auf diesen der Veteran Heynckes gefolgt; ehe dessen Rücktritt zum Februar diesen Jahres mit Jos Luhukay einen zuvor als Assistenztrainer angeheuerten Niederländer in ein Amt spülte, welches einst wie kein anderes Traineramt in der Bundesrepublik repräsentativ für kontinuierliches Arbeiten (und so gar nicht für das „Hire & Fire") stand.

Mit jedem Trainerwechsel in den vergangenen Jahren präsentierte sich in Mönchengladbach gleich immer auch eine ganz neue Mannschaft. Eher der Ausnahmefall war es, dass ein neu in das Amt gehobener Cheftrainer mit den vorhandenen Spielern der Borussia weiterarbeiten wollte, so etwa wie es Hans Meyer als Nachfolger Rainer Bonhofs, aber auch ein Ewald Lienen als Nachfolger Meyer (anfänglich) zu tun gedachte. Die von Kritikern der jüngeren Geschichte der Borussia gern symbolhaft in das Feld geführte „Fluktuation im Spielerbereich", mit mehr als achtzig Personalwechseln im Lizenzspielerkader der vergangenen sechs Jahre, ließ sich stets nachhaltig eben auch begründend an den Trainerwechseln festmachen - und, wirklich selbstverständlich möchte man anfügen, bildet in dieser Hierarchie auch der nunmehr fungierende Cheftrainer keine Ausnahme.

In Teilen geschieht dies gezwungenermaßen, denn natürlich hat der Verlust der Ligazugehörigkeit durch den neuerlichen Abstieg in die 2. Bundesliga den einen und auch den anderen Spielerwechsel bedingt. Man denke etwa an den des Marcell Jansen, dem die Borussia den persönlichen Klassenerhalt samt Perspektivaufschwung beim FC Bayern München durch ihre Einwilligung in den Transfer aus dennoch freien Stücken erlaubte. Oder an Peer Kluge, der sich im Anschluss an sechsjährige Vereinszugehörigkeit beim Abschied dahingehend zitieren ließ, dass er sich nicht ausreichend gewürdigt gesehen habe und deshalb das Weite suche, das er postwendend in Nürnberg fand.
Zu anderen Teilen geschah dies weniger gezwungenermaßen, denn auch Luhukay machte recht früh klar, dass er glaubt sich nur an den Erfolgen messen lassen zu müssen, die eine von ihm maßgeblich mit aufgestellte Lizenzspielerkombo hinbekommt. Obschon der Venloer eben eine Fußballlehrerausbildung anstrebt und dieses Examen keineswegs ein solches Spezialistentum beinhaltet. Ein Spezialistentum, dass es etwa wäre, wenn jeder Übungsleiter bei jeder Trainerstelle wieder auf das Neue eine ähnliche Ausbildung zu absolvieren hätte, die dann auf die Besonderheiten des jeweiligem Umfelds zugeschnitten sein würde.

In Mönchengladbach möchte man so eine Entwicklung zu einer derartigen Spezialausbildung fast empfehlen, denn natürlich ist es als blauäugig zu umreißen, wenn der Trainer meint er könne den Abstieg mit der Borussia in der vergangenen Saison ohne Schaden bzw. Kratzer an seinem, in Teilen von einem possierlich egoistischen Boulevardjournalismus kreierten, Image des Mängelverwalters überstanden haben. Und so war es gewiss nicht unfassbar, dass im Rahmen der letzten Spiele diverse Fangruppierungen bereits wieder Tücher und Plakate hissten, auf denen der Name des Cheftrainers Teil eines prägnant unvollständigen Aufforderungssatzes wurde.
Dementsprechend muss der Beobachter sich auch nur (T)Rainer Bonhof erinnern, dem es nach einem sehr durchwachsenen Start 1999/2000 auch wenig nützte, dass die von ihm von Friedel Rausch übernommene Zusammenstellung sich am Ende der ersten Abstiegssaison als außerordentlich wenig „coachbar" erwies. Gehen musste er nach dem Auswärtsmatch in Karlsruhe dereinst dennoch und obwohl er eine der besseren Bilanzen aller einkaufenden Trainer des letzten Jahrzehnts unter Beweis gestellt hatte.

Ob sich Geschichte immer wiederholt, ist dabei die Frage. Der frühere Krefelder Luhukay hat dabei, teils bewusst wie unbewusst (allerdings in Tateinheit mit dem neuen Sportdirektor der Borussia, Christian Ziege), in den Wochen seit dem feststehenden Abstieg der Borussia auch genügend Zitate geliefert, die den Druck auf ihn nicht gerade abschwächen werden, falls der Auftakt in die Spielzeit nicht ohne Reibungspunkte verlaufen sollte. Etwa das Versprechen eine sich mit dem Klub bzw. seinen Interessen verschmolzene Mannschaft zu bauen, die offensiven wie zugleich attraktiven Fußball bietet und garantiert um den Aufstieg mitspielen werde. Vereinzelt konnte man nur andächtig staunen zu welchen „Versprechen auf die Zukunft" der Nachbarländer da ungebremst gewillt war. Und sich gleich doch die Frage stellen, ob er sich mancher Welle, die eine solche Aussage öffentlich schlug, bei der Verkündung bewusst gewesen war.
Denn ob der Venloer es hören möchte oder eher doch nicht, Borussia Mönchengladbach ist aufgrund der Klubstruktur und der Vereinshistorie die wirklich gediegenste Hausnummer in seinem bisherigen Trainerlebenslauf. Gelegenheit in Brillanz zu reüssieren oder brutal „vor die Wand" zu fahren.

Nach zwei Jahren beim SV Straelen und einem Jahr beim KFC Uerdingen 05 sammelte er ab dem Sommer 2002 an der Seite von Friedhelm Funkel, Marcel Koller und Huub Stevens über drei Jahre Erfahrungen als Assistenztrainer und übernahm vor zwei Jahren schließlich mit dem SC Paderborn 07 einen Zweitligaaufsteiger. Aus dieser Paderborner Zeit, die rundweg eine Saison andauerte, rekrutiert der Niederländer das Gros seiner Reputation. Den ligaweit unterschätzten ostwestfälischen Emporkömmling führte er mit klugem Fußball und überschaubarem Etat in jenen Monaten zu einem niemals gefährdeten Klassenerhalt in der Liga, die er zuvor eben zwei Jahre lang als Assistenztrainer beim 1. FC Köln erlebt hatte. Seinem Renommee war der hernach erfolgte Ausstieg aus dem Traineramt in Paderborn vor allem insofern förderlich, als mit Anerkennung bemerkt wurde, dass der stets freundliche Ex-Mittelfeldspieler in der Sache rigoros und fernab einer ihm aufgrund seiner Bescheidenheit flott zugedichteten Sentimentalität entscheiden kann.

Diese Mixtur aus fachlicher Beurteilung und persönlichem Respekt brachte ihn, der seine UEFA-Trainerlizenz erst in dieser nun kommenden Saison abschließen wird, im Herbst vergangenen Jahres schnell mit mehreren vakanten Cheftrainerstühlen (u.a. Braunschweig, Hannover, Aachen) in Verbindung und begründete auch, weshalb seine Anstellung als Assistenztrainer bei der Borussia im Winter dann zur Folge hatte, dass die Öffentlichkeit in ihm vorrangig den „kompetenten Schattentrainer" sah, als der auch schon Jørn Andersen während der Amtszeit Horst Köppels früh bei „Munklern und Mauschelern" gegolten hatte. Mehr noch als bei jenem Andersen wurde dieses Klischee bei Luhukay (für welches dieser nichts konnte) gerade halt von typischen Schlagzeilenjournalisten immer wieder in grellen Farbtönen öffentlich gehegt und gepflegt.

Nichtsdestotrotz ist auf den Schultern wie eben Erfahrungen dieses „Novizen" ein Gutteil der Begründungen basiert, die besagen, dass die Borussia hinreichend auf die für sie nach so vielen Jahren wieder neue Umgebung der Zweitklassigkeit vorbereitet sei. Der Trainer kenne die Liga „in- und auswendig" und wisse daher um die Sachen, die für die erfolgreiche Absolvierung der Spielklasse in die richtige Richtung verlangt werden.
Infolgedessen durfte er zur Genüge schalten, infolgedessen muss er mit einer Erwartungshaltung jonglieren, die schlicht und ergreifend vorhanden ist, wenn ein Klub der (gewiss teils gänzlich ausgeblichenen) „Strahlkraft" Borussia Mönchengladbachs sich in der Zweitklassigkeit anmeldet.

Fans: Die herabwürdigende Mentalität des Hire & Fire hat längst auch die Anhängerschaften der Traditionsvereine eingenommen, Borussia Mönchengladbach bietet auf diesem Gebiet seit Jahren - und markanterweise seit dem Umzug in das neue Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee in hervorstehender Manier - eines der prägnantesten Beispiele. Auch in der zurückliegenden Abstiegssaison und gerade vor dem Hintergrund, dass der sogenannte moderne Fußball mit seinen allseits komfortablen Spielstätten den gewöhnlichen Anhänger immer deutlicher zu einem Konsumenten erzieht, der faktisch nicht mehr einsehen möchte, dass der von ihm dem Klub überreichte Obolus keineswegs eine Garantie auf vollständige Wunscherfüllung ist.

Viele Leute im Umfeld eines Fußballvereins sehen in diesen „modernen Zeiten" nicht mehr ein, dass der von ihnen durch ihr (Eintritts-)geld teilsubventionierte Fußballverein in einem Wettbewerb mit anderen Klubs steht, in dem er gleich mehrere Spiele am Stück verlieren und somit am Saisonende sogar die Spielklasse nach unten verlassen könnte.
Und weil viele Leute im Umfeld eines Fußballklubs dies nicht mehr meinen akzeptieren zu wollen, sehen es einige in Zeiten des Misserfolgs des von ihnen in dieser Form unterstützen Klubs auch längst nicht mehr ein sich jederzeit respektvoll und anständig zu verhalten. 

So etwas resultierte im Umfeld Borussia Mönchengladbachs auffälligerweise etwa in der Beinahe-Abstiegssaison 2004/2005 in den Morddrohungen gegen den damaligen Trainer Dick Advocaat und in den Erbärmlichkeiten im Anschluss an die gewiss schmerzhafte 0:6-Pleite im Auswärtsspiel bei Hertha BSC Berlin. Der ergebnistechnische Herbstaufschwung in der vorvergangenen Saison, der die Borussia zeitweise in das obere Drittel der Erstligatabelle spülte und den letztendlichen Klassenverbleib in jener Saison begründete, sorgte dann für eine merkliche Entspannung auf diesem Sektor. Allerdings führte dies (quasi in einer gleichförmigen Gegenbewegung) zur teilweise mystischen Verklärung der Fähigkeiten des damaligen Trainers Horst Köppel und legitimierte im Vorfeld seines Ausscheidens heftige Proteste gegen diesen korrekten Klubbeschluss in der Form, dass der in einer bereits merklich schwachen Rückserie unter Köppel gerettete 10. Tabellenplatz fortan wie ein Damoklesschwert als absolute Mindestanforderung über der Amtszeit von Köppels Nachfolger schwebte.

Und, unzweifelhaft, der bereits unter Köppel eingesetzte Abschwung in Ergebnissen wie Tabellenpositionen ließ sich von seinem Nachfolger nicht eindämmen, es gesellten sich Nebeneffekte wie eine erhöhte Verletztenliste auf Schlüsselpositionen (beide deutsche Nationalspieler des Klubs fielen u.a. & gerade in der Vorrunde lange aus) hinzu. Dies ließ eine ohnehin schon wenig gefestigte Elf in dieser Folge noch labiler werden. Die durch anhaltend schlechte Ergebnisse emotional gepeinigte Anhängerschaft quittierte dies mit Reaktionen, die in den Amplituden (und trotz allseits bemühter Gegenlenkungsversuchen) wieder in jene Widerlichkeiten überging, nach denen bereits Dick Advocaat einst demissionierte.

Und so kann, wer mag, schlussendlich davon sprechen, dass bei zwei der letzten drei Trainerwechsel Borussia Mönchengladbachs auch Wirrköpfe in der Anhängerschaft des Klubs einen maßgeblichen Anteil hatten. Sarkastisch gesprochen muss man als Verantwortlicher in Mönchengladbach halt bloß immer erfolgreich sein!

Anlass zu einem verschnupften Naserümpfen bot zuletzt auch das im Rahmen der Saisoneröffnung vollzogene Abschiedsspiels von Nationalspieler Marcell Jansen, der für die vereinsbezogene Rekordablösesumme von 12 Millionen Euro von seinem neuen Klub Bayern München von der Pflicht befreit worden war die Borussia in die Zweitklassigkeit zu begleiten. Pfiffe bei jedem Ballkontakt bildeten den Lohn, den viele der „treuesten der Treuen" dabei demjenigen zu Teil werden ließen, der zuletzt noch ihr „Fußballgott" gewesen war. Fansein basiert augenscheinlich wohl doch auf Fanatismus. Selbst dann, wenn im Gegensatz zu vormaligen Transaktionen richtig offensichtlich ist, dass bei solch einer zum Fußballsport seit jeher dazugehörigen Sache objektiv betrachtet niemand sich als „über den Tisch gezogen" fühlen muss. 

Von derlei hiermit nunmehr geschilderten Stich- und Kritikpunkten an der Anhängerschaft Borussias abgesehen - die in der „breiten Spitze" und in ihrem gehäuften Aufkommen gewiss dafür sorgen, dass ein grundfalscher Eindruck entstehen könnte - dank knapp 18.400 verkaufter Dauerkarten (im Vorjahr in der 1. Bundesliga: 26.200) kann man die Fanschar der Borussia, die sich gern als „beste der Liga" betrachtet und sich aufgrund der Rückschläge in den vergangenen Jahr(zehnt)en überbordend oft als „leidensfähig" darstellt, trotzdem als treu betiteln. Jedenfalls den weiterhin enormen Teil, der sich über Niederlagen und Misserfolg zwar ärgert und auch eine eigene (differenzierte) Meinung pflegt, der sich aber auch in den Stunden der bitteren Schlappen die Würde wie den Anstand bewahrt hat. Und eben mit Rückschlägen vergleichsweise souverän umzugehen weiß.

Finanzielle Situation: Mehr als 18 Millionen Euro an Transfererlösen, ein vereinseigenes Stadion, ein Vorsteuergewinn von 6,2 Millionen Euro innerhalb des Geschäftsjahres 2006. Wäre da nicht der Abstieg in die 2. Bundesliga, Borussia Mönchengladbach mit seinen mehr als 35.000 Vereinsmitgliedern würde sich im 108. Jahr seines Bestehens als überaus prosperierender Bundesligist zeigen können. So aber ist der Verein aufgrund der sportlichen Minusentwicklung in der abgelaufenen Saison dazu gezwungen seinen stetigen Expansionskurs der abgelaufenen Jahre auf ökonomischem Gebiet vorläufig und wohl für die Dauer des neuen Aufenthalts in der Zweitklassigkeit einzuschränken, denn dieser Ligaverlust macht sich nicht nur in der unmittelbaren Budgetplanung bemerkbar. 

Nach einem Saisonetat in der Größenordnung von 60 Millionen Euro (bei einem Umsatz von 65,5 Millionen Euro) in der zurückliegenden Saison hatte die Borussia daher ihr diesjähriges Budget auch konsequenterweise auf gut 36 Millionen Euro herunterzuschrauben. Neben geringeren Sponsoreneinnahmen, die etwa zwei Drittel der im letzten Jahr erzielten Einkünfte auf diesem Teilgebiet entsprechen werden, sind auch geringere Aufwendungen für den Lizenzspielerkader darin vorgesehen. Etwas mehr als zehn bzw. elf Millionen Euro weniger als der Vorjahreskader wird so der Kader der Spielzeit 2007/08 an Gehaltszuwendungen erwarten können, eine Summe die auch durch den Abgang mehrerer sogenannter Bestverdiener gespeist wird und sich darüber hinaus mit Summen messen lassen muss, die die Borussia etwa auf dem Gebiet der TV-Vermarktung in Form eines Rückganges zu verzeichnen haben wird. Der gültige Fernsehrechtevertrag lässt die Klubs der 2. Fußball-Bundesliga proportional nun einmal geringer an den im Vorjahr und bis 2009 festgezurrten Provisionen partizipieren als jene Gesellschaften, deren Personal in der 1. Bundesliga das begehrte runde Lederimitat von einem Strafraum zum nächsten befördern können. 

Als in den letzten Jahren kontinuierlich in der höchsten Spielklasse agierender Klub kommt der Borussia dabei in diesem Moment (noch) zugute, dass diese finanzielle Fallhöhe  - dieser Unterschied - geringer ausfällt als bei jenen, die sich seit mehreren Spielzeiten in der Unterklassigkeit bewegen (müssen).

Dennoch ist es für die Borussia und ihre sportlichen Ambitionen wesentlich, dass sie möglichst schnell in die höchste Spielklasse zurückkehrt und da kommt es ihr gelegen, dass sie in diesem sonst so trüben Abstiegssommer eine durchweg zufriedenstellende Einnahmesituation etwa auf dem Transfermarkt bewerkstelligen konnte. So ist es nicht utopisch die - im direkten Vergleich zur Vorsaison etwa - Einbußen, die der Spielbetrieb hoffentlich nur in den kommenden Monaten für sie vorhalten wird, auch mit diesen Einnahmen zusätzlich abzufedern. Hieraus rekrutieren sich auch die Einschätzungen, die Vizepräsident Siegfried Söllner („Auch für den unwahrscheinlichen Fall eines mehrjährigen Aufenthalts in der zweiten Liga hätte Borussia keine existenziellen Finanzprobleme.") im Frühling im SEITENWAHL-Interview oder etwa Geschäftsführer Stephan Schippers („Wir sind nicht reich, aber gesund!") auf der jüngsten Mitgliederversammlung zur finanziellen Lage der Borussia abgegeben hatten. Aus den obigen Verhältnismäßigkeiten erklärt sich hingegen eine weitere Einschätzung des Geschäftsführers - das plakative „Wir müssen jeden Cent röntgen!".

Parallel zu ihrem sportlichen Abschneiden befindet sich die Borussia eben auch noch in der Verpflichtung gegenüber den Kreditverträgen für ihr 2004 fertig gestelltes (und bereits damals schon überfälliges) Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee. Diesen hat sie Folge zu leisten. Dafür hatte sie, die auch eine Spielklasse tiefer trotz geringerer Einnahmen weiter dieselben Aufwendungen für den Betrieb des Stadions (ungefähr 3 Millionen Euro) hat, ursprünglich einen fünfzehnjährigen Zeitraum angesetzt und war ob der ökonomischen Positiventwicklung der vergangenen Jahre so ambitioniert gewesen, die vollständige Rückzahlung dieser Kredite noch rascher als in jenen 180 Monaten bewerkstelligen zu wollen. Hierbei hilft ihr nun der merkliche sportliche Abschwung nicht.

Annährend 28.000 Zuschauer pro Heimspiel benötigt die auf gesunden finanziellen Füßen sportlich streitende Borussia in der kommenden Saison etwa, um entsprechend kostendeckend zu wirtschaften. Nun haben sich immerhin noch cirka zwei Drittel der letztjährigen Dauerkarteninhaber zum Erwerb eines neuerlichen Saisonabonnements  bewegen lassen. Etwas, dass die Ränge des 54.000-Zuschauer fassenden Runds an der Hennes-Weisweiler-Allee pro Heimspiel schon mit ca. 18.000 Besuchern füllen wird und bedingt, dass es der Borussia gelingt durch ihren Saisonverlauf jeweils weitere 10.000 Gästefans und/oder Tagesbesucher anzulocken. Dabei ist aus Erfahrung deutlich, dass bestimmte Duelle (Aachen, Köln etc.) in dieser mit reichhaltig Traditionsvereinen bestückten 2. Bundesliga sogar das grundsätzliche Potential haben für ein ausverkauftes Haus zu sorgen und somit jene Partien mit geringerem Zuschauerinteresse unter dem Strich ausgleichen.

Als ein weiteres Zeichen gesunder Stärke ist es zu interpretieren, dass die Borussia auch in die neue Saison startet, ohne bestimmte Vermarktungsmöglichkeiten wahrgenommen oder gar ausgereizt zu haben. So erlaubt sich die Borussia auch im vierten Jahr nach der Eröffnung in einem Stadion zu spielen, dessen Bezeichnung noch nicht vermarktet worden ist und dementsprechend im Zweifelsfalle noch vermarktet werden könnte. Auch ist die 1999 noch so immens verschuldete Borussia löblicherweise selbstbestimmt und selbstgewählt in der Position, dass sie weiterhin nur in bruchstückhaftem Ausmaß die von ihr erzielten Einnahmen weiterreichen muss. Keine signifikant von ihr erzielten Einnahmen hat sie „verpfändet", keine Ausgaben bis hierhin aus Vorschüssen, Langzeitkrediten oder allgemein aus „Geldspritzen" an Rendite interessierter Dritter finanziert. Sie ist unumwunden Herr in ihrem eigenen Haus. Nicht reich, aber gesund!

Saisonvorbereitung: Wie spricht der Haustürverkäufer? „Gut, dass das jetzt passiert. Gut, dass das passiert, wo ich noch da bin!" Hiermit gaukelt der stets übertrieben freundlich tuende Geselle mit seinen kreativ bepreisten Haushaltsgerätsimitaten vor, die vorherrschende Lage trotz Panne oder Fehler dank eigener Kompetenz völlig im Griff zu haben. 

Nun, freilich fällt es schwer sich einen Christian Ziege oder Jos Luhukay in so einem Gewand und Lage vorzustellen. Aber nachdem die Mannschaft ihre letzten beiden Testspiele (Bergisch-Gladbach, Bochum) vor dem Auftakt in die Pflichtspielsaison in profunder Form vergeigt hatte, mussten Sportdirektor und Trainer ähnlich beschwichtigendes Vokabular hervorkramen, um die durch diese Resultate (2:3, 0:3) angespannte Anhängerschaft im Zaum zu halten. Wenn man zehn Tage zuvor den Testspielsieg über Rekordmeister Bayern München (2:1) überbewertend wie eine deutsche Meisterschaft oder krachledernd als den Beginn einer „neuen Ära" gefeiert hatte, mögen solche Extreme ja auch normal sein. Objektiv betrachtet gehören Niederlagen wie Erfolge auch in der Saisonvorbereitung zum Tagwerk eines Klubs.

Einundvierzig Tage lagen zwischen Borussias Trainingsauftakt am 24. Juni und dem DFB-Pokalspiel beim neuen Ligakonkurrenten VfL Osnabrück (1:0), in diese 41 Tage streute die Borussia zwei Trainingslager (in Bad Kleinkirchheim, in Kamen-Kaiserau) ein und apostrophierte das erste eher als konditionsbildende, jenes in Kamen-Kaiserau eher als spieltaktische Fortbildung für den Kader, obwohl in die Tage in der Heimatregion von Torwart Christofer Heimeroth kaum zu eingehender Taktikschulung genutzt wurden: zwei das taktische Verständnis stärkende Einheiten binnen 5 Tagen belegen dies.

Neben einigen, das Mannschaftsgefüge stärken sollenden, Ausflügen in beiden Trainingslagern und der Erholung zur Verfügung stehenden Tagen, umfasste die Saisonvorbereitung acht Vorbereitungsspiele. Aufschlussreiche Test, die wie erwähnt in zwei Niederlagen zum Abschluss und dem Testspielerfolg zur Saisoneröffnung ihre erkenntnisbringendsten Momente hatten. Aufgrund der überhängenden Kaderplanung ohnehin nicht von Beginn an vollzählig vertreten - ein Zustand der bis zum Ende der Vorbereitungsphase anhielt - reduzierte sich die Gruppe zwischenzeitlich auch noch durch Blessuren. Bei Mannschaftskapitän Oliver Neuville traten Beschwerden an den Achillessehnen zu Tage, Neuzugang Schachten erlitt einen Muskelfaserriß im Oberschenkel, Mitstreiter Patrick Paauwe eine schwere Stauchung der Becken- und Lendenwirbelsäule sowie eine Irritation des Ischiasnervs und der eigentlich keine Rolle mehr spielende Kahê musste sich einer Operation am Außenmeniskus unterziehen, die ihm nicht nur den Abschied von der Borussia (und der Borussia eine neuerliche Transfereinnahme) vermasselte, sondern auch noch prognostizierte zwei Monate in eine Zuschauerrolle drängen wird.

Nachträgliche Kaderveränderungen: Zwei Wochen vor Beginn der neuen Saison - und durch den DFB-Pokalspieltag somit nach dem Ende der Saisonvorbereitung - gab die Borussia mit dem Schweden Sharbel Touma eine neunte Sommer-Neuverpflichtung bekannt. Vom UEFA-Pokalteilnehmer aus der Ehrendivision ablösefrei gekommen, hatte der in Beirut im Libanon geborene dort seinen Ruf als Leistungsträger besonders mit 9 Torerfolgen im Verlauf der letzten Saison unterstrichen. Auf dem linken und auf dem rechten Flügel (sowie hinter den Spitzen) einsetzbar, könnte der elegante Ex-Nationalspieler bei der Borussia die während dieses Checks angesprochene Dürre auf dem rechten Flügel eindämmen und obendrein das Potential an Torgefahr aus der vermeintlich zweiten Reihe weiter erhöhen.

Touma wird noch nicht der letzte Neuzuzug sein, dies wurde bereits ebenso angekündigt wie die Abgänge von José António dos Santos Silva ("Zé António"), Wesley Sonck und David Degen von der Gehaltsliste der Borussia in Aussicht stehen. Geht es nach den Verantwortlichen, können sie ihrem Kader bis zum 31. August noch einen Mittelstürmer und einen Außenstürmer zur Verfügung stellen. Beide Akteure müssen zwar dann noch integriert werden, aber die Verantwortlichen möchten dies dadurch beschleunigen, dass sie für diese zwei Positionen zwei Spieler holen, die die Elf "sofort verstärken". Aus diesem Grund hatten sie zuvor auch zwei diesem Anspruch nicht genügende Probanden (Milan Ivana, Vlatko Grozdanovski) wieder auf die Heimreise geschickt.