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FSV Mainz 05 - Bor. Mönchengladbach 4:1 |
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Geschrieben von seitenwahl.de
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Freitag, 24 August 2007 |
Mit einem in der Höhe verdienten 4:1-Heimerfolg verschaffte sich der FSV Mainz 05 am dritten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga den zweiten Saisonsieg. Während die Mainzer glücklich sein durften, konnte man mit Bezug auf Borussia Mönchengladbach feststellen, dass die Mannschaft am heutigen Tage ebenso kopflos und panisch agierte wie große Teile ihrer Anhängerschaft in der zurückliegenden Woche. In einem Spiel, in dem die Borussenelf völlig zusammenhanglos blieb, erzielte Patrick Paauwe den Ehrentreffer für die Borussia, Juniorennationalspieler Marko Marin vergab die nächstbeste von unter dem Strich drei Gladbacher Torchancen durch einen Schuß an den Außenpfosten des Tores der Heimelf.
Im Vergleich zur Startelf des Heimspiels gegen Hoffenheim
1899 nahm Trainer Jos Luhukay zwei Veränderungen vor. Für den erkrankten
Sebastian Svärd ließ er Rob Friend auflaufen, der in die Spitze agierte, für
den verletzten Marcel Ndjeng absolvierte mit Sharbel Touma ein weiterer Neuzugang
sein erstes Pflichtspiel in der Startformation der Borussia. Ansonsten verschob
sich ob des Fehlens von Svärd Soumaila Coulibaly in die etwas defensivere
Mittelfeldposition an der Seite von Patrick Paauwe und Sascha Rösler rückte in
jene offensive Mittelfeldrolle, die Coulibaly gegen Hoffenheim noch ausgeführt
hatte.
Mit einer vollauf nervösen Anfangsviertelstunde
wiederholte die Borussia einen schon gegen Kaiserslautern und Hoffenheim
dargebotenen Spielstart. Dabei bot sie das, was im Spielverlauf ihr symptomatischstes
Erkennungsmerkmal werden sollte - die Zusammenhanglosigkeit - in nahezu jeder
Szene. Gerade von den Mainzern übernommene Bälle wurden auf dem schnellsten Weg
wieder verloren, zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen eröffneten sich meterweite
Lücken und inmitten dieser Unansehnlichkeiten ging das Mittelfeld der Borussia
ebenso unter wie ein gepflegtes Passspiel. Sowohl im Angriff, wo Rob Friend
meist in der Luft gesucht und nicht gefunden wurde (etwa durch Toumas
Flankenversuch in der 8. Spielminute), als auch in der Abwehr sprangen und
hüpften die mit einem Borussentrikot versehenen Spieler meist planlos umher und
hatten sich nicht zu wundern, dass den Mainzern mit ihrer ersten echten
Torgelegenheit der Partie in der 12. Spielminute durch Borja der frühe
Führungstreffer gelang; Alexander Voigt hatte in der Abwehrbewegung eine
entstehende Abseitsfalle aufgelöst und die Position des Ekuadorianers vor dem
Tor von Christofer Heimeroth damit legalisiert.
Während sich die Borussia in den folgenden Spielminuten
mehr darüber echauffierte, dass ein Mittellinien-Foul gegen Sascha Rösler von
Schiedsrichter Perl nicht mit einer Verwarnungskarte gegen die Heimelf bedacht
wurde, führten die Gastgeber durch einen auf dem Fuß folgenden direkten
Freistoß des Daniel Gunkel bereits in der 16. Spielminute mit 2:0. Roel
Brouwers hatte durch ein für Schiedsrichter Perl gelbwürdiges Foul, infolge
eines Stellungsfehlers von Kasper Bögelund, einen Freistoß verursacht, den der
ehemalige Cottbusser in den Mainzer Kleidern direkt zum Torerfolg nutzte.
Dieser umjubelte Treffer sorgte bei den Mainzern schlagartig für mehr
Souveränität und Ruhe im Spiel, die ohnehin kopflos agierende Borussia wurde
dadurch indes nicht zielstrebiger, verlor sich auch im weiteren Verlauf der
ersten Spielhälfte vor allem einmal in hektischem Gebolze und ließ jeglichen
Esprit wie auch Spielkultur & Engagement vermissen.
Nachdem sich Marko Marin in der 30. Spielminute beinahe im
Strafraum der Gastgeber mit dem Ball gegen den keck zu Werke gehenden
Einwechselspieler der Heimelf, Markolf, durchgesetzt hatte und mit leichtem
Erstaunen feststellte, dass Schiedsrichter Perl auch in dieser Szene die Gelbe
Karte in seiner Brusttasche ließ, erhielt im Gegenzug Patrick Paauwe für ein
unbeabsichtigtes Foulspiel im Mittelfeld eben diese Verwarnung vom
Schiedsrichter.
Viel eher hätte diese dabei der am heutigen Freitag ebenso
wie Soumaila Coulibaly völlig neben sich stehende Sascha Rösler, Borussias
Kapitän, sehen müssen, doch dessen rüdes Vergehen gegen Hoogland akzeptierte
der Münchener Referee mit relativer Leichtigkeit.
Bis zum relativ pünktlichen Halbzeitpfiff verlief das
Spiel wie skizziert. Wenn die Borussia es einmal schaffte den gerade erlangten
Ballbesitz nicht sogleich wieder einzubüßen, dann währte ihr Kombinationsfluss
jedoch kaum länger als das auf das erste Abspiel folgende zweite Abspiel. Marko
Marins seichter Schuss in der 53. Spielminute war für Torwart Wetklo keine
Prüfung, eher schon der Versuch Bögelunds infolge eines von Coulibaly kurz ausgeführten
Freistoßes in der 40. Spielminute.
In jener Situation bewies die versammelte und versammelt
aufgerückte Borussenmannschaft allerdings auch eine ihr über den gesamten
Spielverlauf zu attestierende Naivität. Als Wetklo den Versuch Bögelunds gehalten
hatte, beförderte der Tormann das Spielgerät umgehend in das Spiel zurück und
dort genügten den gedankenschnellen Gastgeber wenige kurze Zuspiele um zu einer
weiteren Großchance durch Felix Borja zu gelangen. Borussias bester Mann am
heutigen Abend, Christofer Heimeroth, verhinderte jedoch, dass die Rheinhessen
mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Halbzeitpause gehen konnten.
Aus der Halbzeitpause kamen beide Mannschaften in
unveränderter Verfassung. Die im Hintertreffen befindliche Borussia vermochte
auch jetzt zu keinem Zeitpunkt einen imaginären Schalter umzulegen. Zwar wurde
hin und wieder das Kombinationsspiel nicht wieder sogleich von einem Fehlpass
überschattet, doch merklich zusammenhängender agierte die Equipe trotzdem
nicht. Obgleich es der Zufall wollte, dass ein Gunkel-Freistoß aus erheblicher
Torentfernung von Steve Gohouris Ellenbogen abgefälscht wurde (51.) und prompt
unhaltbar für Christofer Heimeroth im Borussentor zum 3:0 einschlug, die
Mainzer waren auch hier in dieser Spielphase wieder die wesentlich
ballwilligere Mannschaft, die sich ihre nunmehr glasklare Führung durch echtes
Engagement und leidenschaftliches (Zusammen-)Spiel verdiente.
Nachdem bereits in der 55. Spielminute Oliver Neuville den
enttäuschenden Sascha Rösler ersetzt hatte, gelang den Mainzern über einen
schulbuchmäßigen Konter in der 60. Spielminute ihr viertes Tor. Die Borussia
war in jener Situation zu einem Eckball gelangt und wieder waren - wie schon in
der ersten Halbzeit bei der Möglichkeit des Felix Borja - sämtliche
Borussenspieler so weit aufgerückt, dass das erfolgreiche Vereiteln einer
Torchance für Borussia durch Mainz die Mainzer in die Lage brachte einen
sehenswerten Tempogegenstoß zu initiieren. Nachdem der eingewechselte Amri das
Duell mit dem letzten verbliebenen Borussen, Alexander Voigt, für sich
entschieden hatte, demonstrierten die Gastgeber um Torschütze Feulner (60.) mit
diesem Spielzug ihre völlige Überlegenheit. Nicht erwähnenswert, dass Heimeroth
auch hier wieder sträflich von seinen Teamgefährten im Stich gelassen wurde.
Die Gastgeber hatten nun ihren Torhunger vorerst gestillt
und verlangsamten das Spieltempo derart, dass die pomadig umherirrende
Borussenelf in optischer Hinsicht mehr Spielanteile bekam. Die mündeten bei
verlangsamtem Tempo nun auch ein bisschen öfter in Ansätze von
Kombinationsfußball, blieben aber meist Stückwerk und ohne größeren
Zusammenhang. So ließ sich auch nunmehr eigentlich nicht von einem
Zusammenwirken der Borussenspieler sprechen, auch wenn besonders Oliver Neuville
wesentlich besser mit Marko Marin harmonierte als zuvor Sascha Rösler und es
daher sporadisch den Eindruck hatte als käme die Borussia langsam in Schwung -
etwas, das bei einem Zwischenstand von 0:4 jedoch in jedem Fall zu spät gewesen
wäre.
Kurz nachdem Marvin Compper den wirkungsfreien Sharbel
Touma ersetzt hatte und Roberto Colautti (für den in der Luft hängenden Rob
Friend) zu seinem ersten Pflichtspiel für die Borussia kam, erzielte Patrick
Paauwe in Folge einer Ecke von der rechten Angriffsseite der Borussia den
eigentlich unverdienten Ehrentreffer für eine Mannschaft, die sich schlichtweg
über den die gesamte Spielzeit nicht als solche präsentierte. Hernach, als die
Kräfte der Mainzer zusehends weniger wurden, kam die Borussia sogar noch zu
zwei weiteren klaren Gelegenheiten vor dem Tor von Mainz-Torwart Wetklo, doch
Marko Marin zirkelte die beste Torgelegenheit der Borussia im gesamten
Spielverlauf (77.) an den Außenpfosten und beließ es damit bei einem
Ehrentreffer für seine Mannschaft.
Es steht außer Frage, dass der Erfolg des FSV Mainz 05 in
dieser Partie und auch in dieser Höhe vollauf in Ordnung geht. Im Gegensatz zu
ihren Mönchengladbacher Kontrahenten präsentierten sich die Rheinhessen als
gemeinsam agierende Mannschaft mit Freude am Fußballspiel. Selbst wenn etwa der
zweite Mainzer Treffer aus einer Einzelaktion (direkter Freistoß) fiel und der
dritte Ball per Zufall den Weg in das Netz fand, glücklich war der Erfolg des
einen Bundesligaabsteigers über den anderen Bundesligaabsteiger in keinem Fall.
Er war die Summe aus fußballerischen und mannschaftlichen Komponenten, die
dieser Borussenmannschaft am heutigen Tage einfach fehlten. Borussia agierte
planlos, kopflos und allenfalls in Fragmenten. Ganz besonders enttäuschten die
(Zweitliga-)erfahrenen Spieler in der Stammformation wie Torschütze Patrick
Paauwe, Soumaila Coulibaly, Alexander Voigt oder Sascha Rösler, von denen
gerade in schwierigen Phasen dieses Spiels genauso wenig zu sehen und zu spüren
war wie in entscheidenden Situationen.
Wesentlich erschreckender als die Tatsache der ersten
Saisonniederlage ist so die Art und Weise wie diese erste Saisonniederlage der
Borussia passierte. Im Grunde fühlte sich mancher Beobachter an die vergangenen
Jahre mit all den abscheulichen Auswärtsgesichtern der vielen unterschiedlichen
Borussenteams jener Spielzeiten erinnert. Eigentlich bot die Mannschaft
allerdings kaum eine andere Leistung als die Mehrzahl derer ob zweier Remis zum
Saisonauftakt schon hypernervös auf „Mechanismen des Geschäfts" abzielenden
Teile der Anhängerschaft, die in der vergangenen Woche mit ihrer
Hyperventilität in und um Borussia Mönchengladbach für die erste große
Ernüchterung der noch jungen Spielzeit gesorgt hatten. Inwiefern es diesen
Kräften zum Vorteil gereicht, dass die Mannschaft das wahrmachte, was sie ihr
im Frust über ein torloses Heimremis gegen einen schon im Vorfeld
unterschätzten Zweitligaaufsteiger voraussagten, sei dahingestellt.
Klar ist aber auch, dass die bevorstehende Woche für die
Borussia somit kaum noch unruhiger als die vorherige werden kann. Die
wirklichen Widrigkeiten dieser letzten Tage - etwa dass ein Umfeld wohl deshalb Umfeld
heißt, weil es bei jeder geringfügigen Unwägbarkeit in ein gar unheilvolles
Meinungsextrem eben umzufallen pflegt - sind dabei schon großzügig mit
eingerechnet. Denn klar ist auch, der Trainer konnte während des heutigen
Spiels nur drei der elf Mönchengladbacher Lizenzspieler mit einer vorzeitigen
Auswechselung bedenken. Mit Ausnahme von Torwart Heimeroth und (mit wohlwollenden Abstrichen) Talent Marin
hatten sich indes alle auf ihre eigene Art und nach Kräften gerade darum
beworben.
FSV Mainz 05: Wetklo - Hoogland, Subotic,
Noveski, Demirtas (Markolf 23) - Karhan, Gunkel, Pekovic, Feulner (M. Vrancic
78) - Ruman (Amri 46), Borja
Borussia: Heimeroth - Bögelund, Brouwers,
Gohouri, Voigt - Coulibaly, Paauwe - Touma (Compper 70), Rösler (Neuville 55),
Marin - Friend (Colautti 78)
Tore: 1:0 Borja
(12.), 2:0 und 3:0 Gunkel (16., 51.), 4:0 Feulner (60.), 4:1 Paauwe (73.)
Schiedsrichter: Günter Perl (München)
Zuschauer: 20.300 (ausverkauft)
Gelbe Karten (Borussia): Brouwers, Paauwe
Rote Karten: -
Besondere
Vorkommnisse: Borussias Neuzugang Soumaila Coulibaly absolvierte am heutigen Tage
sein 100. Pflichtspiel in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit Roberto Colautti stand
heute ein anderer Neuzugang der Borussia erstmals im Borussentrikot auf dem
Fußballfeld.
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