|
|
Home 2007/08 05, A, BL, Aue
|
FC Erzgebirge Aue - Bor. Mönchengladbach 2:3 |
|
|
Geschrieben von seitenwahl.de
|
|
Montag, 17 September 2007 |
Ein deutliches Chancenplus, eine energische Darbietung und zwei Tore sahen die Borussia bei ihrem ersten Auswärtssieg in der laufenden Zweitligasaison am heutigen Montagabend in Aue schon zur Halbzeit verdient in Front. Ein verschossener Foulelfmeter von Oliver Neuville und zwei schnelle Tore der Heimelf nach der Halbzeitpause brachten die Gastgeber danach dann auf eine Augenhöhe, die der Kopfballtreffer Roel Brouwers nach rund einer Stunde wieder wettmachte und für die vor allem in der ersten Halbzeit klar spielbestimmende Borussia letztlich auch jene drei Punkte sicherte, die sie in diesem Spiel anvisiert hatte.
Ohne die in Mönchengladbach verbliebenen Coulibaly,
Colautti, Daems, Schachten, Bögelund und Touma veränderte Trainer Jos Luhukay
seine Anfangsformation im Vergleich zum vorherigen Punktspiel gegen Osnabrück
auf drei Positionen. Während Tobias Levels auf der Rechtsverteidigerposition in
der Mannschaft blieb, rutschten Steve Gohouri und Marko Marin auf die
Ersatzbank. Für sie begannen Sebastian Svärd und Johannes van den Bergh, hinzu
gesellte sich der für den virusgeschwächten Coulibaly nominierte Ndjeng, der
als Pendant zu dem links im Mittelfeld postierten van den Bergh rechts leicht
versetzt zu Sebastian Svärd agierte. Svärd begann für den in die zentrale
Deckung zurückgezogenen Paauwe vor der Abwehr, seinerseits leicht gestaffelt
zum offensiver wirkenden Sascha Rösler.
Schon in der Anfangsphase probierte sich die
Borussenmannschaft in der Offensive. So kam nach zwei Minuten
Mannschaftskapitän Oliver Neuville zum Schuss aus gut zwanzig Metern
Torentfernung. Diesen Verschuch unterband Tomasz Bobel im Gehäuse der
Erzgebirgeelf mit einer Ballaufnahme. Auch in den Folgeminuten war die Elf von
Jos Luhukay daran interessiert den Spielfluss der Gastgeber nicht zur
Entfaltung kommen zu lassen und verstand es dabei den Ball weiträumig von dem
von Christofer Heimeroth bewachten Borussentor entfernt zu halten. Nicht immer
allerdings vermochten die ballgewinnenden Borussenspieler den Ball präzise zu
verarbeiten und so dauerte es bis zur neunten Spielminute, ehe mit Marcel
Ndjeng am Rand des Strafraums der Sachsen erstmals ein Borussenspieler in eine
wirklich gute Schussposition kam. Der Schuss des Bonners wurde von einem Auer
Abwehrspieler an das Außennetz abgefälscht und taugte somit immerhin zu ersten
Eckballsituation der Borussia in diesem Spiel - diese, von Ndjeng übernommen,
resultierte gleich in Sascha Röslers Führungstor für die Borussia.
Der Offensivspieler hatte sich im Rücken der Spieler Kos
und Feldhahn bei der Eckballflanke Ndjengs, die auf den hinteren Fünfmeterraum
des Strafraums der Sachsen abzielte, so in Stellung gelaufen, dass er den
Flankenball mit dem Vollspann aus der Bewegung heraus knapp über der Grasnarbe
treffen konnte und den in diesem Moment noch vor ihm postierten Auer Spielern
samt Torwart dabei keine Chance zur Verhinderung des Führungstreffers für die
Borussia lassen brauchte; Die Borussia lag in Front, hatte in diesem
schwierigen Auswärtsspiel die erhoffte frühe Führung mit Vehemenz erzwungen.
Bedauerlicherweise wusste die Borussia in den auf den
kollektiven Jubel der mitgereisten Borussenanhänger unter den Zuschauern aus
diesem Vorteil nicht mehr Kapital als die Spielkontrolle zu schlagen, wobei
erwähnt werden muss, dass auch hernach noch wesentlich zu viele Bälle in der
Vorwärtsbewegung auf einfache Weise verloren wurden und das generelle
Umschalten aus der Verteidigungs- in die Angriffshaltung und Angriffsbewegung
weiterhin verlangsamt vollzogen wurde. Dadurch büßte die Borussenmannschaft
mitunter die sich ihr unmittelbar gebotenen Räume im Rücken des Gastgebers zu
rasch ein und konnte in den seltensten Fällen ein Tempospiel darbieten. Die
positivste Begleiterscheinung ihres Führungstreffers - neben der Tatsache in
Führung zu liegen - blieb so die Verunsicherung und Disharmonie, die dieses
Ereignis in der Elf von Erzgebirge Aue auslöste. Die Elf von Trainer Schädlich
hatte sich offenbar den Verlauf der Partie so nicht vorgestellt und ihr
Arrangement mit dem frühen Rückstand war kein fließendes, wie erhebliche und
teilweise erheblich simple Ballverluste (auch in der Nähe des eigenen Tores)
bis hin zur Halbzeitpause zum Ausdruck brachten.
Borussia, die die Spielkontrolle hatte und das
Spielgeschehen abzüglich kleinerer Vorstöße der Gastgeber konsequent stets
fernab des Tores von Christofer Heimeroth abwickeln konnte, hätte schon vor
ihrem zweiten Torerfolg des Spiels mehrfach zu weiteren Jubeleinlagen kommen
müssen, doch nicht nur der wieder sehr präsente Rob Friend (26.) - dem in der
35. Minute nach einer sehenswerten Kombination über mehrere Stationen ein
direktes Duell mit dem herausstürzenden Torwart Bobel ob einer Abseitsstellung
unterbunden worden war - vermochte den Ball in jenen Szenen nicht im Tor der
Sachsen unterzubringen.
Dennoch, dem nordamerikanische Neuzugang war es
vorbehalten in der 39. Spielminute das längst überfällige zweite Borussentor
des Abends zu erzielen. Vorausgegangen war ein Kombinationsspiel über die linke
Angriffsseite der Borussia, womit Johannes van den Bergh, Rob Friend und der
bis zur Grundlinie durchgestartete Alexander Voigt den Defensivverbund der
Hausherren ins Leere laufen ließen. Als Ballführender hatte Voigt, in der Nähe
der Grundlinie angelangt, im Zentrum und im Rückraum Optionen, der ehemalige
Kölner entschied sich für den Rückraum und bediente den nachstoßenden Friend.
Dieser rutschte bei seinem Torschuss noch ein bisschen, doch vor allem die
Tatsache, dass der Ball von Aues Abwehrspieler Thomas Paulus noch abgefälscht
war, ließ den Ball an Torwart Bobel vorbei in das Tor der Hausherren springen.
Unmissverständlich, während die fernab eines in der
Botanik geendeten Kopfballversuches ihres Stürmers Nemec (18.) in der ersten
Halbzeit im Grunde gar nicht konkret vor das Borussentor gezogenen Gastgeber
weiterhin nach Offensivaktionen fahndeten, hatte Borussia auch vor und gerade
auch nach ihrem zweiten Treffer gute Gelegenheiten das Ergebnis bereits vor der
Pause in dann für die Erzgebirgself uneinholbare Dimensionen zu verwandeln. So
sei dafür ein von Bobel gerade noch so entschärfter Distanzversuch Ndjengs nach
36 Minuten angeführt, aber auch die Szene, die in 43. Spielminute
Schiedsrichter Kircher aus Rotteburg zum Elfmeterpfiff für die Borussia animierte.
Obschon der mit einer Ballstafette sehenswert im Auer Strafraum freigespielte
Johannes van den Bergh den Ball am Tor vorbei bugsierte, die Abwehraktion des
Erzegbirgeschlußmannes galt vor allem van den Berghs Beinen. Damit war nach dem
Ermessen des eigentlich kaum geforderten Referees der Elfmeterpfiff für die
Borussia hinreichend begründet, leider entspricht die Tatsache, dass Oliver
Neuville bei der Ausführung dieses Strafstoßes an dem zuvor foulspielenden
Schlussmann scheiterte, die Sprache der kurze Zeit später beendeten ersten
Spielhälfte: mit besserer Kaltschnäuzigkeit im Abschluß hätte die Borussia zu
jenem Spielzeitpunkt gewiss vier Tore Vorsprung haben können.
Tore zu erzielen und nicht zu erzielen, diesen Unterschied
bewiesen die nach der Halbzeitpause auf einer Position veränderten Sachsen in
der Anfangsviertelstunde der zweiten Spielhälfte, als es ihnen gelang den
Zwei-Tore-Vorsprung durch Treffer von Kaufman (48.) und Geißler (58.) zu
egalisieren und den Spielverlauf und das Chancenplus der Partie auf den Kopf zu
drehen. Nicht verschwiegen sei, dass unmittelbar nach dem Kaufmanschen
Anschlusstreffer Marcel Ndjeng in einem Tempogegenstoß (49.) und Patrick Paauwe
während der daraus resultierenden Ecke für die Borussia per Kopf solche Torgelegenheiten
besaßen, dass die Auer Heller und Geißler jeweils den ins Tor trudelnden Ball
„von der Linie kratzen" mussten.
Konnte sich die wiederholt in einem Auswärtsspiel eher
passiv in die zweite Spielhälfte gestartete Borussia beim Ausgleichstreffer der
Gastgeber durch Geißler noch damit entschuldigen, dass Schiedsrichterassistent
Kempter bei der fälligen Abseitsentscheidung gedanklich in jenem Moment
zugunsten der Heimelf abgewogen hatte
und die knappe Abseitsposition des Torschützen nicht berücksichtigte, beim
Kaufmanschen Anschlusstreffer in der 48. Spielminute hätte beispielsweise der
ansonsten wieder sehr solide spielende Tobias Levels den späteren Torschützen -
der eine Hereingabe des eingewechselten Heller in Abstaubermanier im Kasten
unterbrachte - nicht nur bis zum Fünfmeterraum begleiten müssen. Im Sinne des
Fairplaygedankens sei aber auch angemerkt, dass die Borussia schon vor dem
Ausgleichstreffer des FC Erzgebirge Aue insofern durch das
Schiedsrichtergespann für dessen Fehlentscheidung beim Auer Ausgleichstor
entschädigt worden war, als das Trio um FIFA-Mann Kircher eine mit der Hand
erfolgte Abwehraktion Alexander Voigts im eigenen Strafraum (52.) nicht mit
einem Elfmeterentscheid ahndete.
Hatte Aue die bessere Anfangsviertelstunde, die nächsten
fünfzehn Minuten gehörten tendenziell wieder mehr der Borussia, die sich
ähnlich wie in Kaiserslautern in der Schlussviertelstunde auch hier wieder für
ihren vermeintlich folgenschweren Defensivfauxpas (den Auern ein Comeback zu
gestatten) rehabilitieren konnte. Wie schon in Kaiserslautern ergriff sie dafür
eine aus dem linken Halbfeld in den Gegnerstrafraum gezogene
Standardsituation. War es in der Pfalz Sascha Rösler mit dem Kopf, kurbelte in
dieser Partie in der 64. Spielminute Roel Brouwers den Ball mit seinem Kopf in
das Gehäuse. Indes, dem aus Paderborn gekommenen Niederländer zu unterstellen,
er hätte diese kuriose Flugbahn, die der eigentlich zu flach und zu nah an den
kurzen Pfosten getretene Ball bei diesem Freistoß nach der Berührung durch ihn
in Richtung zweiter Pfosten nahm, vorausgedacht, es wäre wie zu meinen ein Uwe
Seeler hätte beim WM-Viertelfinale 1970 in Leon gegen England ebenso bewusst
mit dem Hinterkopf getroffen wie Igor Belanow 1990 für die Borussia gegen
Werder Bremen.
Natürlich war die Vollendung des erneuten
Führungstreffers der Borussia zufällig, trotzdem entsprach das Resultat ab
diesem Zeitpunkt wieder dem Spielverlauf. Selbst wenn die Auer in der
Schlussphase, in der Steve Gohouri den glücklosen Oliver Neuville zugunsten
einer etwas defensiveren Grundordnung ablöste, die Borussia mitunter an den
eigenen Sechzehnmeterraum drückten und die Borussia wieder zwei brenzlige
Szenen zu überstehen hatte (während sie zeitgleich nach Balleroberungen oft die
falschen Entscheidungen traf und den Ball somit oft zu rasch wieder verlor),
die klareren und die meisten eindeutigen Torchancen in diesem Match gingen
weiterhin auf das Konto der Borussia, die etwa in der 70. Spielminute erneut
alles klar hätte machen müssen, als der erwähnte Neuville während eines
Tempogegenstoßes vom wiederholt sehr auffällig agierenden Rob Friend auf die
Reise geschickt wurde, seinen Bewacher im Sprint auch auf Distanz halten
konnte, allerdings beim Torabschluss scheiterte.
Auch nach der wesentlich ausgeglichener verlaufenen
zweiten Spielhälfte gibt es keinen Zweifel daran, dass der erste Auswärtssieg
der Borussia in der laufenden Saison in der 2. Bundesliga ein vollauf
verdienter war. Die Mannschaft hatte nicht nur die meisten und größten
Torgelegenheiten, nicht allein die meisten Treffer beider Teams nach dem Ende
der 90 Minuten, sondern hatte das Spiel auch über insgesamt 60 von 90 Minuten
im Griff. Lediglich eine fünfzehnminütige Periode zu Beginn der 2. Halbzeit und
die letzten 5 Minuten der Partie gehen auf das sächsische Konto. In diesen
war die Borussia nicht solide unterwegs, sondern krümmte sich ebenso, wie
auch zu konstatieren ist, dass die in und um Mönchengladbach so
sehnlichst erwarteten Automatismen, die das Borussenspiel in ästhetischer Weise
befruchten werden und sollen, weiter noch nicht zu sehen waren. Erwähnt sei
diese Nuance jedoch allein vor dem Hintergrund, dass die Borussia noch
wesentlich zu wenig Kapital aus den von ihr und durch ihre Akteure erwirkten
Balleroberungen schlägt. Wesentlich zu wenig etwa für einen zu jedem Zeitpunkt
ungefährdeten Erfolg in einem Punktspiel.
So war auch diese Partie, wie die Partie gegen Osnabrück
vor 2 Wochen, unter dem Attribut des Arbeitserfolgs zu betrachten. Der der
Borussia vollauf gelang und worüber die Mannschaft mitsamt ihres Trainers ihr
für ihren Saisonverlauf notwendiges Selbstbewusstsein generieren sollte.
Borussia hat bei einem Team - dass für seine Heimstärke bekannt ist und seit
dem Aufstieg in nur fünf von bis dato 70 Zweitligaheimspielen mehr als 2
Gegentore in einer Partie kassierte - drei wichtige Zähler mit einer insgesamt
energischen Mannschaftsleistung erwirkt. Dass dies kein Spaziergang würde, war
klar, dass die Borussia es beinahe trotzdem eine ganze Zeit lang eher nach
einem Spaziergang hatte aussehen lassen können, das ist ein positiver Aspekt.
Negativ ist, dass erneut die Anfangsphase in der 2. Spielhälfte sozusagen
verschlafen wurde und es die Mannschaft im zweiten Ligaspiel in Serie nicht
geschafft hat eine adäquate Chancenverwertung zu erzielen. Hätte sie, wie schon
gegen Osnabrück, vor der Pause zumindest noch ein weiteres Tor erzielt, beide
Begegnungen hätten in der jeweiligen zweiten Halbzeit nicht noch einmal derart
Fahrt aufgenommen. Ungeachtet der Gegebenheit, dass die Borussia aktuell mit
immer so cirka sechs fehlenden Kaderspielern normalerweise noch nicht an so
einem Punkt sein kann, wo diese Geringfügigkeiten in der Nachschau als essentiell
wichtig eingestuft werden müssten.
Aue: Bobel - Loose, Kos, Paulus (Heller 46), Trehkopf
- Feldhahn, Kurth - Geißler (Klinka 77) - Curri, Nemec, Kaufman (Strbac 77).
Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers,
Paauwe, Voigt - Ndjeng, Svärd, Rösler, van den Bergh (Compper 72) - Friend,
Neuville (Gohouri 83).
Tore: 0:1 Rösler (10.), 0:2 Friend (39.), 1:2 Kaufman
(48.), 2:2 Geißler (58.), 2:3 Brouwers (64.).
Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)
Zuschauer: 13.500
Gelbe Karten (Borussia): Rösler
Rote Karten: -
Besondere Vorkommnisse: Die Partie bedeutete
das allererste Aufeinandertreffen des FC Erzgebirge Aue (oder einer seiner
Vorgängervereine) mit Borussia Mönchengladbach in der Geschichte des deutschen
Fußballs. Für die Borussia war die Partie gleichzeitig das zweite
Montagabendspiel (am fünften Spieltag) der laufenden Zweitligasaison. Mit dem
Erfolg über Aue landete die Borussia den ersten Auswärtssieg in demselben
Zeitrahmen, den letzte Erfolg auf fremdem Platz in der 2. Bundesliga hatte die
Borussia am 30. Spieltag der Saison 2000/2001 im Duisburger Wedaustadion gegen
den MSV Duisburg (23. April 2001, 2:0) durch Tore von Igor Demo und Bernd
Korzynietz errungen. Der von Oliver Neuville nicht verwandelte Strafstoß in der
43. Spielminute war der erste Borussia zugesprochene Elfmeter seit dem 1.
Spieltag der vergangenen Saison, damals verwandelte Neuville gegen den
Cottbusser Torwart Piplica. Den vorletzten Elfmeter der Borussia, beim
4:3-Heimerfolg über Eintracht Frankfurt am 17. Dezember 2005, hatte Neuville
ebenso wie den Strafstoß am heutigen Tage nicht verwandeln können. Am 10. März
2007, beim 3:1-Heimerfolg über Hertha BSC Berlin, erzielte die Borussia
letztmals drei oder mehr Tore in einem Punktspiel. Drei oder mehr Tore in einem
Liga-Auswärtsspiel gelangen Borussia letztmals am 22. November 2003 bei einem
3:1-Erfolg im Stadion des VfL Wolfsburg, die Borussentore erzielten damals
Joris van Hout, Arie van Lent und Joonas Kolkka.
|
|