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Home 2007/08 07, A, BL, FC St. Pauli
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FC St. Pauli - Borussia Mönchengladbach 0:3 |
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Geschrieben von Christoph Clausen
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Mittwoch, 26 September 2007 |
Das
nennt man dann wohl Gänsehautatmosphäre. Lautstark und unverdrossen sangen die
Pauli-Fans den Klassiker „You'll never walk alone", und weil der
Borussenfanblock zum Mitsingen aufgelegt war, endete die Begegnung im restlos
ausverkauften Millerntor-Stadion, wie sie begonnen hatte: mit allgemeiner Partystimmung.
In diesem Moment konnte man den FC St. Pauli um seine Anhänger beneiden, denn
dass trotz 0:3-Heimniederlage und der mit Abstand schwächsten Saisonleistung
keinerlei Pfiffe zu hören waren, das wäre beim so kritischen Gladbacher
Publikum schwer vorstellbar.
Aufgebracht tönte es dagegen in der 34.
Spielminute von den Rängen, als Fabian Boll vorzeitig seinen Arbeitstag beenden
musste. Der Feldverweis wurde in der Pause heftig diskutiert, und auch manch
ein Pressevertreter empfand ihn da noch als überzogen. Nach Ansicht der
Fernsehbilder muss das wohl revidiert werden. Schon zuvor war Boll wegen eines
taktischen Trikotzupfers im Mittelfeld schon verwarnt worden - eine harte, aber
vertretbare Entscheidung, denn Boll hatte damit eine vielversprechende Kontergelegenheit
unterbunden. Nur fünf Minuten später senste er an der Außenlinie Johannes van
den Bergh derart brachialisch um, dass er Schiedsrichter Dr. Felix Brych zur
Ampelkarte keine Alternative ließ. Ohnehin schon durch die kurzfristigen
Ausfälle von Kapitän Fabio Morena und Carsten Rothenbach geschwächt, geriet St.
Paulis Defensive durch Bolls Feldverweis zusätzlich ins Hintertreffen.
Aber auch offensiv war nichts mehr zu sehen
von dem Schwung, mit dem die Kiezkicker noch am Freitag Tabellenführer 1860
München in dessen eigenem Stadion streckenweise an die Wand gespielt hatten.
Einen maßgeblichen Anteil daran hatte das taktisch exzellent eingestellte
Gladbacher Mittelfeld, das Patrick Paauwe erneut umsichtig organisierte und in
dem die fleißigen Außen Marcel Ndjeng und Johannes van den Bergh im Zweikampf enorm
präsent waren. So hatte St. Pauli im ersten Durchgang nur eine einzige nennenswerte Torchance,
als der zuvor verbal so auffällige, im Spiel aber glücklose René Schnitzler
eine Hereingabe von Timo Schultz knapp verpasste. Die Borussia dominierte die
Partie und kam selbst zu einigen Gelegenheiten, anfangs allerdings noch zu keinen
zwingenden. Am gefährlichsten war sicher der Konter in der 19. Minute, als Oliver
Neuville mustergültig Rob Friend bediente, der aber, frei vor Patrick Borger,
den Ball nicht unter Kontrolle bringen konnte. Unmittelbar nach Bolls
Platzverweis traf Steve Gohouri, aber Schiedsrichter Brych wollte hier eine
Regelwidrigkeit gesehen haben, vielleicht eine Konzessionsentscheidung. Keine
Einwände hatte Brych in der 43. Minute gegen Rob Friends Führungstor. Der überragende
Marcel Ndjeng hatte sich auf rechts wunderbar durchgetankt und Borger seinen
scharfen Schuss nur vor Friends Füße abklatschen können.
Friend, erster Anwärter auf die zweite
Ampelkarte der Partie, wurde in der Halbzeit gegen Nando Rafael ausgetauscht. Wie
bereits gegen Augsburg wurde Rafael erst ein Treffer wegen Abseits verwehrt
(diesmal wohl zu Recht), bevor er kurz darauf ein reguläres Tor erzielte:
Oliver Neuville erwischte den idealen Moment zum Abspiel und Rafael behielt frei
vor Borger die Ruhe. In solchen Fällen wird gern von Vorentscheidung
gesprochen, aber das verbot sich hier. Zu frisch war die Erinnerung an die
letzten Partien, als die Borussia unweigerlich mit 2:0 in Führung gegangen und dann
ebenso unweigerlich in Schwierigkeiten geraten war. Tatsächlich wollte Paulis
Trainergespann mit einem Doppelwechsel - schon zur Pause war Charles Takyi
gebracht worden - ein Signal zur Aufholjagd setzen: Brunnemann und Sako kamen
für Bourgault und Braun. Vor allem Sako wurde von den Fans mit frenetischem
Jubel begrüßt. Der über zwei Meter lange französische Stoßstürmer, im Januar verpflichtet
und dann schnell zum Publikumsliebling avanciert, war nach längerer
Verletzungspause überraschend noch in den Kader gerutscht. Vom den Anhängern
mit neuem Mut nach vorne getrieben, kam St. Pauli durch Brunnemann, Schnitzler
und Meggle denn auch zu drei ordentlichen Gelegenheiten. Wäre nun der
Anschlusstreffer gefallen, dann hätte es noch mal eng werden können.
Aber da war Sascha Rösler vor, der in der
69. Minute Ndjengs gefühlvolle Flanke per Kopf in den Winkel zirkelte. In der
Folge hätte die Borussia sogar noch erhöhen können, nachdem insbesondere der
eingewechselte Marin immer wieder für Gefahr sorgte. Marin selbst, Ndjeng und
Rafael gingen allerdings mit ihren Chancen allesamt zu fahrlässig um. Aber bei diesem
Spielstand konnte man sich das ja leisten.
So stand am Ende ein nie gefährdeter Sieg und
zumindest bis Mittwochabend der Sprung auf den Aufstiegsplatz. André Trulsen,
der sich in der Pressekonferenz als ausgesprochen fairer Verlierer erwies, äußerte
denn auch, Gladbach habe St. Pauli von Anfang an unter Druck gesetzt, sei wie
eine Spitzenmannschaft aufgetreten und habe auch in dieser Höhe völlig verdient
gewonnen. Er hatte Recht.
FC
St. Pauli: Borger - Bourgault (Brunnemann 63), Gunesch, Eger,
Joy - Meggle, Boll - Schultz, Marvin Braun (Sako 63) - Schnitzler, Ludwig
(Takyi 46).
Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Gohouri, Voigt - Paauwe - M.
Ndjeng, Rösler (Daems 70), van den Bergh - Friend (Rafael 46), Neuville (Marin
61).
Tore: 0:1 Friend (39.) 0:2 Rafael (57.) 0:3 Rösler (69.)
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Zuschauer: 15.300 (ausverkauft)
Gelbe Karten (Borussia): Friend, Levels
Gelb-Rote Karte: Boll (FC St. Pauli, 34., wiederholtes Foulspiel)
Besondere Vorkommnisse: Nach überwundener Verletzungssaga kam bei Borussia erstmals
seit 16 Monaten Filip Daems wieder zum Einsatz. In der 70. Minute
eingewechselt, erlebte Daems den vierten Sieg der Borussia in Folge (12:5
Tore) mit, der gleichzeitig der zweite Auswärtserfolg in Serie war. Letztmalig vier
oder mehr Spiele in Folge gewann die Borussia in der Spielzeit 2000/2001 unter
ihrem damaligen Trainer Hans Meyer. Vom 21. Spieltag, einem Heimsieg über
Rot-Weiß Oberhausen, über ein Nachholspiel in Ulm, bis hin zu einem 2:0 beim FC
St. Pauli am 24. Spieltag gewann sie damals sogar fünf Spiele hintereinander.
Damals reichte es für sie während dieser Serie siegreicher Partien letztmalig
auch zu mehreren Auswärtssiegen am Stück. In Ulm (20. Spieltag), in Mainz (22.)
und eben beim FC St. Pauli (24.) gewann man drei Auswärtsspiele in Folge. Den letzten Sieg mit drei oder mehr Toren Unterschied in der Fremde erreichte die Borussia auch in der Spielzeit 2000/2001. Der 1. FC Saarbrücken wurde am 18. Spieltag jener Saison, am 17. Dezember 2000, in seinem Stadion mit 4:0 bezwungen. Arie van Lent, Markus Osthoff, Markus Hausweiler und Lawrence Aidoo schossen damals die Borussentore für eine Elf, in der mit Steffen Korell und Max Eberl zwei aktuell im Kompetenzteam Christian Zieges tätige Akteure standen. Das Tor hütete damals Borussias jetziger Torwarttrainer, Uwe Kamps.
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