Es ist vollzogen. Heute um 11 Uhr haben sich Borussia Mönchengladbach und ihr bisheriger Trainer André Schubert einvernehmlich getrennt. Nach den Entwicklungen der letzten Wochen kam dieser Schritt nicht mehr überraschend und war selbst für den auf Kontinuität versessenen Max Eberl unvermeidlich. Borussias Sportdirektor hatte gestern Abend bereits eingestanden, dass Kontinuität nicht bedeutet, blind ins Verderben zu rennen. Eine späte, aber absolut zutreffende Einsicht. André Schubert ist für seine erfolgreiche letzte Saison Dank auszusprechen und alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Sein Nachfolger wird keine leichte Aufgabe übernehmen, eine derzeit völlig verunsicherte und konzeptlose Mannschaft in der Winterpause wieder in die Spur zu bringen, damit sie möglichst bald wieder häufiger so auftritt wie es ihr in der Interimszeit von Schubert gelungen ist.

 Man erinnere sich: Im September 2015 schien die Lage sogar noch trostloser als heute. Der jahrelange Erfolgstrainer Lucien Favre scheiterte mit all seinen Versuchen, der neuformierten Mannschaft die richtige Mischung abzuverlangen. 6 Niederlagen in Folge lösten bei ihm eine panikartige Flucht aus, da er sich nicht mehr in der Lage sah, die Mannschaft zurück auf Kurs zu bringen. Dies gelang Schubert innerhalb kürzester Zeit auf imposante Weise. Schon nach 21 Minuten führte seine Mannschaft im ersten Spiel gegen den FC Augsburg mit 4:0. Es sollte ein Vorbote sein für die kommenden Wochen, in denen sich Borussia bis zum 11. Spieltag von Platz 18 auf 5 hocharbeitete. Ermöglicht wurde dies durch sechs überzeugende Siege in der Bundesliga. Selbst in fremden Stadien wurden die Gegner vorgeführt. Mit 5:1 die Frankfurter Eintracht, mit 4:1 das Überraschungsteam aus Berlin. Dazu kam ein 2:0-Auswärtssieg im Pokal auf Schalke und drei höchst ehrenwerte Auftritte in der Champions League. Gleich zweimal wurde Vorjahres-Finalist Juventus Turin ein Remis abgetrotzt. Manchester City gelang erst in der Nachspielzeit der glückliche 2:1-Siegtreffer.

Mit dem 0:0 gegen den FC Ingolstadt begann sich das Blatt langsam zu drehen. Nach dieser ersten schwächeren Partie in seiner Amtszeit wurde Schubert vom Interims- zum offiziellen Cheftrainer befördert. Die große Euphorie seiner Anfangszeit schien aber verflogen. Glücklich wurde der Tabellenletzte aus Hannover mit 2:1 geschlagen, im Heimspiel gegen Hoffenheim reichte es soeben noch für ein 3:3. Beim 4:2 gegen den FC Sevilla und 3:1 über die Bayern blitzte die Klasse der Fohlenelf noch einmal auf. Es sollte für längere Zeit das letzte ganz große Hurra sein.

Das Spiel gegen die Bayern war auch deshalb ein Meilenstein, weil Schubert mit der erfolgreichen Umsetzung der Dreierkette erste eigene Impulse zu setzen versuchte und sich von den Vorgaben seines Vorgängers zunehmend distanzierte. Ein neuer Trainer müsse seine eigenen Ideen einbringen, so das berechtigte Credo des theoretisch begabten Übungsleiters. Diese Ideen müssen dann aber auch von der Mannschaft angenommen und umgesetzt werden. Hier hakte es im Verlauf der kommenden Monate immer wieder. Dem glorreichen Sieg über den als unschlagbar geltenden Rekordmeister folgten drei Niederlagen mit insgesamt 13 Gegentoren. Durch das 2:4 gegen Manchester und das 3:4 gegen Bremen schied die Mannschaft innerhalb kurzer Zeit aus beiden Pokalwettbewerben aus. Das 0:5 in Leverkusen war ein Offenbarungseid. Immerhin gelang mit etwas Glück und viel Kampf der Jahresausklang mit einem 3:2-Sieg des Willens über Darmstadt 98.

In der Rückrunde setzte sich das Auf und Ab weiter fort. Schubert gelang es, seiner Mannschaft etwas mehr Stabilität zu vermitteln und die zwischenzeitliche Gegentorflut ein wenig einzudämmen. Im Borussia-Park gab es immer wieder überzeugende und hohe Siege, wie beim 5:1 gegen Werder, dem 4:0 gegen Stuttgart oder dem 5:0 gegen Berlin. Die letzten sieben Heimspiele wurden allesamt gewonnen. Auswärts stand aber regelmäßig eine andere Borussia auf dem Platz und es gab teils peinliche (2:3 beim HSV, 0:2 in Hannover) und teils unglückliche (1:2 auf Schalke) Niederlagen. Die Rückrundenbilanz fiel mit 8 Siegen und 7 Niederlagen insgesamt ausgeglichen aus und wurde zum Ende hin leicht aufgehübscht durch drei Erfolge gegen Gegner, die ihre jeweiligen Saisonziele bereits vor Spielbeginn erreicht hatten. So war das 1:1 beim Meister in München ebenso ein Achtungserfolg wie das 2:1 gegen Leverkusen. Das für beide Mannschaften sportlich belanglose 2:0 in Darmstadt sollte Borussias einziger Bundesliga-Auswärtssieg im Jahr 2016 bleiben.

Das alte Spieljahr endete mit Platz 4 und der Qualifikation für die Play-Offs. Das Losglück bescherte Borussia mit Young Boys Bern einen machbaren Gegner und einen gelungenen Start in die neue Saison. Spätestens mit dem 6:1-Kantersieg im Rückspiel und dem Liga-Auftaktsieg über Bayer Leverkusen, den damaligen Meisterschafts-Geheimfavoriten einiger „Experten“, war auch der dürftige Pokalauftritt in Drochtersen (1:0) vergessen. Es folgten zwar die obligatorischen Auswärtspleiten, aber dank der Heimstärke stand die Mannschaft am 5. Spieltag wieder auf Platz 4 und schien einer weiteren erfolgreichen Saison entgegenzustreben. Grund genug für Borussia, den zum Sommer auslaufenden Vertrag mit Schubert um zwei Jahre zu verlängern. Erneut nach einem Heimspiel gegen Ingolstadt. Und erneute zahlte sich das Vertrauen nicht aus. Fortan ging es nämlich richtig bergab mit den Ergebnissen und Leistungen des Teams, das immer wieder defensive Schwächen offenbarte und auch im Spiel nach vorne nicht mehr so genial agierte wie streckenweise noch in der Vorsaison.

Grund dafür bot zum einen die Verletzungsmisere. Als mit Raffael und Hazard die beiden stärksten Zentrumstürmer der ersten Saisonwochen ausfielen, war Torgefahr kaum noch vorhanden. Herrmann, Johnson und Traoré waren zeitweise ebenfalls nicht einsatzbereit. Jonas Hofmann erwies sich als Flop, sodass Schubert die Alternativen so langsam ausgingen. Die verbleibenden Akteure gingen zunehmend auf dem Zahnfleisch und zeigten sich sichtlich beeindruckt von der Doppelbelastung der englischen Wochen.

Das letzte große Highlight dieser Vorrunde blieb das 2:0 bei Celtic Glasgow, das für kommendes Jahr den Einzug in die Europa League sicherte. Über den Rest sei der Mantel des Schweigens gehüllt – zu frisch sind noch die schmerzlichen Erinnerungen einer zunehmend kopf- und wirkungslosen Mannschaft, die in den letzten Spielen auf dem Platz umherirrte als habe sie noch nie ernsthaft professionellen Fußballsport betrieben.

Am langen Ende steht hierfür der Trainer in der Verantwortung, und da es ihm nicht gelang, den sich immer deutlicher abzeichnenden Negativtrend zu stoppen, war es am Ende nur eine Frage der Zeit, wann der Verein die Reißleine ziehen würde.

Dies ist nunmehr geschehen. Borussia befindet sich nach 16 Spieltagen im Abstiegskampf und schon heute Abend evtl. nur noch einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt. Da es zu einfach wäre, die Probleme allein auf den Trainer zu fokussieren, gibt es durch die heutige Entlassung keinen Grund zur Entwarnung. Weiterhin gilt, dass im Winter die Probleme in der Mannschaft schonungslos analysiert werden müssen. Die Mannschaft hätte selbst ohne Trainer in der Lage sein müssen, besseren und engagierteren Fußball abzuliefern als es in den letzten Wochen der Fall war. Ganz offensichtlich fehlt es nach den Abgängen diverser Leistungsträger an Führungsstärke und gesunder Hierarchie. Ob sich dies im Winter beseitigen lässt, ist höchst zweifelhaft. Auf einzelnen Positionen besteht zudem Handlungsbedarf. In der Offensive ist es arg optimistisch, die Rückkehr des schon vor seiner Verletzung höchst glücklosen Josip Drmic als Hoffnungsschimmer zu begreifen. Da André Hahn weit von der Topform aus der letzten Rückrunde entfernt ist und ein Raffael nicht jünger wird, wäre ein Spieler hilfreich, der Torgefahr ausstrahlt. Noch dringlicher erscheint der Bedarf aber im defensiven Mittelfeld, wo Mo Dahoud mit der Verantwortung überfordert scheint, die Fußstapfen von Granit Xhaka auszufüllen. Jungspielern wie Sow oder Benes sollten für diese Rolle ebensowenig verbrannt werden, so dass es eines erfahrenen Spielers mit Führungsqualitäten bedarf, der zusätzlich noch über entsprechend hohe Qualität verfügen sollte. Da Tomas Galasek inzwischen etwas zu alt für den Job ist, steht Max Eberl vor einer schwierigen Aufgabe, auf dem überschaubaren Wintermarkt einen adäquaten Kandidaten aufzutreiben. Für die Innenverteidigung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgebessert, da jetzt das endgültige Aus von Alvaro Dominguez feststeht und auch ein Verbleib von Andreas Christensen über den Sommer hinaus höchst fraglich erscheint.

Es gibt viel zu tun in den kommenden Wochen und es wird in diesem Jahr mit Sicherheit kein so ruhiges Fest bei Familie Eberl geben wie in den vergangenen Jahren. Ein allzu frohes Fest darf man vermutlich auch im Hause Schubert nicht erwarten. Dem glücklosen Ex-Trainer sei aber zu wünschen, dass 2017 auch für ihn ein glücklicheres Jahr wird und er eine Mannschaft findet, die besser in der Lage ist, seine durchaus spannenden Ideen erfolgreich umzusetzen.

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