Vielleicht hätte Dieter Hecking jene schlechte Bilanz von Bayern-Besiegern in den jeweiligen Nachfolgepartien nie erwähnen sollen. Statt motiviert zeigen zu wollen, dass man die Ausnahme der Regel ist, schienen die Spieler der Borussia am Sonntagabend eher erleichtert zu sein, eine Ausrede schon parat zu haben und sich dem entsprechend mal ein Ruhepäuschen gönnen zu können. Vor allem die Defenisve der Borussia schien zu Beginn des Spiels nicht zu begreifen, dass sie nicht in ein Hologram gebeamte Zuschauer waren, die Bundesligafussball mal von ganz nah erleben durften sondern mitspielende Akteure. Bälle in den Rücken der Abwehr sind natürlich immer etwas schwieriger zu verteidigen (deshalb spielt man sie ja so gerne) weil der Ball dann gegen die Laufrichtung der Verteidigung läuft aber wie gleich 5 Borussenspieler den Pass von Gomez in der vierten Minuten andachtsvoll mit Blicken verfolgten, statt mal einzugreifen war schon bemerkenswert. Auch beim zweiten Wolfsburger Treffer wirkte der Gladbach Defensiverband so als wolle er ein Plädoyer dafuer halten, Fuβball zum körperlosen Sport zu erheben.

Diese Aussetzer hätten durchaus noch korrigiert werden können als die Borussia nach einer knappen halben Stunde immer mehr die Spielkontrolle übernahm, bzw. diese von den Wolfsburgen groβzügig erhielt. Aber leider hatte auch die Offensivabteilung nicht gerade ihren besten Tag und das obwohl mit Grifo-Hazard-Raffael-Stindl rein vom spielerischen Potential vielleicht das Feinste auf dem Platz stand, was man so zu bieten hat. Stindl hatte dabei vielleicht keine Glanzmomente, war aber der gewohnt mannschaftsdienliche Rackerer. Eher enttäuschend hingegen waren Grifo, der zwar einen schönen Freistoβ schoss, ansonsten aber relativ blass blieb, sowie Raffael, der nach zwei guten Spielen in Berlin und auch gegen die Bayern den Aufwärtstrend leider nicht so ganz bestätigen konnte. Thorgan Hazard war zwar enorm bemüht und fleissig aber bei seinen Torabschlüssen oft so überhastet und verfrüht wie ein Teenager bei seinen ersten erotischen Gehversuchen. Es hätte schon eines Deus ex Machina in Form eines Negierens von Hazards knapper Abseitstellung bei seinem Treffer oder dem Geben eines Elfmeters für das Stoβen Raffaels in Durchgang 2 bedurft, um die Borussia wieder ernsthaft in dieses Spiel zu bringen, aber niemand in der VAR-Zentrale in Köln schien genug Mitleid mit den Gladbachern  zu haben, um ihnen auf diese Art und Weise auf die Sprünge zu helfen.

Die “Bayern-Bezwinger gewinnen nie”-Theorie ist durchaus nicht völlig unplausibel, da es schon denkbar ist, dass die physische und psychische Anstrengung die für solch einen Erfolg nötig ist eine gewisse Schwächung im Folgespiel bedingen könnnte, aber auf der anderen Seite hatte die Borussia in den Vorjahren bereits 4 Siege gegen die Bayern erzielt und danach nie verloren (2 Siege, 2 Unentschieden). Ausserdem passt das Spiel auch sehr gut in die Gladbach-eigenen Statistiken. Im ganzen Jahr 2017 – also seit Dieter Hecking Trainer ist – hat die Borussia es nie geschafft, 5 Spiele in Folge ungeschlagen oder aber sieglos zu bleiben. Nach 3 Siegen und einem Unentschieden war also eine Niederlage in Wolfsburg vorhersagbar, denn das einzig Beständige am VFL dieser Tage ist seine Unbeständigkeit. Heckings Vorgänger waren im Vergleich dazu wahre Serienmeister. Im Herbst 2013 gelangen Lucien Favre 6 Siege in Folge, die den VFL in die Champions-League Plätz katapultierten nur um darauf in 9 sieglosen Spielen fast noch die Saison zu ruinieren. Im Frühjahr 2015 schaffte der Schweizer mit 9 Siegen und 3 Unentschieden dann die beste Gladbach-Serie der Neuzeit. Es folgten 6 Niederlagen (saisonübergreifend) und sein Rücktritt. Auch Nachfolger Schubert war ein Serientäter, der mit 10 ungeschlagenen Spielen startete und ziemlich genau ein Jahr spaeter nach nur einem Sieg aus  11 Spielen seinen Hut nehmen musste.

Vielleicht ist es auch das Ausbleiben solcher anhaltenden dramatischen Höhenflüge oder Krisen, die verhindern dass Hecking seit seiner Ankunft in Gladbach allzu groβe Emotionen ausgelöst hat. Nach Favre und Schubert und angesichts des Kults um die Taktikgurus Nagelsmann, Hasenhüttl oder Tedesco fühlt man sich in Mönchengladbach ein bisschen altmodisch mit einem gestandenen Trainerverteran wie Dieter Hecking. Ein 30-jähriger Fussballvisionäre der gerade mit einem innovativen 2-7-1 System (dem sogenannten semi-invertierten Null-Pressing) einen Baden-Würtenbergischem Amateurverein in wenigen Jahren von  der 11. in die 8. Klasse gehievt hat, wäre halt erheblich sexier. Die passablen 53 Punkte die Hecking in 32 Spielen geholt hat, sind nicht genug um über diese Enttäuschung hinwegzukommen, zumal ein Vierter Platz mit negativem Torverhältnis doch arg danach klingt als ob man da etwas besser stände als das es angebracht ist.

Eine Person, die das komplett anders zu sehen scheint, ist Max Eberl, der gerüchteweise wohl jetzt schon an einer Vertragsverlängerung mit Hecking arbeitet. Angesichts der Tatsache, dass Heckings Vertrag noch bis Sommer 2019 gilt, verblüfft diese Nachricht etwas, da eigentlich die Sommerpause 18/19 als perfekter Zeitpunkt erscheint um die erste komplette Saison unter Dieter Hecking zu analysieren und dann Pläne für die Zukunt zu schmieden. Auch haben nur 2 Trainer in den letzten 20 Jahren die 2.5 Jahre Vertragsdauer in Heckings jetztigem Vertrag überlebt (Hans Meyer, Lucien Favre), so dass es etwas unklar ist warum Gladachs Sportdirektor diese Personalie momentan als so dringlich erachtet.

Das Hauptaugenmerk sollte aber in den kommenden Wochen nicht auf eventuellen Vertragsverlängerungen liegen sondern auf dem Restprogramm vor der Winterpause. Da kommt zunächst einer der Lieblingsgegner im Borussipark in den letzten Jahren zum Besuch, in Form des FC Schalke; danach geht es noch gegen die Abstiegskandidaten Freiburg und Hamburg. Ein Erreichen der 30-Punkte-Grenze würde nicht nur den Karpfen am Heiligabend besonders gut schmecken lassen, sondern auch eine vorzeitige Vertragsverlängerung des Trainers schmackhafter machen.

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