Dieter Hecking ging großes Risiko mit seiner Aufstellung. Die im Vorjahr gesetzten Kramer und Zakaria saßen ebenso auf der Bank wie der teuerste Neuzugang. Stattdessen wurden im zentralen Mittelfeld u. a. die in der Fanszene nicht unumstrittenen Strobl und Hofmann der schnellen Bayer-Offensive entgegengesetzt. Die Kritiker wurden bald bestätigt, dass dies nicht gut gehen konnte. Borussias Offensivspiel wirkte – wie so oft in der Vorsaison – uninspiriert und wenig zusammenhängend. Das Führungstor der deutlich strukturierter auftretenden Gäste schien nur eine Frage der Zeit. So jedenfalls das Zwischenfazit nach einer knappen halben Stunde. Nachdem die Fohlenelf diese allerdings mit etwas Glück und Geschick gegentorlos überstanden hatte, wendete sich das Blatt in nicht unerheblicher Weise.

Zum Zeitpunkt des ersten Elfmeters wäre eine Borussen-Führung noch glücklich gewesen. „Eisvogel“ Thorgan Hazard vergab diese Großchance zwar. Bis zum Pausenpfiff ließ sich aber konstatieren, dass die Elf von Dieter Hecking nicht nur wegen dieser Szene in der letzten Viertelstunde deutlich besser ins Spiel gefunden hatte. Nach dem Seitenwechsel fand sie dann sogar zu ihrer Bestform zurück und brillierte teilweise wie in besten Zeiten. So mussten nach 90 Minuten selbst seine Kritiker konstatieren, dass der Trainer an diesem Nachmittag vieles richtig gemacht hatte und damit einer der folgenden Gewinner des Saisonauftakts war:

Raffael:

Nach dem Kauf von Allasane Pléa sah es schon ein wenig nach Abschiedstournee für den inzwischen 33jährigen Brasilianers aus. Zu verletzungsanfällig hatte er sich in den letzten beiden Jahren präsentiert. Dass er an Qualität aber nichts eingebüßt hat, bewies er nicht nur beim Treffer zum 2:0, bei dem er per doppeltem Doppelpass mit Johnson die Bayer-Verteidigung auszauberte und an alte „Borussia Barcelona“-Zeiten erinnerte. Bleibt Raffael fit, wird er auch in dieser Saison noch eine ganz zentrale Rolle für Borussias Offensivspiel einnehmen.

Tobias Strobl:

Während zu Spielbeginn seine fehlende Geschwindigkeit in einzelnen Situationen gegen die blitzschnellen Bayer-Angreifer zum Problem werden drohte, fand auch er mit zunehmender Dauer besser ins Spiel. In der letzten Stunde hielt er als einsamer Sechser die Bayer-Offensive in Schach, sodass diese kaum noch zu gefährlichen Chancen kam. Kramer und Zakaria mögen das größere fußballerische Talent mitbringen und werden ihre Stammplatzambitionen in den kommenden Wochen untermauern wollen. Strobls Plus ist aber, dass der isolierte Sechser im neuen System zunächst einmal für defensive Stabilität sorgen muss, um den beiden 8ern den Rücken frei zu halten.

Florian Neuhaus: 

Einer dieser beiden 8er machte sein Bundesliga-Debüt und trat dabei auf, als spiele er schon seit Jahren auf allerhöchstem Niveau. Die Frage, ob der Ex-Düsseldorfer seine starke Zweitligaform in der höchsten Spielklasse aufrechterhalten kann, beantwortete dieser eindrucksvoll: Feuertaufe bestanden.

Louis Jordan Beyer:

Selbiges gilt für Louis Jordan Beyer. Das Bundesliga-Debüt des 18jährigen erinnerte sehr an jenes von Nico Elvedi vor fast drei Jahren. Auch dieser hatte damals gegen den FC Bayern zu Spielbeginn Glück, dass seine vereinzelten Stellungsfehler vom Gegner nicht genutzt werden konnten. Nach dem 0:0 zum Seitenwechsel steigerte er sich aber zunehmend, lieferte eine grundsolide 2. Halbzeit ab und trug wesentlich zum umjubelten Heimsieg bei. Es bleibt zu wünschen, dass sich Beyers Karriere in den nächsten Jahren ähnlich positiv weiterentwickelt wie die von Elvedi.

Tony Jantschke:

Den Schweizer vertrat an diesem Nachmittag Tony Jantschke, der von vielen schon als Auslaufmodell gesehen wurde. Dabei ist es erst wenige Jahre her, dass der Ur-Borusse in derselben Rolle als Innenverteidiger konstant gute Leistungen abgeliefert hat. Gegen Bayer stellte Jantschke unter Beweis, dass er es immer noch drauf hat und dass mit ihm in dieser Saison wieder zu rechnen ist.

Matthias Ginter:

Profitieren konnte Jantschke dabei von seinem Nebenmann, der den ersten Nachweis ablieferte, für die Rolle als Abwehrchef geeignet zu sein. Nahezu fehlerlos führte Ginter seine Viererkette durch die Partie und brachte sich beizeiten sogar geschickt ins Offensivspiel ein.

Yann Sommer:

Trotz allen Lobes über die Mitglieder der Viererkette: Fehlerlos blieb diese nicht, was gegen einen so hochkarätigen Gegner aber auch nicht erwartet werden konnte. Die Chancen, die sich für Bayer ergaben, wurden zumeist von einem Torhüter zunichte gemacht, der im letzten halben Jahr endlich wieder zu seiner Höchstform zurückgefunden hat, die ihm zu einem der besten Torhüter der Liga sowie der Weltmeisterschaft hat werden lassen.

Jonas Hofmann:

Haben wir noch jemanden vergessen? Ach ja, im zentralen Mittelfeld lief neben Neuhaus noch ein gewisser Jonas Hofmann auf, der nicht nur auf dieser Website oft kritisch gesehen wurde. Nicht nur wegen seines Elfmetertores war er der zentrale Spieler des Tages. Er bot die stärkste Laufleistung, war stets präsent und an vielen Offensivaktionen direkt beteiligt. Einst in Dortmund galt er als Riesentalent, dem eine glorreiche Zukunft vorhergesagt wurde. Diverse Verletzungen ließen diesen Traum zunächst einmal platzen und schienen ihn in seiner Entwicklung gebremst zu haben. Gegen Leverkusen zahlte er das große Vertrauen zurück, das sein Trainer in ihn setzt und knüpfte an die guten Eindrücke der Vorbereitung an, sodass ihm zu wünschen ist, dass aus dem alten Traum mit etwas Verzögerung doch noch was werden möge.

Dieter Hecking:

Bliebe zu guter letzt der Trainer selbst als allergrößter Gewinner des Tages. Schießt Bayer ein frühes Tor und schickt Borussia mit einer Niederlage in die Saison, so wären die Diskussionen um seine Person groß gewesen. Die ersten 30 Minuten schienen nämlich all das zu bestätigen, was ihm seine Kritiker schon in der letzten Saison vorwarfen. Anschließend jedoch setzte die Mannschaft SEIN System so um, wie es sich Hecking wahrscheinlich in seinen Träumen ausgemalt hatte.

Fazit:

Bei allem berechtigten Lob ob der starken Leistung in der letzten Stunde: Der Sieg über Bayer war letztlich nicht mehr und nicht weniger als ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ein Vorwurf lautete schon im Vorjahr, dass es Borussia selten gelingt, ihre Topform über 90 Minuten abzuliefern. Das war selbst an diesem erfreulichen Nachmittag nicht anders. Dies mag mit einem gewissen Abtasten zu Saisonbeginn erklärt werden können. Dennoch darf die starke Stunde nicht überbewertet werden. Gute Spielphasen hatte Borussia auch in der Vorsaison. Entscheidend ist aber, diese konstant abzuliefern. Schon nächste Woche in Augsburg wird sich zeigen, ob die Mannschaft auswärts bei einem unbequemen Gegner in der Lage ist, die Performance zu wiederholen. Dafür hat sich die Startelf von Leverkusen einen Vertrauensbonus verdient, wenngleich auf der Ersatzbank einige Topspieler auf ihre Chance lauern. Pléa verdeutlichte schon in der kurzen Spielzeit, dass ihm die Anpassung an die Bundesliga noch sichtlich schwerfällt. Kramer und Zakaria werden zunächst einmal Strobl den Vortritt lassen müssen. Eine Bundesligasaison ist aber lang, und die Genannten werden ebenso wie Herrmann, Traoré, Lang oder Elvedi im Laufe der nächsten 9 Monate ihre Chancen erhalten, selbst auch wieder zu den Gewinnern zu gehören.  

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