Borussia spielt irgendwie Fußball, ohne Idee und erkennbaren Plan. Das war die Hauptkritik an den Auftritten der Fohlenelf in der Rückrunde der vergangenen Saison. Seitdem ist viel passiert: Idee und Plan waren nach der Sommerpause wieder deutlich festzustellen. Um so weniger erklärlich, dass es aktuell einen Rückfall um zirka 365 Tage zu geben scheint. Schon seit der Winterpause spielt Borussia nicht mehr wirklich gut. Seit der 0:3-Heimniederlage gegen Wolfsburg ist die Mannschaft wieder im „irgendwie Fußball“-Modus. Die Spiele gegen Mainz und Freiburg, also gegen nominell schwächere Gegner, lieferten den Beleg: Es ist der Wurm drin.

Haben die Gegner tatsächlich das von Dieter Hecking im Sommer implementierte neue Spielsystem entschlüsselt und deswegen jetzt leichtes Spiel mit der Borussia? Eine solche Erklärung würde nur greifen, funktionierten Fußballmannschaften rein mechanisch. Dass Gegner im Laufe einer Saison, sei es durch höhere Fußballmathematik oder - wahrscheinlicher – schlicht durch die Ansicht der einzelnen Spiele, eine gewisse Idee bekommen, wie eine Mannschaft zu ärgern ist, ist nicht zu verhindern. Die Auftritte von Borussia im Jahr 2019 sind aber größtenteils so weit von dem entfernt, was in der Hinrunde gezeigt wurde, dass die Erklärung „entschlüsselt“ zu kurz greift.

„Die Defensive muss wieder kompakt stehen“, das war die öffentlich kommunizierte Konsequenz aus den drei verlorenen Heimspielen gegen Hertha, Wolfsburg und Bayern. Zumindest das gelang über weite Strecken gegen Mainz und Freiburg. Zu großen Torchancen kamen beide nicht. Das eine Mal, als die Ordnung hinten fehlte, fiel freilich der einzige Gegentreffer durch Vincenzo Grifo. Was die Defensive im Moment allerdings kaum leistet, ist konstruktiver Spielaufbau. Und womöglich liegt genau da der Kern des Problems. Die Innenverteidiger Jantschke und Elvedi beschränkten sich gegen Freiburg weitgehend auf Sicherheitspässe, immer wieder wurde der Rückwärtsgang eingelegt, Yann Sommer war fast schon der Hauptadressat der Pässe aus der Innenverteidigung, ansonsten ging viel quer aber so gut wie nie etwas nach vorne. Hier zeigen sich die Limits des als Verteidiger im Wortsinn durchaus zuverlässigen Tony Jantschke, hier zeigt sich womöglich die Unerfahrenheit des fußballerisch ungleich begabteren Nico Elvedi. Es zeigt sich aber auch die Schwäche des Viererverbundes darin, dass die Außenverteidiger ebenso wenig zum Aufbau beitragen, selten einrücken oder in der Aufbauphase schon viel zu weit vorne sind, als dass man sie vernünftig einbinden könnte. Dazu kommt, das auch der durchaus für die Spieleröffnung begabte Tobias Strobl sich von der Hasenfüßigkeit seiner Neben- bzw. Hintermänner anstecken ließ und am Freitag Abend nichts Überraschendes im Köcher zu haben schien.

Ob nur infolge ideenloser Spieleröffnung oder auch selbst verschuldet: Die beiden Männer im offensiven Mittelfeld konnten gegen Freiburg nicht überzeugen. Denis Zakaria wird zwar vom oberflächlichen Betrachter gerne ob seines offenkundigen Einsatzes als „bester Mann“ bewertet, nüchtern gesehen nimmt Zakaria aber nicht genug am Spiel teil und hat teilweise auch Defizite bei der Ballverarbeitung. Sein Offensivdrang und deutlicher Wille verdient Lob, am Ausgleichstreffer war er durch den gut getimten Pass auf Thorgan Hazard entscheidend beteiligt. Als „idealer Verbindungsspieler“, den der „Kicker“ potenziell in Zakaria sieht, hat er sich bisher in dieser Saison aber nicht erwiesen. Ob der gelernte „Sechser“ tatsächlich der Richtige für die Position weiter vorne ist, ist bis dato nicht erwiesen. Der völlig andere Spielertyp Jonas Hofmann dagegen gehört wohl tatsächlich dort hin. Dass er zur Zeit an den „alten“ Hofmann erinnert, den viele nach der vergangenen Saison gerne auf der Liste der Abgänge gesehen hätten, kann man zur Zeit noch als Formdelle vernachlässigen.

Noch mehr als bei den Mittelfeldspielern ist in der Borussen-Offensive die Frage zu stellen, welchen Anteil die Spieler selbst am wenig erfreulichen Eindruck haben, den sie gegen Freiburg machten bzw. ob es nicht logisch ist, dass die Angreifer in der Luft hängen, wenn hinter ihnen wenig Konstruktives passiert. Das Bemühen ist weder Hazard noch Stindl und auch dem vielfach unsichtbaren Alassane Plea nicht abzusprechen. Das 1:1 – Hazard auf Plea – erinnerte kurzzeitig auch an vorweihnachtliche Hochzeiten. Die Selbstverständlichkeit im Kombinationsspiel geht den drei Stürmern aber inzwischen vollständig ab. Selten richtig eingesetzt funktioniert es in den Momenten, wo ein Angriff etwas zu versprechen scheint, dann nicht. Es fehlt die letzte Konzentration, zumal sich jede Woche von neuem erweist, dass Alassane Plea auf dem Flügel nichts verloren hat. Der Franzose ist kein Außenstürmer und wenn er in dieser Rolle dann auch nach hinten mitarbeiten muss, kann er einem fast leid tun – denn sein Defensivtalent entspricht in etwa den Torjägerqualitäten von Thomas Eichin oder Max Eberl. Wenn Dieter Hecking der Meinung ist, Lars Stindl muss spielen – und der Kapitän ist durchaus wichtig für das Borussenspiel – dann muss er entweder Plea „opfern“ oder Stindl länger als die zehn Minuten vom Freitag auf der Achterposition ausprobieren.

Summa Summarum sollte deutlich sein, dass es bei Borussia im Moment tatsächlich nicht allein eine Sache des Spielsystems ist und schon gar nicht ein Problem mangelnden Einsatzes, Willens oder zu großer Selbstzufriedenheit. Vermutlich ist es vor allem der Mangel an individueller Qualität auf einigen Positionen. Der Kader ist eben „am langen Ende“ (Max Eberl) doch nicht breit genug, als dass man jeden Ausfall kompensieren könnte. Man beraubt sich zusätzlicher Qualität, wenn man Spieler fachfremd einsetzt, hat aber teilweise gar keine andere Möglichkeit, zu reagieren. Dazu kommt, dass einige Spieler zum Kader gehören, deren Position es seit dem Sommer nicht mehr in Reinform gibt (Kramer, Zakaria, Johnson) und bei denen sich Dieter Hecking oder die Kaderplaner darüber klar werden müssen, ob man sie tatsächlich umschulen kann ohne ihnen ihre Stärken zu nehmen - oder ob man sie im Grunde genommen nicht mehr braucht.

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