Borussia bleibt zuhause eine Macht. Mit dem 3:1-Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg untermauerte man seine Spitzenposition in der Heimtabelle, wo man als einziger Bundesligaverein weiter ohne jeden Punktverlust bleibt. Dabei hatte es eine halbe Stunde lang ganz anders ausgehen und erst ein überraschender Doppelschlag brachte Borussia auf die Gewinnerstraße.


Jupp Heynckes musste gezwungenermaßen einige Veränderungen vornehmen. Während man normalerweise längere Spielpausen dazu nutzt, um Verletzungspausen auszukurieren, waren bei Borussia in dieser Zeit einige hinzugekommen, die insbesondere den quantitativ eh schwach besetzten Defensivverbund betrafen. Da Marcell Jansen und Filip Daems gleichermaßen für längere Zeit auf der linken Defensivseite ausfallen werden, bekam folgerichtig Marvin Compper seine erste Chance auf seiner Lieblingsposition. Tobias Levels profitierte von der Verletzung des Dänen Bo Svensson und stand erstmals neben Ze Antonio in der Viererkette. Federico Insua rückte nach ordentlichem Kurzeinsatz in Bremen wieder zurück in die Startformation und sollte dem Offensivspiel die nötigen Impulse verleihen. 

Davon war zu Beginn aber wenig zu sehen. Die erste Viertelstunde wirkte auf beiden Seiten eher zerfahren und es wurde leider nie erkennbar, welche Mannschaft denn nun Heimrecht genoß. Die erste Torchance erspielte sich dennoch Borussia in Person von Nationalstürmer Oliver Neuville, der sich eine über Umwege zu ihm gelangte Compper-Flanke schön zurechtlegte, dann aber aus 7 Metern weit übers Tor verzog. 

Mehr Zwingendes war aber zunächst auf beiden Seiten nicht zu erkennen. Nach etwa 10 Minuten wurden gar die auswärtigen Wölfe ein Stück weit mutiger und bemühten sich, das Geschehen an sich zu reißen. Waren sie anfangs noch mehrfach durch Abseitsstellungen um bessere Torgelegenheiten gebracht worden, waren es nunmehr Eckbälle, mit denen sie zum Glück kommen wollten. In Minute 16 ging diese Taktik auf. Der zweite Eckball von Jacek Krzynowek fand am kurzen Pfosten seinen Abnehmer. Alexander Madlung, der schon vor 3 Jahren mit Hertha BSC einen ähnlichen Treffer gegen Gladbach erzielte, war Kahe davongelaufen und sprang dann noch höher als Compper. Den gezielten Kopfball ins lange Eck konnte Kasey Keller beim besten Willen nicht abwehren. 

Doch schon wenig später konnte der US-Keeper doch noch sein Können unter Beweis stellen. Denn in der 17.Minute – Borussias Hintermannschaft befand sich wohl immer noch unter dem Schock des Gegentores – lief Krzynowek zentral freistehend auf Keller zu. Dieser wartete geschickt ab, und konnte so den Schuss des Polen ins kurze Eck mit dem Bein abwehren. Das fällige 0:2 wurde so verhindert und das Spiel offen gehalten. 

Der Schock aber schien weiter zu wirken. Borussia misslang jetzt beinahe alles. Die Zuschauer begannen unruhig zu werden. Verunsicherung prägte das Geschehen auf dem Feld, das die Wolfsburger zu diesem Zeitpunkt problemlos im Griff behielten. Allerdings begingen die Gäste in dieser Phase den Fehler, nicht energischer genug nachzusetzen und die Schwächeperiode unserer Elf entscheidend zu nutzen. So baute man die Heimelf langsam wieder auf und nach und nach lief der Ball wieder flüssiger durch die Reihen der Borussen. Nach einer knappen halben Stunde bekam man immer mehr das Gefühl, daß die Spieler jetzt doch wieder an sich glaubten. Trotzdem sollte es einer arg kuriosen Situation bedürfen, mit der sich die Elf von Jupp Heynckes wieder zurück ins Spiel fand. 

In Minute 34 konnte sich der bis dahin arg blasse Insua gegen zwei Wolfsburger durchsetzen und zu Kahe passen, der ca. 25 Meter vor dem Tor in zentraler Position bereit stand. Viel wusste der Brasilianer mit der Vorlage aber nicht anzufangen, so dass nicht mehr als ein Verzweiflungsschuss heraussprang, der auch noch vom Gegner abgefälscht wurde. "Unglückseligerweise" standen dann gar noch die Füße von Peer Kluge dem Schüsschen im Weg. Doch oh Wunder, der Ball kullerte auf diese Weise urplötzlich am verdutzen Simon Jentzsch vorbei Richtung Torlinie. Ganz wollte er seinen Weg hinein dann aber noch nicht finden, sondern zog stattdessen den Pfosten des Gehäuses vor. Der vor Freude noch ganz perplexe Kluge war inzwischen mitgelaufen und hatte keine Mühe, den Ball ins leere Tor zum glücklichen Ausgleich einzuschieben.  

Man konnte sich gerade noch fragen, ob uns ein solches Tor wohl jemals auch auswärts gelingen könnte, und dachte unweigerlich an Tomislav Piplica, da wurde es erneut gefährlich. Keine Minute nach dem ersten Treffer wurden Erinnerungen wach an das deutsche Sommermärchen im Juni. Denn Oliver Neuville rutschte genauso wie dereinst gegen die Polen in Richtung Ball und drückte ihn über die Linie. Ironie des Schicksals, daß die Vorlage von „unserem Odonkor“ kam, denn Schnelligkeit ist auch die hervorstechendste Stärke von Michael Delura, der sich vor dem Paß in die Mitte auf der rechten Seite toll freigekämpft hatte. Der Doppelschlag traf die Wölfe bis ins Mark und sollte sie über die gesamte Spielzeit hinweg beschäftigen. Von nun an trat Borussia jedenfalls endgültig so auf, wie man es sich zuhause erwartet. Bis zur Pause geschah nichts allzu Bewegendes mehr. Borussia hatte das gedrehte Spiel voll und ganz im Griff. 

Man konnte gespannt sein, wie sich die Mannschaften nach dem Seitenwechsel verhalten würden. Klaus Augenthaler hatte natürlich im Sinn, jetzt wieder mehr Druck auszuüben und so eine erneute Wendung zu erzwingen. Dafür kam mit Isaac Boakye ein neuer Stürmer aufs Feld, der aber zunächst wenig auszurichten vermochte. Stattdessen machten die unverändert gebliebenen Gladbacher jetzt das Spiel und drängten eher auf das nächste Tor als den Vorsprung über die Zeit retten zu wollen. Insbesondere Standardsituationen sorgten immer wieder für Ansätze von Gefahr. Am Ende fehlten dann aber immer die entscheidenden Zentimeter zum Erfolg. In der 56. Minute hätte es aber endgültig soweit sein müssen. Insua wurde von Kluge toll in Szene gesetzt und der Argentinier hatte im linken Teil des Strafraums alle Zeit der Welt, den Ball anzunehmen und zu verarbeiten. Er entschied sich für eine perfekt getimte Flanke in die Mitte, wo Kahe 7 Meter vor dem Tor völlig frei stehend zum Kopfball kam. Doch der zuletzt so treffsichere Brasilianer platzierte den Ball genau in die Tormitte, wo ausgerechnet auch noch Simon Jentzsch bereit stand, um den „Rückpass“ gelangweilt aufzunehmen.  

Nach einer eindeutig von Borussia bestimmten Anfangsviertelstunde in Halbzeit 2 sollte es doch wieder vermehrt in die andere Richtung gehen. Nach genau einer Stunde konnte man sich bei Schiedsrichter Perl bedanken, der einen ungestümen Tritt von Thijs gegen den soeben eingewechselten Makiadi nicht als Elfmeter wertete. Der anschließende Konter hätte beinahe gar zur Vorentscheidung geführt, wurde aber vom zögerlichen Delura etwas schlampig verschenkt.  

Obwohl Borussia bei einer Möhrle-Flanke in der 63.Minute Glück hatte, daß Santana nur knapp am Ball vorbei strich, blieben zwingende Chancen auf beiden Seiten Mangelware. Borussia ließ sich in dieser Phase etwas zu weit zurückdrängen, was gegen einen stärkeren Gegner an diesem Tag hätte ins Auge gehen können. Jupp Heynckes wollte dem mit Wechseln entgegenwirken, so daß er zunächst Rafael (für Neuville) und später Fleßers für Thijs brachte.  

Die beste Wolfsburger Chance konnte so aber nicht verhindert werden. In der 77.Minute bekam Mike Hanke seine Gelegenheit, dem Tor gegen die Bayern am letzten Spieltag ein weiteres Highlight folgen zu lassen. Die Flanke von Stegmayer, dem auf links von Kirch viel zu viel Platz gelassen wurde, setzte der Ex-Schalker knapp am rechten Torpfosten vorbei. 

Borussia konnte durchatmen und durfte zum letzten Mal auswechseln. Für den insgesamt ordentlichen Insua gab David Degen in der 80. Minute des 7. Spieltags seinen verspäteten Einstand, der nur drei Minuten später vergoldet wurde. Kahe setzte dort nämlich einen schönen Konter an, indem er durchaus nicht von Hektik getrieben den Ball über den Platz schob und aus 25 Meter Torentfernung halblinks stehend in den Strafraum schaufelte. Dort stand eben jener Degen frei, nahm den Ball gekonnt mit der Brust an und hämmerte ihn zum 3:1 ins Tor. Endlich war es geschafft. 7 Minuten vor dem Ende war jetzt klar, daß die Punkte einmal mehr im Borussia-Park bleiben würden.  

Das Spiel plätscherte nun in Richtung Schlusspfiff und fand ohne weitere Höhepunkte sein umjubeltes Ende. Mit nunmehr 12 Punkten setzt sich unsere Elf wieder ins obere Tabellendrittel fest. Viel wichtiger erscheint aber, daß man auf so einige Mannschaften hinter sich den Abstand vergrößern konnte und jetzt ein gehöriges Polster zu den Abstiegsrängen geschaffen hat. Für Träume vom UEFA-Cup ist nach dieser Partie kein Anlass gegeben. Zwar war das Auftreten ab der 30. Minute eins der besseren in dieser Saison. Zwar hielt die Bubi-Abwehr mit den Youngsters Levels, Compper und Kirch abgesehen von gelegentlichen Schwimmeinlagen erstaunlich gut stand. Zwar zeigte sich auch die Kreativabteilung in der Offensive mit Insua, Kluge, Delura und Kahe verbessert. Aber all dies hat alles keine Bedeutung, wenn man nächste Woche beim anstehenden Auswärtsspiel wieder das übliche hässliche Borussen-Gesicht aufsetzt. Doch wir wollen Jupp Heynckes den Gefallen tun und nicht allzu lange über die Auswärtsschwäche reden. Freuen wir uns heute lieber über den nächsten Saisonerfolg, durch den wir in der Tabelle mit den Aachenern wieder gleichgezogen sind. Es darf durchaus als erfreulich gewertet werden, wie Fußball-Deutschland die Anfangserfolge von Nürnberg und Aachen dermaßen überschwänglich feiert, während man unser durchaus ähnliches Abschneiden scheinbar als weniger besonders einstuft.
 
Tore: 0:1 Madlung (16.), 1:1 Kluge (34.), 2:1 Neuville (35.), 3:1 Degen (83.)

Wolfsburg: Jentzsch – Möhrle, Madlung, Hofland, Stegmayer – Sarpei (Menseguez, 69), Santana, van der Leegte, Krzynowek (Makiadi, 58) – Hoogendorp (Boakye, 46), Hanke.

Borussia: Keller – Kirch, Levels, Zé Antonio, Compper – Delura, Thijs (Fleßers, 69), Insua (Degen, 80), Kluge – Neuville (Rafael, 66), Kahê.

Schiedsrichter: Günther Perl

Zuschauer: 45.096

Datum, Spieltag: 14. Oktober 2006, 7. Spieltag

Gelbe Karten (Borussia): Kluge

Besondere Vorkommnisse: Während es für Tobias Levels das erste Bundesligaspiel von Beginn an und für Marvin Compper das erste Bundesligaspiel von Beginn an in dieser Saison war, durfte David Degen zum ersten Mal in seiner Karriere überhaupt für die Borussia auflaufen. Dem Neuzugang aus der Schweiz gelang sogleich ein Tor, letztmals glückte dies dem Australier Craig Andrew Moore am 18. Spieltag der Saison 2004/05 beim 1:0 über Arminia Bielefeld (22. Januar 2005). Erstmals in dieser Saison kassierte die Borussia im Heimspiel ein Gegentor, das letzte Gegentor in einem Heimspiel fügte ihr der Hannoveraner Vinicius am 33. Spieltag der vergangenen Saison (zum 2:2 Endstand) zu. Es war auch in jenem Spiel am 6. Mai 2006, an dem die Borussia letztmalig einen Rückstand in eine Führung umwandeln konnte. Letztmalig nach einem Rückstand noch gewinnen, dies konnte sie zuletzt am 17. Dezember 2005 beim 4:3-Erfolg über Eintracht Frankfurt unter Horst Köppel.          

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