Die gute Nachricht ist: Borussia Mönchengladbach hat am Samstag gewonnen und damit die Phase ohne Punkte in der Bundesliga beendet. Die andere gute Nachricht ist: Das geht auch noch bedeutend besser und trotzdem wurde Hertha besiegt. Die drei Punkte wurden mit einer Leistung geholt, die über weite Strecken den besseren Spielen dieser Saison weit nachstand, daher sollte das tatsächliche Niveau der Mannschaft über dem gegenwärtigen Platz 6 in der Tabelle liegen.

So weit, so gut. Allerdings war auch das 3:2 gegen Hertha Borussiaseits ein Spiel, das nicht zwangsläufig mit einem Sieg enden musste. Nach wie vor ist es unerklärlich, wie sehr das Team gute Phasen im Spiel rigoros abschließt und sich zum Winterschlaf begibt. Zum Glück für die Borussen ging die Sache diesmal glimpflicher aus als gegen Frankfurt, als die Partie in Extreme verfiel: Überlegene Anfangsphase, verschnarchte Zeit nach der Führung, Desaster nach der Halbzeit. Das Spiel vom letzten Samstag lässt sich hingegen so zusammenfassen: Passable Partie bis zur Führung, verschnarchte Zeit bis zum Ausgleich zur Halbzeit, besseres Spiel bis zum 3:1, REM-Phase bis zum Schluss.

Und warum jetzt so gemischte Gefühle nach einem Heimsieg und Platz 6 in der Tabelle? Weil der Eindruck überwiegt, dass Borussia das Potential hat, um weiter oben zu stehen. Und dass, wer Hertha mit ca. halber Kraft voraus besiegt, solche Siege unnötig riskiert und damit ein durchaus mögliches besseres Abschneiden zum Saisonende.

Die erste Halbzeit gegen Hertha zeigte dabei beispielhaft, war zur Zeit nicht läuft. Nach dem frühen 1:0 wurde das Niveau noch eine Zeit lang gehalten, dann verflachte das Spiel bis zum fast völligen Stillstand. Mit solch einem Einsatz und Initiative spielt eine Mannschaft, die in der 90. Minute 4:0 führt. Und es war nicht mal so, dass Berlin das richtig ausgenutzt hätte, wie Frankfurt zwei Wochen zuvor: Selbst der Ausgleich fiel aus einem eher uninspirierten Angriff, bei dem Schieber zwischen drei Borussen steht und trotzdem treffen darf.

Es sieht so aus, als würde das Team zur Zeit nach dem Motto verfahren "Gute Pferde  springen knapp.  Oder sie knallen voll ins Hindernis. Was soll diese blöde Analogie überhaupt?" Gegen Frankfurt wurde nach 15 Minuten ein Spiel abgeschlossen, das 3:0 hätte ausgehen müssen, gegen Berlin wurde nach 8 Minuten der Schlusspfiff abgewartet. Immerhin reicht die Gladbacher Spielstärke, um auch ohne Angriffswirbel in der zweiten Halbzeit zwei Tore zu erzielen, und weitere Torchancen lagen ausschließlich auf Seite der Hausherren. Zudem erstochert sich Kalou den Elfmeter zum Anschlusstreffer in der Nachspielzeit sehr gekonnt, ohne dass auch hier eine hundertprozentige Torchance im Aufbau war.

Woher kommt also der Eindruck, dass Borussia den eigenen Möglichkeiten hinterherspielt? Ein Schlüsselpunkt liegt darin, dass das Spiel ohne echten "Neuner" zwar im Aufbau flüssiger läuft, dafür im Abschluss hakt. Heißt konkret, Max Kruse bringt seine Fähigkeiten und seinen läuferischen Einsatz mehr im Mittelfeld zur Geltung und kann nicht immer im Strafraum zur Stelle sein. Und seit einiger Zeit wirkt diese Gestaltung nicht ideal. Entweder müssen die anderen Offensivspieler weiter vorrücken, sich schneller für den Steilpass postieren und den Abschluss suchen, oder Kruse muss  näher am Strafraum spielen.

Auch Raffael wirkt nicht in Topform. Man darf zwar nie übersehen, wie oft er in der eigenen Hälfte in die Zweikämpfe geht und Bälle holt, aber die inspirierten Momente im Angriffspiel fehlen zur Zeit. Es ist bemerkenswert, wenn Borussias Spielmacher 25 Minuten vor Schluss ausgewechselt wird, als es gerade 2:1 steht. Wenn Favre seinen Musterschüler zu dem Zeitpunkt und bei dem Spielstand vom Feld holt, hat auch er Verbesserungsmöglichkeiten vor Auge.

Dem einen oder anderen fehlt es zur Zeit möglicherweise auch an der richtigen Einstellung. Es sieht schon merkwürdig aus, wenn Christoph Kramer, trotz kämpferisch unübertroffener Leistung, das Spiel immer wieder zur Unzeit mit technischen Glanzpunkten veredeln will. Gegen Bayern war es die frisch eingeübte Pirouette und nach dem schmerzhaften Tor in Dortmund hätte man vermuten können, dass der Weltmeister seine Herangehensweise überdenkt. Aber gegen Hertha tanzt er kurz vor Ende in der eigenen Hälfte und mit dem Gesicht gen Yann Sommer mit dem Ball auf dem Spann, bis die Kugel endlich verloren geht, statt ca. ein Dutzend einfacherer Möglichkeiten zu wählen.

Vielleicht ist die Stimmung da in der Mannschaft insgesamt ein paar Stranzlgrade zu niedrig. Und vielleicht laufen ein paar Dinge besser, wenn Borussias Abwehrsäule seinen Mitspielern ein paar Dinge neu verstranzlt. Wahrscheinlich braucht es das, damit das Spiel der Borussen mit seinem wahren Potential wieder gleichzieht.

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