Gladbacher, die sich am Samstagabend das Spiel HSV-Hannover 96 ansahen, konnten drei ErkenntnSchalke 04isse mitnehmen. Erstens: Lars Stindl wäre eine tolle Verpflichtung. Zweitens: Hannover bleibt als Konkurrent um die Europa League-Plätze (und vielleicht wird sich Borussia doch eher dorthin orientieren) beruhigende acht Punkte zurück. Und drittens: Es gibt auch Bundesligaspiele mit Dramatik bis zum Schluss, Torraumszenen im Dutzendpack und zwei Mannschaften, von denen sich jede auf dem gesamten Spielfeld wohlfühlt.

Das war am Freitagabend anders. Im Vergleich zum Spiel bei den Bayern hatte Roberto di Matteo seine schon dort extrem defensive Aufstellung noch ein Stück weiter auf Verhinderung geeicht. Die Fünferabwehrkette blieb, Sidney Sam aber, in München noch zweiter Angreifer, wich auf die Bank zugunsten einer weiteren Stärkung des defensiven Mittelfelds. Über weite Strecken des Spiels widmeten sich neun von elf Schalkern fast ausschließlich der Spielzerstörung.

Dass Borussia gegen solche Mannschaften Schwierigkeiten hat, ist nichts Neues. Das frühe und ausgesprochen vermeidbare Schalker Tor spielte di Matteo vollends in die Karten. Weil die Gelsenkirchener danach Offensivbemühungen praktisch gänzlich einstellten und die Gladbacher vor dem Schalker Beton ahnungs-, plan- und ideenlos durch die Nacht irrlichterten, entspann sich eine unglaublich öde Begegnung, die keinen Sieger verdient hatte. Im Vorwege hatte eine Bombendrohung beinahe für eine Spielabsage gesorgt. Ihrer hätte es gar nicht bedurft. Ein Fußballspiel fand am Freitag auf Schalke auch so nicht statt.  Existentialistisch gesprochen, lieferte die Partie eine Ahnung davon, wie es sein könnte, tot zu sein. Wer mit erlitt, wie sich jeder zaghafte Versuch, ein Fußballspiel in Gang zu setzen, in der ätzenden Säure Gelsenkirchener Destruktivität auflöste, der musste an Woody Allen denken: „Die Ewigkeit kann sich ganz schön ziehen, vor allem gegen Ende“.

Das Fazit zum Gladbacher Rückrundenstart fällt gemischt aus. Sechs Punkte aus drei Spielen sind respektabel, und bei günstigem Ausgang der Sonntagsspiele könnte die Borussia dem Champions League-Platz sogar ganz dicht auf den Fersen bleiben. Aber es schmerzt nicht nur die Pleite gegen einen direkten Konkurrenten. Borussia hat in der Rückrunde auch noch in keinem Spiel überzeugen können. Beide Siege waren glücklich, der gegen Freiburg besonders. Im Spielaufbau bleibt vieles Stückwerk: Kick’n’Rush gegen Freiburg, Ballgeschiebe auf Schalke. In der Offensive kamen mit Ausnahme des verletzten André Hahn alle Spieler zum Einsatz, in Fahrt kam die Abteilung Attacke aber nur selten. Durch Raffaels Formkrise fehlt das Herzstück des Gladbacher Angriffsspiels.

Im Derby wartet der nächste Gegner, für den die Zerstörung oberste Priorität hat. Was hilft gegen die zu erwartende Ballbesitz-Ödnis, außer dem Hoffen auf einen glücklichen Türöffner? Immerhin für ein klein wenig Belebung konnte Traoré sorgen, er wäre auf dem Flügel auch gegen Köln eine gute Wahl. Vielleicht wäre es einen Gedanken wert, Xhaka hinter die Spitze (Kruse? Hrgota?) zu ziehen, einen der wenigen, der im Moment so etwas wie Leader-Qualitäten ausstrahlt und die Position in der Nationalelf schon erfolgreich bekleidet hat.

Die noch gewagtere Variante hieße Dahoud. Lucien Favres Wertschätzung für den spielstarken Youngster ist bekannt. Man müsse den richtigen Zeitpunkt für sein Bundesliga-Debut finden, ließ der Trainer unlängst verlauten. Zumindest für einen anderen hochgelobten Gladbacher Nachwuchsspieler war das rheinische Derby vor einigen Jahren genau dieser Zeitpunkt, in ungleich prekärerer Lage. Der Mann hieß Marc-André ter Stegen.

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