Borussia hat das Derby gegen den 1. FC Köln gewonnen. Diese Schlagzeile löst im Allgemeinen ungefähr so viel Erstaunen aus wie die Nachricht, dass es in Hamburg regnet oder in der Wüste die Sonne scheint. Ganz so selbstverständlich wie sonst war der Sieg am gestrigen Sonntagabend aber nicht. Nach der ungewöhnlichen Vorsaison, in der die Kölner zum ersten Mal nach sechs Jahren in der Endtabelle vor Gladbach platziert waren und zudem noch das Derby im Borussia-Park für sich entscheiden konnten, wussten beide Vereine nicht so recht wo sie standen. Ein Saisonstart kennt zudem meist seine eigenen Gesetze. Die Gesetzmäßigkeit vom Derbysieg für Borussia konnte er aber dieses Jahr nicht außer Kraft setzen. Die Fohlenelf ließ von Spielbeginn an keinen Zweifel daran aufkommen, wer die bessere Mannschaft ist und setzte sich am Ende hoch verdient und eher noch zu niedrig mit 1:0 durch.

Damit rehabilitierte sich die Mannschaft auch für den holprigen 2:1-Pokalsieg in Essen aus der Vorwoche, bei dem so einiges unrund lief. Die Offensivbemühungen waren dort viel zu zaghaft ausgefallen und wurden erst Mitte der zweiten Halbzeit zielstrebiger, als die Kräfte beim wacker kämpfenden Regionalligisten sichtlich nachließen. Diese Hilflosigkeit gegen tiefstehende Gegner ließ auch gegen die defensiv starken Kölner nicht viel Gutes erwarten. Dieter Hecking gelang es aber, sein Team dieses Mal besser auf diese Gegebenheiten vorzubereiten und neben dem Sieg einige wertvolle Erkenntnisse aus dem Derby mitzunehmen.

Positiv: Die offensiven Außenbahnen, über die zahlreiche Torchancen herausgearbeitet wurden. Speziell die rechte Außenbahn mit Nico Elvedi und Ibrahima Traoré avancierte nicht nur wegen des Tores zur spielentscheidenden Achse. Aber auch die Kombination mit Oscar Wendt und Thorgan Hazard funktionierte in der Offensive hervorragend, wobei die ständigen Rochaden – von vorne nach hinten, nach links und nach rechts – die Kölner sichtlich überforderten.

Negativ: Die defensiven Außenbahnen, denn der Offensivdrang war mit einem nicht unerheblichen Risiko verbunden, der an diesem Abend noch folgenlos blieb. Insbesondere dem Kölner Rechtsverteidiger Klünter boten sich zu viele und große Lücken, die dieser nur unzureichend zu nutzen verstand. Neuzugang Jhon Cordoba hatte drei Torchancen, von denen sein Vorgänger mindestens eine genutzt hätte. In der aktuellen Aufstellung fehlte es dem rheinischen Europa-League-Teilnehmer an der nötigen Klasse, um Borussias Sieg ernsthaft in Gefahr zu bringen. Gegen stärkere Gegner wird die Fohlenelf größere Schwierigkeiten bekommen, wenn sie sich auf der Außenbahn dermaßen offen präsentiert. Faktisch agierten Elvedi und Wendt als zusätzliche Mittelfeldspieler, sodass das offizielle 4-4-2 in der Umsetzung ein Stück weit wie das so umstrittene 3-5-2 aus der Vorsaison wirkte. Man darf gespannt sein, ob sich die offensiven Duos weiter werden durchsetzen können oder ob im weiteren Saisonverlauf nicht doch z. B. der defensiv stärkere Fabian Johnson wieder zu einer echten Alternative wird.

Positiv: Die defensive Mittelachse, die einen gewaltigen Anteil hatte, dass die Defensivschwächen kein böses Ende fanden. In der Innenverteidigung harmonierten Vestergaard und Ginter bereits erstaunlich gut und agierten sehr abgeklärt. Hier zahlte sich die enorme Erfahrung aus, die beide trotz ihres jungen Alters bereits jetzt mitbringen. Vor ihnen lief das Duo Kramer/Zakaria insgesamt rund 25km und behielt das Geschehen im Mittelfeld damit nahezu jederzeit im Griff. Die Souveränität  dieser zentralen Doppelachse macht Mut für den weiteren Saisonverlauf, wenngleich es auch hier einschränkend gilt abzuwarten, wie sie sich gegen stärkere Offensivreihen präsentieren wird.

Negativ: Die Chancenverwertung der Fohlenelf, deren eigenes Offensivspiel weit mehr Tore verdient gehabt hätte. Selbst der sonst so treffsichere Lars Stindl ließ einige Chancen kläglich liegen. Raffael kam das außenlastige Spiel nicht so sehr entgegen, sodass hier noch Abstimmungsbedarf besteht.

Neutral: Die Alternativen von der Bank sind vorhanden, da die Offensive aktuell nicht allzu sehr von Verletzungen geplagt wird. So viel scheint Dieter Hecking den Ersatzkandidaten aber noch nicht zuzutrauen, da er sie erst verhältnismäßig spät in die Partie schickte. Jonas Hofmann stellte in Essen unter Beweis, dass er für Belebung sorgen kann. Patrick Herrmann ist zu wünschen, dass er in diesem Jahr wieder näher an seine Hochform heranrücken kann, die ihn immerhin an die Tür zur Nationalelf klopfen ließ. Zu guter letzt war es Raul Bobadilla, der bei seinem Kurzauftritt die größte Chance ausließ, sich diese aber immerhin zuvor erarbeitete. Hier wäre ein Pass auf den links freistehenden Jonas Hofmann die klügere Wahl gewesen. Das schnelle Offensivpiel über die Außen, dass die Mannschaft in diesem Derby präsentierte, wäre im Grunde prädestiniert für einen Zentrumsstürmer, dessen Typus Bobadilla im derzeitigen Kader am ehesten entspricht. In der nächsten Woche wird er aber keine weitere Chance erhalten, da der FC Augsburg lieber von einem anderen Borussen abgeschossen werden möchte als vom eigenen Ex-Spieler.

Rechnet man die positiven und negativen Aspekte der Partie gegeneinander auf, so ergibt sich auf den ersten Blick ein ausgeglichenes Bild. Insgesamt zeigte das Derby aber nicht nur wegen des Ergebnisses mehr Licht als Schatten. Borussia hat einem Europa-League-Teilnehmer eindrucksvoll die Grenzen aufgezeigt und diesen über weite Strecken dominiert. Bei den krisengeplagten Augsburgern muss dies jetzt bestätigt werden, damit die Mannschaft möglichst von Beginn an in einen Positivlauf gerät und in dieser Saison wieder eine bessere Rolle in der Liga spielen kann.

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