TSG Hoffenheim 1899Als die Borussia in der Vorsaison am 2. Spieltag die TSG Hoffenheim 1899 zum Punktspiel empfing, da wurden die Kraichgauer vielerorts noch als niedlicher Zweitligaaufsteiger verspottet, den man aufgrund seiner Dörflichkeit nicht wirklich ernstnehmen müsste. Klare Fakten wurden seitens unzähliger Berichterstatter geflissentlich ignoriert. Als die Hoffenheimer dann aber zeigten, wozu sie aufgrund ihres fußballerischen Potentials und der akribischen Arbeit ihrer Führungsspitze tatsächlich imstande sein könnten, da schlug diese gewollte Putzigkeit in der Betrachtung rasch in hässlichsten Neid um. Plötzlich geiferten Fans und Medienlandschaft nach unmoralischen Stolperdrähten innerhalb einer gut zwanzigjährigen Erfolgsstory und selbst vereinzelte Vereinsvertreter ließen sich zu Floskeln hinreißen, die mit dem Wörtchen „tumb" noch wohlwollend umschrieben sind.

Borussias Defensive

Es ist ja doch bemerkenswert, wie schnell so etwas wie pure Hektik Einzug hält. Überraschender als die Reaktion vieler Leute auf die anderthalb Torwartfehler in den ersten 45 Bundesligaminuten seit dem Aufstieg war jedoch die komplette Nichtberücksichtigung der Vorjahresaußenverteidiger im Vorfeld des letzten Spiels. Bei Tobias Levels konnte man diese schon eher aus der Vorbereitung erahnen, bei Alexander Voigt waren selbst aufmerksame Beobachter verhältnismäßig verblüfft. Jos Luhukay begründete den Verzicht auf den früheren Kölner nach der Partie mit seinem potentiellen Gegenspieler, Roberto Hilbert, und dass man ihm das Bändigen jenes Hilberts weniger zugetraut hatte als seinem primären Kontrahenten um den linken Außenverteidigerposten, Jean-Sebastien Jaurès.

So sehr das nun darauf hindeutet, dass es vorerst ein sogenanntes „offenes Rennen" um den permanenten Linksverteidigerposten in der Startelf geben dürfte, zeigte sich am Sonntag auf der rechten Abwehrseite, dass es kein Allheilmittel ist, eine vermutete Achillesfersenposition im eigenen Spiel mit einem Spieler zu bestücken, der keinesfalls an die dort zugehörigen Aufgabengebiete gewöhnt ist. Marcel Ndjeng machte ein grausiges Spiel auf der Position und zeichnete wenigstens für ein Gegentor federführend verantwortlich. Es ist bei anhaltender Formschwäche von Tobias Levels die Frage, ob ein demnächst wiedergenesener Steve Gohouri sich als der bessere Akteur erweist und dort somit auf jener Position in der Tat jenes Potential zeigt, das im Abwehrzentrum bei Jos Luhukay dazu geführt hat, Filip Daems mittlerweile nicht mehr als linken Außenverteidiger in seinen Planungen zu führen.

Borussias Offensive

Der Mannschaftsteil, der am Sonntag hastig das übriggebliebene Lob einkassierte. Und auch so ein Fall bei dem man sich fragt, weswegen es bei manch Geiferndem eigentlich immer bloß der Torwart sein soll, der einer Mannschaft Spiele „verliert". Während die Stuttgarter nämlich aus ihren sieben Torchancen, wie die Borussia sich in den letzten Tagen bemühte offiziell nachzurechnen, immerhin dreimal den Torerfolg erreichten, brachte die Borussia in Form von Rob Friend den Ball bei auch 7 Versuchen nur einmal über Stuttgarts Torlinie. Gerade der Kanadier, der in dieser Woche zum Länderspiel war, hätte die Borussia dabei viel eher und viel deutlicher wieder zurück in das Spiel schießen können, hätten ihm seine Nerven nicht auch aus anderen Mannschaftsteilen bekannte Streiche gespielt.

Aber, aber, wird es jetzt heißen. Rob Friend ist doch schließlich nicht irgendwer, er war in der letzten Saison ein absoluter Leistungsträger und der beste Torschütze des Klubs. Der wird sich ja wohl man einen schlechten Tag erlauben dürfen, da sollte man doch nicht gleich so meckern!?!

Nein, aber Friend war halt genauso daran beteiligt, dass die Borussia dieses Auftaktspiel in der neuen Klasse verlor, da wird man seine Fehlleistungen vor des Gegners Tor doch sicher auch mal in den Vergleich mit anderthalb Torwartfehlern setzen dürfen. Auch Marko Marin, Borussias Nationalspieler, sollte sich schließlich den Schuh anziehen, dass er mit seinem überflüssigen Ballverlust in der Vorwärtsbewegung ein Tor der Stuttgarter mit zu verantworten hat und an einem weiteren Gegentor durch Passivität seinen Anteil verbuchen kann. Auch das ist eine Tatsache aus dem Stuttgartspiel.
Dennoch wird Marin gegen Hoffenheim wieder mit von der Partie sein, wie vermutlich auch Karim Matmour, der in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart eine sehr gute Torgelegenheit hatte (die Lehmann im Stuttgarter Tor vereitelte) und mehrfach andeuten konnte, weswegen er ein Kandidat für einen Stammplatz auf der offensiven Außenbahn sein kann.

Anders als Matmour schöpfte Sascha Rösler aus dem zentralen Mittelfeld am Sonntag aus seinen Vorjahresleistungen, denn abseits seines unglücklich erlittenen „Cuts" unterhalb des linken Auges hatte der frühere Aachener eben auch keinen glücklichen Vorabend, handelte sich zudem eine mehr als unnötige Gelbe Karte ein und musste in nachvollziehbarer Weise vorzeitig unter die Dusche - er wird an diesem Wochenende davon profitieren, dass diese Blessur nur vorübergehend ist und sein potentieller Ersatzmann Alexander Baumjohann in sechzig Minuten gegen Stuttgart nicht über passable Ansätze hinausgekommen war.

Unter dem Strich ist also nicht zu erwarten, dass Jos Luhukay im Offensivbereich mit seinen Vorstellungen brechen wird und vereinzelte Schwächen von Offensivspielern während des vorigen Spieltags, der mit so einer ernüchternden Wirkung erscheint, sogleich mit einem Platz auf der Bank und der Tribüne quittieren dürfte. Und damit dürfte Luhukay auf breiten Konsens stoßen, denn anders als die gescholtene Defensivabteilung waren Medien und Fans ja schließlich voll des Lobes über die fehleranfällige Offensive gewesen; Fußball ist eben ein einfacher Sport, geradlinig und klar.

Der Gegner aus Hoffenheim

Wie so oft, so gibt es auch im Zusammenhang mit der TSG von 1899 verschiedene Ansätze. Und gewiss, verkehrt ist es nicht, wenn man hier und da auf die Gefahren eines Mäzenatentums verweist, das so manchen Klub zwischenzeitlich schon angespornt, jedoch selten wirklich nachhaltig befruchtet hat. Man denke an die in Fußballeuropa inzwischen übliche Aufkauferei von Traditionsvereinen, die manchem Mäzen mehr als nur gelegentlich zum Aufpolieren seines (mitunter zwielichtigen) Rufes dient. Männer wie Thaksin Shinawatra, der ehemalige Premierminister Thailands, der just in der zurückliegenden Spielzeit bewiesen hat, wie man so etwas macht und wie man dabei einen ganzen Klub (Manchester City) für seine ureigenen Interessen brachial missbrauchen kann. Und steht der Trainer des Vereins, selbst wenn er vergleichsweise beachtliche Arbeit in seinem ersten Jahr vollbracht hat und von der Anhängerschaft für diese geschätzt ist, am Ende nicht auf den besten Plätzen an der Sonne, so wirft man ihn kurzerhand eben wieder raus. C'est la vie!

Da ist es schon beruhigend, dass der Mitbegründer der SAP AG, Dietmar Hopp mit Namen, sein Engagement bei der Elf aus dem Sinsheimer Stadtteil anders anlegt. Nicht allein, weil Hopp schon verkündet hat, dass Hoffenheims Ralf Rangnick auch im Abstiegsfall eine Jobgarantie habe, sondern weil der von einer grundsätzlich verschworen scheinenden Fußballfamilie natürlich sehr argwöhnisch beäugte Gönner der TSG den Ausnahmefall Hoffenheim auch dazu benutzen will, eine Nachhaltigkeit zu erzeugen, die den erwähnten Heuschrecken der Fußballbranche von Haus aus fern ist. Es ist die Bereitschaft, eine erklärte Philosophie zu befolgen, die unter Umständen dornig sein kann, die langfristig aber Früchte tragen wird und bei der ein Erfolg wie der B-Jugend-Meistertitel des Sommers 2008 nur als Beginn interpretiert werden muss.

Als Trainer wie Borussias Jos Luhukay sich zu Beginn der vergangenen Zweitligasaison dazu erklärten, dass sie ausgerechnet diesen Zweitligaaufsteiger als potentiellen Kandidaten für einen sofortigen Durchmarsch in die deutsche Elite einstufen würden, da wurde das - wie eingangs in einem anderen Zusammenhang erwähnt - noch belächelt. Zwischendurch hatte sich die halbe Liga dann zwar erstmals tüchtig im Stammtischjargon empört, als es den Baden-Württembergern gelang, große Nachwuchstalente wie den Brasilianer Carlos Eduardo oder den Nigerianer Chinedu Ogbasi Ogbuke für einige Millionen Euro Ablösesumme zu sich zu holen und sich dabei gegen namhafte europäische Konkurrenz zu behaupten. Allerdings dauerte es eigentlich bis zur fantastischen Rückrunde der Elf von „Fußball-Professor" Rangnick, bis sie ligaübergreifend als große Gefahr für den fußballerischen Status Quo betrachtet wurden. Deshalb mag es nun ein wenig zu übereifrig sein, dass man den Hoffenheimern bei den einschlägigen Experten nicht zutraut, unmittelbar vom Wiederabstieg bedroht zu werden, im Umkehrschluss ist es aber nur sinnvoll anzuerkennen, dass der Verein das Potential hat, im eingeführten Kastensystem des deutschen Fußballs schneller emporzusteigen als etwa die gerade auf seiner Augenhöhe operierende Borussia oder ihr rheinischer Rivale 1. FC Köln. Dass Hoffenheim das echte Potential hat in dieser Serie das „Karlsruher Modell" zu zelebrieren, dabei aber nicht Gefahr läuft so drastisch auszubluten wie der für dieses Modell namensgebende Verein.

Und es ist doch in der Tat langweilig, stets zu vernehmen, dass man das Modell Hoffenheim als „wahrer Fußballinteressierter" bloß auf das Tiefste zu verabscheuen hat. Denn abseits einiger doch (sehr) kruder Erklärungsversuche der dortigen Macher um „Superfan" Hopp - sie haben wenigstens noch den Drang sich zu rechtfertigen, während andere „Global Player" auch diesen Einschlag von Transparenz längst als unnutze wie zeitraubende Folklore eingestuft haben - fehlte es gerade noch, dass man dort in Sack und Asche zu gehen hat, bloß weil traditionelle Fußballstandorte wie beispielsweise Kaiserslautern essentielle Dinge wie „verantwortungsvolles Wirtschaften und dementsprechendes sportliches Handeln" seit Jahren die falsche Priorität zugeordnet haben und für Misswirtschaft und sonstige Fehler mit einem unterklassigen Dasein bedacht worden sind.

Hoffenheims Defensive

Mit zehn gegentorlosen Spielen in der vergangenen Rückrunde spielte sich der mit dem typisch österreichischen Namen Ramazan Özcan ausgestattete alpenländische Nationaltorwart und EM-Teilnehmer in den Kasten des Aufsteigers, den in der Hinrunde noch der frühere Juniorennationaltorwart Daniel Haas verantwortungsvoll betreut hatte. Özcan wähnte sich auf seiner vorangegangenen Station, bei Red Bull Salzburg in seinem österreichischen Heimatland, als nicht ausreichend mit Einsatzchancen bedacht und nutzte den zunächst als Leihaufenthalt ausgelegten Übertritt in die Obhut des Ralf Rangnick dazu, sich einen permanenten Vertrag mit dem Klub zu verdienen. Schließlich gelang ihm nicht nur das, sondern auch der nachträgliche Einzug in das österreichische EM-Quartier, nachdem dort Helge Payer von Rapid Wien aufgrund einer Venenerkrankung vorzeitig ausgeschieden war; der lautstarke Bällefänger ist bei einer Körperlänge von knapp 190 Zentimetern recht muskulös und kann deshalb in die Kategorie jener Torhüter eingeordnet werden, die in der Liga früher von Leuten wie Gerald „Gerry" Ehrmann repräsentiert wurden und von vielen Fußball-Feuilletonisten mit boulevardeskem Einschlag sehr gemocht sind.

Die erste von zwei Neuverpflichtungen der Vor-Saisonphase des Klubs, der für 3 Millionen Euro aus Stuttgart verpflichtete Juniorennationalspieler Andreas Beck, kommt neben der für ihn als angestammt einzuschätzenden rechten Außenverteidigerposition auch auf der linken Abwehrseite in Frage. Wie auch der österreichische Nationalverteidiger Andreas Ibertsberger, den die TSG im Winter aus Freiburg holte und der im Vergleich zu dem unerfahrenen aber flinken Beck trotz seiner 26 Lebensjahre (und seiner zeitweise auftretenden Konzentrationsschwächen) als erfahrener Akteur zu bezeichnen ist. Wie auch Zsolt Löw, der früher bei Energie Cottbus verteidigte und in der letzten Saison der angestammte Linksverteidiger der Hoffenheimer war. Für diese Position hatte sich in der Vorrunde der Brasilianer Luiz Gustavo Ruis aufgedrängt, dieser war aber nach der Knieverletzung des bis dato im defensiven Mittelfeld agierenden jungen Ghanaers Isaac Vorsah auf Vorsahs Position verschoben worden - eigentlich hatten die Hoffenheimer im Winter daher auch Marvin Compper von der Borussia eher für die linke Außenverteidigerposition nachverpflichtet, bloß zeigte sich der gebürtige Tübinger im Zentrum sofort wertvoller.

Dorthin war Compper verrückt worden, weil schließlich sogar Abwehrchef Per Nilsson sich zu Rückrundenstart eine Innenbandverletzung zuzog und deswegen dort ersetzt werden musste. Und der sich bei der Borussia auf einem stillen Gleis hinter Alexander Voigt befindliche Compper, dessen Kontrakt an der Hennes-Weisweiler-Allee zum Juli diesen Jahres geendet wäre, erwies sich als das, als was er sich im Sommer 2005 - als Juniorenspieler der Borussia - in einem SEITENWAHL-Interview selbstbewusst beworben hatte: als zuverlässiger Innenverteidiger. Somit startet Hoffenheim in diese Erstligasaison im zentralen Deckungsverbund mit eben Compper und Nilsson, wobei Compper als der klar schnellere der beiden innen verteidigenden Akteure beschrieben werden muss, dem die Spielintelligenz und das Stellungsspiel seines kopfballstarken Verteidigungskollegen Per Nilsson (der nach seiner Gesichtsverletzung am 1. Spieltag für diese Partie fraglich ist) noch ein Stück weit abgeht.

Es scheint möglich, dass das unmittelbare defensive Mittelfeld der Baden-Württemberger von Trainer Rangnick mit mehr als einem Akteur bestückt werden könnte. Für die zentrale Stelle bewerben sich der erwähnte Luiz Gustavo Ruis und der wenig elegante, dafür körperlich robustere Isaac Vorsah. Hierbei darf sich Rangnick folglich zwischen zwei Akteuren entscheiden, die in der letzten Saison nacheinander diese Position mit Leben gefüllt haben. Neben einer „Doppelsechs" könnte Rangnick auf eine Abwandlung des in der Bundesliga zuletzt von Mainz unter Jürgen Klopp zelebrierten „Tannenbaums" (4-3-2-1) aufbieten, wobei in so einem Fall die Halbpositionen im Mittelfeld vorwiegend mit defensiv achtgebenden Spielern ausgestattet würden. Etwa mit einem Selim Teber oder einem Tobias Weis, der als eigentlich offensiver Außenbahnakteur im Endspurt der letzten Saison aus der Tiefe wichtige Dienste zu leisten imstande war.

Hoffenheims Offensive

Ob vereinzelte Spieler der Offensivabteilung der Hoffenheimer auch in der Bundesliga dafür sorgen können werden, dass die Defensive der Mannschaft unter lediglich geringfügiges Dauerfeuer geraten wird? An und für sich ist das anzweifelbar, aber gerade in Duellen mit Klubs auf Augenhöhe (wie am heutigen Spieltag) ganz sicher möglich.

Der Hoffenheimer Offensivabteilung als Ganzes tat es gut, wenn man sie wie in der letzten Saison auf Carlos Eduardo Marques reduzierte. Der frühere Komet von Grêmio Porto Alegre ist gewiss ein Ausnahmetalent, das sein fußballerisches Vermögen in ähnlicher Form wie Borussias Marko Marin in der vergangenen Zweitligasaison schon auf den Rasen bringen konnte. Als vor Ideen sprudelnder Mittelfeldspieler in einer als „Klopperliga" verulkten Spielklasse. Wesentlich insprierender als der Zweitligarekordeinkauf (ca. 8 Millionen Euro Ablöse), nicht nur weil der Brasilianer im Saisonendspurt mit einer vermeidbaren Sperre pausiert hatte, blieb unter dem Strich der schon 2006 für wirklich kleines Geld von Hertha BSC Berlin geholte Sejad Salihovic. Der bosnische Nationalspieler blieb als vor allem auch über Standards (insbesondere seine direkten Freistöße) kommende Mittelfeldakteur mit insgesamt 14 Torvorlagen der beste Torvorbereiter der letzten Zweitligasaison, gefolgt nur von Borussias Marko Marin und Marcel Ndjeng mit 13 Tore einleitenden Zuspielen.

Man tut also gut daran, auch einen Salihovic zu beachten. Und zwar genauso wie potentielle Einwechselspieler wie Francisco Copado, der der Borussia im Februar so schmerzlich einschenkte und in dessen Spiel sich mittlerweile die Erfahrung von über 200 Pflichtspielen im Profifußball selbst eingewechselt hat. Den gebürtigen Kieler, möglicherweise als „Superjoker", sollte man mit seinem trickreichen Spiel besser nicht aus den Augen verlieren, selbst wenn er durch ein allzu nassforsches Einklagen eines Stammplatzes in der letzten Saison seine unmittelbar äußere Wertigkeit („Kapitänsbinde") für die Elf ablegen musste.

An der Personalie Chinedu Ogbasi Ogbuke im Angriff kann man, wenn man mag, die Hoffenheimer Fußballphilosophie ausmachen. Obschon der zwölffache Torschütze der vergangenen Saison ein essentieller Teil der Planungen für den Klub bedeutet, hat man ihn schließlich freiwillig (!) zum olympischen Fußballturnier abreisen lassen und damit in Kauf genommen, dass er die komplette Saisonvorbereitung deswegen verpasste. Gewiss, mag man nun urteilen, besitzen die Baden-Württemberger etwa durch Demba Ba - der Senegalese traf ebenso zwölfmal in der Aufstiegssaison - noch über einen weiteren Stürmer mit Torinstinkt und hatten in der zurückliegenden Spielzeit mit Vedad Ibisevic ja auch noch einen auf der Ersatzbank, nachdem sich viele der damaligen Ligakonkurrenten bis zur Decke gestreckt hätten, aber dennoch bedeutet(e) die Abwesenheit von Ogbasi Ogbuke einen unmittelbaren Qualitätsverlust für die Angriffsbesetzung des Aufsteigers.

Diesem Qualitätsverlust hatten sie im Südwesten durch ihre zweite Neuverpflichtung, Wellington Luis de Souza, entgegenwirken wollen. Der 20-jährige Stürmer mit dem Preisschild von umgerechnet 4,5 Millionen Euro entstammt der Jugend des brasilianischen Spitzenklubs Internacional Porto Alegre und erzielte für den Clube Nautico aus Recife in der laufenden brasilianischen Meisterschaftsrunde in 14 Begegnungen immerhin fünf Tore. Bei der TSG zeigten sie sich neben seiner Torquote insbesondere über seine von Uneigennutz geprägte Einsatzbereitschaft begeistert und waren dementsprechend niedergeschlagen, als sich herausstellte, dass der wenigstens vorübergehend an der Seite von Demba Ba vorgesehene Wellington eine Wadenverletzung aus seiner Heimat mitbrachte, die man durch die medizinische Abteilung des Aufsteigers zunächst als simple Prellung eingestuft hatte, die sich letztlich aber als Muskelfaseriss diagnostizieren ließ - somit wird er wohl erst nach der Länderspielpause im September zeigen können, ob er mit einer Erfahrung von gerade einmal einer Spielzeit im Seniorenfußball dem dann von Olympia heimgekehrten Chinedu Ogbasi Ogbuke den Platz im Angriff streitig machen kann.

Die Olympiateilnahme des Nigerianers und die Verletzung von Wellington spülte zuletzt den bereits erwähnten Vedad Ibisevic in die Anfangsformation, und nach seinen Darbietungen im DFB-Pokalspiel in Chemnitz (Siegtorschütze!) und im ersten Saisonspiel in Cottbus (Torschütze zum wichtigen 1:0-Zwischenstand) darf davon ausgegangen werden, dass der Edeljoker der TSG auch nunmehr an der Seite Demba Bas als Startspieler seinem Klub aus dieser personellen Klemme helfen wird. Nicht ohne zu hoffen, dass es am Ende er selbst ist, der fortan dauerhaft von Beginn an im Spiel des Aufsteigers auftauchen darf.

Schiedsrichter

Milivoje Novakovic wird Roel Brouwers dieses Mal nicht begegnen, doch der Niederländer wird sich an diesem Spieltag unmittelbar an den Slowenen vom 1. FC Köln erinnern, denn der DFB hat Thorsten Kinhöfer als Referee erwählt. Und der 40-jährige Abteilungsleiter vom SC Constantin Herne-Mark 1930 e.V. wird die Erinnerung an jenen 27. Spieltag der Vorsaison in Brouwers sicher erwecken. Ein Spiel, in dem die Borussia bis in die Nachspielzeit hinein ein 1:0 gegen den Aufstiegsrivalen hielt und der FIFA-Schiedsrichter just in jener Phase dann dem Gastgeber gegenüber großzügig blieb und ein strafraumfernes Vergehen von Brouwers gegen Novakovic in den Strafraum verlegte. Aus diesem Elfmeter resultierte schließlich doch noch der Ausgleich für den 1. FC und der DFB fuhr im Anschluß an diese Partie die notwendige Milde auf, dass das eigene Schiedsgericht Brouwers für den in dieser Szene überdies noch erhaltenen Platzverweis nur die minimal nötige Spieltagssperre gab.
Schon im Hinrundenspiel am Spieltag 9 der vergangenen Saison war Kinhöfer für das rheinische Derby eingeteilt worden, damals zeigte er in Mönchengladbach beim 2:2 eine wesentlich weniger umstrittene Darbietung und blieb in einem ebenfalls intensiven Spiel ein souveräner Leiter ohne große(n) Fehler.

Sein letztes Erstligaspiel mit Beteiligung der Borussia fand beim letzten Auswärtsspiel des VfL in der Bundesligasaison 2006/07 in Mainz statt. Am 33. Spieltag führte ein Foulspiel von Kasper Bögelund an Elkin Soto zu einem Foulelfmeter für Mainz, den Mohamed Zidan zur 1:0-Führung nutzte. Es war ein Spiel, das im Anschluss noch die Treffer von Ruman und Feulner & eine Rote Karte für Steve Gohouri in der 87. Spielminute sah.

Bilanz

Laszlo Klausz, Sascha Licht, Hajrudin Catic und Dariusz Pasieka hießen die Torschützen bei Borussias letztem Ausflug in das Mannheimer Carl-Benz-Stadion, welches der TSG Hoffenheim 1899 in dieser Hinrunde als Ausweichstätte dient. Die Chronisten schrieben damals Spieltag 10 der Spielzeit 2000/2001 und notierten fein säuberlich, dass jene 0:4-Pleite beim SV Waldhof den Aufstiegsfavoriten von Trainer Meyer als Tabellenzehnten nunmehr bereits dreizehn Punkte hinter Tabellenführer Nürnberg rangieren ließ. Beobachter jener Begegnung entdeckten Spieler der Borussia, wie den aktuellen Torwartcoach Uwe Kamps, nach dem Match beim Smalltalk mit erschüttert dreinblickenden Anhängern, die das Saisonziel Aufstieg nicht mehr richtig ernstnehmen wollten. Hätten sie gewusst, dass an diesem 29. Oktober die Trendwende zur Aufstiegsform im Form des berüchtigten Bielefeld-Spiels kaum vier Wochen entfernt war, sie hätten womöglich weniger Trübsal geblasen.

Gleichmaßen betrüblich konnten die Anhänger in der letzten Rückrunde schauen, als die Borussia zu ihrem bislang einzigen Auswärtsduell gegen die TSG 1899 fuhr. Ohne Sascha Rösler angetreten, führte die Borussia durch Neuzugang Thomas Kleine und den Elfmeter Oliver Neuvilles zur Halbzeitpause in souveräner Manier 2:0, kam aus dieser Unterbrechung jedoch schläfrig wieder heraus und leistete sich beachtliche Konzentrationsfehler. Diese mündeten an diesem 19. Spieltag, am 1. Februar, in die erst zweite Saisonniederlage der Luhukay-Elf, der im Schlussspurt ein einwandfreier Treffer von „Joker" Nando Rafael zum zwischenzeitlichen 3:3 zu Unrecht aberkannt worden war. Es folgten Tage, während denen die Borussia unter Beweis stellen musste, dass sie nicht gewillt war ihre gute Hinserie in eine schlechte Rückserie zu tauschen. Es folgte aber auch der Siegeszug der TSG 1899, die mit dem Schwung dieses Sieges den Grundstein zu einer Rückrunde mit 38 von 51 möglichen Punkten gelegt hatte.

Aufstellungen

Hoffenheim: Özcan - Beck, P. Nilsson, Compper, Ibertsberger - Weis, Luiz Gustavo, Carlos Eduardo, Salihovic - Ba, Ibisevic
Ersatz: Haas, Kirschbaum - Janker, Jaissle, Vorsah, Seitz, Teber, Löw, Copado, Hesse.
Es fehlen: Wellington, Strifler (verletzt), Obasi Ogbuke (Olympiateilnahme)

Borussia: Heimeroth - Ndjeng, Brouwers, Daems, Jaures (Voigt) - Paauwe, Alberman - Matmour, Rösler, Marin - Friend (Colautti)
Ersatz: Gospodarek - Levels, Kleine, Callsen-Bracker, Svärd, Baumjohann, van den Bergh, Touma, Neuville.
Es fehlen: Schachten, Gohouri, Coulibaly (verletzt)

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Schiedsrichterassistenten: Detlef Scheppe, Christian Fischer
Vierter Offizieller: Walter Hofmann

SEITENWAHL-Meinung

Hans-Jürgen Görler: Um einen Fehlstart zu vermeiden, muss gegen 1899 Hoffenheim mindestens ein Punkt her. Vielleicht hilft es ja, dass die Partie am Sonnabend stattfindet. Beim Spiel gegen Stuttgart am vergangenen Sonntag hätte man so manchem Borussen gerne auf die Schulter getippt und gesagt: "Es ist zwar Sonntag, aber trotzdem ist das hier die 1. Liga." Hoffen wir das Beste und verhindern wir, dass Hoffenheim einen Traumstart erwischt. Nach dem 1:1 darf der erste Punkt auf dem Weg zum Nichtabstieg gefeiert werden.

Mike Lukanz: Tja, welche Reaktion folgt nun? Das 1:3 vom vergangenen Sonntag glich einem schallenden Gelächter, das zudem die Worte "Willkommen in der Bundesliga" ausrief. Jetzt nach Hoffenheim, die souverän die Cottbuser zerlegt haben. Personaldiskussionen und Unsicherheit werden die Köpfe weiterhin lähmen, so dass das 0:2 bei der TSG ein weiterer Tiefschlag für die zuletzt so erfolgsverwöhnten Gladbacher Fans sein wird. Dann kommen Pizarro & Co. Hoffentlich bleiben in Gladbach alle ruhig.

Christian Heimanns: Der Auftakt ging ja schon mal satt daneben. Allerdings ist Hoffenheim auch (noch) nicht Bayern, und wenn die Borussen verbessern können, was am Sonntag so falsch lief, ist auch in Mannheim ein 2:2 drin.

Michael Heinen: Starke Offensivreihen gegen wacklige Defensive. Ein Spiel, das viele Tore verspricht. Borussia wird einmal mehr gegen Hoffenheim als Verlierer vom Platz gehen. Dieses Mal aber "nur" mit 2:3.

Christoph Clausen: Erneut ein mutiger Auftritt der Borussen, erneut eine wacklige Defensive, erneut ein Gegner, der dies auszunutzen weiß. Borussia verliert auch das zweite Spiel der Saison. Immerhin fällt die Niederlage mit 1:2 um ein Tor knapper aus als die letzte.

Christian Spoo: Nach dem beeindruckenden Auftritt des badischen Traditionsvereins in Cottbus und dem schwachen Bild, das Borussia gegen Stuttgart abgegeben hat, rechnet sicher so mancher mit einem Debakel. Dazu wird es nicht kommen. Borussia wird hinten besser stehen als am Sonntag und Hoffenheim durchaus auf Augenhöhe begegnen. Trotzdem wird es nichts mit dem ersten Punkt. Borussia wird 1:2 verlieren und danach wird von einer "unglücklichen Niederlage" die Rede sein.

Thomas Zocher
: Enttäuscht und ernüchtert, so kehrt die Borussia nach einem 2:4 beim Mitaufsteiger in heimatliche Gefilde zurück. Dabei hatte man in der Schlußphase den Ausgleichstreffer mehrfach auf dem Fuß und musste sich erst in der Nachspielzeit bei einem finalen Tempogegenstoß seinem Konkurrenten endgültig beugen.  


Die TSG Hoffenheim im Internet: http://www.tsg-hoffenheim.de/

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