Nach den ersten vier Bundesligaspielen des Jahres 2017 und dem erfolgreichen Pokalauftritt gegen Fürth herrscht bei Borussia Mönchengladbach eine hohe Zufriedenheit, wie man sie nach dem Ende der Hinrunde und den missglückten Testspielen nicht erwarten konnte. Ließen die Testspielauftritte Schlimmstes befürchten, hat die Mannschaft in den Pflichtspielen mit Ausnahme des holprigen Auftakts in Darmstadt durchweg sehr ordentliche Leistungen abgeliefert. Dieter Hecking hat der Mannschaft wieder ein klares System verpasst, eine feste Ordnung, in der sich die Mannschaft sichtbar wohlfühlt, aus der heraus sie auch deutlich verbessert nach vorne spielt. Dies und die Erfolge heben natürlich das Selbstvertrauen – insbesondere die vom Auswärtssieg gekrönte Aufholjagd in Leverkusen (ein Spiel, bei dem man vorher in Fankreisen nur die Höhe der Niederlage diskutierte) kann hierfür als Initialzündung gelten.

Der knappe Sieg in Bremen fügt sich gut in diese Entwicklung der Mannschaft ein. Die Mannschaft hat durch den dritten Auswärtssieg nacheinander mit dem Image der „Auswärtsdeppen“ zunächst einmal ziemlich gründlich aufgeräumt. Darüber hinaus war man in Bremen – auch das in dieser Saison ein seltenes Bild – trotz kleinerer Wackler endlich wieder einmal in der Lage, einen knappen Vorsprung ziemlich souverän über die Zeit zu bringen. Schließlich wurde gegen Werder auch der Beweis geführt, dass Borussia Mönchengladbach im Jahr 2017 nicht ausschließlich von der Spiellaune von Raffael und Stindl abhängt. So wertvoll diese beiden Spieler sind – in Bremen gelang es ziemlich gut, sie zu ersetzen. Hierfür ist natürlich die sich langsam leerende Krankenstation ebenso hilfreich, wie der Umstand, dass dieses Mal andere, namentlich Thorgan Hazard als Torschützen in die Bresche. sprangen.

Das Wichtigste aber: Mit der kleinen Erfolgsserie ist es gelungen, den Abstand zu den Abstiegsrängen deutlich zu vergrößern und damit den Ende der Vorrunde drohenden Abstiegskampf wieder zu beenden, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Noch besser: Das deutlich zusammengerückte Tabellenbild macht Hoffnung auf eine Aufholjagd, die nicht unbedingt mit dem fünften einstelligen Tabellenplatz nacheinander enden muss.

Dieser Gedanke, diese Aussicht auf eine weitere Verbesserung der derzeitigen Platzierung macht aber auch klar: So gut die derzeitige Entwicklung ist, so zufrieden man mit dem Rückrundenauftakt sein darf: Für eine abschließende Zufriedenheit darf momentan kein Raum sein. Sprach Dieter Hecking in der Pressekonferenz vor dem Bremen-Spiel vom bisher wichtigsten, weil richtungsweisendem  Match seiner Zeit als Gladbacher Trainer, hat er damit zwar insofern uneingeschränkt recht, als das Spiel in Bremen über Abstiegskampf oder Mittelfeld entschied. Gleichzeitig möchte man aber ausrufen: Die nächsten beiden Spiele sind genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger! Sie entscheiden nämlich darüber, ob die Saison 2016/17 für Borussia Mönchengladbach ein erneutes „Übergangsjahr“ ist oder ob aus der fast schon verkorksten Saison mit einer Aufholjagd in der Bundesliga und einem Weiterkommen im internationalen Wettbewerb doch noch ein erfolgreiches Spieljahr werden kann.

Mit dieser Aufgabenstellung tritt Borussia am Donnerstag in der Europa-League gegen den AC Florenz an. Florenz belegt derzeit in der Seria A einen Platz im oberen Mittelfeld, mit 40 Punkten nach 24 Spielen findet man sich momentan auf Rang 8 wieder. Der Abstand zur absoluten Spitze ist riesig, der zu den internationalen Rängen deutlich geringer als bei Borussia Mönchengladbach. Zuletzt gelang ein 3:0-Erfolg gegen Udinese Calcio. Sowohl in der Heimtabelle als auch in der Auswärtstabelle steht Platz 7. Beim Blick auf die Hin- und Rückrundentabelle wird ein leichter Aufwärtstrend deutlich, Platz 9 nach der Hinrunde steht in der bisherigen Rückrunde ein sechster Platz gegenüber. Betrachtet man den Kader des AC Florenz, wird deutlich, wie sehr sich im europäischen Fussball in letzter Zeit die Gewichte in Richtung England und Spanien verschoben haben: Noch vor wenigen Jahren war es vollkommen normal, in den Reihen eines italienischen Europapokalteilnehmers eine illustre Galerie internationaler Topstars zu finden. Der kommende Gegner weist in seinem Wikipedia-Eintrag als ehemalige Spieler Namen wie Batistuta, Dunga, Effenberg, Laudrup oder auch Rui Costa aus. Vorbei: Heute präsentiert sich eine zwar immer noch internationale, aber nicht mehr auf den ersten Blick international prominente Auswahl. Der in Deutschland bekannteste Spieler dürfte der Kroate Milan Badelj sein, der sich vor einigen Jahren beim HSV versuchte und dort – was wahrscheinlich eher am Verein als am Spieler lag – keinen sehr bleibenden Eindruck hinterließ. Trainiert wird der Verein von Paulo Sousa, auch ein aus der Bundesliga bekannter Name.

Alles in allem dürfte auf Borussia Mönchengladbach also ein Duell auf Augenhöhe zukommen, bei dem sich die bessere Tagesform durchsetzen wird. Änderungen in der Ausrichtung des Gladbacher Spiels sind angesichts der gerade wiedergefundenen Ordnung eher nicht zu erwarten. Spannender ist die Frage nach dem Personal: Wird Dieter Hecking erstmals leicht rotieren oder aber auch diesbezüglich auf Kontinuität setzen? Rein gefühlsmäßig liegt letzteres nahe. Ziemlich sicher wird jedoch Stindl in die Startformation zurückkehren. Ob Raffael noch rechtzeitig fit wird, steht noch nicht fest, ein Ausfall ist nicht ganz unwahrscheinlich.

Denkbare Austellungen

Borussia: Sommer – Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt – Kramer, Dahoud – Johnson, Herrmann – Stindl, Hazard

Florenz: Tatarusanu - Tomovic, Gonzalo Rodriguez, Astori - Chiesa, Vecino, Badelj, Milic - Borja Valero, Bernardeschi – Babacar

 

Seitenwahl-Tipp:

Uwe Pirl: Keine Frage – es wird sehr schwer. Dennoch gelingt es Borussia, die Euphorie und das Selbstvertrauen aus den letzten Spielen auch in die Europa League mitzunehmen. Die wiedergefundene Stabilität hilft, ein Auswärtstor zu vermeiden. 2:0 für Borussia.

Thomas Häcki: Es wird ein unterhaltsamer Fußballabend. Mit einem 3:1 hält sich die Borussia alle möglichkeiten für das Rückspiel offen.

Christian Spoo: Ohne Raffael reicht es international nicht zum Sieg. Borussia und die Fiorentina trennen sich torlos in einem an echten Höhepunkten eher armen Spiel.

Michael Heinen: Der Höhenflug der Fohlenelf geht weiter, wird aber durch ein spätes Gegentor der Florentina etwas gebremst. Das 2:1 lässt alle Optionen für das Rückspiel offen.

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