Manche Geschichten sind so gut, dass man sie nicht selber erfinden kann. Hertha BSC möchte zukünftig weniger Stadionmiete bezahlen und „droht“ daher mit dem Bau eines eigenen Stadions. Doch wie und wo? Vielleicht sogar in Brandenburg? Der letzte Vorschlag wirkt nun wie ein verfrühter April-Scherz. Man möchte das neue Stadion im Olympia-Park neben dem altehrwürdigen Olympiastadion bauen. Beraten wird man dabei vom Architektenbüro Albert Speer. Kabarettistisch kann man dies vermutlich nur noch steigern, wenn man den Bau einer Eisbären-Halle für 200.000 Zuschauer fordert. Am Besten auf dem Gelände des mittlerweile überregional bekannten BER. Berlin ist immer für eine Luftnummer gut.

Man darf sich zu Recht fragen, ob man bei der Hertha derzeit nicht andere Probleme hat. Zumal die Auftritte im Olympia-Stadion bislang sehr erfolgreich waren. Platz drei nimmt die Hertha in der Heimtabelle ein und hätte man gegen die stark aufspielenden Hoffenheimer am vergangenen Freitag nicht die erste Heimpleite hinnehmen müssen, würde man sogar die beste Heimmannschaft stellen. Vor den Bayern, vor Dortmund und erst recht vor Red Bull. Aber vielleicht möchte man ein neues Stadion ja auch für die Auswärtsspiele nutzen. Denn hier sieht die Bilanz eher mau aus. Schlechter präsentierten sich in der Fremde nämlich nur Darmstadt und der HSV, letzterer nur aufgrund der Tordifferenz. Das ist auffällig und wird natürlich auch eifrig diskutiert. Man stehe zu tief und bekomme so zu spät Zugriff auf den Gegner. Steht man aber höher, läuft man dem Gegner gerne auch ins offene Messer. Der letzte Auswärtssieg gelang Anfang Dezember in Wolfsburg, seitdem setzte es sechs Niederlagen in Folge. Zu Hause hui, auswärts pfui – auf keinen Bundesligisten trifft diese alte Fußball-Plattitüde derzeit so gut, wie auf die „Alte Dame“.

Hinzu kommt,  dass den Berlinern in diesem Jahr die Luft auszugehen scheint. Böse Erinnerungen an die letzte Saison werden da wach, als man in der Schlussphase eine eigentlich exzellente Ausgangsposition verspielte um dann noch grade so den letzten Euro-League-Platz zu ergattern. Viele befürchten, dass es dem Hauptstadt-Club wieder so ergehen könnte, auch weil die Tabelle wieder dramatisch zusammengerückt ist. Da nimmt der Auftritt bei der Borussia fast schon den Status eines 6-Punkte-Spiels ein. Gewinnt man, hat man wieder etwas Luft, verliert man hingegen, wird es eng. Nach Luft ringt derzeit aber auch die Borussia. Noch Anfang März war die Begeisterung groß und man träumte von Europa und vielleicht sogar von einem Titel. Mittlerweile ist man ernüchtert. Gegen Gelsenkirchen schmerzhaft ausgeschieden, von den Bayern im eigenen Stadion vorgeführt und in Hamburg und Frankfurt gegen ebenfalls kriselnde Klubs die schlechtere Mannschaft gewesen. Das böse Wort des Abwärtstrends macht die Runde und kann nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Auch für die Borussia ist die Begegnung daher ein 6-Punkte-Spiel. Gewinnt man, kann man vielleicht wieder etwas Luft für den Kampf um Europa schöpfen, verliert man, darf man sich auf den umfangreichen Abstiegskampf konzentrieren. Zwei derzeitig kurzatmige „Preußen“ ringen um Luft für eine erfolgreiche Zukunft.

Natürlich leidet die Borussia unter dem fast schon obligatorischen Verletzungspech. Mit Kramer, Johnson oder Traoré fehlen Spieler, die den Unterschied ausmachen können. Daneben hat Dieter Hecking nach dem schwachen Auftritt festgestellt, dass es einigen Spielern wohl an der Spritzigkeit fehlt. Umso bedenklicher ist es, dass einige Spieler des sogenannten „zweiten Anzugs“ die sich daraus bietende Chance, auf sich aufmerksam zu machen, verstreichen lassen. Wiederholt. Dass mit Strobl ein weiterer Spieler für die kommende Partie auf der eh problematischen Sechser-Position ausfallen wird, macht es natürlich nicht einfacher. Toni Jantschke könnte ihn ersetzen, doch der kämpft derzeit selber mit einem Form-Tief. Möglich wäre auch Jonas Hofmann, der bislang seine Bundesligatauglichkeit allenfalls in Ansätzen aufblitzen lies. Vielleicht liegt ihm diese Position aber auch besser, als das Flügelspiel. Dort haben aber auch Patrick Herrmann und André Hahn zuletzt wenig Argumente für eine dauerhafte Berücksichtigung geliefert. Die Zeit könnte daher reif sein, es mal mit einem jungen Wilden zu versuchen. Djibril Sow wäre so jemand, der zumindest in den Testspielen einen guten Eindruck hinterlassen konnte. Denkbar wäre auch, dass Ba-Muaka Simakala den angeschlagenen Lars Stindl ersetzt, wobei der Kapitän aber derzeit fast unverzichtbar erscheint. In Frankfurt war jedoch wenig von ihm zu sehen. Auf jeden Fall bedarf es einer Luftveränderung bei den Fohlen, die sich zuletzt oft lethargisch präsentierten und denen in der Offensive oft das Überraschungsmoment fehlte. Und es wäre nicht das erste mal, dass sich in sperrigen Zeiten aus dem zweifellos vorhandenen Talentpool eine nachhaltige Überraschung entwickelt. Die bald weiterziehenden Dahoud und Christensen haben es zuletzt ebenso vorgemacht, wie zuvor ter Stegen oder Marco Reus.

 

Borussia: Sommer – Elvedi, Christensen, Vestergaard, Wendt – Hofmann, Dahoud – Herrmann, Hazard – Stindl, Drmic

Hertha: Jarstein - Pekarik, Langkamp, Stark, Torunarigha - Esswein, Stocker, Darida, Skjelbred, Kalou - Haraguchi

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