Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass viele Borussia-Anhänger schon einmal enthusiastischer und mit mehr Vorfreude einer neuen Saison entgegen gefiebert haben. Das mag daran liegen, dass man 2017/18 zum ersten Mal seit 3 Jahren wieder auf internationalen Fussball verzichten muss, hat aber vermutlich mehr damit zu tun, dass die Vorsaison Gladbach-Fans mit einer emotionalen Leere zurück liess, die auch nach 3 Monaten Pflichtspielpause noch nicht so richtig gewichen ist. Dabei ist es gar nicht mal so sehr der katastrophale Herbst 2016 und der damit verbundene  zwischenzeitliche Fall in abstiegsgefährdete Ränge, der einem nachhaltig im Magen liegt, als vielmehr die mit 28 Punkten eigentlich ansehnlich anmutende Rückrunde. Die Heimspiele gegen Schalke und Frankfurt in den Pokalwettbewerben werden wohl noch lange weit oben auf der Liste der traumatischsten Ereignisse in der Mönchengladbacher Fussballgeschichte rangieren. Dass in den letzten Saisonspielen gegen Abstiegskandidaten mit einem Unentschieden-Tripel die eigentlich noch gute Chance auf einen EL-Qualifikationsplatz leichtfertig und lethargisch vergeben wurde rundete dann das Bild einer frustrierenden Saison gänzlich ab.

Insofern hat sich,  was die Zukunft der Borussia angeht,  eine gewisse Skepsis breit gemacht. Die Serie der Plätze 4 und 9 kann ja eigentlich nur mit Platz 14 linear weitergehen und viele Anhänger haben die Jahre 1987-92 und 1996-99, im Hinterkopf in denen die Borussia bereits zweimal von einem Bundesligtopteam schleichend zum Abstiegskandidaten herabsank. So richtig rational zu begründen sind diese Ängste nicht, aber was im Fussball ist schon rational?

Klar ist auf jeden Fall, dass das Team unter einem gewissen Druck steht zu zeigen, dass die Vorsaison eben nicht nur eine Station auf dem Weg nach unten war, sondern lediglich ein Ausrutscher. Das von vielen als falsche Bescheidenheit  oder gar Ambitionslosigkeit belächelte  Einstelligkeits-Mantra Max Eberls, heisst ja eigentlich nichts anderes als dass auch der Sportdirektor Jahr für Jahr erwartet, dass man in Gladbach um internationale Plätze mitspielt.

Was die Transferaktivitäten der Borussia in diesem Sommer angeht so war das auf jeden Fall klassisch Eberlsch: wieder mal konnte man einem der kleineren Teams der Liga seinen besten Spieler wegschnappen; diesmal war es der von Freiburg kommende Grifo, der ähnlich wie Max Kruse, Andre Hahn oder Lars Stindl vor ihm bei Borussia den berühmtern „nächsten Schritt“ machen will. Auch die Reihe „junge Schweizer Talente“ wurde durch die Verpflichtung von Denis Zakaria fortgesetzt, der es damit seinen Landsleuten Xhaka, Sommer oder Elvedi gleich tut. Mit Ginter fand  der Top-Transfer wie Vorjahr (Kramer, Vestergaard) Bundesligaintern statt und die Anhäufung vielverprechender Youngster (Cuisance, Oxford) hatt mittlerweile auch schon Tradition in Gladbach.

Man darf gespannt sein ob das neugestaltete Team, dem Anspruch, in der Bundesliga dass obere Tabellendrittel anzugreifen, genügen kann. Das erste Pflichstpiel findet zunächst mal im Pokal an der Hafenstrasse in Essen statt. Diese Erstrundenspiele sind tradtionell für Bundesligisten unangenehme Termine, bei der man im besten Fall lediglich erwartungsgemäβ die Pflicht erfüllt, sich aber anderseits bei negativen Ausgang schnell auf die Knochen blamieren kann.

Zwar fehlen Dieter Hecking mit dem Pechvogel Strobl, Kolo, Drmic, Jantschke und Oxford vermutlich 5 Spieler, aber da von diesen wohl lediglich Jantschke Chancen auf einen Stammplatz hat, sollte dies seine Möglichkeiten nicht allzu sehr einschränken. In der Defensive kann man vermuten, dass der Trainer Elvedi-Vestergaard, Ginter- Wendt als Stammformation sieht, im defensiven Mitteld scheinen Kramer und Zakaria vorerst gesetzt zu sein. Die meisten Variationsmöglichkeiten ergeben sich im Offensivbereich, wo es für die Plätze neben Stindl und Raffael eine ganze Reihe von Kandidaten gibt. Möglich dass Hecking in Essen wie beim letzten Testpiel in Leicester mit Hazard und Traoré beginnt, aber mit Grifo, Hermann, Hoffmann und Johnson gibt es einige Alternativen.

Der Gegner aus Essen hat im Vergleich zu den Gladbachern den kleinen Vorteil, den Pflichtspielbetrieb in der Regionalliga West bereits aufgenommen zu haben, der allerdings mit einem Unentscheiden bei der U23 von Dortmund und einer 1:3-Heimniederlage gegen den Wuppertaler SV bislang nicht so erfolgreich verlief. Betreut wird der RWE von einem alten Gladbacher Bekannten, dem ehemaligem U23-Trainer der Borussia Sven Demandt, der im Vorjahr mit den Essenern immerhin einen passablen fünften Platz erreichte und dabei beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach sein Ex-Team mit 2:1 besiegen konnte.  Trotzdem ist der Traditionsverein aus dem Ruhrpott, der in einem früheren Jahrhundert immerhin einmal Meister und einmal Pokalsieger wurde und einst solche illustren Stürmer wie Helmut Rahn, Horst Hrubesch oder Frank Mill hervorbrachte am Freitagabend krasser Aussenseiter auch wenn ein ausverkauftes Stadion durchaus für eine hitzige Stimmung sorgen könnte.

Das letzte Aufeinandetreffen beider Teams liegt 35 Jahre zurück. Pinkall (2x), Matthäus und Bruns hiessen die Torschütze beim 4:0 Pokalsieg der Borussia in Essen am 9. Januar 1982. Mit einem ähnlichen Ergebnis wäre man in Gladbach sicher auch morgen abend zufrieden. Wie immer das Spiel endet, sollte man sich aber hüten allzu groβe Rückschlüsse auf die eine Woche später beginnende Bundesligasaison zu ziehen. Der letzte richtig hohe Pokalsieg (8:1) bei Fichte Bielefeld 2008 leitete eine Saison von grausamen Abstiegskampf ein, währen auf die letzte peinliche Erstrundenniederlage in Darmstadt 2013 mit 33 Punkten eine der besten Hinrunden der letzten Jahrzehnte folgte. Das Motto für Freitag kann daher nur „gewinnen und abhaken“ bedeuten, bevor dann 9 Tage später mit dem Erzrivalen aus Köln ein ganz anderes Kaliber auf die Borussia wartet.

Nicht völlig unvorstellbare Aufstellungen:

Borussia: Sommer-Elvedi, Vestergaard, Ginter, Wendt- Kramer, Zakaria – Hazard, Stindl, Raffael, Traoré

RWE: Heller - Malura, Urban, Zeiger, Grund - Meier, Brauer - Platzek, Baier, Pröger - D. Jansen

 

Seitenwahltipps:

Claus-Dieter Mayer: Nach einem späten Gegentor des RWE muss Borussia zum Schluss noch einmal kurz zittern, gewinnt aber letztendlich mit 2:1. Die „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“-Rufe im Gladbach Fan-Block bleiben jedoch verhalten.

Michael Heinen: Borussia holpert in die neue Saison und tut sich beim Viertligisten lange schwer. Am langen Ende reicht es aber doch zu einem 2:0-Auswärtssieg.

Christian Spoo: Rot-Weiß Essen hat nur eine Chance, wenn Borussia die Aufgabe nicht mit dem gebotenen Ernst angeht. Weil die Zügel an diesem Freitag Abend aber stramm angezogen sind, gewinnt der Bundesligist standesgemäß mit 3:0.

 

 

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