Von der Resthoffnung war nach dem Sieg gegen Freiburg zu lesen. Gemeint war die zwar kleine, aber mehr als nur rechnerische Chance der Gladbacher, am letzten Spieltag doch noch die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb zu erreichen. Dafür müsste freilich einiges zusammen kommen: Die Borussen selbst müssten den Mut der Hamburger Verzweiflung bändigen, während zeitgleich Bayern gegen Stuttgart und Schalke gegen Frankfurt gewinnen (vom Spiel der dahin siechenden Hertha gegen Leipzig sehen wir hier mal ab). Dummerweise stehen die Bayern als Meister und die Schalker als Vizemeister fest, so dass es für sie um nichts mehr geht als den sportlichen Anstand. In der Vergangenheit hielt sich diese motivationale Kraft insbesondere bei der "Mia san mia"-Fraktion in sehr überschaubaren Grenzen. Mit einigen kaum bekannte Namen in der Münchner wie der Gelsenkirchener Startelf ist wohl auch zu rechnen.

Die andere Frage ist, wie innig man Rang 7 wirklich erhoffen sollte: Die Bedingungen des modernen Fußballs sind ja ohnehin so, dass die Europa League nur die Brosamen aufklaubt, die bisweilen vom Rand der Champions League-Festtafel herunterfallen, wenn die dort Schmausenden ihre opulenten Leckereien allzu gierig in sich hinein stopfen. Zudem müsste sich der Siebtplatzierte das Recht aufs Mitknabbern erst durch die mühselige Tour zu Vereinen der Strahlkraft von BATE Borisov verdienen. Für eine gelungene Vorbereitung auf eine hoffentlich erfreulichere neue Bundesliga-Saison ließen sich förderlichere Bedingungen denken.

Vielleicht sollte man die Hoffnung ohnehin auf ganz anderes richten: auf einen einigermaßen versöhnlichen Abschluss dieser so zähen Spielzeit zum Beispiel, auf Knospen, aus denen so etwas wie die Ahnung eines kohärenten Spielkonzepts sprießen könnte. Hier liegt wohl ohnehin das zentrale Missverständnis des Max Eberl: Wenn er immer wieder betont, dass ein Verein mit den Möglichkeiten von Borussia Mönchengladbach den europäischen Wettbewerb nur unter Idealbedingungen erreichen kann und die Einstelligkeit nach wie vor als Erfolg zu werten ist, dann hat er ja nicht Unrecht. Die Kritik vieler Anhänger zielt aber gar nicht so sehr auf die Platzierung. Sie entzündet sich daran, dass diese Saison zu wenige Antworten auf die Frage geliefert hat, für welche Spielidee die Borussia eigentlich zu stehen gedenkt.

Auch der Sieg gegen Freiburg gab hier nur in Ansätzen Auskunft. Auffällige Stilmittel: erstens, der lang geschlagene Ball in den Lauf eines flinken Stürmers: zweitens, eigene Standardsituationen; drittens, die Wiederbelebung der in der Ära Favre nahezu ausgestorbenen Flanke auf den Kopf eines klassischen Mittelstürmers. Josip Drmic nutzte diese nicht nur in wirklich ansehnlicher Manier zum dritten Tor; der Schweizer untermauerte durch einen sehr ordentlichen Auftritt seine WM-Ambitionen und könnte sich in dieser Form zu einer ernsthaften Option für die Gladbacher Stammelf der neuen Saison mausern. Das hätten vor einigen Monaten nicht viele für möglich gehalten.

Auch die anderen vermeintlichen Lückenbüßer machten positiv auf sich aufmerksam: Jantschke krönte seine stabile Leistung durch den Assist zu Drmics Tor und das Mittelfeld-Duo Strobl-Cuisance gefiel durch gute Balance aus defensiver Prävention und offensiver Inspiration. In Hamburg freilich könnten alle drei wieder aus der ersten Elf rutschen, in die nach verbüßten Gelb-Sperren Kramer, Zakaria und Vestergaard zurückkehren.

Hamburg: Damit wäre die letzte Hoffnung benannt, die manch einen Gladbach-Fan umtreibt. Nicht wenige teilen die Überzeugung, dass der HSV das „Wetten, dass?“ der Bundesliga ist – eine Show mit großer Vergangenheit, deren Konzept sich aber überlebt hat und deren Absetzung längst überfällig ist. Da von komatösen Wolfsburgern selbst gegen den Tabellenletzten nicht viel zu erwarten ist, braucht es schon die Borussia, um ein weiteres Jahr des Dino-Siechtums zu verhindern. Selbst auf die Gefahr hin, dann Flüge nach Borisov buchen zu müssen.

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