stuttgartMit dem Spiel beim VFB Stuttgart setzt sich am Samstagnachmittag die Gladbach-Tour bei den Abstiegskandidaten fort, welche vor knapp zwei Wochen mit dem mühseligen 1:0 in Hannover startete und am 33. Spieltag in Nürnberg enden wird. „Mehr Pflichtsieg geht nicht“ betitelten wir unseren Vorbericht vor 2 Wochen und dieses Motto gilt genauso auch für die verbleibenden zwei Auswärtsspiele. Angesichts des schwer erklärbaren plötzlich entstandenen Heimkomplexes sind es diese Spiele in der Fremde, mit denen Borussia nun ihre Saison retten kann und muss. Gewinnt man beide Partien, sollte zumindest ein Platz in der Europa-League im nächsten Jahr sicher sein angesichts der Tatsache, dass seit gestern fest steht, dass auch Platz 7 reicht, um zumindest in die Qualifikationsrunden zur EL zu erreichen.

Auf dem Papier ist das Spiel in Stuttgart eine klare Sache. Der VFB spielt eine katastrophale Saison: 21 Punkte und Torverhältnis von -40 (!!!) sind normalerweise die Bilanz eines klaren Tabellenletzten (in den vergangenen 3 Jahren standen  der FC Köln, Darmstadt 98 und Hannover 96 jeweils klar abgeschlagen mit dieser Punktzahl am Tabellenende), aber die Schwaben haben das seltene Glück, dass es mit Hannover und Nürnberg in diesem Jahr tatsächlich noch zwei schwächere Mannschaften zu geben scheint. Den absoluten Tiefpunkt erlebten die Neckarstädter am vergangenen Wochenende mit einer 0:6 Niederlage beim Abstiegsrivalen in Augsburg, welche dann auch zur Entlassung von Markus Weinzierl führte, der sich mit 16 Punkten in 23 Spielen unter seiner Leitung größte Mühe gegeben hatte den Trainerwechsel-Mythos „Neue Besen kehren gut“ gründlich zu widerlegen. Die große Frage aus Gladbacher Sicht ist, ob auch der zweite Trainerrauswurf im Schwabenland in dieser Saison ähnlich verpufft, oder ob Nico Willig den ziemlich tot wirkenden Patienten VFB wieder zum Leben erwecken kann.

In Gladbach selbst weiß man im Moment nicht so genau, wie man sich fühlen soll. Wie schon gegen Bremen, war die Leistung im Heimspiel gegen Leipzig durchaus OK, ohne aber belohnt zu werden. Auch wenn beide Leipziger Tore nach ziemlich krassen defensiven Aussetzern entstanden scheint das 3-5-2  (bzw 3-4-Neuhaus-2) insgesamt etwas Stabilität zurückgebracht zu haben, vor allem Kramer und Zakaria blühen in ihrer aus der Vorsaison bekannten Position auf der Doppelsechs auf und auch Alassane Plea tut es sichtlich gut etwas zentraler zu agieren. Nicht nur wegen seines Tores zeigt die Formkurve des Franzosen stark nach oben. Es gibt aber nicht nur Gewinner der Umstellung: Thorgan Hazard macht seine Sache zwar ordentlich auf der linken Außenseite, ist aber erheblich mehr defensiv gebunden und fehlt mit seiner Kreativität damit zum Teil im Angriffsspiel. Da Raffael wegen einer Wadenzerrung für Samstag ausfällt könnte es eine Variante sein, Hazard als zweiten Stürmer einzusetzen und dafür Oscar Wendt auf der linken Seite zu bringen. So spielte man gegen Leipzig bereits in der Schlussphase und unter der Woche wurde diese Umstellung sowohl in Fanmedien als auch in der Presse intensiv diskutiert, was Dieter Hecking anscheinend nicht so gefiel. Gladbachs Noch-Trainer echauffierte sich in der Pressekonferenz über eine diesbezügliche Frage, dass es „nervt“ wenn Leute mit „Null Ahnung“ sich „anmaβen, wie ein Trainer zu denken“.  Etwas seltsam, dass einem Trainer mit seiner Erfahrung erst jetzt unangenehm auffällt, dass Fans und Medien seit der Erfindung des Fuβballs schon immer glaubten, die besseren Trainer zu sein. Fast absurd war seine Stellungnahme zur These Hazard wäre auf der linken Seite im 3-5-2 „verschenkt“ (hier zitierte er einen Titel eines Torfabrik-Artikels unter der Woche), in der er meinte Thorgan würde diese Position ja auch in der belgischen Nationalelf bekleiden. Zur Erinnerung; Im Nationalteam ist Hazard Jr. so ziemlich das kleinste Licht neben 10 Weltstars, der froh sein kann überhaupt zu spielen und die Drecksarbeit zu verrichten, während er bei Borussia im Moment der eine Starspieler ist, dessen Qualitäten man optimal nutzen muss. Dann könnte Hecking Hazard auch gleich auf die Bank setzen, weil er da ja in Belgien auch ab und an sitzt,... naja, nicht jeder Vergleich kann sitzen. Das alles deutet nur an, wie dünnhäutig der sonst so souveräne Hecking geworden ist. Menschlich verständlich, aber für die Aussendarstellung des Vereins in dieser wichtigen Phase der Saison nicht unbedingt förderlich.

Ausser auf Raffael muss die Borussia eventuell auch erneut auf Nico Elvedi verzichten, womit vermutlich Tony Jantschke wiederum in die Dreierkette rutschen wird. Wenn, ja wenn Dieter Hecking beim 3-5-2 bleibt und nicht überraschend zum 4-3-3 zurückkehrt. Zwei Geheimtrainings vor dem Spiel lassen durchaus Spekulationen dieser Art zu.

Bei den Stuttgartern fehlt weiterhin der rotgesperrte Ascacibar, während Kapitän Christian Gentner nach einem Muskelfaserriss wieder trainiert und eine Option ist.  Der aus Hoffenheiim ausgeliehene Steven Zuber scheint auch kurzfristig auszufallen. Angesichts des Trainerwechsels sind aber alle anderen Fragen bzgl. Aufstellung und Taktik ziemlich unklar. In seinen ersten Presseauftritten erscheint Nico Willig als ein smarter Kommunikator mit einem Hang zum offensiven aktiven Spiel. Rein psychologisch spricht manches für eine aggressive Vorwärts-Ausrichtung des VFB. Man könnte so bei Spielern vielleicht Hemmungen lösen, das Publikum auf seine Seite ziehen und auch ausnutzen, dass die Borussia mit hoch pressenden Teams immer wieder Probleme hatte. Auf der anderen Seite ist es auch riskant in so kurzer Zeit zu versuchen allzu viel umzustellen und  man kann sich auch fragen, ob der momentane Kader dazu der richtige ist.

Die Borussia tut auf jeden Fall gut daran, sich nicht auf den VFB vom Augsburg-Spiel einzustellen, sondern einen aggressiven unangenehmen Gegner zu erwarten. Viel wird davon abhängen ob es der Mnschaft gelingt jeglichen Funken von schwäbischer Euphorie im Keim zu erdrücken. Ob Mehr Pflichtsieg als in Hannover wirklich nicht geht, stellen wir hiermit in Frage. Auf jeden Fall braucht der VFL noch  mehr Pflichtsiege.

 

Mögliche Aufstellungen:

VFB: Zieler - Kabak, Pavard, Kempf - Baumgartl, Sosa - Castro - Didavi, Gonzalez - Donis, M. Gomez

Borussia: Sommer – Jantschke, Strobl, Ginter – Johnson, Kramer, Zakaria, Wendt – Neuhaus- Hazard, Plea

Seitenwahl-Tipps:

Claus-Dieter Mayer: Mit irgendwie Fuβball erreiccht die Borussia irgenwie ein 1:1 in Stuttgart, was aber irgendwie niemanden begeistert. Irgendwie seltsam.

Michael Heinen:  In Stuttgart muss gewonnen werden - ohne wenn und aber. Da darf auch kein Trainerwechsel als Ausrede herhalten. Wenn Borussia genauso engagiert in die Partie geht wie der VfB, sollte es zu einem 2:1-Auswärtssieg reichen.

Christian Spoo: Gemäß der traditionellen Besenlehre kommt das Spiel in Stuttgart für Borussia zur Unzeit. Die VfB-Spieler sind Willig und gewinnen gegen erneut durchschlagsschwache Gladbacher mit 2:0.

Thomas Häcki: Der VfB kann mit der Punkteteilung leben. Für die Borussia ist das 0:0 leider zu wenig um Platz 7 zu erreichen.

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