Raul Bobadilla kehrt zu Borussia Mönchengladbach zurück. Dass Borussia einen Stürmer sucht, war bekannt. Dass es ein Stürmertyp sein soll, der im Kader so noch nicht existiert, auch. Trotzdem wäre wohl kaum jemand auf die Idee gekommen, dass die Lösung ein Mann sein würde, der eine nicht ganz unkomplizierte Geschichte in Gladabch hat. Zweimal hat der gebürtige Argentinier sein Glück bei Borussia versucht, zweimal war es eine Geschichte mit wenigen Höhe- und vielen Tiefpunkten. Bobadilla machte sowohl auf als auch neben dem Platz unerwünschte Schlagzeilen. Die Zahl seiner wirklich guten Auftritte im Trikot von Borussia lässt sich an zwei Händen abzählen. Im Gedächtnis bleiben weniger seine acht Tore, als vielmehr seine Unbeherrschtheit und diverse private Eskapaden, wengleich letzere erst bei seinen späteren Stationen in der Schweiz eskalierten. Jubelstürme dürfte die erneute Verpflichtung des Raul Bobadilla nirgends hervorrufen, eher Stirnrunzeln und das eine oder andere große Fragezeichen. Was also reitet Borussia, sich den Südamerikaner ein weiteres Mal ans Bein zu binden?

Raul Bobadilla hat offenbar in den letzten Jahren eine gewisse Entwicklung genommen. Beim FC Augsburg hatte er ganz explizit eine "letzte Chance" erhalten, nachdem er in der Schweiz zur persona non grata erklärt wurde und wegen diverser Verkehrsvergehen sogar eine Haftstrafe zu befürchten war. Diese Chance hat Bobadilla genutzt. Seit er am Lech spielte, gab es keine negativen Schlagzeilen mehr. Bobadilla entwickelte sich zu einem soliden Bundesligaspieler, variabel einsetzbar und torgefährlich. Der bullige Stürmer agierte zwischenzeitlich sogar als Verteidiger, kam in der Regel über außen, während er bis dahin reiner Zentralstürmer war. 28 Tore schoss Bobadilla in seiner Augsburger Zeit. Dennoch standen die Zeichen schon vor dieser Saison auf Abschied. Trainer Manuel Baum setzte nicht mehr zu 100% auf Bobadilla, Vereine aus Argentinien bekundeten ihr Interesse. Dass der Weg ihn zurück nach Gladbach führen könnte, hatte allerdings bisher niemand auf dem Schirm. Tatsächlich ist Raul Bobadilla ein Stürmertyp, den es im Team von Dieter Hecking noch nicht gibt. Seine Körperlichkeit, verbunden mit einer gewissen Torgefahr, zeichnen Bobdailla aus. Dass er emotional agieren kann, wissen Borussias Fans noch. Wer zu viele Schwiegersohn-Typen im Kader vermutet, darf gewiss sein, dass der neue Mann nicht zu dieser Fraktion zählt. Entscheidend dürfte sein, dass Bobadilla sich mit der ihm zugedachten Rolle abfindet. Er wird angesichts des üblichen Spielstils von Borussia und angesichts der hohen Qualität der zunächst gesetzten Offensivkräfte, nicht unbedingt Stammspieler sein. Vielmehr wird er der Mann sein, den man in den letzten 20 Minuten reinwirft, wenn man ein Spiel noch drehen will. Sein Stammplatz aber wird wohl die Bank sein. Das wird man Bobadilla auch so kommuniziert haben. Der sechsfache paraguayanische Nationalspieler weiß also, worauf er sich einlässt, weiß wohl auch, dass er mit mittlerweile 30 Jahren nicht vile mehr erwarten darf. Wenn er das so akzeptiert und wenn sich seine "Beruhigung" im außerfußballerischen Bereich als nachhaltig erweist, kann Bobadilla eine Verstärkung sein. Dass Borussia bei der Stürmersuche zu dieser Lösung gegriffen hat, darf aber auch getrost als Indiz dafür herhalten, dass der durchgedrehte Markt keine auf den ersten Blick logischeren oder besseren Lösungen hergibt und dass die finanzielle Belastung aus diesem Geschäft (Ablöse und Gehalt) sich in Grenzen halten werden.

 

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