Der Kampf um den Klassenerhalt ist gewonnen, die Mitgliederversammlung steht unmittelbar bevor. Für Max Eberl geht es dabei auch um seinen Job. Für den Sportdirektor hat aber gleichzeitig die wohl wichtigste Planungsphase für die nächste Saison begonnen. In den kommenden Wochen wird sich entscheiden, welche Spieler Borussia ab Juli verstärken werden und wer den Verein noch verlässt. Wir haben mit Max Eberl über die abgelaufene Saison gesprochen, über Konzepte und Fehler - aber auch über die Zukunftsplanung und über die Angriffe der "Initiative Borussia" und ihrer Sympathisanten.


SEITENWAHL: Gucken wir erst nochmal auf den Saisonabschluss. Im Relegationsrückspiel ist es ja noch mal richtig spannend geworden. Zu welchem Zeitpunkt war für Sie klar: Wir haben’s geschafft?

Max Eberl: So richtig dran geglaubt habe ich ab der 86., 87. Minute, als man gemerkt hat, dass Bochum nur noch frustriert war und keinen Druck mehr auf unser Tor gemacht hat. Es war das erwartet schwere Relegationsspiel, im Prinzip der erwartet schwere Ausgang einer Saison, die ja auch nicht einfach war.

SEITENWAHL: Gab es in dieser sehr turbulenten Saison, die ja oft auch für Sie nicht schön war,  irgendwann mal einen Punkt, wo Sie gedacht haben: Ich habe keinen Bock mehr?

Max Eberl: "Keinen Bock mehr" im Sinne von „Hinwerfen wollen“ gab es nicht. Es gab aber schon Phasen, wo man die Schattenseiten des Jobs richtig kennengelernt hat und wo man auch mal tief unten war. Aber es ist auch schön, zu merken, dass man ein Team um sich herum hat, das einem da dann auch wieder raushilft. Man steht als Sportdirektor zwar vorne an, aber man ist trotzdem nur so stark wie sein Team ist. Das ist ein wichtiger Part, das hat mich da wieder rausgezogen. Aber auch die Überzeugung oder das Bewusstsein:  Was man gemacht hat, das war nicht verkehrt. Man wusste, dass das, was man angefangen hat, eine richtige Basis hat. Für die Probleme in der Hinrunde hatten wir erklärbare Gründe, auch wenn das von vielen Leuten als Ausreden, Durchhalteparolen oder Bla-bla abgetan wurde. Aber ich wusste immer, dass  die Personalsituation für uns ein Riesenmanko war. Die Folge waren Undiszipliniertheiten, rote Karten, da wurden dann auch Fehler gemacht. Wir waren in vielen Spielen gleichwertig  - Mainz, Hannover, Hamburg - und haben die alle wegen kleiner Fehler, wegen Details verloren. Wir wussten, dass der Kader Qualität hat. Wir wussten auch, nach den zehn Punkten in der Hinrunde, dass es eine extreme schwere Rückrunde werden würde, aber wir hatten immer den Glauben. Was wir gesagt haben, haben wir immer aus Überzeugung gesagt. Wir wussten, dass Situationen kommen würden, wo wir nochmal rankommen können. Mit der Qualität im Kader, aber auch mit dem Trainerwechsel, der noch mal einen Schub gebracht hat, haben wir dann das Ziel erreicht.

SEITENWAHL: Überzeugt waren Sie auch von Michael Frontzeck, noch im Winter haben Sie gesagt: „Ich bin zu 100% überzeugt, dass wir es mit ihm schaffen“. Wann wurde die Überzeugung kleiner als 100%?

Max Eberl: Das fing an, weil immer weniger Leute diesen Weg mitgehen wollten. Ich bin angetreten und habe gesagt: Ich möchte kontinuierlich etwas aufbauen, ich will diesem Verein eine Philosophie geben. Nun ist für die Stimmung rund um den Verein immer die Situation der ersten Mannschaft verantwortlich, die Philosophie wird aber viel weiter unten, an der Basis gemacht. Jugendarbeit, Scouting, das Team um das Team. Entscheidend ist auch: wie ist der Kader aufgestellt, wir wollen den Kader verjüngen und nur punktuell verbessern. Das haben wir getan. Seit ich hier bin haben wir die drittwenigsten Transfers in der ganzen Bundesliga getätigt, obwohl wir im Winter noch mal nachgelegt haben. Wir wollten eine Mannschaft aufbauen mit jungen Spielern aus unserer Akademie und einigen gestandenen Kräften. Das haben wir mit Michael Frontzeck angefangen und das hat in der vorletzten Saison gut funktioniert – dann kam diese komplizierte Hinrunde. Natürlich hat Michael Frontzeck da Fehler gemacht, genau wie ich Fehler gemacht habe. Ich muss mir den Fehler ankreiden, dass wir zu sehr auf junge Spieler gesetzt haben, wie Anderson und Janeczek. Wir sind unserer Philosophie gefolgt, einen jungen Kader aufzustellen, waren aber in der Defensive zu jung aufgestellt. Aus dieser Lage heraus haben wir uns nach kontroversen Diskussionen entschieden, mit Michael Frontzeck weiterzumachen, weil wir gesagt haben: es liegt nicht allein an ihm. Wir holen dann aus drei Spielen sechs Punkte, aber es kehrte nie richtig Ruhe ein. Man hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass hier noch was passiert. Und nach den Spielen gegen Stuttgart und St. Pauli wurde der Druck intern und extern so groß, dass ich erkennen musste: Der Klassenerhalt ist in Gefahr. Und da musste ich reagieren, obwohl ich weiter überzeugt war, das Ziel mit Michael Frontzeck erreichen zu können. Aber die Gefahr war zu groß, dass die ganze Stimmung umkippt und der Klassenerhalt nicht mehr machbar gewesen wäre. Deswegen haben wir den Schlussstrich gezogen. Wir haben den Trainerwechsel vollzogen, der natürlich auch gefruchtet hat und der uns dahin gebracht hat, wo wir jetzt sind – weiter in der Ersten Liga.

SEITENWAHL: Ihnen wurde und wird immer vorgeworfen, dass zu wenig Selbstkritik kommt – Sie sagten es selbst: Die Verletztenproblematik gilt vielen als Ausrede.
 
Max Eberl: Ich habe nie gesagt, dass ich fehlerfrei bin. Wenn ich andere Mannschaften als Vergleich nehme, da sieht man, dass viele Mannschaften ähnliche Probleme mit Verletzten hatten. Was ist denn bei Bayern, wenn Robben und Ribéry ausfallen? Ist der Trainer schuld? ist die Vereinsführung schuld? War die Transferpolitik falsch? Nein. Es sind einfach zwei wichtige Spieler, die nicht zur Verfügung stehen. Genauso bei Werder Bremen, wo Naldo ausgefallen ist. Wenn Eckpfeiler ausfallen, hat jede Mannschaft Probleme. Nicht nur kleine Mannschaften. Das ist für mich keine Ausrede, das sind Gründe. Wie der Kader punkten kann, hat die Rückrunde gezeigt. Klar, wir haben Stranzl und Nordtveit geholt, aber der Großteil des Kaders ist derselbe gewesen. Und zum Thema Selbstkritik: Klar bin ich selbstkritisch. Man hinterfragt sich ständig. Aber ich kann doch nicht jede Woche hingehen und öffentlich sagen: Hier hab ich einen Fehler gemacht, hier hab ich falsch gelegen, da hab ich falsch gelegen. Generell gesehen sage ich jetzt: Ja, wir haben Fehler gemacht. Für mich heißt das in Zukunft: nicht nur auf die Jugend setzen. Die wollen wir weiter fördern, aber lieber auch nochmal den einen oder anderen gestandenen Spieler dazu nehmen.

SEITENWAHL: SEITENWAHL hat im Winter geschrieben: "Gebt Frontzeck und Eberl die Chance, aus dieser Situation zu lernen". Was haben Sie in dieser Saison tatsächlich gelernt?

Max Eberl: Ich habe gelernt, dass man nie die Ruhe verlieren darf. Dass man mit Ruhe und Ausgeglichenheit auch etwas schaffen kann. Ich habe gelernt, dass es schwer ist, einen unkonventionellen Weg zu gehen, der nur funktioniert, wenn alle dahinter stehen. Ich habe auch gelernt, dass man versuchen muss, so viele Unwägbarkeiten, wie es nur geht, zu sehen.

SEITENWAHL: Haben Sie auch gelernt, mit öffentlichem Druck umzugehen?

Max Eberl: Damit muss man immer umgehen. Was natürlich dieses Jahr auf uns und auf mich eingeprasselt ist, das war schon extrem. Man versucht, da nicht zu viel an sich heranzulassen, auch wenn das schwierig ist. Aber der Druck ist da, egal wo man ist.
 
SEITENWAHL: Jetzt haben Sie die Saison doch noch glücklich zu Ende gebracht. Ab sofort muss Ihr Fokus schon auf der neuen liegen. Wie optimistisch sind Sie, die Spieler zu halten, die Sie halten wollen – auch angesichts der Äußerungen die Dante getan hat, kaum dass das Spiel in Bochum vorbei war?

Max Eberl: Da bin ich sehr zuversichtlich, weil das so ist. Ich habe keine Bedenken. Natürlich streben Spieler immer nach großen Dingen. Aber wir haben allen erklärt, welchen Weg wir gehen wollen – den Weg der Nachhaltigkeit, der kleinen Schritte. Jeder weiß, dass wir nicht der Verein sind, der mit einem riesigen Investment das internationale Geschäft zu erreichen versucht, und wenn das nicht klappt, ist der Verein tot. Wir wollen den sukzessiven Aufbau. Deswegen auch die langfristigen Verträge. Die haben wir ja teilweise sogar in der Hinrunde noch verlängert: mit Dante, mit ter Stegen, mit Reus. Dass Leistungsträger auch in einer Situation, wo wir geschlingert haben, ihre Verträge verlängert haben, zeigt doch auch, dass die Spieler von dem Konzept überzeugt sind. Dass jeder so ein bisschen kokettiert, das ist in der Branche inzwischen so üblich, aber ich habe keinen Zweifel, dass wir unsere Leistungsträger behalten werden.

SEITENWAHL: Dante kokettiert also?

Max Eberl: Arjen Robben hat bei Bayern auch gesagt, er will weg, und eine Woche später war wieder alles eitel Sonnenschein. Manchmal werden Spieler ja geradezu genötigt, irgendwelche Äußerungen zu tätigen und kurz danach denken die sich, „was hab ich da gesagt?“ Fakt ist: Dante hat Vertrag, wir sind zufrieden und froh, dass wir ihn haben. Genau wie ter Stegen, Stranzl, Reus – das sind Spieler, die das Gerüst der Mannschaft in der neuen Saison sein werden.

SEITENWAHL: Wie bekommt man einen umworbenen Spieler wie Marco Reus dazu, seinen Vertrag mitten in der Saison zu verlängern?

Max Eberl: Ich glaube, dass Marco Reus sich schon bei seiner Verpflichtung sehr bewusst für Gladbach entschieden hat. Es ist ja für einen jungen Spieler auch wichtig, dass er sich wohlfühlen kann. Ich glaube, dass die Borussia ein Verein ist, wo man sich wohlfühlen kann und wo sich junge Spieler entwickeln können. Junge Spieler schauen ja nicht nur aufs Geld, sondern auch darauf, wo sie den nächsten Schritt machen können, um weiterzukommen. Bei Marco Reus ist all das eingetreten, was er sich vorgestellt hat, als er aus Ahlen gekommen ist. Er wird nach und nach aufgebaut, wird Stammspieler, spielt eine fantastische Saison, wird zur Nationalmannschaft eingeladen. Er hat gesehen, was hier entstanden ist, sieht die Leute, die hier mit ihm arbeiten, und den Weg, den wir gehen. Und als wir im Sommer gesagt haben, wir würden gerne mit ihm verlängern, da hat er sich das reiflich überlegt und hat dann im September gesagt, dass er bis 2015 unterschreibt. Der Vertrag ist für beide Seiten fair und korrekt. Das und unser Weg hat ihn überzeugt.

SEITENWAHL: Was Neuverpflichtungen für die neue Spielzeit angeht, haben Sie ja schon angedeutet, dass Sie auch erfahrene Leute im Blick haben…

Max Eberl: Erst einmal haben wir mit Brouwers, Stranzl, Dante, Marx, de Camargo, Arango und Idrissou ein Gerüst aus gestandenen Spielern. Auch Christofer Heimeroth als sehr guter Backup für ter Stegen. Wir haben mit Filip Daems einen Kapitän, der auch ein älterer Spieler ist. Wenn die alle gesund sind, hat man die Möglichkeit, junge Spieler drum herum aufzubauen. Die Realität hat uns da in der vergangenen Saison eingeholt. Deswegen ist schon der Schluss, zu sagen, wir werden zwar vier bis fünf junge Spieler aus der Akademie dazu holen. Aber wir werden uns auch nach arrivierten Spielern umsehen – wobei für mich auch ein 24- oder 25-jähriger Spieler schon arriviert sein kann. Diesen Mittelweg versuchen wir bei unserer Personalplanung jetzt zu finden.

SEITENWAHL: Wird der Kader dann nicht leicht zu groß?

Max Eberl: Wir hatten nie einen Kader, der größer als 25 Spieler war. Da wurden von vielen die verliehenen Spieler mitgerechnet, da wurden Langzeitverletzte wie Jaurès oder Nachwuchsleute wie Kachunga mitgezählt. Aber wir hatten zu keinem Zeitpunkt wirklich mehr als 25 Spieler im Kader. Nicht jeder Lizenzspieler gehört ja automatisch zum Profikader. Das war auch im Winter so. Wir haben vier Spieler geholt und vier abgegeben – Jaurès mitgerechnet. Michael Fink haben wir nur geholt, weil Michael Bradley unbedingt den Verein verlassen wollte. Da wollten wir nicht den gleichen Fehler machen, wie im Sommer in der Abwehr – denn dann hätten wir nur noch Marx, Neustädter und Nordtveit gehabt. Da verletzen sich zwei, dann hast Du nur noch einen. Also mussten wir da noch was machen. Weil ich aber nicht wusste, ob wir im Winter den richtigen Spieler finden, war das Leihgeschäft mit Fink ideal. Michael Fink hat uns mit seinem Charakter auch super geholfen. Genauso wird es jetzt auch in Zukunft sein. Mit Jaurès, Bäcker, Schachten und Fink werden uns vier Spieler verlassen, dazu gibt’s wie immer zwei unzufriedene, die weg wollen, weil sie zu wenig gespielt haben – da hab ich dann sechs oder sieben Kaderplätze frei.

SEITENWAHL: Fortuna Düsseldorf will Bamba Anderson zurück haben. Ist das denkbar?

Max Eberl: Nein. Wir haben vier Innenverteidiger von guter Qualität – das wollen wir nicht sprengen.

SEITENWAHL: Sie planen mit Heimeroth als Nummer zwei hinter ter Stegen?

Max Eberl: Im Moment ist es so, dass wir mit ter Stegen, Heimeroth und Bailly drei Torhüter haben. Ich denke, wenn Logan Bailly einen Verein finden würde, wäre es für alle Beteiligten der beste Weg.

SEITENWAHL: Im vergangenen Sommer gab es mit Igor de Camargo so eine Art „Königstransfer“. Wird es diesmal wieder einen Top-Transfer geben, wo alle sagen: Das ist ein „Knaller“, oder wollen Sie sich eher in der Breite verstärken?

Max Eberl: Wir haben letzten Sommer mit Lamidi, Neuville und Colautti drei Stürmer abgegeben und dafür nur Igor de Camargo geholt. Dazu noch Rob Friend eins zu eins durch Mo Idrissou ersetzt, was aus wirtschaftlichen Aspekten gut war, weil Friend eine hohe Ablöse gebracht hat und Idrissou ablösefrei war. Dazu haben wir Thomas Kleine durch Bamba Anderson ersetzt. Da haben wir uns also sehr punktuell verstärkt. Camargo war bewusst der eine Spieler, der uns mit seiner Qualität auf die nächste Stufe bringen sollte. Dass der sich dann so schwer verletzt, hat uns natürlich ins Kontor geschlagen. Deswegen waren wir auch froh, dass Mo Idrissou da war und wir im Winter noch Mike Hanke holen konnten. Was die neue Saison angeht: Wir wollen einige Positionen neu besetzen. Wie es im Moment aussieht, das ist eine Momentaufnahme, wird es aber nicht „den“ Königstransfer geben. Wir wollen uns so verstärken, dass wir auf jeder Position die Absicherung haben, dass wir einen längeren Ausfall kompensieren können.

SEITENWAHL: Ist Eugen Polanski ein Thema?

Max Eberl: Er ist ein Gladbacher Junge, den ich hier lange verfolgen durfte. Er hat es in Getafe und Mainz gut gemacht, er ist gereift. Aber er hat in Mainz gerade erst verlängert, da sind Wunsch und Realität zwei Dinge.

SEITENWAHL: Sein Wunsch oder Ihr Wunsch?
 

Max Eberl: Ich glaube, dass wir Eugen irgendwann wieder in Gladbach sehen werden. Da hat er auch nie einen Hehl draus gemacht. Aber er hat in Mainz Vertrag, da geht’s auch um die Machbarkeit, das ist deswegen momentan für mich kein Thema.

SEITENWAHL: Kommt Michael Bradley zurück?

Max Eberl: Wir sind im Januar nach seinem Urlaub damit konfrontiert worden, dass er den Verein unbedingt verlassen wollte. Zu einem Zeitpunkt, wo ich nicht begeistert war. Nach einigen Gesprächen sind wir zu dem Schluss gekommen: Wenn ein Spieler sich in so einer schwierigen Lage für den Verein so klar positioniert, dann möchte ich ihn auch nicht mehr im Kader haben. Jetzt hat Aston Villa eine Option bis zum 31. Mai über eine Ablösesumme, mit der wir sehr gut leben könnten, und im Moment ist es so, dass die Gespräche laufen.

SEITENWAHL: Erwarten Sie, dass die Kaderplanung mit Lucien Favre anders sein wird als in der Vergangenheit mit Michael Frontzeck?

Max Eberl: Jeder Trainer ist anders. Bei unseren Transfers seit ich hier bin haben wir eine sehr ordentliche Trefferquote und das weiß Lucien Favre auch. Oft ist es ja so, wenn ein Trainer kommt, dass der nach ein paar Monaten sagt: mit diesem Spieler kann ich nicht, und jener Entwicklung hab ich nichts zu tun.  Das war bei Lucien Favre nicht so. Nicht, weil er mir einen Gefallen tun wollte, sondern weil er die Qualität des Kaders gesehen hat und mit diesem Kader arbeiten wollte. Und die Punkteausbeute in der Rückrunde hat ja auch gezeigt, dass das richtig war. Das heißt, die Kaderzusammenstellung hat funktioniert und das ist für einen Trainer ein gutes Gefühl. Er weiß, dass er hier zu einem Verein gekommen ist, wo man über Transfers diskutieren kann. Und so sehe ich meine Arbeit. Nicht „der Sportdirektor holt, der Trainer arbeitet“, sondern Trainer, Sportdirektor und Scouting setzen sich zusammen, sprechen über Spieler und Positionen, durchaus auch kontrovers, jeder bringt seine Vorstellungen ein. Dann wird das immer mehr zusammengezurrt und irgendwann gibt’s noch ein-zwei Kandidaten für eine Position, und auf die geht der Sportdirektor dann zu und versucht, die Spieler zu holen. Da kann man mit Lucien Favre wunderbar und kontrovers diskutieren, und genau darum geht’s in diesem Job. Es geht um Teamarbeit. Das war aber bei Michael Frontzeck im Grunde genauso.

SEITENWAHL: Man sagt Lucien Favre ja nach, dass er „seine Spieler“ hat, die er gerne von früheren Vereinen nachholt. Dass er da quasi sein eigener Scout ist.

Max Eberl: Hat er zum Beispiel in Zürich ja auch fantastisch gemacht. Es ist ja immer so: Er kriegt Spieler angeboten, ich kriege Spieler angeboten. Die werden natürlich auch überprüft. Dass ein Trainer da Mitspracherecht hat, ist nur normal. Lucien Favre hat tolle Transfers gemacht: Raffael, Lustenberger, die hat er ja geholt. Er hat da ein Auge für. Und die Mannschaft, die er in Zürich hatte, die hat er mit seinem Auge „gemacht“, aber das war er auch da nicht alleine. Da ist immer ein Team, das entscheidet – wie hier auch.

SEITENWAHL: Ein Herr, der gerne Ihren Job hätte, hat die Möglichkeit, junge Spieler z.B. von Bayern München auszuleihen, um sie aufzubauen, ins Spiel gebracht. Ist das mit Borussias Philosophie vereinbar?

Max Eberl: Wir haben solche Geschäfte auch immer wieder durchdacht, aber für uns ist das eher nichts. Unsere Akademie ist so gut, dass wir selber immer wieder gute junge Spieler nach oben bringen, mit Jantschke, mit Herrmann, mit ter Stegen. Deswegen muss ich niemanden ausleihen, sondern kann und will mit meinen eigenen jungen Spielern arbeiten. Sich da mit seinen Kontakten zu Bayern zu brüsten – ja mein Gott. Ich tausche mich auch mit Uli Hoeness aus. Das ist heutzutage kein Argument mehr, zu sagen, ich habe tolle Kontakte. Ich habe mit Nordtveit auch einen Spieler von Arsenal geholt, sogar ablösefrei. Das passiert nicht, weil ich Max Eberl bin, sondern weil man fair mit den Menschen umgeht. Kontakte hat jeder in der Fußballbranche. Aber die führen nicht dazu, dass Spieler kommen. Die haben auch ihre Vorstellungen. Ich glaube nicht, dass ein Spieler nach Gladbach kommt, weil X oder Y hier Sportdirektor ist, sondern weil sie sehen, welche Perspektive sie hier haben. Das ist das Entscheidende.

SEITENWAHL: Wo wir Stefan Effenberg schon angesprochen haben: Am Sonntag steht die Jahreshauptversammlung an. Vielleicht ist das Thema durch den Klassenerhalt schon etwas entschärft – aber wie gehen Sie in die Veranstaltung?

Max Eberl: Natürlich rufen sportliche Ergebnisse extreme emotionale Reaktionen hervor – positiv wie negativ. Aber das soll nicht dazu führen, dass elementare Dinge eines Vereins verändert werden. Wir reden ja nicht über Max Eberl und Stefan Effenberg – beziehungsweise wir reden viel zu viel darüber. Aber darum geht es nicht. Es geht um Satzungsänderungen. Es wird etwas vorgegaukelt, was nicht der Fall ist. Es wird gesagt, die Mitglieder bekommen mehr Mitspracherecht, dabei sollen sie in ihren Rechten beschnitten werden. Es werden Türen geöffnet, in diesen Verein, wo keiner sagen kann, ob da in ein paar Jahren jemand etwas vollzieht, was niemand will. Die „Initiative“ rudert da zwar im Moment etwas zurück, nachdem das anfangs zu ihrem Programm gehört hat. Und da ging es um Anteileverkauf, das ist wortwörtlich gefallen, das Wort. Aber egal, was die jetzt wollen, die Satzungsänderung gibt einem Präsidenten die Möglichkeit, das zu tun. Das muss den Leuten in den Kopf, und das ist den Leuten mittlerweile auch im Kopf, glaube ich. Wichtig ist, dass viele Mitglieder kommen, um sich ein Bild zu machen und dann für den Weg stimmen, den sie für den richtigen halten.

SEITENWAHL: Jetzt ist das Thema natürlich nur wegen der Diskussion über die Köpfe so groß geworden. Dadurch, dass die „Initiative“ sich direkt auf Personen eingeschossen hat und gesagt hat „Königs, Frontzeck, Eberl müssen weg“ und dann nochmal verstärkt, als Stefan Effenberg auf der Bildfläche erschienen ist. Ist es nicht schwierig, ruhig zu arbeiten, wenn da jemand einem ständig öffentlich den Job streitig macht?

Max Eberl: So ein Vorgehen widert mich an. Ich glaube, das hat es im deutschen Fußball noch nie gegeben. Dass Fußball immer Begehrlichkeiten weckt, dass man immer nach irgendwelchen freien Stellen schaut, das ist nicht unbekannt. Aber dass das in einer öffentlichen Art und Weise passiert, dass das einen Verein in einer schwierigen  Phase negativ begleitet, einen Verein, der den Leuten angeblich so am Herzen liegt, das ist doch höchst verwunderlich. So etwas kenne ich nicht, das ist respektlos. Angeblich geht es der „Initiative“ nur um den Klub – und dann wird vor jedem wichtigen Spiel eine Meldung rausgebracht: Mitgliederversammlung vorziehen, dann Effenberg, dann Köppel, dann Beschwerden über Aussagen des Vereins. Das war ein Störfeuer nach dem andern. Vor jedem Spiel. Da geht’s für mich diesen Leuten nicht um den Verein, sondern um ihre persönlichen Eitelkeiten. Das ist eine Art und Weise, die ich verwerflich finde und auch eine Gefahr für den Fußball.

SEITENWAHL: Es gab ja auch konkret gegen Sie sehr persönliche Angriffe. Norbert Kox' Behauptung, Ihre Frau habe für die Einstellung von Michael Frontzeck gesorgt, Berti Vogts Äußerungen, Sie hätten Ihren Job, weil Sie zufällig mit dem Fahrrad an der Geschäftsstelle vorbeigefahren sind. Hat Sie das wirklich getroffen oder finden Sie das einfach nur blöd?

Max Eberl: Es ist respektlos von Menschen, die es eigentlich besser wissen müssten. Ich habe meinen Job im Jugendbereich gemacht, ich habe studiert, ich habe meinen Weg von unten gemacht. Meinen Job im Jugendbereich habe ich offenbar gut gemacht, denn Borussia hat nicht umsonst drei Sterne für eines der besten Leistungszentren in Deutschland bekommen. Es hat einen Grund, dass mittlerweile 18 Spieler aus der Akademie für Borussia in der Bundesliga gespielt haben. Und nur aufgrund dieser Leistung hat man mir dann den Job als Sportdirektor angeboten. „Nur blöd“ finde ich es nicht, sondern respektlos. Ich finde aber auch das Echo, das diese Leute bekommen haben, bemerkenswert.

SEITENWAHL: Für Sie ist es ja noch einmal unangenehmer geworden, als Michael Frontzeck weg war. Der war bis dahin Hauptziel der Angriffe der „Initiative“. Danach hieß es plötzlich umso lauter „Eberl raus“.

Max Eberl: 2009 auf der Mitgliederversammlung, als Michael Frontzeck als Trainer vorgestellt wurde, gab es eine starke Abneigung, es gab da ein Spruchband gegen ihn, es war von Vetternwirtschaft die Rede. Und da habe ich in einer sehr emotionalen Ansprache gesagt, dass natürlich die Wahl eines Trainers für einen Sportdirektor auch maßgebend ist. Und ich habe gesagt: „Natürlich hängt da mein Kopf mit drin." Ich wollte damit unterstreichen, wie überzeugt ich von Michael Frontzeck war. Und es hat ja auch funktioniert. Wir haben in der vorletzten Saison tolle Spiele gesehen mit 29 Punkten im Borussia-Park. Ich habe den ja nicht nach drei Monaten wieder entlassen müssen. Wenn wir dahin kommen, dass jeder Sportdirektor nur noch einen Trainer auswählen darf, dann brauchen wir keinen Sportdirektor mehr. Deswegen habe ich mich nach der Entlassung von Michael Frontzeck nicht in der Pflicht gesehen, den Verein zu verlassen, nur weil ich in den Augen der Öffentlichkeit eine falsche Trainerentscheidung getroffen habe.

SEITENWAHL: Aber so einen Spruch macht man auch nur einmal im Leben, oder?
 
Max Eberl: Man lernt immer dazu. Andererseits: Wenn ich beim Autofahren von einem anderen Fahrer geschnitten werde, dann sag ich vielleicht auch „das A***loch bring ich um“. Und bring den dann doch nicht gleich um. Man macht ja auch viele Dinge aus Emotionen heraus. Aber es ist schon wahr, in der Öffentlichkeit so etwas zu sagen, hat eine andere Wirkung.

SEITENWAHL: Was die „Initiative“ und ihre Attacken angeht: der Verein hat da sehr ruhig drauf reagiert. Mussten Sie sich da sehr zurückhalten?

Max Eberl: Ich wurde schon mit den Aussagen der Leute konfrontiert, die da meinen Job wollen. Wir als Klub haben aber gesagt: wir wollen die Klasse halten und dem ordnen wir alles unter. Und das haben wir gut geschafft, dass Mannschaft und Trainer ihren Job machen konnten und wir außen viel abgefangen haben, ohne in eine Schlammschlacht einzusteigen. Vieles hat sich aber auch von alleine erledigt. Die „Initiative“ hat ja nicht umsonst mehrmals ihren Kurs geändert. Aber Ziel war der Klassenerhalt, und den haben wir auch erreicht, weil wir die Ruhe bewahrt haben, und uns nicht auf Schlammschlachten in den Medien eingelassen haben.

SEITENWAHL: Sollte die Mitgliederversammlung die Satzungsänderungen und damit die Attacke der „Initiative“ ablehnen, gehen Sie als Sportdirektor gestärkt aus der Nummer heraus oder doch angeschlagen?

Max Eberl: Ich glaube, dass der Verein in dieser Phase richtig zusammengerückt ist. Ich denke, die Fans haben für solche Sachen ein feines Gespür und wie die uns in den letzten Wochen unterstützt haben, das war äußerst bemerkenswert. Hier im Haus sind auch alle noch enger zusammengerückt, wir hatten alle gemeinsam das Ziel, den Klassenerhalt, vor Augen. So ein Gewitter reinigt ja auch und ich bin überzeugt, dass Borussia richtig gestärkt aus der Geschichte rauskommen kann und wird. Und dass man dann wirklich als „ein Verein“ in die nächste Saison gehen wird. Und was meine Person angeht, denke ich, dass ich sehr viel erlebt habe, in diesem einen Jahr, positiv wie negativ. Das sind Erfahrungen, die mir keiner mehr nimmt, und Erfahrungswerte, die mir bei meiner zukünftigen Arbeit helfen werden. Deswegen gehe ich nicht als geschwächter, sondern als gestärkter Sportdirektor da raus.

SEITENWAHL: Max Eberl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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