Im ersten Auswärtsspiel der neuen Bundesligasaison unterliegt Borussia dem 1. FC Nürnberg von Hans Meyer durch einen einzigen Konzentrationsfehler während der ersten fünf Spielminuten. Vor allem nach der Halbzeitpause machte die Borussia dabei aber eine sehr ordentliche Figur und zeigte sich vor allem im flüssigen Kombinationsspiel mit Ausrichtung zum gegnerischen Tor besser als das schnöde Resultat vermuten lässt. Mit ein bisschen mehr Fortune in den richtigen Momenten, die Borussia konnte allein fünf Großchancen nicht verwerten, wäre zumindest ein Punkt im ehemaligen Frankenstadion der verdiente Lohn gewesen.

Im Vergleich zur Vorwoche, dem Heimsieg über Energie Cottbus, veränderte Trainer Jupp Heynckes die Startformation auf zwei Positionen. U21-Nationalspieler Nando Rafael beließ er auf der Bank, dafür setzte er auf der rechten Seite von Beginn an auf Oliver Kirch. Daneben ermöglichte er Hassan El Fakiri eine Chance in der Startelf, der Norweger ersetzte den (wie Daems, Degen und Sonck) verletzungsbedingt verhinderten Peer Kluge.

Fünf Minuten mussten die Zuschauer im ausverkauften Stadion in der Stadt an der Noris warten, dann konnte sich zumindest die in den Farben der Heimelf gewandeten über ein Tor freuen. Vorausgegangen war ein Foul von Marcell Jansen, hereingebracht wurde der von Schiedsrichter Wagner daraufhin ausgesprochene Freistoß durch den Dänen Kristiansen. Dessen Freistoßflanke senkte sich im Sechzehnmeterraum der Borussia auf den Kopf von Abwehrspieler Glauber, der gedankenschneller als sein Gegenspieler Delura den Ball in Richtung des abstaubenden Markus Schroth bugsieren und sich im Anschluß daran erfreuen konnte, dass der einstige Karlsruher weder dem verzweifelt grätschenden Svensson, noch Torwart Kasey Keller eine Abwehrchance erlaubte und stattdessen über seinen Treffer jubelnd abdrehen konnte. In den ersten Minuten nach diesem sofort bestraften Fehler musste sich die Borussia zunächst neu aufstellen und tat dies vor allem dadurch, dass der eigentlich im Mittelfeld vorgesehene Michael Delura vermehrt in die Rolle eines zweiten Stürmers wechselte und Hassan El Fakiri ein wenig stärker nach links einrückte. Dafür begann Federico Insúa stärker im Mittelfeld aus der Tiefe zu spielen - nicht verkennen sollte man aber, dass die Gastgeber während dieser Neujustierung Torchancen hatten, durch die ihre Führung durchaus sofort komfortabler hätte aussehen können (10., 14.).

Der soeben erwähnte Insúa trat erstmals in der 15. Minute auf den Plan, als er in Folge einer Standardsituation in die Weite des Mittelfelds zurückgedrängt schien, aber von dort einen exzellenten Lupfer auf den in der Mitte durchbrechenden Oliver Neuville spielen konnte. Neuville, der in dieser Szene auch von einer Nachlässigkeit seines Gegenspielers profitierte, war jedoch zu überrascht, um dieses Zuspiel gewinnbringend im gegnerischen Gehäuse unterzubringen. Noch während sich der Nationalspieler ob dieser Chance zu winden schien, hatte die Borussia eine abermalige Gelegenheit den Spielstand umgehend zu egalisieren, doch Marcell Jansens gutgetimte Hereingabe erreichte Insúa am fernen Pfosten lediglich so, dass dieser mit seinem schwächeren Fuß abschließen musste und infolgedessen den Ball am Torwart vorbei in den Abendhimmel schlug.

In der nächsten Szene der Partie kam dann Michael Delura zu gänzlich unrühmlicher Berühmtheit, drosch er doch dem herannahenden Nürnberger Tomas Galasek in einer Situation fernab beider Tore die Stollen so derart ins Gesicht, dass er einerseits mit einer gelben Verwarnungskarte noch gut bedient schien, Galasek andererseits trotz intensiver Behandlungspause die Partie nicht fortsetzen konnte. Überhaupt muss man konstatieren, dass der aus Gelsenkirchen geliehene ehemalige deutsche U20-Nationalspieler seinen eher schwachen Eindruck aus der Vorwoche am heutigen Tage nicht revidieren konnte und folglich zur Halbzeit richtigerweise in der Kabine bleiben musste.

Die Gastgeber wirkten zunächst ob der schweren Verletzung ihrer ordnenden Hand im Mittelfeld nicht sonderlich geschockt, Kasey Keller musste nach 25 Minuten gegen Dominik Reinhardt parieren, doch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit verlagerte sich das Geschehen zunehmend. Die Borussia hatte nun bisweilen erheblich mehr Ballbesitz und versuchte schon hier ansehnlich sich in Richtung des Nürnberger Gehäuses zu kombinieren. Oft aber scheiterten gescheite Anspiele am (noch) fehlenden Verständnis untereinander, wobei man allerdings zu erwähnen hat, dass der nach einigen Jahren erstmals wieder von Beginn an agierende Oliver Kirch einen sehr ansehnlichen Eindruck vermittelte und Ballverluste auf seiner rechten Seite eher dann zu registrieren waren, wenn sich der ungestüm scheinende Kasper Bögelund begann nach vorne zu verschieben.
Ein wenig Pech für die sich scheinbar von Angriff zu Angriff besser „einrollende" Borussia notierten die Chronisten in der 40. Spielminute, als die Kombo Neuville/Insúa sich aufmachte den Strafraum der Gastgeber unsicher zu machen. Unvorteilhafterweise für die Borussia erkannte das Schiedsrichtergespann um Lutz Wagner, obschon der Schiedsrichterassistent auf der Haupttribünenseite in dieser Situation federführend blieb, beim Zuspiel von Neuville auf den sechsfachen argentinischen Nationalspieler auf Abseits, ansonsten hätte sich der gastgebende FCN so unmittelbar vor der Halbzeitpause nicht über einen ausgeglichenen Spielstand beschweren können.

Wie erwähnt blieb Delura zur Halbzeit in den Katakomben, durfte Kahê sich an seiner Stelle probieren. Noch bevor die Borussia in Form von Federico Insúa das erste Mal nach dem Seitenwechsel vor dem FCN-Gehäuse auftauchen konnte, musste sie sich einem intervallgleichen Ansturm der Heimelf erwehren. Dies gelang ihr, wie auch den Gastgebern in jener 49. Minute gelang ohne Gegentreffer zu bleiben. Auch ein Gewaltschuss von Oliver Kirch aus knapp Sechzehnmeter halbrechter Torentfernung kam in jenen Momenten zustande, diesen konnte Torwart Schäfer für Nürnberg lediglich in Richtung Neuville abklatschen und darüber glücklich sein, dass Schiedsrichter Wagner in dieser Folge richtigerweise erkannte, dass der den Nachschuss Neuvilles abblockende Reinhardt im Strafraum dafür zwar seine Hand zur Hilfe nahm, von dieser allerdings unbeabsichtigt Gebrauch machte. Neuvilles Wehklagen hinsichtlich eines ihm zuzuerkennenden Elfmeters verblieben somit ungehört.

Auch knappe zehn Minuten später wurde ein Versuch Neuvilles zum Torerfolg zu kommen abgeblockt, diesmal vom eingewechselten Pinola, diesmal allerdings zur vollständigen Zufriedenheit eines jeden Regelkundlers. Pech hatte die Borussia in jener Szene nur, dass Kahê, für den die vorausgehende Flanke Jansen hervorragend geeignet schien, nicht am langen, sondern am kurzen Pfosten auf sie wartete und von daher nicht gewinnbringend eingreifen konnte.

Während die Gastgeber sich mit fortschreitender Spieldauer immer stärker der Idee des möglichst schnellen Tempogegenstoßes hingaben, begann die Borussia sich gerade jetzt die guten Kritiken zu verdienen, unterstrich sie doch ein gewisses Potential im zielgerichteten Kombinationsspiel, welches man von ihr auf fremdem Platz in den letzten Jahren nicht sehr häufig geboten bekommen hatte. Hierbei brachte sich die erhöhte Ballsicherheit, die ordentlichen Fähigkeiten in der Ballbehauptung, etlicher Spieler förderlich ein. Zwar gelang es der Borussia noch zu selten sich eindeutige Chancen herauszuspielen, sie machte andererseits keinesfalls den Eindruck einer in sich zusammengeklappten oder zusammenfallenden Mixtur hilfloser Einzelkönner. War in der ersten Halbzeit noch die rechte Seite die Haupttriebfeder des Borussenspiels, trat nun die linke Seite mit Marcell Jansen mehr und mehr in den Vordergrund - dass der nächsten Großchancen der Borussia vorausgehende Foul passierte jedoch über die rechte Angriffsseite (73.).

Aus dem Halbfeld brachte Insúa den Ball von dort in den Nürnberger Strafraum und Borussias Südamerikaner hatte sich den Kopf Zé Antónios, der aufgerückt war, als Zuspielpunkt erdacht. Punktgenau endete die Freistoßflanke Insúas auf dem Kopf des Portugiesen, dessen anschließender Kopfballversuch suchte sich allerdings am Ende die falsche Seite des blanken Nürnberger Torpfostens und tröpfelte somit in Seitenaus; ebenso knapp neben dem Torpfosten endete Sekunden später ein strammer Schuss des zuvor eingewechselten Nürnbergers Marek Mintal, der in der zweiten Halbzeit durch die Gastgeber oft nur bei Standards geprüfte Kasey Keller wäre allerdings andernfalls wohl doch haltend zur Stelle gewesen.

Auch trotz der immer drohenderen ersten Saisonniederlage entschied sich Jupp Heynckes während dieser Phase nicht für Spielerwechsel, sicher auch weil ihm nicht entgangen war, dass die sich auf dem Platz befindlichen Borussenakteure immer harmonischer zu kombinieren schienen und sukzessive die nächsten Attacken auf das Nürnberger Gehäuse anvisierten. In der 77. Spielminute dann ein kleiner Schreckensmoment, verlängerte der solide Eugen Polanski doch eine Halbfeldfreistoß der Gastgeber an den Außenpfosten des Gehäuses von Kasey Keller.

Nach 83 Minuten erfolgte dann allerdings ein zweiter Spielerwechsel bei der Borussia, Sverkos ersetzte den in den Schlussminuten nicht mehr benötigten El Fakiri. Trotz anhaltendem Kombinationsspiel in durchaus flottem Tempo beanspruchte die Borussia eine weitere Standardsituation um dabei ihre nächste Großchance „an das Bein zu binden". In der 87. Spielminute verführte obendrein jener Freistoß Insúas den Schiedsrichterassistenten auf der Seite der Gegengerade dazu ein Auge auf die Position von Insúas Mannschaftskameraden zum Zeitpunkt des Zuspiels von Insúa zu werfen. Während sich der so zu einer Kopfballgelegenheit gekommene Kahê, der ansonsten blass blieb, mit Vehemenz mühte den Ball wenigstens im Nachschuss über die Torlinie zu bugsieren, sah der Schiedsrichterassistent die Gelegenheit als günstig an und begann heftigst mit seiner Signalfahne zu wedeln. Deshalb auch unterband Schiedsrichter Wagner die Partie umgehend, nicht ohne dabei einem Irrtum seines offensichtlich Aufmerksamkeit bedürftigen Assistenten aufzusitzen: Zweifelsohne war ein Mönchengladbacher zum Zeitpunkt des Abspiels im Abseits, jedoch nicht der aktiv eingreifende Kahê.

Obschon der Referee die Situation unterband, auch in dieser Situation war der Borussia das Schussglück keinesfalls hold und so durfte sich der von Borussias Ehrenmitglied Hans Meyer instruierte „Club" in den restlichen Minuten der Begegnung auf den eintretenden Siegesjubel vorbereiten. Die Borussia war nach jenem peniblen Eingriff des Referees jedenfalls nicht mehr imstande abermals torgefährlich vor dem Tor des Raphael Schäfer zu erscheinen und verließ den Platz zwar erhobenen Hauptes, jedoch als Verlierer.

In gewisser Weise ist es natürlich müßig sich nach einem verlorenen Spiel über das Resultat zu unterhalten, doch wenigstens ein Tor - und somit ein Punkt - wäre für die Elf von Trainer Heynckes bei diesem Auftritt im Frankenland möglich, ja sogar verdient gewesen. Die Mannschaft machte im Grunde nur während zehn bis vielleicht 15 Minuten der Partie keinen sehr ordentlichen Eindruck, die Restzeit hingegen ließ den interessierten Beobachter wenigstens ansatzweise etwas erahnen. Erahnen zu welcher Art Fußball die Mannschaft in der Lage sein dürfte, wenn sich ihre einzelnen Mannschaftsteile noch besser aufeinander abgestimmt haben. Auch wenn das Resultat letztlich schlecht blieb, die Konstruktivität, die flüssigen Spielzüge in Richtung gegnerisches Gehäuse konnten in Teilen den Realität gewordenen, abermaligen Verlust dreier Auswärtszähler wenigstens ideell auffangen. Dieser erreichte virtuelle Wert entschädigt zwar nicht für die Niederlage, verhindert aber eine sonst nach Auswärtsniederlagen nicht unübliche Frustration und Depression schon gewaltig.

Vom Gesichtspunkt der individuellen Leistung innerhalb des doch homogenen Mannschaftsgefüges sei an diesem flutlichtgetränkten Freitagabend die Darbietung von Federico Insúa hervorgehoben. Alle Aktionen des Argentiniers hatten „Hand und Fuß", wie man dies sprichwörtlich zu sagen pflegt. Darüber hinaus gefiel der erwähnte Oliver Kirch, der in seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn an seit fast drei Jahren Ansätze zeigte, die ihm berechtigte Chancen auf eine gute Rolle in dieser Saison einräumen sollten.

Tor
: 1:0 Schroth (5.)

Nürnberg: R. Schäfer - Reinhardt, A. Wolf, Glauber, Kristiansen (Mintal 63) - Polak, Galasek (Pinola 27), Banovic, Mnari - Saenko, Schroth (T. Paulus 90).

Borussia: Keller - Bögelund, Svensson, Zé António, Jansen - Kirch, Polanski, Insúa, El Fakiri (Sverkos 83) - Delura (Kahê 46) Neuville.

Ersatz: Heimeroth (Tor), Helveg, Levels, Thijs, Rafael.

Schiedsrichter: Lutz Wagner (Hofheim)

Zuschauer: 46.780 (ausverkauft)

Datum;  Spieltag: Freitag, 18. August 2006;  2. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia): Delura, Zé António, Insúa

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Ausgelöst durch den neuen TV-Vertrag der Bundesliga fand erstmals seit dem 27. April 2001 (0:1 am Bökelberg gegen Arminia Bielefeld) wieder  ein reguläres Bundesligaspiel der Borussia an einem Freitagabend statt. Zuletzt an einem Freitag aktiv war Borussia in der vergangenen Saison beim Saisoneröffnungsspiel in München (0:3 gegen Bayern München). Erstmals seit dem 4. Oktober 2003 (0:2 beim Hamburger SV, 2. Spiel der Ära Holger Fach) stand der 2003 vom SC Verl verpflichtete Oliver Kirch in einem Bundesligaspiel von Beginn an für die Borussia auf dem Feld.

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