Ein Tor von Carlos Eduardo de Souza Floresta, mittelbar vor dem Seitenwechsel, ebnete der Borussia am Freitagabend den Weg zu einem 1:0-Heimerfolg über Borussia Dortmund und ließ die Mannschaft von Jupp Heynckes nach diesem vorgezogenen Spiel des 5. Spieltag wenigstens die Nacht auf den Samstag an der Tabellenspitze der Bundesliga verbringen. In einem Spiel, das gegenüber der Leistung beim 2:4 in Aachen am vergangenen Wochenende als Leistungssteigerung umrissen werden muss, hatte die Borussia mit einer kontrollierten Mannschaftsleistung über die 2. Spielhälfte hinweg etliche Gelegenheiten den Sieg höher ausfallen zu lassen, genoß vorher aber ebenso Situationen, in denen der Gast aus Westfalen beste Einschußgelegenheiten verstreichen ließ.

Weiterhin auf die verletzten David Degen und Wesley Sonck verzichtend, hatte Jupp Heynckes vor Spielbeginn von den jüngst verletzt ausgefallenen Filip Daems und Peer Kluge entscheiden lassen, dass sie beim heutigen Match wenigstens als Reserve zur Verfügung stehen konnten. So hatte Heynckes in seiner Startformation einzig noch den in der Woche verletzt ausfallenden Kasper Bøgelund zu ersetzen. Er tat dies indem er Bernd Thijs in die Anfangsformation beorderte und Eugen Polanski aus dem Mittelfeldzentrum auf die rechte Mittelfeldseite verschob. Der zuletzt dort tätige Oliver Kirch nahm Bøgelunds Rolle auf der rechten Außenbahn ein. 

Das Duell der beiden Borussias begann vor nicht ganz ausverkauftem Haus an der Hennes-Weisweiler-Allee mit einem Vorstoß Marcell Jansens, doch der Schuß des Nationalspielers strich meterweit am Dortmunder Gehäuse vorbei. Es sollte für eine recht große Periode Borussias einziger Schuß auf das Gehäuse von Dortmunds Torwart Weidenfeller sein, da sich die Elf vor Mannschaftskapitän Kasey Keller zuvorderst defensiv aufstellte und hinzukommend oft leichtfertige Ballverluste schon in der neutralen Zone produzierte. Die Gäste aus Westfalen kamen deshalb öfter und nachhaltiger in Ballbesitz, freilich ohne riesiges Kapital aus ihrer doch mehr als schemenhaft vorhandenen optischen Überlegenheit zu machen; so galt ein eher harmloser und aus Instinkt vollführter Drehschussversuch des polnischen Nationalstürmers Smolarek auf Seiten der Dortmunder (4.) zu dieser Phase der Begegnung bereits als zu notierender Torversuch, Kasey Keller fing jenen Beitrag des ehemaligen Rotterdamers jedoch mit der sprichwörtlichen „Mütze".

Mitte der ersten Halbzeit konnte die Borussia immer sukzessiver Abspielfehler und Ballverluste vermeiden und kam zunächst dank eines Freistoßes von Neuville (20.) und hernach durch einen durch Insúa initiierten und von Kahê zum Abschluß gebrachten Tempogegenstoß (25.) zu kleineren Möglichkeiten. Der Brasilianer wurde, sechs Minuten später, beinahe zum Nutznießer einer Unsicherheit in der Dortmunder Deckungszentrale, als Phillip Degen eine Polanski-Flanke nicht sofort zu klären vermochte und Brzenska  doch noch vor dem einschussbereiten Kahê das nahende Tor verhindern konnte.
In der 34. Minute dann die erste wirkliche Torgelegenheit auf beiden Seiten. Infolge einer Übereifrigkeit von Oliver Kirch, der den besserpostierten Bo Svensson förmlich ignorierte und bei seiner Rettungsaktion auch noch zwischenzeitlich kampfunfähig machte, kam Dortmunds Schweizer Nationalstürmer Alexander Frei am Rande des Sechzehnmeterraums der Borussia unbedrängt zu einer Einschusschance, während der er jedoch eine Nuance zu weit nach links zielte und so das Gehäuse des verzweifelt hechtenden Kasey Keller verfehlte. Ebenso hechtete Keller nur drei Minuten später, diesmal allerdings erfolgreich, denn abermals war Frei völlig frei vor ihm mit dem Ball am Fuß aufgetaucht. Schiedsrichterassistent Mike Pickel hatte zuvor, irrtümlicherweise, nicht auf Abseits erkannt und so die Chance für die Westfalen ermöglicht.

Obschon eine Führung für die Dortmunder zu jener Zeit der ersten Halbzeit als wahrscheinlicher zu gelten hatte, gelang der Borussia auf der Gegenseite diese Vorteilsnahme. Bernd Thijs, der im Gegensatz zur Vorsaison in diesem Spiel einen aufgeräumten Eindruck machte und insgesamt eine als ordentlich zu klassifizierende Leistung in der Mittelfeldreihe zustande brachte, hatte zunächst in Ermangelung einer Anspielstation auf der rechten Außenbahn das Spiel verzögert, dann jedoch blitzgescheit den aufrückenden Oliver Kirch mitgenommen und eingesetzt. Aus vollem Lauf produzierte der gebürtige Soester eine Flanke in Richtung Dortmunder Elfmeterpunkt. In diese Flanke spritzte Kahê relativ geistesgegenwärtig hinein und konnte das lederartige Spielgerät so mit dem Schienbein zum umjubelten Führungstreffer hinter die Torlinie bugsieren.

Wie schon in Aachen beim nicht rühmlichen 2:4 in der Vorwoche zog Jupp Heynckes es auch an diesem Spieltag vor, Federico Insúa in der Kabine zu lassen. Für ihn brachte Borussias Trainer Michael Delura und jener fügte sich prächtig in die nun wieder defensiv agierende Borussenelf ein. In der 50. Spielminute ließ erneuter Torjubel das Stadion frohlocken, doch Eugen Polanski hatte beim Zuspiel im Strafraum der Gastmannschaft im Abseits gestanden und dieser Regelverstoß war von dem bereits erwähnten Schiedsrichterassistenten Pickel korrekt gedeutet und angezeigt worden. Referee Herbert Fandel, der das Spiel am heutigen Abend für seine Verhältnisse erfreulich selten unterbrach, hatte keine Wahl und musste folgerichtig den Treffer Polanskis aberkennen.

Die Gäste aus der ehemaligen Krawattenstadt mühten sich infolge dieser Szene um eine Verlagerung der Gefahrenzone in die Hälfte der Borussia und obschon es ihnen gelang die unmittelbare Zweikampfzone mehr in Richtung Kasey Keller zu verlagern, die Borussia blieb gerade über den herzerfrischend spritzigen Michael Delura immer in der Position zu kontern. So in der 52., so vor allem in der 62. Spielminute, in der der gebürtige Gelsenkirchener mit herrlichem Vorwärtsdrang den Ball durch das halblinke Mittelfeld trieb und mit einer Finte mehrere Gegenspieler narrte. Hierdurch gelangte er in einen Freiraum vor dem Dortmunder Strafraum, von dem ihn nur der letzte verbliebene Verteidiger trennte. Jetzt machte Delura abermals alles richtig, er schob den Ball butterweich in den Lauf des tempomitnehmenden Kahê. Unglücklicherweise verkalkulierte sich der kahlköpfige Brasilianer und so vermochte er das Spielgerät lediglich unmittelbar neben das Tor der Gäste zu schlenzen; drei Minuten später endete eine von Bernd Thijs erkämpfte Torchance Kahês ebenda.

Die erste wirkliche Torchance für die Dortmunder Gäste während der zweiten Spielhälfte deutete sich in der 72. Spielminute an, als Eugen Polanski in einem gedankenlosen Moment am rechten Rand des Borussenstrafraums einen bereits eroberten Ball vertändelte und Zé António mit einer fairen Grätsche Dortmunds Dede den Ball vom Fuß jagen musste. Erfreulicherweise berührte der Dortmunder den Ball zuletzt und verzichtete im Sinne eines fairen Spiels auf eine unter Umständen mögliche Schauspieleinlage. So durfte Kasey Keller die Partie mit einem Abstoß weiterführen und drei Spielerwechsel beobachten, von denen zwei auf das Konto der Dortmunder gingen und der dritte schließlich Oliver Neuvilles Arbeitstag zugunsten von Vaclav Sverkos beendete.

Gerade frisch auf dem Spielfeld nutzte Dortmunds Bundesligadebütant Sebastian Tyrala einen nicht akkurat gespielten Ball Oliver Kirchs am Strafraum der Borussia dazu seinem Teamgefährten Smolarek eine Schusschance zu ermöglichen. Hier war Kasey Keller mit gewohntem Einsatz auf dem Posten und konnte einen drohenden Ausgleichstreffer abwenden (77.). Während sein Dortmunder Kollege van Marwijk sein Wechselkontingent acht Minuten vor dem Schlusspfiff völlig ausschöpfte - um mit Verteidiger Martin Amedick seiner flankenfreudigen Offensive einen großgewachsenen Akteur zur Auswahl zu stellen - beließ es Jupp Heynckes seinerseits bei zwei Auswechselungen und konnte sich, in der Restspielzeit, an einer weiteren von Michael Delura initiierten Torgelegenheit erfreuen. Diesmal war es Delura quasi selbstpersönlich, der diese Möglichkeit verstreichen ließ, denn obwohl er im Strafraum mit dem Ball am Fuß zwei verzweifelt grätschende Dortmunder verladen konnte, spitzelte ihm der sich ihm bereits entgegengeworfene Torhüter Roman Weidenfeller den Ball noch vom Pantoffel.

Der wenig später erfolgte Schlusspfiff des, wie erwähnt, angenehmen unauffälligen Fandel besiegelte einerseits die Dortmunder Niederlage, andererseits Borussias dritten Heimsieg im lediglich dritten Saisonheimspiel. Mit den somit erwirkten neun Punkten auf dem tabellarischen Guthaben beendete Borussia ihren fünften Punktspielauftritt der laufenden Saison vorübergehend an dem beständig als „Platz an der Sonne" skizzierten Tabellenplatz 1, wenngleich die unmittelbar hinter ihr platzierten Mannschaften sie durch die restlichen Spiele des Spieltags an diesem Wochenende noch mit Leichtigkeit überflügeln können sollten. Dennoch bugsierte sich die Borussia damit vor dem sicher kniffligen Auswärtsspiel beim Meisterschaftsfavoriten Bremen am folgenden Wochenende in eine positiv anmutende Grundsituation aus der sie nützliches und nötiges Selbstvertrauen ziehen können müsste.

Unter dem Strich ging Borussias Erfolg über die Dortmunder Borussia sicher in Ordnung. Die Gäste mühten sich zwar redlich, ließen allerdings Konsequenz in ihrer Chancenauswertung vermissen. Die Borussia bot derweil mitnichten ein spektakuläres Offensivfeuerwerk, doch überzeugte sie mit einer kontrollierten wie geschlossenen Mannschaftsleistung aus der in der Spitze neben dem Siegtorschützen Carlos Eduardo de Souza Floresta vor allem der eingewechselte Michael Delura mit einer blitzsauberen Darbietung einen erheblichen Anteil hatte und nebenbei andeutete, weshalb Trainer Heynckes ihn auf nicht unerhebliche Art und Weise fördert und offensichtlich anzuspornen versteht.

Tor: 1:0 Kahê (39.)

Borussia
: Keller - Kirch, Zé António, B. Svensson, Jansen - Polanski, Thijs, El Fakiri - Insua (Delura 46) - Kahê, Neuville (Sverkos 73).

Ersatz: Heimeroth - Helveg, Daems, Levels, Kluge.

Dortmund: Weidenfeller - P. Degen, Brzenska, Wörns, Dede - Kruska - Tinga, Kringe (Ricken 74) - Pienaar (Amedick 81) - Smolarek, Frei (Tyrala 74).

Schiedsrichter: Herbert Fandel (Kyllburg)

Zuschauer: 53.531 (99,01 %)

Datum;  Spieltag: Freitag, 22. September 2006;  5. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia): Polanski, El Fakiri

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse
: Erstmals seit dem 27. Januar (1:3 gegen Bayern München) fand wieder ein Bundesligaheimspiel der Borussia an einem Freitagabend statt. Durch den Erfolg in diesem seicht vorgezogenen Spiel des 5. Spieltags bugsierte sich die Borussia in einer knapp 19 Stunden währenden Momentaufnahme an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga, ehe sie von Titelverteidiger Bayern München dort wieder abgelöst wurde.

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