Mit einem auch in dieser Höhe verdienten 0:3 verlor Borussia am heutigen Nachmittag das Auswärtsspiel gegen Werder Bremen. Innerhalb von fünf Minuten entschied der Gastgeber, der bereits am Dienstag den FC Barcelona am Rand einer Niederlage hatte, das Spiel gegen wie immer lust- und planlos auftretende Gäste vom Niederrhein. Es fällt schwer, nach einem solchen Spiel nicht in fast schon gleichgültige Resignation zu verfallen. Zu oft schon erlebte man in der Vergangenheit einen solchen Spielverlauf, in dem Borussia passabel begann, dann jedoch in wenigen Momenten in einer Kumulation von Unkonzentriertheiten, Pech und auftrumpfenden Gegenspielern das Spiel aus der Hand gab.

Borussia begann im Gegensatz zum vergangenen Heimspiel gegen Borussia Dortmund auf zwei Positionen verändert. Für den verletzten Oliver Neuville begann Vaclav Sverkos neben Kahê, im Mittelfeld ersetzte Michael Delura den Argentinier Federico Insua. Nach den zuletzt zugegeben schwachen Leistungen des Spielmachers und dem Druck, der in der Presse aufgebaut wurde, war diese Aufstellungsvariante zwar von einigen erwartet, aber kam dennoch überraschend.

In der Anfangsphase deutete sich bereits ein schnelles Spiel an. Borussia stand zwar kompakt in der Defensive, agierte dennoch ordentlich im Spiel nach vorne. Die Zweikämpfe wurde früh angenommen und in der Defensive größtenteils zu eigenen Gunsten entschieden. Die Gastgeber aus Bremen hatten zwar optische Vorteile im Ballbesitz, konnten sich jedoch kaum entscheidend in Szene setzen, um den Defensivverbund um Svensson, Ze António und Keller zu gefährden.
Der erste Torschuss des Spiels wurde dennoch von Werder Bremen abgegeben, als Verteidiger Womé aus knapp 18 Metern abzog, sein Schuss aber deutlich das Ziel verfehlte. Wenigen Minuten später konnten die Beobachter die erste Chance für die Gäste vom Niederrhein notieren. Oliver Kirch passte in den Lauf von Michael Delura, der seine Schnelligkeit ausnutzte und im Strafraum eine aussichtsreiche Schusschance erhielt. Nationalverteidiger Per Mertesacker nutzte in dieser Situation seine langen Beine und blockte Deluras Schuss zur Ecke.

Die obligatorisch ordentlichen zwanzig Minuten der Gäste waren gelaufen, und so übernahm Werder Bremen zusehends die Kontrolle und die Chancen für den Meisterschaftsfavoriten häuften sich. Den Beginn der Bremer Offensive in dieser Phase machte Nationalspieler Miroslav Klose, der sich nach einem langen Pass im Zweikampf gegen Ze António durchsetzte und alleine Richtung Strafraum zog. Marcell Jansen konnte diese Situation im letzten Moment mit einem mutigen Tackling gegen seinen Nationalmannschaftskollegen klären. Die folgende Ecke hätte fast die Führung der Hansestädter zur Folge gehabt, doch Christian Schulz brachte es aus zwei Metern nicht fertig, den Ball über die Torlinie zu bugsieren. Im direkten Gegenzug erhielt Borussia eine ihrer wenigen und vorerst letzten Gelegenheiten. Jansen zog mit seinem schwächeren rechten Fuß eine lange Flanke auf den zweiten Pfosten des von Tim Wiese gehüteten Bremer Gehäuse, wo der Ball per Kopf in den Rückraum auf Eugen Polanski abgelegt wurde, doch noch bevor der U21-Nationalspieler abziehen konnte, wurde der Ball von der vielbeinigen Abwehr der Bremer geklärt.
Die Chancen ergaben sich nun im Minutentakt, wenngleich einzig Werder Bremen nun in der Offensive befindlich war. In Minute 23 pariert Keller mit einem starken Reflex den Schuss von Klose, vier Minuten später war es Ze António, der eine Doppelpass-Kombination von Diego mit Hunt und Klose zur Ecke abwehren konnte. Weitere 60 Sekunden später war es Aron Hunt, der nach einer von der rechten Seite durch Frings geschlagene Flanke nur um Milimeter verpasste, als er freistehend im Strafraum stand. In der 33. Minute fiel folgerichtig der in dieser Phase überfällige Führungstreffer für die Gastgeber. Erneut wurde seitens der Gäste der Ball im Spielaufbau vertändelt, so dass sich Bernd Thijs gegen Diego nur mit einem Foul zu helfen wusste. Bremens Verteidiger Nando, für seine Schussstärke weithin bekannt, hämmerte den direkten Freistoß aus knapp 20 Metern auf das Gladbacher Tor. Kasey Keller hob aus Reflex die Fäuste hoch, womit er allerdings den Ball zur perfekten Vorlage für Aaron Hunt machte, der aus fünf Metern nur abstauben brauchte. Dass ein Rückstand in der Fremde schon per se ein schlechtes Zeichen für Borussia ist, war allen mitgereisten Fans klar, doch dass dies nur den Auftakt zu einer sich ankündigen Klatsche werden sollte, hätten die wenigsten Beobachter erwartet.
Denn welches Offensivpotential der Gastgeber von der Weser besitzt, durften die Zuschauer wenige Minuten später bestaunen. Der heute starke Aaron Hunt flankte von der linken Seite in den Strafraum, wo der kurz zuvor für Frank Baumann eingewechselte Daniel Jensen den Ball geschickt im Sprung durchfliegen ließ. Der aus dem Rückraum in den Strafraum gesprintete Christian Schulz nahm den Ball technisch perfekt volley und ließ Keller diesmal keine Chance. Borussia lief in dieser Phase und speziell in dieser Szene ausschließlich hinter, die Bremer waren nun in allen Belangen klar überlegen. Die endgültige Entscheidung in diesem Spiel und den Höhepunkt dieser fünfminüten Offensivphase setzte Bremens Spielmacher Diego. Erneut lief Nando mit langen Schritten zu einem Freistoß an, doch statt mit brachialer Gewalt flog der Ball technisch perfekt und angeschnitten ins Gladbacher Tor, da Nando über den Ball lief und Diego mit wenigen Schritten Anlauf die Gladbacher Mauer und Torhüter Keller überwand.

Das Spiel war innerhalb weniger Minuten verloren und alle guten und zarten Ansätze, die man auch in diesem Spiel in den ersten zwanzig Minuten erkennen konnte, waren zunichte. Zur zweiten Halbzeit, als es um die reine Schadensbegrenzung ging, wechselte Trainer Heynckes Peer Kluge für den desolat aufspielenden El Fakiri ein. Selbst wenn keiner, der Borussia in den letzten Jahren auswärts begleitete und beobachtete, ernsthaft mit einem Punktgewinn am heutigen Tag rechnete, so wäre vielleicht etwas Hoffnung aufgekeimt, wenn Michael Delura die sich ihm bietende Chance in der 51. Minute verwertet hätte. Der vom FC Schalke ausgeliehene Delura wurde von Eugen Polanski mit einer Flanke aus dem Halbfeld in Szene gesetzt und lupfte den Ball über Tim Wiese, der den Ball noch berührte und so an die Latte lenken konnte. Kahê ließ in dieser Situation ihm schon zugeschriebene „Knipser"-Qualitäten vermissen, da er in dieser Situation sein Trefferkonto auf fünf hätte erhöhen können, wenn er besser antizipierte, da der Ball von der Latte zurück ins Spielfeld prallte und so der Brasilianer nur noch abstauben hätte müssen.

Der weitere Spielverlauf ist schnell erzählt. Werder Bremen nutzte den komfortablen Vorsprung und schonte seine schon gegen Barcelona eingesetzten Kräfte. Borussia hatte folgerichtig mehr Ballkontakte und Spielanteile, aber das Offensivspiel, das durch die Hereinnahme von Federico Insua nur marginal besser wurde, wirkte insgesamt zu pomadig, zu wenig überraschend und nicht zwingend. Die ein oder andere Chance bot sich sowohl Borussia als auch Werder Bremen, doch änderte sich am Spielstand bis zum Schlusspfiff des souverän leitenden Schiedsrichters Florian Meyer nichts mehr. Wenn eine Mannschaft nicht mehr will, die andere nicht mehr kann, bietet sich dem Publikum kein ansehnliches Spiel. Die Bremer Fans übten derweil die La Ola, ihre Gegenüber aus Gladbacher sich selber in Galgenhumor, als sie den Torjingle aus dem BorussiaPark intonierten.

Überrascht die Niederlage bei der spielstärksten Mannschaft der Bundesliga, die vor wenigen Tagen die wohl beste Vereinsmannschaft der Welt dominierte? Nicht wirklich? Es ist nicht das Ergebnis, es ist nicht die Tatsache der Niederlage, es ist - mal wieder - die Art und Weise, wie man ein solches Spiel hergibt. Lag man in den bisherigen Spielen in Nürnberg und Aachen schon nach wenigen Minuten im Rückstand, zeigte man heute in den ersten zwanzig Minuten durchaus nennenswerte Ansätze. Wobei diese Ansätze sich einzig darin darstellten, dass man Zweikämpfe gewann und in die Nähe des gegnerischen 16-Meter-Raums kam. Solche im Grunde als selbstverständlich anzusehende Attribute werden bei Borussias Auswärtsspielen schon positiv bewertet; ein Zeichen des jahrelangen Auswärtsfrusts.

So schickt Borussia ihre Fans wie schon nach dem Auswärtsspiel in Aachen mit einem ernüchternden und frustrierenden Ergebnis in die Bundesligapause und hofft erneut auf das kommende Heimspiel. Eine gefährliche Einstellung, die es unbedingt und zügig abzustellen gilt. Bilanzierend muss man zugestehen, dass Werder Bremen in Normalform mindestens zwei Klassen besser ist und für eine Mannschaft wie Borussia unter normalen Umständen nicht zu schlagen. Die Auswärtsschwäche, die sich inzwischen in der kompletten Bundesliga herumgesprochen hat, ist schon längst eine Farce, die ihresgleichen sucht.

Tore: 1:0 Hunt (33.), 2:0 Schulz (35.), 3:0 Diego (38.)

Bremen: Wiese – Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé – Baumann (Jensen, 34) – Schulz, Frings – Diego – Klose (Klasnic, 67), Hunt (Zidan, 71).

Borussia: Keller – Jansen, Zé Antonio, Svensson (Levels, 68), Kirch – Polanski, Thijs – El Fakiri ( Kluge, 46), Delura – Sverkos (Insua, 71), Kahê.

Schiedsrichter: Florian Meyer

Zuschauer: 35.000

Datum, Spieltag: 30. September 2006, 6. Spieltag

Gelbe Karten (Borussia): El Fakiri, Svensson, Polanski

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Das Spiel war Borussias 88. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg. In diesen 88. Versuchen erreichte die Borussia 9 Siege, 26 Remis und nunmehr 53 Niederlagen. Letztmals siegreich war die Borussia bei Werder Bremen am 21. März 1987 mit 7:1, gleichzeitig der bis zum heutigen Tage letzte Auftritt Borussias in Bremen mit Trainer Jupp Heynckes. Wie sein Teamgefährte Eugen Polanski, der beim 0:2 am 12. Februar 2005 im Bremer Weserstadion zu seinem Bundesligadebüt kam, durfte auch Tobias Levels am heutigen Tage sein erstes Bundesligaspiel bei einer Auswärtsniederlage der Borussia bei Werder Bremen feiern.

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