Es ändert sich nichts. Borussia verliert auch das Auswärtsspiel in Berlin verdient mit 1:2 und konnte nur ansatzweise eine Leistung abrufen, die für das Bestehen auf fremden Plätzen dauerhaft notwendig wäre. Die Defensivleistung der jungen Hintermannschaft war noch in der ersten Halbzeit ordentlich, doch ein Sonntagsschuss von Pal Dardai und individuelle Fehler beim zweiten Gegentreffer durch Pantelic ließen die Hoffnungen auf einen Punktgewinn, die Oliver Neuville mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich kurz aufkeimen ließ, im selbigen ersticken. Borussia spielt damit weiterhin das gefährliche Spiel, sich auf die Punktgewinne im heimischen BorussiaPark zu verlassen.

Jupp Heynckes konnte auf die gleiche Formation setzen, die schon beim letzten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg begonnen hatte. Ze António führte die junge Abwehr um Marvin Compper, Tobias Levels und Oliver Kirch. Peer Kluge, eigentlich auf der linken Seite eingeplant, sollte vor allem die Kreise des auf Berliner Seite wiedergenesenen Yildiray Bastürk einengen. Kahê, unter der Woche noch mit einer Fußprellung außer Gefecht, begann ebenso wie Nationalstürmer Oliver Neuville im Angriff.

Borussia begann verhalten defensiv, dennoch ordentlich organisiert und stark im Zweikampf. Bereits in der zweiten Spielminute trieb Delura das Spielgerät in die gegnerische Hälfte, wo er auf den rechten Flügel zu Kirch passte. Sein Passversuch auf den in der Mitte einschussbereiten Neuville wurde von Dick van Burik zur Ecke abgewehrt. Es wurde schnell deutlich, welche Taktik Jupp Heynckes für das heutige Spiel gewählt hatte. Seine Mannschaft stand bei gegnerischem Ballbesitz tief in der eigenen Hälfte, selbst Neuville und Kahê griffen erst hinter der Mittellinie ihre Gegenspieler an. Der Gastgeber aus der Hauptstadt tat sich sichtlich schwer, immer wieder wurde Bastürk in der Hoffnung gesucht, eine seiner wieselflinken Aktionen und Dribblings möge zu Lücken führen, die Torchancen ermöglichten. Bis auf zwei Verlegenheitsschüsse von Dardai (9.) und Fathi (13.) kamen dabei jedoch nicht heraus.

Nach einer Viertelstunde nahm Hertha das Spiel nun deutlicher in die Hand und hatte demzufolge deutlich mehr Ballbesitz. Borussia war viel zu sehr damit beschäftigt, die taktischen Vorgaben in der Defensive zu erfüllen und sah sich daher außerstande, ihrerseits ein konstruktives Offensivspiel zu initiieren. Meist wurde über Borussias rechte Seite angegriffen, da speziell Michael Delura des öfteren Probleme in der Rückwärtsbewegung offenbarte und durch schlechtes Stellungsspiel die ein oder andere Lücke bot, die Bastürk und Fathi zu nutzen versuchten. Direkt zu Beginn dieser Berliner Druckphase hätte sich Borussia über einen Rückstand nicht beschweren dürfen, da Marko Pantelic regelwidrig im Strafraum gefoult worden war. Der Serbe drang über die halblinke Seite in Borussias Strafraum ein, als Tobias Levels mit einer Grätsche zur Ecke klären wollte. Pantelic umkurvte Levels´ Bein, ließ sich jedoch die ihm bietende Gelegenheit nicht nehmen und fiel folgerichtig. Solange die Spieler jedoch mehr Kraft und Konzentration für den eigentlich Fal aufbringen, müssen sie sich nicht wundern, wenn Schiedsrichter nicht immer zwischen klarem Foul und Schwalbe unterscheiden können.

Diese erste Druckphase der Berliner Hertha überstanden die Gäste ohne Gegentor, da man zwar deutlich weniger Spielanteile, aber selten wirklich gefährliche Szenen zu überstehen hatte. In den letzten 15 Minuten der ersten Halbzeit fing man sich auf Seiten Borussias wieder und beteiligte sich wieder mehr am Spielgeschehen, das man zuvor zu deutlich den Gastgebern überließ. Nach etwa einer halben Stunde lief der heute erneut schwache Insua mit dem Ball durch das Mittelfeld und passte auf den linken Flügel auf Neuville, der, quer zur Strafraumgrenze laufend, auf den frei stehenden Kahê ablegte. Der Schuss des Brasilianers strich nur knapp am rechten Pfosten des von Christian Fiedler gehüteten Tores vorbei. Wenige Minuten später bot sich den Gästen bei einem Konter eine 5 zu 3-Überzahlsituation, die über Neuville und Compper etwas fahrlässig zu Ende gefahren wurde. In solchen Situationen wird deutlich, wie wenig abgestimmt die Laufwege sind, da ein solcher Konter, konsequent durchgespielt und überlegt geführt, zu sehr guten Torchancen führen müsste. Vieles im Mönchengladbacher Spiel ist intuitiv oder schlicht stümperhaft.

Doch, Undank ist der Welten Lohn, sagt der Volksmund, und so war der Verfasser dieses Spielberichts mit einem 0:0 zur Pause und einigen Offensivaktionen gar nicht so unzufrieden, lag man doch in bisher allen Auswärtsspielen dieser Saison schon zur Pause zurück.

Als Pal Dardai wenige Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit mit einem Sonntagsschuss die Führung für seine Mannschaft erzielte, wurde jedem Borussen im Stadion und an den TV-Geräten langsam klar, dass der Fußballgott seine Finger im Spiel haben muss. Wenn nicht, wie sonst erlebt, eigene Fehler in der Defensive zu Gegentoren führen, muss eben einem Spieler wie Pal Dardai (17 Tore in 228 Pflichtspielen für Hertha) ein solcher Kunstschuss gelingen. Die Führung fiel nicht grundsätzlich unverdient aus, doch kam sie zu diesem Zeitpunkt überraschend, da der Gast aus Mönchengladbach das Spiel gegen Ende der ersten Halbzeit in den Griff bekam.

Entgegen der sonstigen Gewohnheit, wirkte Borussia jedoch nur für wenige Momente geschockt und war weiterhin bemüht, ihrerseits zu Chancen zu kommen. Dreißig Minuten vor Spielende reagierte Heynckes zum ersten Mal und wechselte zum ersten Mal aus. Für die heute ingesamt schwachen Thijs und Insua wurden David Degen und der Ex-Berliner Nando Rafael eingewechselt. Rafael agierte fortan auf der linken Seite, David Degen auf der rechten. Michael Delura agierte wie schon beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund für Insua auf der Position im offensiven Mittelfeld. Diese Auswechslungen sollten sich schon wenige Minuten später bezahlt machen. Nando Rafael behauptete an der linken Außenbahn den Ball gegen zwei Berliner Gegenspieler und passte auf den zentraler stehenden Delura. Mit einer schnellen Körperdrehung und langen Schritten trieb Delura den Ball in Richtung Strafraum, passte jedoch klug auf Oliver Kirch, der sich auf dem rechten Flügel freigelaufen hatte. Kirch flankte butterweich an den zweiten Pfosten, wo Oliver Neuville nicht nur völlig freistehend wartete, sondern den Ball trocken aus kurzer Distanz volley ins Tor schoss. Das Spiel wurde nun schneller und interessanter, was angesichts des speziell in der ersten Hälfte geringen Tempos nicht sonderlich schwierig darzustellen war.

Dass ein Auswärtsspiel ohne grobe individuelle Fehler nicht zu absolvieren zu sein scheint, bewiesen zehn Minuten nach Neuvilles Ausgleichstreffer Oliver Kirch und Tobias Levels. Josip Simunic schlug einen langen Ball auf den linken Flügel, wo Marko Pantelic den Ball in Höhe der Strafraumgrenze technisch sauber annahm und in den Strafraum eindrang. Weder Kirch noch Levels waren in dieser Situation konsequent im Zweikampf, so dass Pantelic mit einem einfachen Trick und einem schnellen Schritt durch beide hindurch lief, um abschließend auch den Torhüter Keller mit einem Schuss ins lange Eck zu überwinden und zur erneuten Führung vollenden konnte.

Wer nun glaubte, dass Heynckes in der Schlussphase mit einer Einwechslung von Stürmer Wesley Sonck für mehr Druck sorgen würde, sah sich getäuscht. Zur völligen Überraschung (zumindest des Verfassers) wurde nicht Sonck, sondern Robert Fleßers für Oliver Kirch eingewechselt. Man kann Heynckes´ Jugendstil sicher loben, doch sollte es nicht dazu führen, dass aus Grundsatz heraus junge Spieler vorgezogen werden. Ein international erfahrener Spieler wie Wesley Sonck würde, mit dem nötigen Torinstinkt ausgestattet, in der meist hektischen Phase gegen Ende eines Spieles sicher für mehr Unruhe sorgen als ein in solchen Spielen überforderter Robert Fleßers. Junge Spieler sollen an die Mannschaft herangeführt werden, sie sollen Erfahrungen sammeln, aber nicht auf Kosten des Gesamterfolgs, unabhängig davon, ob mit Sonck das Spiel hätte gedreht werden können oder nicht.

So, wie Borussia letztlich in der Schlussphase agierte, hätte auch Wesley Sonck in der Luft gehangen. Eine Schlussoffensive fand de facto nicht statt, das Spiel verlor sich in kleinen Fouls und Hertha ließ sich den insgesamt verdienten Sieg nicht mehr aus der Hand nehmen.

So blieben nach dem Schlusspfiff die üblichen Floskeln, dass in diesem Spiel durchaus mehr „drin" war. Letztlich liegt man mit dieser Analyse nicht vollends daneben, denn Berlin war am heutigen Tag sicherlich keine nicht zu lösende Aufgabe. Das defensiv zwar geordnete, aber letztlich völlig passive Spiel verliert in dem Moment seine Wirkung, wenn der Gegner in Führung geht. Borussia versteht es nur phasenweise, das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Das Mittelfeld am heutigen Samstag blieb völlig ohne Wirkung, einzig Michael Delura sorgte mit einigen beherzten Antritten für Entlastung und Variabilität im Angriffsspiel. Die Abwehr um Routinier Ze António stand zwar weitestgehend sicher, doch speziell Tobias Levels geriet zur tragischen Figur, da er in der ersten Halbzeit durch sein Foul an Pantelic seine Mannschaft schon hätte schwächen können, beim zweiten Gegentor gegen jenen Pantelic seiner Unerfahrenheit Tribut zollen musste.

Heute waren im Vergleich der letzten Auswärtspartien in Aachen und Bremen zwar Fortschritte zu erkennen, aber im Bundesligageschäft zählen auf Dauer nur Punkte. Die nächste Gelegenheit bietet sich schneller, als vielen vielleicht lieb ist. Am Mittwoch tritt die Mannschaft im Stadion an der Bremer Brücke in Osnabrück an. Ein Spiel, das man als Bundesligist eigentlich nur verlieren kann.


Hertha: Fiedler - Friedrich, van Burik (70. Samba), Simunic, Fathi - Dardai - Cairo (77. Chahed), Boateng -Bastürk - Pantelic, Okoronkwo (74. Lakic)

Borussia: Keller - Compper, Zé Antonio, Levels, Kirch (78. Fleßers) - Thijs - Kluge, Delura - Insua (61. Degen) - Neuville, Kahê (61. Rafael)

Tore: 1:0 Dardai (48.), 1:1 Neuville (63.), 2:1 Pantelic (73.)

Zuschauer: 43.600

Schiedsrichter: Dr. Markus Merk.

Gelbe Karten (Borussia): Insua

Gelb-Rote Karten:

Rote Karten:

Besondere Vorkommnisse: Das Spiel war Borussias 89. Auswärtsspiel seit dem Wiederaufstieg. In diesen 89. Versuchen erreichte die Borussia 9 Siege, 26 Remis und berichtenswerte 54 Niederlagen. Eine jener neun Partien fand übrigens im Berliner Olympiastadion statt. Am Dienstag, 10. September 2002 siegte die Borussia durch Tore von Markus Münch und Joris van Hout gegen eine Hertha, für die damals Michael Preetz traf. Das heutige Spiel war Borussias vierte Bundesligaauswärtspartiein dieser Saison, in keinem dieser Spiele holte sie auch nur einen Punkt (3:9 Tore).

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