Mit einer desolaten Leistung hat sich Borussia am Mittwoch abend endgültig in die Krise und in den Abstiegskampf geschossen. Das 0:2 gegen Schalke 04 bedeutete nicht nur die 5. Pflichtspiel-Niederlage in Folge, sondern spielerisch einen neuerlichen Negativhöhepunkt. Durch die Ausfälle von Thomas Helveg und Oliver Kirch fehlten in der Defensive gleich sechs Akteure, was Borussia zu keiner Zeit zu kompensieren verstand. Das Experiment mit dem 18jährigen Youngster Tim Rubink in der Innenverteidigung glückte leider ebenso wenig wie die Rückkehr von Vaclav Sverkos in die Startformation.

Zusammen mit den nicht sonderlich viel älteren Marvin Compper und Tobias Levels auf den Außenbahnen wurde die Viererkette den hohen Anforderungen des Bundesliga-Alltags nie gerecht, was an diesem Abend aber in gleicher Weise auf den Rest des Teams zutraf.  Im Sturm war neben Sverkos ebenfalls Oliver Neuville in die Startformation zurückgekehrt, wodurch für Kahê nur noch ein Platz auf der Bank verblieb. Das gleiche Schicksal ereilte Federico Insua, der einem Doppelsechser bestehend aus Thijs und Polanski als Absicherung für die junge Defensive Platz machen musste. Angesichts des Personalnotstands eine durchaus nachvollziehbare Aufstellung, der man aber die zahlreichen Veränderungen im Spielverlauf schmerzhaft anmerkte.   

Wie schon beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen wurde das Spiel bereits früh durch den ersten Gegentreffer entschieden. Dieses Mal dauerte es 11 Minuten ehe die Gäste höchst glücklich von gleich mehreren Umständen profitierten. Ausgerechnet Rubink hatte bei seinem Debüt Pech, als er an der Strafraumgrenze zu klären versuchte, dabei aber Halil Altintop anschoss. Von dessen Bein trudelte der Ball gemächlich Richtung Tor, wo er eigentlich eine leichte Beute für Kasey Keller gewesen wäre. Wenn da nicht Zé Antonio gewesen wäre, der den Ball noch einmal entscheidend abfälschte und ihn dann unhaltbar ins rechte untere Eck reinkullern half. Vor ein paar Wochen war Borussia noch mit einem ähnlichen Dusel-Tor gegen Wolfsburg zum wichtigen Ausgleich gekommen. 4 Spiele und Niederlagen später hat sich das Glück jetzt eben gegen uns gewendet. Doch gerade der Rückblick auf Wolfsburg erscheint angebracht. Damals war das Team knappe zehn Minuten nach dem 0:1-Rückstand kämpferisch zurückgekehrt und konnte das Ergebnis umdrehen. Warum aber brach man in den beiden darauf folgenden Heimspielen gegen Leverkusen und Schalke nach einem 0:1 völlig in sich zusammen und hörte fortan auf, in irgendeiner Form Fußball zu spielen? 

Während die Schalker schon vor dem 1:0 mit zwei kleineren Gelegenheiten durch Altintop (7.) und Löwenkrands (9.) gefährlicher wirkten als Borussia, sollte sich dies nach ihrer Führung erst recht verstärken. Borussia wirkte nun völlig verunsichert und reihte eine endlose Zahl von Fehlpässen aneinander. Schon eine Minute nach dem Rückstand hätte Varela aus 8 Metern halbrechts erhöhen können, verzog aber seinen Volleyschuss, der weit über dem Tor landete.  

Borussias Chancen dagegen waren kaum als solche wahrzunehmen. Selbst aus  Standardsituationen, die zu Saisonbeginn oft für Gefahr sorgten, entwickeln sich seit Wochen kaum noch Tormöglichkeiten. Symptomatisch der Eckball in der 18. Minute, der von Delura viel zu hoch angesetzt zu Zé Antonio gelangte, dessen Kopfball entsprechend ca. 10 Meter übers Tor strich. Nach 25 Minuten versuchte sich Polanski aus 25 Metern mit einem Weitschuss, der Schalkes Jung-Keeper Neuer aber allerhöchstens warm schoss.  

Nach 31 Minuten die logische Konsequenz aus dem verkrampften, fehlerbeladenen Borussen-Spiel. Kevin Kuranyi kam bei einem Konter zu Fall, brachte den Ball im Liegen aber gekonnt zum freistehenden Gustavo Varela. Der sah nun seine Chance gekommen, wieder einmal in einem Spiel gegen Borussia zu glänzen, indem er aufs Tor zurannte, Levels austanzte und aus 16 Metern unhaltbar für Keller ins linke Eck abschloss. Selbst ein Pass auf den links völlig frei wartenden Löwenkrands wäre noch möglich gewesen, was die mangelnde Klasse in Borussias Hintermannschaft eindrucksvoll unterstreicht. 

Aufs Tor vom Schalker Rost-Ersatz kam dagegen in Halbzeit 1 kein einzig ernstzunehmender Ball. Kurz vor dem Seitenwechsel hätte sich beinahe doch noch eine Chance zum Anschluss ergeben, der Erinnerungen an den Schalker Auftritt gegen die Bayern hätte wecken können. Doch während Ottl am Sonntag eine Unpässlichkeit von Neuer geschickt zum Anschlusstor ausnutzte, zögerte Marvin Compper einen Moment zu lange. Von Polanski war er mit einem der ganz wenigen schönen Pässe im linken Strafraum frei gespielt worden und hätte dann direkt in die Mitte auf den frei stehenden Vaclav Sverkos passen müssen. Stattdessen zog er noch weiter Richtung Außenlinie und flankte dann ziemlich kläglich in die Mitte, wo Neuer die Hereingabe dankbar in seine Arme aufnahm.  

Das war es dann auch schon für diese grausame erste Halbzeit, die selbst die unterirdischen Leistungen aus den letzten Wochen noch negativ zu steigern vermochte. Beispielhaft sei das Spiel von Vaclav Sverkos genannt, dem man sein Engagement anmerkte, dem aber immer wieder im letzten Moment der entscheidende Fehlpass gelang. Doch es wäre unfair, einzelne Spieler herauszuheben. Mit Ausnahme des tadellosen Kasey Keller konnte kein Akteur an diesem Abend auch nur ansatzweise so etwas wie Bundesligaform erreichen. 

Eigentlich könnte man den Spielbericht an diesem Punkt abbrechen, denn allzu große Erkenntnisse ließen sich im zweiten Spielabschnitt nicht mehr gewinnen. Schalke erkannte früh, dass diese Borussen-Elf ganz sicher besser spielen wollte, es aber ganz einfach nicht konnte. So begnügte man sich damit, das Spiel weiter zu kontrollieren und mit halber Kraft über die Runden zu bringen. Traurig genug, dass Borussia in einem Heimspiel über keinerlei Mittel verfügte, um dies in irgendeiner Form abstrafen zu können.  

In der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff passierte vor den beiden Toren so gut wie nichts. Borussia war bemüht, irgendwie doch noch ins Spiel zu kommen. Hinten stand man jetzt weniger durch den Wechsel von Fleßers für Rubink besser als dadurch, dass die Schalker nicht zwingend das 3:0 erzielen wollten. Dennoch waren diese im weiteren Spielverlauf diesem Treffer jederzeit näher als unsere Elf auch nur im Entferntesten zu einem 1:2 hätte kommen können. Nach 61 Minuten bot sich z.B. Halil Altintop die Gelegenheit, einen tollen Pass von Kobiashvili aus 7 Metern halblinks abzuschließen. Sein Schuss trudelte aber rechts an Keller sowie am Tor vorbei. Beim Ex-Lauterer konnten wir uns auch 4 Minuten später bedanken, dass eine Schalker Überzahlsituation bei einem weiteren Konter höchst schlampig abgeschlossen wurde.  

Dem objektiven Beobachter musste die Elf von Jupp Heynckes zu diesem Zeitpunkt einfach nur noch leid tun. Mit höchst limitierten Mitteln war man verzweifelt bemüht, mit einem allenfalls durchschnittlichen Gegner Schritt zu halten. Letztlich wurde aber immer wieder deutlich, dass diese Mannschaft in dieser Aufstellung und in dieser Verfassung kein Bundesligaformat besitzt. So war ein Freistoß von Thijs aus 22 Metern Entfernung, der einige Meter über das Tor strich, noch das Gefährlichste, was Borussia in Halbzeit 2 zustande brachte. Immerhin Kasey Keller konnte sich noch zweimal auszeichnen. In der 81. Minute bei einem dankbaren Kobiashvili-Freistoß sowie in der Nachspielzeit bei einem neuerlichen Versuch von Halil Altintop, aus nächster Entfernung den Torwart abzuschießen. 

Dann endlich hatte Schiedsrichter Sippel ein Einsehen und beendete die klägliche Partie, die vielleicht sogar die schwächste Leistung sah, die Borussia seit dem Wiederaufstieg abgeliefert hat. Nach nunmehr 5 Niederlagen in Folge wird es sich ein Teil der Öffentlichkeit nicht nehmen lassen, über entsprechende Konsequenzen aus dieser Talfahrt nachzudenken, die bekanntermaßen am einfachsten zunächst am Trainer festgemacht werden.  

Zunächst einmal bleibt festzuhalten, dass unser Saisonziel, mit dem Abstieg erneut nichts zu tun haben zu wollen, bereits jetzt nicht mehr erreichbar ist. Uns muss bewusst sein, dass der Abstiegskampf ab sofort begonnen hat und mitnichten ein Selbstläufer werden wird. Unsere Personaldecke ist – gerade in Teilen der Defensive – viel zu dünn, um die aktuellen Ausfälle kompensieren zu können. Dem Offensivspiel fehlt es an Kreativität und Klasse. Die Strategie, auf den verspäteten Durchbruch ehemals talentierter Youngsters, die in den letzten Jahren auf niedrigem Niveau stagnierten, zu hoffen, darf hinterfragt werden. Spieler wie Rafael, Delura und Sverkos lassen zur Zeit jedenfalls auf wenig Besserung hoffen. In Abwesenheit eines Marcell Jansen und beim aktuellen Formtief eines Oliver Neuville fehlen dem Team die Stützen, anhand derer sich die jungen Spieler aufrichten könnten. So kann man Jupp Heynckes auch nur bedingt einen Vorwurf machen, da sich mit dem aktuell zur Verfügung stehenden Kader (exklusive der zahlreichen Verletzten) nicht viel mehr erreichen lässt. So bleibt trotz der desolaten Vorstellung an diesem trostlosen Abend leider nicht viel anderes übrig, als dem langfristig ausgerichteten Konzept weiter das Vertrauen auszusprechen, für die kurze Frist auf eine baldige Rückkehr einiger Verletzter zu hoffen und dann den Abstiegskampf entsprechend kämpferisch anzunehmen. Ein Prozess der Selbstzerfleischung und gegenseitiger Schuldzuweisung zwischen Fans, Trainer und Mannschaft wäre in der jetzigen Lage genau das, was die ohnehin schon ernste Lage noch weiter verschlimmern würde.

Tore: 0:1 Zé António (11., Eigentor), 0:2 Varela (31.)

Borussia: Keller - Levels, Rubink (Fleßers 46), Zé Antonio, Compper - Polanski, Thijs - Delura (Sonck 79), Kluge (Degen 68) - Sverkos, Neuville.

Ersatz: Heimeroth - El Fakiri, Insúa, Kahê.

Schalke: Neuer - Rafinha, Rodriguez, Krstajic, Pander (Boenisch 73) - Varela (Hamit Altintop 69), Bajramovic (Hoogland 89), Kobiashvili - Halil Altintop, Kuranyi, Lövenkrands.

Schiedsrichter: Peter Sippel (München)

Zuschauer: 52.018 (96,29 %) 

Datum;  Spieltag: Mittwoch, 8. November 2006;  11. Spieltag 2006/07

Gelbe Karten (Borussia): Compper, Polanski

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Mit Tim Rubink (*12. Januar 1988) kam ein Spieler aus Borussias U19 aufgrund der Personalsituation in der Abwehr zu seinem Bundesligadebüt. Im dritten Auswärtsspiel des FC Schalke 04 an der Hennes-Weisweiler-Allee kam der Gelsenkirchener Verein zum 2. Auswärtssieg (zuvor: 2:1 am 19. Februar 2005), so viele Spiele gewann bei Borussia bislang kein anderer Bundesligist seit dem Stadionneubau. Erstmals seit der Saison 2003/2004 verlor die Borussia zwei Heimspiele in Folge. Damals unterlag das von Ewald Lienen trainierte Team am 3. Spieltag 0:1 gegen Stuttgart (16. August 2003) und am 5. Spieltag 0:2 gegen Eintracht Frankfurt (13. September 2003)

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