Nach einem desaströsen Auftritt am heutigen Sonntag verlor Borussia ihr drittes Heimspiel in Folge. Mit 0:1 musste man sich den Gästen aus Hannover geschlagen geben. Was bereits vor dem Spiel tabellarisch feststand, ist nun auch in den Köpfen aller Beteiligten angekommen: Borussia steckt tief im Abstiegskampf der Bundesliga. Vor dem Hintergrund der kommenden Auswärtsspiele in Stuttgart und München und den Eindrücken des heutigen Abends kann jedem Beobachter nur Angst und Bange werden vor dem, was in den nächsten Wochen kommen mag. Der Trend der Mannschaft zeigt eindeutig nach unten und so gilt es, in den nächsten Wochen so viele Punkte wie möglich zu sammeln, um in der Rückrunde neu angreifen zu können.

Borussia startete am heutigen Samstag mit drei Änderungen zum Auswärtsspiel in Hamburg. Bo Svensson rückte zurück in die Innenverteidigung, Nando Rafael erhielt seine Chance im Mittelfeld neben Michael Delura und der von vielen seit Wochen geforderte Wesley Sonck agierte als zweite Spitze neben Nationalspieler Oliver Neuville. Kasey Keller hatte seine Schulterverletzung wieder auskuriert, die er sich beim Zusammenprall mit Hamburgs Spielmacher van der Vaart gezogen hatte und konnte demnach seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen. Taktisch begann Borussia mit zwei defensiven Spielern vor der Abwehr (Kluge, Polanski), Delura auf der rechten und Nando Rafael auf der linken Seite komplettierten das Vierermittelfeld.

Das Spiel begann wie erwartet zerfahren. Die Gäste aus der niedersächsischen Landeshauptstadt standen tief, einzig Jiri Stajner bewegte sich auf Höhe der Gladbacher Verteidiger. Borussia agierte in den ersten Minuten des Spiels aggressiv und setzte auf Pressing, während die Hannoveraner durch viele kleine Fouls den Spielfluss der Gastgeber immer wieder unterbinden konnten. Borussia hatte ein leichtes optisches Übergewicht, Hannover war auf Konter ausgelegt. Es dauerte diesmal bis zur 13. Spielminute, bis der Schuss von Michael Delura als Torchance in die Statistik einfließen konnte. Zwei Minuten vorher war Kasey Keller schon gefordert, als er vor Hanno Balitsch klären konnte. Schon in dieser Phase war erkennbar, dass Hannover zwar auf Sicherung bedacht, bei eigenen Angriffen jedoch prinzipiell zielstrebig genug war.
Das Spiel blieb zerfahren. Borussia schaffte es zu keiner Zeit, Ordnung ins Spiel zu bekommen. Eugen Polanski und Peer Kluge spielten insgesamt schwach, Delura und Rafael wurden auf den Flügeln zugestellt, so dass im offensiven Mittelfeld ein großes Loch klaffte, das höchstens von Neuville und Sonck ab und an gefüllt werden konnte, wenn sich einer von beiden zurückfallen ließ.
Bis zur Halbzeit geschah folgerichtig nicht viel, einzig ein Seitfallzieher von Neuville sei an dieser Stelle erwähnt, wobei hier mehr der artistische Aspekt denn der sportlicher Wert der Aktion betont werden muss.

Dies war zugleich die letzte Aktion vom Nationalstürmer. Aufgrund von Adduktorenproblemen blieb Neuville in der Kabine, für ihn rückte Kahê in den Sturm neben Wesley Sonck. Noch bevor die Zuschauer die taktischen Veränderungen der geänderten Mannschaft verinnerlicht hatten, folgte die kalte Dusche. Ein eigentlich schon gewonnener Ball kam zu Hannovers Kapitän Michael Tarnat, der zum am Strafraum wartenden Hanno Balitsch passte. Marvin Compper zögerte einen Augenblick, schaute nur zu, als Balitsch aus 17 Metern trocken abzog. Der Ball schlug unhaltbar für Keller im linken unteren Eck ein.

Der erwartete Schock bei den Gastgebern blieb jedoch aus. Borussia intensivierte seine Offensivbemühungen, was jedoch mehr in der schon oft zitierten Scheinüberlegenheit mündete, sprich: man befand sich zu einem Großteil der Zeit in des Gegners Hälfte, ohne dass die Innenverteidigung der Gäste um Vinicius und Zuraw ernsthaft in Gefahr geriet. In dieser Phase erspielte sich Borussia die ein oder andere Standardsituation, die zu einem Großteil kläglich vergeben wurden. Eine Beobachtungen, die man bereits in den letzten Wochen machen konnte. Insgesamt scheinen die Standards wenig trainiert oder einstudiert. Bei direkten Freistößen wird erst unmittelbar vor Ausführung diskutiert, wer schießen soll. Ecken und Freistoßflanken werden planlos - und meist schlecht - in den Strafraum geschlagen, sofern sie überhaupt dort ankommen.

Mit zunehmender Spieldauer offenbarte der Gastgeber erneut die Probleme, die bereits in den Heimspielen gegen Leverkusen und Schalke beobachtet werden konnten. Mangelndes Spielverständnis, katastrophale Fehlpässe, mangelhaftes Stellungsspiel und motivationslose Dribblings, die zu Ballverlusten führen. Hannover benötigte in dieser zweiten Halbzeit keine überrangenden Defensivkräfte, um das planlose und ungefährliche Anrennen des Gegners unter Kontrolle zu halten. In dieser Phase fiel insbesondere Eugen Polanski negativ aus. Der U21-Nationalspieler spielt bereits seit Wochen deutlich unter seinen Möglichkeiten, seine spielerischen Qualitäten scheinen jedoch mit Woche zu Woche abzunehmen. Jupp Heynckes spricht im Zusammenhang mit Insua oft davon, dass der Spieler „geschützt" werden müsse. Ob man Polanski und der gesamten Mannschaft jedoch einen Gefallen tut, wenn er Woche für Woche seine nicht vorhandene Form darbieten darf, muss allerdings stark bezweifelt werden.  

25 Minuten vor Schluss hatte Hannover die erste und größte Möglichkeit, das Spiel endgültig zu entscheiden. Erneut war es Polanski, der den Ball in der Offensive verlor. Stajner trieb den Ball über das halbe Spielfeld, passte am Strafraum klug auf den frei stehenden Arnold Bruggink, der noch geschickt den Laufweg kreuzt, dann aber mit einem unplatzierten Schuss an Keller scheitert. Das Publikum forderte lautstark die Einwechslung Insuas und Heynckes reagierte prompt. Dass er dafür allerdings den bis dahin sehr stark spielenden Thomas Helveg vom Platz nahm, quittierte das Publikum mit einem gellenden Pfeifkonzert, da es lieber den schon angesprochenen Polanski oder Nando Rafael ausgewechselt gesehen hätte. Der schon zehn Minuten zuvor eingewechselte David Degen ersetzte den ebenfalls schwachen Delura, konnte in der Folge ebenfalls kaum Akzente setzen. Ganz im Gegensatz zu Insua, der direkt mit seiner ersten Aktion für einen vernünftigen Angriff sorgte, als er den durchstartenden Degen mit einem schönen Pass in Szene setzte. Degen wurde allerdings geschickt und im letzten Moment gefoult, den viel versprechenden Freistoß aus 18 Metern setzte Sonck in die Mauer. Das kurze Strohfeuer, das Insua in den ersten Minuten entzündete, erlosch jedoch ebenfalls recht schnell, gleichwohl der Argentinier sichtlich bemüht war, etwas Ordnung ins Spiel zu bringen, was angesichts der fortlaufenden Spielzeit eine fast aussichtsloses Unterfangen war.

Eine wütende Schlussoffensive blieb erneut vollends aus. Zwar wurden lange Bälle in die Spitze geschlagen, doch Borussia erspielte sich keine einzige Chance in der zweiten Halbzeit. Ein einziger Torschuss, der seinen Namen auch verdient hat, in 90 Minuten Spielzeit: es ist offensichtlich, wo die Ursache des aktuellen Negativtrends liegt. In den letzten fünf Pflichtspielen hatte Borussia weniger Torchancen als eine in Normalform spielende Bremer Mannschaft in einem einzige Spiel. Heynckes sprach auf der Pressekonferenz von einer „nicht funktionierenden Mannschaft". Eine ehrliche und richtige Feststellung, auch wenn in den nächsten Wochen keine Zeit zur Ursachenforschung bleiben wird. Dass ihm eine solche Aussage auch persönlich angekreidet werden kann und wird, ist Heynckes sehr wohl bewusst. Gleich im Anschluss an diese Aussage betonte er weiterhin, dass er dafür auch „die volle Verantwortung" übernehme.

In einer insgesamt schwachen Mannschaft stachen einzig Kasey Keller, Bo Svensson und vor allem Thomas Helveg hervor, die allesamt durch ihre Ruhe ein wenig Sicherheit vermitteln konnten. Wesley Sonck konnte sich indes nicht nachhaltig für einen Stammplatz empfehlen, wobei man hier Geduld haben sollte. Immerhin erhalten Michael Delura, Nando Rafael und vor allem Eugen Polanski Woche für Woche ihre Gelegenheiten.

Borussia stehen sehr ungemütliche Wochen ins Haus. Nach den kleinen Störfeuern, die in Form der Interviewaussagen von Insua und Degen schon loderten, könnten in einigen Wochen regelrechte Brände entstanden sein. Die Stimmung auf der Pressekonferenz war deutlich schärfer und ungemütlicher als noch vor einigen Wochen. Das Abstiegsgespenst, das man schon unter Horst Köppel vergessen hatte, geistert im BorussiaPark umher und lässt alle Beteiligten nervös werden.

Tore: 0:1 Balitsch (50.)

Borussia: Keller - Helveg (Insua, 74), Svensson, Ze António, Compper - Polanski - Rafael, Delura (Degen, 67), Kluge - Sonck, Neuville (Kahê, 46)

Hannover: Enke - Cherundolo, Zuraw, Bergantin, Tarnat - Balitsch, Yankow (Lala, 79) - Schröter (Andersson, 89), Bruggink (Fahrenhorst, 86), Huszti - Stajner

Ersatz: Heimeroth, El Fakiri, Thijs, Levels

Schiedsrichter: Wolfgang Stark

Zuschauer: 39.670 (73,44 % Auslastung)

Gelbe Karten (Borussia): -

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Es ist das erste Mal seit der Abstiegssaison 1998/99, dass Borussia drei Heimspiele in Folge verliert. Damals verlor man gar vier Spiele in Folge am heimischen Bökelberg (2:3 gegen Stuttgart, 0:2 gegen Nürnberg, 2:8 gegen Leverkusen und 0:2 gegen Bayern München).

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