Wer geglaubt hatte, die Borussen-Krise sei mit dem 2:0-Erfolg in Bielefeld beendet, wurde an diesem Samstag bitter enttäuscht. Beim 0:0 gegen Alemannia Aachen knüpfte Borussia nahtlos an die schwachen Vorstellungen aus der Heynckes-Zeit an und bewies damit, dass sich die grundlegenden Probleme unseres Vereins nicht durch einen banalen Trainerwechsel beheben lassen. Selbst Manager Peter Pander wird nach dieser Partie einsehen müssen, wie fahrlässig es gewesen ist, ohne echten Stürmer in die Rückserie gegangen zu sein.

Dabei schien die Ausgangslage vor der Begegnung günstig. Der lang ersehnte Auswärtssieg sollte Selbstbewusstsein gebracht haben, während die Aachener als schwächste Rückrundenmannschaft mit der Hypothek von 0 Punkten und 9 Gegentoren aus den letzten 3 Spielen anreisten. Doch von Verunsicherung war bei den Gästen wenig zu sehen, die viel mehr als Borussia Derby-Stimmung an den Tag legten.  

Gleich zu Beginn zeigte Aachen enormes Engagement. So musste sich Keller bereits nach 3 Minuten zum ersten Mal strecken, um einen Herzig-Kopfball nach Ecke von rechts übers Tor zu lenken. Nach diesem ersten Aufreger gelangte Borussia langsam besser ins Spiel und bekam den Gegner zumindest optisch in den Griff. Marvin Compper erhielt in der 7.Minute die Gelegenheit, die so wichtige frühe Führung zu erzielen. Insua hatte ihn auf der linken Seite wunderschön frei gespielt, wo der Linksverteidiger den Ball in Ruhe annehmen konnte, ehe er aus 20m dennoch weit übers Tor zielte. Dies blieb für lange Zeit alles, was Borussia im gegnerischen Strafraum ablieferte. Mehr und mehr verflachte die Partie. Aachen war bemüht, defensiv geordnet zu stehen und keine Borussen-Offensivaktionen zuzulassen. Ein Unterfangen, das nur allzu leicht gelang. Wie schon vor 1 ½ Wochen gegen den 1.FC Nürnberg fiel Borussia kaum etwas ein, um gegen einen defensiv mehr als anfälligen Gegner Gefahr hinauf zu beschwören.
 

Nach 27 Minuten bemerkten die Aachener dies und bemühten sich, gegen einen derart harmlosen Gegner mehr als ein 0:0 zu erreichen. Jan Schlaudraff nutzte einen unnötigen Ballverlust von Eugen Polanski, der ihn aus 20 Metern zentral in Schussposition brachte. Nur mit Mühe konnte Keller den Ball noch soeben an die Latte lenken. Anstatt dies allerdings als endgültigen Warnschuss zu werten und endlich aufzuwachen, fühlten sich eher die Gäste bemüßigt, jetzt noch weitere Torchancen folgen zu lassen. Rösler verfehlte in der 32. Minute aus 15 Metern nur knapp das Tor, nachdem er zuvor Bögelund austanzen konnte.
 

In Minute 41. Borussias zweite Mini-Chance in dieser gruseligen 1. Halbzeit, bei der sich erstmals Marcell Jansen in Szene setzen konnte. Unser Nationalspieler zog aus ca. 16 Metern halblinks ab, setzte den Schuss aber zu zentral, so dass er für Straub leicht zu halten war.
 

Schon im Gegenzug wies Aachen nach, dass man in dieser Halbzeit die Chancenhoheit auf seiner Seite behalten wollte. Zunächst konterte Lehmann mit einem ähnlichen Weitschuss, den Keller nach vorne abwehrte. Kurz darauf konnte Schlaudraff auf links zunächst Bögelund und dann Gohouri ausspielen, um alleine aufs Tor zu ziehen. Sein Schuss aufs lange Eck strich nur knapp am Tor vorbei.
 Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff noch einmal Aufregung auf der anderen Seite, wo Steve Gohouri eher zufällig frei vor Straub auftauchte, nachdem Bögelund einen Ball schön in den Strafraum gegrätscht hatte. Der Ivorer war aber zu überrascht, um den Aachener Keeper ernsthaft zu prüfen. 

So blieb es zum Seitenwechsel beim 0:0, das zu diesem Zeitpunkt eher glücklich für Borussia war. Zwar lagen die Spielanteile deutlich auf Seiten der Heimmannschaft, die aber aus ihrer optischen Überlegenheit kein Kapital schlagen konnten. Dreimal konnte man sich immerhin in Tornähe vorarbeiten, ohne aber ernsthaft Torgefahr auszustrahlen. Ganz anders die Aachener, die vier Möglichkeiten aufwiesen, die allesamt hochkarätiger ausfielen als all unsere Versuche.
 

Nun hätte man Hoffnung haben können, Borussia habe nach den ersten 45 Minuten endlich erkannt, dass diese Begegnung mitnichten ein Selbstläufer werden würde, sondern man deutlich mehr Engagement für dieses so wichtige Derby hätte aufbringen müssen. Doch viel änderte sich auch nach dem Wechsel zunächst nicht. Vielmehr kamen erneut die Aachener besser aus der Kabine. Ein abgefälschter Ibisevic-Schuss landete nach 49 Minuten bei Rösler, der aus 20 Metern links am Tor vorbeischoss, damit aber nicht mehr als einen Warnschuss abgab. 
 

Jos Luhukay schien jedenfalls gewarnt und beorderte Bo Svensson für Eugen Polanski als zusätzliche defensive Absicherung ins Team. Eine Maßnahme, die greifen sollte, denn fortan war auch von Aachen offensiv nichts mehr zu sehen. Aber ein torloses Remis gegen diesen Gegner war für unsere Elf eigentlich zu wenig, so dass man sehnsüchtig auf den großen Sturmlauf wartete. Peer Kluge, der leider nicht an die starke Leistung aus der Vorwoche anknüpfen konnte, versuchte sich in der 56. Minute aus der zweiten Reihe. Sein Schuss wurde noch abgelenkt und landete so zentral in den Armen von Straub. Symptomatisch für das Spiel der Borussia, dass dies die größte Chance der ersten Viertelstunde in Halbzeit 2 blieb. Ansonsten war der Auftritt wie so oft in der Vergangenheit hilf- und ideenlos. 
 

In der 63. Minute war es dann erneut Kluge, der sich zumindest mühte, Besserung zu erzeugen. Mit einem tollen Pass in den freien Raum, spielte er Insua halblinks im Strafraum frei. Der Argentinier machte ein paar Schritte in Richtung Tor, umkurvte den Keeper, wobei er sich fairerweise nicht einzuhaken versuchte oder gar mahdavikia-like fallen ließ. Dadurch rückte er aber leider zu weit nach außen, so dass sein Schuss Richtung Torlinie nicht mehr als eine dankbare Rückgabe für die Alemannia-Abwehr blieb. 
 

Dennoch wurde Borussia jetzt endlich ein klein wenig aggressiver und bemühter, ohne dies allerdings in allzu Zwingendes umzusetzen. Luhukay versuchte mit Rafael für Compper ein offensives Zeichen zu setzen, doch der Ex-Herthaner machte in seinen knapp 25 Minuten deutlich, warum er keine ernsthafte Alternative für den Sturm darstellt. 
 

Nach 81 Minuten hatte er seine einzige Chance. Während fast alle Standards ergebnislos verpufften, konnte Insua hier einmalig Torgefahr erzeugen. Doch der leicht bedrängte Rafael drückte den Ball aus 5 Metern weit übers Gehäuse. 
 

Die beste Chance des zweiten Durchgangs blieb aber erneut den Gästen vorbehalten. Steve Gohouri knüpfte an seine Bielefeld-Leistung an, indem er über weite Strecken solide verteidigte, dann aber einen eklatanten Schnitzer produzierte und so eine Großchance hinaufbeschwor. Während Ahanfouf in der Vorwoche an seiner Unfähigkeit scheiterte, war es dieses Mal Kasey Keller, der uns vor einem Rückstand bewahrte. Nachdem Gohouri einen harmlosen Pass über sein Bein holpern ließ, stand Jan Schlaudraff auf einmal frei vor unserem Tor, war aber zu überrascht, um unseren US-Keeper zu überwinden. 
 

Das war´s in einem Spiel, das man eigentlich gerne so schnell wie möglich vergessen sollte, wenn die Konsequenzen nicht so weitreichend wären. Anstatt an diesem Wochenende einen wichtigen Schritt weg von den Abstiegsrängen zu machen, beförderte man sich noch tiefer in den Strudel. Die Siege der Konkurrenz sowie die anstehenden Aufgaben in Dortmund und  gegen Bremen sollten einem jeden deutlich machen, dass unser Pendel zur Zeit stärker in Richtung 2. Liga ausschlägt und wir dicht vor einem erneuten Super-Gau stehen.
 

Die Optimisten mögen auf das dritte Spiel ohne Niederlage und Gegentor verweisen. Doch irgendwann erscheint es fragwürdig, wenn man immer wieder jedes noch so schwache Spiel schön zu reden versucht. Während dies einigen nach der 1:3-Niederlage (!!) gegen Cottbus sowie dem trostlosen 0:0 gegen Nürnberg noch gelang, wird es nach diesem Spiel um einiges schwerer, positive Folgerungen zu ziehen. 
 

Wenn man schon daheim gegen eine Mannschaft wie Alemannia Aachen zu keiner so genannten hundertprozentigen Torchance kommt und das schwächere Team stellte, muss man sich für den weiteren Verlauf der Rückrunde arge Sorgen machen. Peter Pander wies in der Winterpause zum wiederholten Male eklatante Kompetenzdefizite nach, indem er es trotz der Neuville-Verletzung und des Sverkos-Verkaufs nicht für nötig erachtete, im Sturm personell nachzubessern. Schon während der Vorrunde war offensichtlich geworden, dass Borussia auf der Position des zentralen, torgefährlichen Stossstürmers enormen Verbesserungsbedarf besitzt, Spätestens die anhaltenden Adduktorenprobleme von Neuville zwangen hier zum Handeln. Es ist völlig egal, woran letzten Endes die Versuche gescheitert sein mögen, einen Spieler für diese Position zu verpflichten. Der Sportdirektor muss hier am Ergebnis gemessen werden, das in dieser Form absolut inakzeptabel ist und zu einem baldigen Ende auch seines Arbeitsverhältnisses bei Borussia führen muss. 
 

Kahê ist zu keiner Zeit sein Bemühen abzusprechen, doch hält er sich fast durchgängig im Mittelfeld auf, so dass wir die Partie gegen Aachen effektiv komplett ohne Stürmer absolviert haben. In Bielefeld wurde dies noch durch das dort hervorstechende Mittelfeld kompensiert. Doch das viel versprechende Offensiv-Trio Insua, Kluge und Jansen zeichnete sich schon in der Vergangenheit weniger durch eigene Torgefahr aus. Sie alle waren auch an diesem Samstag wieder höchst bemüht, fanden aber weit seltener statt als in Bielefeld. Insbesondere Jansen kam kaum ins Spiel, während Kluge und Insua in einigen Momenten ihre Klasse immerhin andeuteten. 
 

In Halbzeit 1 war Kasper Bögelund auf rechts verbessert gegenüber den letzten Spielen, während Bo Svensson nach seiner Einwechselung Ansprüche auf eine Rückkehr ins Startteam anmeldete. Der Däne könnte für die nächsten Wochen zurück in die Innenverteidigung rücken, wo er gegen Nürnberg mit Zé Antonio ein solides Duo bildete. Gohouri zeigt sich gegenüber seinem Beginn in Cottbus zwar sicherer, ist aber in entscheidenden Situationen dann doch immer wieder für eine Unsicherheit gut, was man sich auf seiner Position leider nicht erlauben kann.
 

Für die kommenden Wochen wartet einiges an Arbeit auf Luhukay, der sich insbesondere für den Sturm eine Lösung einfallen lassen muss, für die ihm leider das geeignete Personal fehlt. Es bleibt nicht viel anderes übrig, als auf eine baldige Rückkehr von Oliver Neuville zu hoffen, der nach seiner langen Auszeit hoffentlich nicht allzu lange braucht, um zu alter Top-Form zu gelangen. Wesley Sonck sollte genau hingesehen haben, wie sehr Borussia nach einem torgefährlichen Spieler lechzt. Anstatt die Schuld für die Nichtberücksichtigung bei anderen zu suchen und mit dem Schicksal zu hadern, sollte der Belgier endlich die Chance erkennen, die sich ihm trotz zahlreicher Eskapaden immer noch bietet. Nach mittlerweile über 2 Jahren, in denen der Belgier den Durchbruch nicht ansatzweise schaffte, fällt es aber schwer, die Hoffnung auf ihn weiter aufrecht zu erhalten. Bleibt noch der als vermeintlicher Stürmer verpflichtete Thygesen, der von Luhukay gegen Aachen nicht einmal eingewechselt wurde und offenbar weiter Zeit für die Eingewöhnung benötigt. Selbst wenn ihm diese bald gelingen sollte, wäre er aber angesichts seiner Torbilanz in der dänischen Liga wohl auch nicht der Spielertyp, der uns so sehr abgeht.

Borussia: Keller - Bögelund, Gohouri, Zé António, Compper (Rafael 68) – Polanski (Svensson 54), Kluge – Delura (Degen 76), Insúa, Jansen - Kahê.

Ersatz: Heimeroth - Levels, El Fakiri, Thygesen

Aachen: S. Straub - Stehle - N. Herzig, Klitzpera, Leiwakabessy - Plaßhenrich - Reghecampf (Fiel 80), Matth. Lehmann (Pinto 72) - Rösler, Schlaudraff - Ibisevic (Ebbers 83)

Tore: Fehlanzeige

Zuschauer: 52.000 (96,26 %)

Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)

Gelbe Karten (Borussia): Jansen, Rafael

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -


Besondere Vorkommnisse: Borussia blieb im 5. der 6 letzten Heimspiele ohne eigenen Torerfolg und folglich weiter ohne Heimsieg seit dem 3:1 über Wolfsburg vom 14.10.2006. Das einzige Tor, das seit diesem Spiel im Borussia-Park zugunsten der Heimelf fiel, war zudem ein Eigentor des Mainzers Demirtas. Insgesamt war das 0:0 gegen Aachen sogar das bereits 10. Spiel in dieser Saison, in dem Borussia ohne Treffer blieb. Erstmals in seiner Laufbahn als Cheftrainer war der gebürtige Mönchengladbacher und ehemalige Borussenprofi Michael Frontzeck mit einer Mannschaft bei der Borussia zu Gast.

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