Von der Mittelmeerinsel Elba aus hatte sich der 1814 abgedankte Napoleon I. im Jahre 1815 aufgemacht um erneut die Regentschaft über Frankreich zu haben. Diesen zweiten Abschnitt Napoleons an der Macht bezeichnet man geschichtshistorisch als die „Herrschaft der Hundert Tage" („Cent-Jours"), sie endete mit der Niederlage bei Waterloo. Am 13. Mai 2001 hatte sich indes Borussia Mönchengladbach durch ein 2:2 bei der SpVgg Greuther Fürth aufgemacht wieder in der 1. Bundesliga mitzumischen. Mit dem heutigen Spiel im Bruchwegstadion zu Mainz beendete die Borussia durch den vorher bereits feststehenden Abstieg nach 102 Versuchen einen Abschnitt, der in ihre Chronik analog wohl als „Qual der Hundert Auswärtsspiele" Aufnahme finden könnte.
Den heute hierbei nicht ausgelobten Blücherstern sicherte sich bei den Mainzern dabei Torjäger Mohamed Zidan, der beim Erfolg seines gastgebenden FSV an allen Toren beteiligt war.

Ohne die verletzten Kasey Keller, Sebastian Svärd, Bo Svensson, Zé António, Oliver Kirch, Michael Delura, und Oliver Neuville, sowie die nicht berücksichtigten Michael Melka, Bernd Thijs, David Degen und Wesley Sonck räumte Trainer Luhukay der Jugend ihre Chance ein und beförderte neben Marvin Compper auch Tobias Levels, Robert Fleßers und Marko Marin in die Anfangsformation. Aus ihr wich als einziger aus Leistungsgründen Hassan El Fakiri. Die Abwehr vor Torwart Heimeroth bestand aus Compper, Gohouri, Levels und Bögelund, im Mittelfeld tummelten sich außerdem Marcell Jansen, Federico Insúa und Peer Kluge. Im Anngriff verdingte sich Nando Rafael.

Mit Schwung kam die gastgebenden FSV aus den Startlöchern, die bei entsprechenden Ergebnissen auf den anderen Plätzen den Klassenerhalt noch hätten realisieren können und so war es ihr Schwung, der ihnen erste Auftritt vor dem Kasten Christofer Heimeroths bescherte (u.a. durch Zidan). Die ersten Schüsse auf ein Tor kamen dieses Mal allerdings von der Borussia und hätte Nando Rafael nicht bei einer dieser Szenen im Abseits gestanden, der von ihm dabei erzielte Treffer hätte gegebenenfalls seine Anerkennung durch den Schiedsrichter gefunden; einer der Hauptinitiatoren der Borussenangriffe in dieser Phase des Spiels war der überaus agile Marko Marin, der sich mehrfach im Mittelfeld mit gescheiten Bällen in Richtung Angriffsreihe profilierte, aber eben Pech hatte, dass insbesondere Nando Rafael stetig in die Mainzer Abseitsfalle taperte.

Konnte sich in den ersten zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten auch die mit Jugend angereicherte Defensivreihe der Borussia das eine und das andere Mal auszeichnen, war es nur konsequent, dass die ab diesen Moment die optische Überlegenheit erringenden Gastgeber ihrerseits in der 32. Spielminute von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne einen Foulelfmeter zugesprochen bekam, da Borussias Rechtsverteidiger Kasper Bögelund im eigenen Strafraum ein aus schlechtem Timing resultierendes Foulspiel erlaubte, welches den Mainzer Soto zu Fall gebracht hatte. Obgleich Christofer Heimeroth, der im Tor einen ordentlichen Eindruck hinterließ, die Ecke ahnte, in die der Mainzer Torjäger Zidan den Ball schoss, gegen den platzierten Schuß in die obere Ecke war der sich auf die untere Ecke konzentrierende Unnaer jedoch machtlos.

In den Folgeminuten nach diesem Führungstreffer der Mainzer schien es zunächst so als sollten die Gastgeber schnell einen Treffer nachlegen können. Diese Hoffnung erfüllte ihnen Heimeroth jedoch nicht. Während eines von Marin erwirkten Eckballs, der von Federico Insúa ausgeführt wurde, wäre in der 37. Spielminute die Borussia beinahe zu ihrem 24. Saisontreffer im 33. Spiel gekommen, doch einerseits parierte Torwart Wetklo den Kopfball von Nando Rafael und andererseits traf der zum Nachschuss gekommene Tobias Levels aus dreieinhalb Metern nur den Fuß von Christian Demirtas im Mainzer Trikot.
Während sich nun besonders der Mainzer Marco Rose in den Vordergrund stellte, indem er den zu Fall und zu einem Freistoß gekommenen Marko Marin so heftig am Trikot riss, dass den am Boden liegende Borusse wieder auf seine Füße stellte, dafür vom Schiedsrichter mit Gelb und von den wieder zahlreich mitgereisten Borussenanhängern mit Pfiffen bedacht wurde, vermied Borussia auf der Gegenseite lediglich mit einem Tor Rückstand in die Halbzeitpause zu gehen.

Erneut über den ballgewandten und zielgerichteten Zidan kam die Mainzer an und in den Borussenstrafraum, eine Körpertäuschung weiter hatte Zidan Gohouri irritiert und den Ball Soto überlassen, der mit einem beherzten Torschuß nur das Gebälk des Borussentores traf, das Christofer Heimeroth zwecks Winkelverkürzung gegenüber Soto verlassen hatten. In Heimeroths Rücken sprang der Ball von der Torstange in das Feld zurück und während sich Tobias Levels noch in Richtung des den abprallenden Ball mit dem Kopf nehmenden Ruman bewegte, blieb der zuvor neben Ruman stehende Robert Fleßers stehen. Er half so nicht den zweiten Mainzer Treffer zu verhindern und er ruinierte sich mit diese Inaktivität eigentlich auch eine persönlich sehr ordentliche erste Spielhälfte.

Aus der Halbzeit kam die Borussia mit Moses Lamidi für Federico Insúa und einem Freistoß von Marko Marin (48.), der am Tor vorbei ging. Schiedsrichter Kinhöfer beendete seine Pause in der 49. Spielminute mit der Gelben Karte für Steve Gohouri, seine fünfte im laufenden Wettbewerb.

Mit der doch beruhigenden Führung im Rücken und mit einer Borussenmannschaft vor der Brust, die über die gesamte Saison hinweg und seit Jahren auf fremdem Platz keine sonderliche Torgefahr entwickelt hat, ließen es die Hausherren im zweiten Durchgang gemächlich angehen. Den 20.300 Zuschauern im ausverkauften Mainzer Stadion bot sich in den folgenden Minuten nicht unbedingt ein Spiel auf höherem Niveau. Ein paar Einzelaktionen hüben, vor allem wenn an ihnen Mohamed Zidan Beteiligung hatte, ein paar saubere Pässe bei der Borussia. Das Spiel driftete richtig stark in Richtung extrem seichte Unterhaltung und dennoch wäre in der 59. Spielminute der eingewechselte Moses Lamidi für seine Agilität fast belohnt worden. Von Peer Kluge war er recht frei vor dem Mainzer Keeper angespielt worden, doch benötigte der A-Juniorenstürmer zu viele Sekunden um den Ball unter seine Kontrolle zu bringen. Das nutzte Wetklo um die Situation unter seine Kontrolle zu bringen und Lamidi den Torerfolg zu vermiesen.

Acht Minuten später war es infolge einer Ecke von der rechten Angriffsseite der Borussia erneut der aktive Moses Lamidi, der versuchte ein Tor für die Borussia zu erzielen. Sehenswert war sein Volleyschuß ja, jedoch fehlte es ihm an der nötigen Kraft um aus fünfundzwanzig Metern halbrechts dem Ball die für eine echte Chance nötige Geschwindigkeit zu geben. So blieb es ein dankbarer Ball für Christian Wetklo.

Undankbar war es indes für Christofer Heimeroth, fünf Minuten später. Borussias Schlussmann musste zu diesem Zeitpunkt den Ball erneut und zum dritten Mal am heutigen Tage aus den Maschen holen. Ausgegangen war die Situation wieder von dem für Ägypten spielenden Zidan, der im Mittelfeld den Ball an sich genommen hatte und mit ihm so weit und deutlich Richtung Borussentor gelaufen war, bis sich die Borussendeckung um Gohouri, Levels und Compper überdeutlich in seine Laufrichtung verschob. Hier passte Zidan flach auf die rechte Seite, auf der Markus Feulner mitgelaufen war und nach Erhalt des Flachpasses das Spielgerät auch in flach in die linke Hälfte des Tornetzes unterbrachte. Drei zu Null für die Gastgeber, deren Fans in diesen Minuten mit der für sie frohen Kunde aus Aachen beglückt wurden, wo sehr zu ihrer Freude die Aachener Alemannia mit 2:0 in Führung gegangen war.

Achtzehn Minuten galt es für die Gastgeber noch gefahrlos zu überstehen und - um es vorweg zu nehmen - es gelang ihnen mit der bei Gastspielen der Borussia in den letzten Jahren auf fremdem Platz durch sämtliche Gastgeber meist gezeigten Selbstverständlichkeit. Mainz verwaltete die Führung geradezu im Handumdrehen, dazu war Borussias Offensivspiel wesentlich zu ungefährlich, hätte durchaus selbst aber noch ein Tor erzielen können, eine dieser Möglichkeiten vergab Torschütze Feulner aber.

Als der mit Abstand beste Spieler auf dem Platz, Zidan, von Standing Ovations begleitet von selbigem ging, war dann auch die Mainzer Welt noch in Ordnung. Eine komfortable eigene Führung gegen einen waffenlosen Gast aus Mönchengladbach und das Wissen, dass Abstiegskonkurrent Aachen mit eigener Führung gegen Abstiegskonkurrent Wolfsburg die Mainzer Hoffnungen auf den Klassenerhalt nicht nur auf das Torverhältnis reduzierte; Chronisten schrieben die 84. Spielminute.

Zwei Zeigerumdrehungen später war dies Makulatur, der Ausgleich aus Aachen durch den Wolfsburger Klimowicz dem weltempfängergestählten Publikum bekannt. Entsprechend sank die Stimmung auf den Rängen, wich sie einer messbaren Niedergeschlagenheit, die an so letzten Spieltagen richtiggehend üblich ist, wenn das eigene positive Resultat am Schicksal des eigenen Klubs nicht mehr viel ändert. Und so war dem Publikum in Mainz, eher noch als vereinzelten Spielern, beim Abpfiff von Schiedsrichter Kinhöfer bereits deutlich, dass trotz des Sieges die Klasse unerhaltbar geworden war. Unmittelbar später erfuhren dann auch die Mainzer Spieler, dass sie auch in der kommenden Saison gegen die sich mit einer Art Butterfahrtmentalität von der Auswärtsbühne 1. Bundesliga (vorerst?) verabschiedende Borussia werden anzutreten haben.

Aus Mönchengladbacher Sicht ist durch den Spielverlauf, und vor dem Hintergrund der an dieser Stelle im Verlauf der Saison oft wie erheblich wiederholten Klagelieder über die Mentalität innerhalb der Mannschaft der Borussia, deutlich, dass es in dieser Form in der 1. Fußball-Bundesliga keine Punkte zu erzielen gibt.Es ist aber gerade durch den längst feststehenden Abstieg dann auch müßig, diese Seufzer und Jammerlaute an dieser Stelle zu repetieren. Wenn man kein Tor schießt und gern auch mal einen Konzentrationsfehler oder zumindest ein dummes Foul in seine Darbietung einstreut, dann kann man ein Spiel nicht gewinnen. Egal dabei ist, ob man sich darin daheim oder auswärts übt.

Borussia steigt ab und das ist nicht nur verdient, das ist auch in Ordnung so. Die spannende Frage ist vielmehr, ob es der Borussia (im Gegensatz zu Napoleon I.) nach diesen über hundert quälend erfolglosen Auswärtsspielen erlaubt sein wird noch einmal aus dem Exil auf die große Bühne zurückzukehren. Macht eine vom Verein finanziell ausgehaltene Kombo in der Art und Weise weiter, in der sie diese ehrenvolle Gelegenheit, in der 1. Fußball-Bundesliga um Punkte kämpfen zu dürfen, in all den letzten Jahren konsequent verschmaddert hat, wird es diese Form der Möglichkeit nicht mehr geben.
 
Mainz: Wetklo - Demirtas, M. Friedrich, Noveski, Rose - L. Andreasen - Feulner, Pekovic, Soto (F. Gerber 83) - Zidan (Szabics 84), Ruman (Amri 75)  

Borussia
:  Heimeroth - Bögelund, Gohouri, Compper, Levels - Fleßers - Kluge, Insua (Lamidi 46), Marin, Jansen - Rafael.

Ersatz: Löhe - Polanski, Thygesen, Baumjohann, El Fakiri, Kahê.

Tor
: 1:0 Zidan (32., Foulelfmeter), 2:0 Ruman (45.), 3:0 Feulner (72.)

Zuschauer
:  20.300 (ausverkauft)

Schiedsrichter
:  Thorsten Kinhöfer (Herne)

Gelbe Karten (Borussia)
: Lamidi, Kluge, Rafael (5)

Gelb-Rote Karten
: -

Rote Karten
: Gohouri (87.)

Besondere Vorkommnisse: Das heutige Auswärtsspiel der Borussia war das 102. und letzte Auswärtsspiel der Episode zwischen dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 2001 und dem diesjährigen Wiederabstieg. Borussia erreichte dabei 10 Siege, 28 Remis und 64 Niederlagen bei einer Torausbeute von 83:189 Toren. Die Siegwahrscheinlichkeit Borussias auf fremdem Platz lag damit bei drolligen 9,80 Prozent; verloren hat sie hingegen 62,74 Prozent ihrer Spiele in diesem Zeitraum. Durch die Rote Karte aus der 87. Spielminute wurde Steve Gohouri in seinen letzten beiden aufeinanderfolgenden Spielen für Borussia jeweils vorzeitig vom Platz gestellt, die Schiedsrichter Kinhöfer und Fandel sprachen diese persönliche Strafe dabei stets in den letzten 3 Spielminuten gegen den Ivorer aus. Nach Abschluß der 17 Auswärtsspiele der Saison 2006/07 war eine Besucherzahl von insgesamt 683.613 Zuschauern, das macht pro Auswärtsspiel etwa 40.212 Zuschauer und bedeutet einen Rückgang im Vergleich zur Vorsaison. Damals sahen Borussia auswärts durchschnittlich 41.714 Zuschauer. Unter den Zuschauern war mit Dr. Theo Zwanziger auch der DFB-Präsident, der Borussenfan ist zudem Mitglied in beiden Vereinen. Bereits das vorige Spiel Borussias, das Remis gegen den FC Bayern München, hatte der Dr. Zwanziger von der Tribüne aus verfolgt.

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