Was durch einen Heimsieg am 20. Mai 2001 endgültig eingeleitet worden war, wurde am heutigen 19. Mai 2007 definitiv zu Ende gebracht: Borussia zweite Zugehörigkeit zur 1. Fußball-Bundesliga. Mit dem zweitschlechtesten Wert bei den erzielten Toren in der Ligageschichte und den zweitwenigsten Gegentoren aller Bundesligaabsteiger sicherte sich die Elf von Trainer Jos Luhukay deshalb für die kommende Saison folgerichtig auch einen Platz in der zweitbesten Liga der Republik. Das heute die Saison beschließende Heimspiel gegen den VfL Bochum verlor sie standesgemäß mit 0:2 (0:1).

Zwei Veränderungen nahm Trainer Jos Luhukay in der Startformation vor, beide waren aufgrund von Sperren nötig geworden. Für den rotgesperrten Steve Gohouri begann Zé António in der Innenverteidigung, für den gelbgesperrten Nando Rafael firmierte Kahê in der Sturmspitze.

Bis zum Bochumer Führungstreffer in der 24. Spielminute durch Christoph Dabrowski, der sich recht früh eine Verwarnung des emsigen Dr. Merk zugezogen hatte, war es vornehmlich die Borussia, die in Ballbesitz versuchte in Richtung des Tores des Gegners zu spielen. Die Bochumer hatten sich dabei in erster Linie Schussversuchen wie dem des Marcell Jansen zu erwehren, der unmittelbar nach Spielstart aus gut 25 Metern den Ball an das Außennetz beförderte. In den besagten Minuten bis zur Bochumer Führung zeigte sich die Borussia durchaus spielfreudig, im Mittelfeld harmonierten beispielsweise Federico Insúa und Marko Marin miteinander, doch in der Spitze blieb die Borussia vorwiegend harmlos. So erreichte Kahê selten den steil gespielten Ball, der ihn vor des Gegners Tor einsetzen sollte, und die Borussia musste warten, bis Marko Marin - eingesetzt von Marcell Jansen und Federico Insúa - mit einem hernach abgefälschten Schuss auf das Tor von Jaroslav Drobny eine nennenswerte Situation hatte. 

Fünf Minuten vor der Bochumer Führung durch Dabrowski (der geistesgegenwärtig in einen Flankenball schnellte und dabei davon profitierte, dass Marcell Jansen ihm nicht ausgiebig genug gefolgt war, weil er meinte, innerhalb des Strafraums obliege es zuvorderst Bögelund Dabrowski in Schach zu halten) hatten die Westfalen bereits die Möglichkeit zur Führung gehabt, Misimovic Gekas gesucht, doch Tobias Levels war noch auf dem Posten gewesen und hatte den drohenden Rückstand verhindern können. Nach dem über die rechte Angriffsseite erzeugten Treffer für Bochum verflachte das Borussenspiel zusehends, so dass der von Drobny nur unzureichend gesicherte Torschuss Kasper Bögelund nach etwa 35 Spielminuten einen Höhepunkt in den verbliebenen Minuten bis zum Halbzeitpfiff wurde. Der Borussia, der man in den ersten 23 Minuten der Partie noch abnehmen konnte sich vernünftig aus der katastrophal gelaufenen Spielzeit zu verabschieden, gelang es immer weniger ihre offensichtlichen Defizite zu kaschieren und zum Ende der ersten Halbzeit wurde ihr Tabellenplatz immer offensichtlicher.

Nach dem Pausentee in den Katakomben der Hennes-Weisweiler-Allee deutete sich zunächst wieder der Willen der Borussenelf an sich ordentlich und vernünftig aus der Saison zu verabschieden. Mitunter wurde gerade in der Anfangsphase dieser Spielhälfte der Ball auch schon einmal wirklich energisch in Richtung des Tores der Bochumer getragen, doch mehr als eine gefühlte Torgefahr war die Elf von Jos Luhukay nicht in der Lage zu entwickeln. Federico Insúa und Marko Marin, der sich redlich bemühte den Ball in die Spitze zu befördern, scheiterten weiterhin fortwährend an der existenten Behäbigkeit an und innerhalb des Strafraums. Dort probierte sich in den ersten 12 Minuten mit Kahê auch noch einer von den beiden treffsichersten Borussen in dieser jämmerlichen Spielzeit um die Umsetzung von Torgefahr, doch zu mehr als einem ausgehungerten Schuss in Richtung Drobny in der 55. Spielminute war der brasilianische Angreifer schlicht nicht in der Lage; möglicherweise der Hauptgrund, weshalb ihn Luhukay nach 57 Minuten gegen den Bundesligadebütanten und U23-Torjäger René Schnitzler tauschte.

Auch mit diesem auf dem Feld wurde die Borussia nicht exponentiell torgefährlicher. Ihre ganze bereits angedeutete Jämmerlichkeit kam in diesen Minuten sehr gut bei einem Eckball zum Ausdruck, bei dem der Ball vor die Füße der gestaffelt nebeneinander postierten Marcell Jansen und Peer Kluge landete, beide Leistungsträger sich aber nicht entscheiden konnten wer diese günstige Gelegenheit mit einem Torschuss nutzen müsste und als Resultat dieser Zaghaftigkeit nur einen harmlosen Roller produzierten, den abzuwehren für die Bochumer Defensive kein Problem darstellte.

Während die Bochumer in der 70. Spielminute ihren im Saisonverlauf bisher ungebrauchten Mittelfeldveteranen Dariusz Wosz für den zusammen mit Peer Kluge zum 1. FC Nürnberg übertretenden Misimovic auf das Feld schickten und René Schnitzler sich in der Spitze der Borussia redlich mühte, verflachte das Spiel wieder deutlicher. Bei Mannschaften, die ein hohes Tempo anschlagen und dennoch mit der Zeit einen Niveauverlust nicht verhindern können, heißt es oft sie hätten dem enormen Anfangstempo Tribut zollen müssen. Das Tempo dieses Spiels war aber zu keinem Zeitpunkt derart hoch, dass man zum Beispiel der Borussenelf dies als eine Art Vorwand effektiv zugestehen darf. Eher darf man bezweifeln, dass die in dieser Saison über Wohl und Wehe bereits ausgiebig entschieden habende Motivation bzw. Eigenmotivation letztlich doch auf den üblichen aber dennoch kümmerlichen Rest absank. Ein Rest, der das Borussenspiel zwar optisch kollabieren sah, jedoch wenigstens verhinderte, dass die Borussenspieler selbst noch den Schein wahrten und eben ein Mindestmaß an Bereitschaft aufbrachten sich auf den Beinen zu halten.

Unterschlagen sei keinesfalls der appetitanregende Schlenzer Federico Insúas aus etwa 20 Metern, der in der 74. Spielminute links am Gehäuse des VfL Bochum vorbeischnellte, unterschlagen seien auch die restlichen Wechsel nicht. Für den auffälligen Marko Marin kam nach 79 Spielminuten Alexander Baumjohann zu seinem dritten Saisoneinsatz und für den scheidenden Peer Kluge - der wie auch der verletzte Torwart und Mannschaftskapitän Kasey Keller sowohl vor, als auch nach dem Spiel erhebliche Ovationen des Publikums geradezu genießend in Empfang nehmen konnte - in der 87. Spielminute U21-Nationalmannschaftskapitän Eugen Polanski.

Ebenfalls nicht unterschlagen sei das letzte Tor des Spiels, vor allem nicht, da es dem bereits erwähnten Wosz in seinem 324. und letzten Bundesligaeinsatz gelang. Der Bochumer Altvordere, der seine Karriere mit dem Saisonende beschließt, wurde an der rechten Strafraumkante von dem ebenfalls eingetauschten Pavel Drsek in Szene gesetzt und lief in abwartender Haltung mit dem Ball am Fuß so lange quer, bis ihm die Abwehr der Borussia eine Lücke anbot, durch die hindurch er den Ball an Christopher Heimeroth vorbei zum zweiten Tor des Spiels und zum 44. Gegentor dieser Borussensaison in das Netz beförderte. Anschließend blieb dem sich für einen Profifußballer in einem greisen Alter und gleichwohl auch Fitnesszustand befindlichen ehemaligen Hallenser und Herthaner die Gelegenheit sich vor dem mitgereisten Anhang der Westfalen für diese Tat bejubeln und feiern zu lassen.
Acht Minuten später betätigte Schiedsrichter Dr. Markus Merk aus der Nähe von Kaiserslautern seine Pfeife zum letzten Mal und beschloss somit um 17:17 Uhr die Saison und den sechsjährigen Aufenthalt der Borussia in der 1. Fußball-Bundesliga.

Über das Resultat des Spiels gibt es keinerlei Diskussionen. Fünfundzwanzig ansehnliche Minuten in der ersten und etwa siebzehn akzeptable Minuten in der zweiten Spielhälfte sind unzweifelhaft zu wenig, um Konkurrenzfähigkeit mehr als nur anzutäuschen. Seit dem Treffer Andriy Voronins in der Nachspielzeit im Auswärtsspiel in Leverkusen, bei noch acht ausstehenden und 24 zu vergebenden Punkten - so scheint es im Endeffekt - hatte sich der überwiegende Teil der von Borussia entlohnten sportlichen Belegschaft quasi aufgegeben. Auch Trainer Luhukay ist es in dieser Phase nur sporadisch gelungen den zuvor bereits durch fatal fehlgeleitete Motivationen im Grunde dann endgültig verschluckten Ehrgeiz aufzuwecken, die spielende Belegschaft aufzurütteln. Heraus kamen eine gute Halbzeit gegen Hamburg, eine akzeptable gegen München und zweimal gute fünfunddreißig Minuten gegen Stuttgart und Bochum. Ganze zwei Pünktchen von immerhin 24 möglichen ergatterte die Mannschaft deshalb bloß und trägt daher auch die Hauptverantwortung dafür, dass der finanziell gesunde Verein sportlich vor einem Scherbenhaufen und der so penibel auf die Wahrung der Reputation bedachte Jos Luhukay extremst unter Druck steht; für den in der Öffentlichkeit oftmals als liebenswert knuffig umrissenen Venloer, der auch heute wieder kaum eine Gelegenheit ausließ für die kommende Spielzeit Erwartungen zu wecken, ist mit dem Schlusspfiff eine Zeit angebrochen, in der er all die gemachten Versprechungen und effektiven Ausreden, weshalb er trotz hinreichender Möglichkeit den aktuellen Kader nicht vor dem Absturz hatte bewahren können, unvermittelt auf das sprichwörtliche Butterbrot geschmiert bekommt.

Das von einigen Anhängern ins Stadion mitgebrachte Plakat („Ihr habt uns den Himmel versprochen, ...") ist Ausdruck dessen, was in erster Linie den Niederländer nunmehr erwarten muss, sollte die von ihm so partout beworbene Borussia 2007/2008 auch nur in Bruchteilen an die in peinlichem Unwillen ihren Dienst schiebende Ausgabe dieser Saison erinnern. Und dabei darf auch in keinem Fall missachtet werden, dass der ultimativste Maßstab der kommenden Saison der zu erzielende sofortige Wiederaufstieg ist.

Ganz schön viel auf einmal, richtig. Aber wer sich der einfacheren Aufgabe verweigert, muss die schwierige halt mit entsprechender Bravour meistern.

Borussia:
Heimeroth - Bögelund, Levels, Zé Antonio, Compper - Kluge (Polanski 87), Fleßers, Insúa, Marin (Baumjohann 79), Jansen -  Kahê (Schnitzler 57)

Ersatz: Löhe - Svensson, Kirch, Thygesen.

VfL Bochum: Drobny - Maltritz, Yahia, P. Bönig, O. Schröder, Zdebel, Dabrowski (Drsek 75), Misimovic (Wosz 70), Epalle, Grote (Ilicevic 62), Gekas

Tore: 0:1 Dabrowski (24.), 0:2 Wosz (82.)

Zuschauer: 50.001 (92,56 %)

Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (Otterbach)

Gelbe Karten (Borussia): Levels, Kluge, Insúa

Gelb-Rote Karten: -

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Vor der Partie verabschiedete Borussia jene Profis, die den Verein mit dem Ende der laufenden Saison definitiv verlassen werden. Unter ihnen Mannschaftskapitän Kasey Keller und sein Stellvertreter Peer Kluge. Zu seinem Bundesligadebüt kam während des heutigen Spiels U23-Akteur René Schnitzler (*14. April 1985). Mit dem heutigen Spiel ist Borussias zweiter Bundesligaabstieg wirksam geworden, wie beim ersten Abstieg 1999 beschloss sie die Spielzeit auf dem letzten Tabellenrang (damals gewann sie zwei Partien weniger und hatte 21 Zähler bei 41:79 Toren). Durch ihre in dieser Saison 23 erzielten Tore und ihre 44 kassierten Treffer reihte sich Borussia an jeweils zweiter Position unter allen bisherigen Bundesligaabsteigern ein. Nur Tasmania 1900 Berlin (1965/66, 15) traf, nur der 1. FC Kaiserslautern (1995/96, 37) kassierte als Absteiger weniger Treffer als Borussia. Die 23 erzielten Treffer (darunter ein Eigentor des Mainzers Christian Demirtas und ein Elfmeter (Oliver Neuville am 1. Spieltag)) sind zugleich absoluter Vereinsnegativrekord in ihrer Bundesligageschichte. Bisher erzielte Borussia in der Saison 2004/2005 mit 35 Toren die wenigsten Treffer, davor waren 37 Tore in der Fastabstiegssaison 1989/90 ihre geringste Ausbeute. In insgesamt 204 Partien seit dem Juli 2001 ging Borussia bei einem negativen Torverhältnis von -68 (224:292 Tore) 54 Mal als Sieger und 62 Mal mit einem Unentschieden vom Feld; 88 Spiele dieser Zeit verlor sie, davon allein 64 auf des Gegners Platz. In Heimspielen trug sie 44 Mal den Sieg davon und behielt bei einem Torverhältnis von +38 (141:103 Tore) 34 Mal einen Zähler in ihrem Gepäck.
Mit im Durchschnitt 47.587 Zuschauern pro Heimspiel konnte Borussia in dieser dritten Saison an der Hennes-Weisweiler-Allee an den Spieltagen die wenigsten Zuschauer seit Eröffnung des neuen Stadions zur Saison 2004/2005 begrüßen. Nur gegen den Hamburger SV am 29. und gegen Bayern München am 32. Spieltag meldete Borussia ein ausverkauftes Haus; die 39.670 Zuschauer beim Heimspiel gegen Hannover 96 am 13. Spieltag war die bislang niedrigste Zuschauerzahl in einem Heimspiel in ihrem neuen Stadion.

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