Es ist das Spiel der Neunzehn. Der „19-Stunden-Tabellenführer" vom vergangenen Wochenende reist zum Auswärtsspiel beim SV Werder Bremen, bei dem er seit, genau, exakt 19 Jahren nicht mehr gewinnen konnte. Ähnlich wie Borussias Bilanz beim alten Erzrivalen aus der bayerischen Landeshauptstadt, in dessen zwischenzeitlichem Domizil Olympiastadion man nur ein einziges Mal hatte siegen können, gab es in dem kleinsten Staat der Bundesrepublik für die Borussia seit ewigen Zeiten nichts Zählbares mehr. Immer kehrte man heim und war oft froh, wenigstens nicht hoch verloren zu haben. Dann kramte man stets in der Erinnerung und erzählte sich vom letzten Auftritt des Jupp Heynckes als Borussentrainer in Bremen. Und da jener Trainer die Borussia erstmals wieder bei einem Auswärtsspiel in der Hansestadt betreuen wird, wird auch der Strohhalm deutlich, unter dessen Stern man in diesem Jahr zu dieser Partie gen Bremen aufbricht.

Borussia  

Immerhin gut die Hälfte - genau 47,4 Prozent - derjenigen, die im Laufe der Woche an der jüngsten SEITENWAHL-Umfrage teilgenommen haben, erklärten, dass sie der Mannschaft die „Scheißleistung" (Marcell Jansen) vom Spiel zuvor bei Alemannia Aachen trotz des Sieges über Dortmund noch nicht vollständig nachsehen möchten. Trainer Heynckes hat es da einfacher. Aachen war zwar auch schon die zweite Ligapleite nach seinem Wiederantritt bei der Borussia, die ordentliche Leistung bei der ersten Saisonniederlage in Nürnberg hat ihn aber dazu angehalten in Bezug auf das Aachen-Spiel von einem „Betriebsunfall" zu sprechen. Und das ist eben aus seiner Sicht wesentlich einfacher als für die vielen Borussenanhänger, die nun schon seit Jahren auf die Normalisierung der Leistungen in der Fremde durch die Borussia warten und im regelmäßigem Abstand immer wieder neu von der Elf enttäuscht werden. Manch ein Anhänger möchte sich gar nicht ausmalen zu welchen Höhenflügen die Elf theoretisch schon hätte ansetzen können, würde sie auf fremdem Geläuf nicht so brutal die Courage und die Idee des erfolgreichen Mannschaftsspiels vermissen lassen. Andererseits muss man so auch stets vor möglichen Heimniederlagen warnen, die die Borussia bei anhaltender Auswärtsschwäche im Grunde automatisch in den Abstiegskampf stoßen würden. 

Borussias Defensive  

Zuhause hui, auswärts pfui. Alle fünf Gegentore kassierte die Borussia fernab ihrer geliebten Heimspielstätte und leitete, bei ihren ersten beiden Auftritten in der Fremde in dieser Saison, jeweils durch frühe Unachtsamkeiten während der Anfangsphase ihre Niederlage ein. War es in Nürnberg noch eine Zuordnungsfehler, resultierte der verhängnisvolle Elfmeterpfiff in Aachen aus einer Bewegung zum Ball. Gerade während dieses Spiels wurde überdeutlich, dass die Defensive vor allem Abstimmungsschwierigkeiten plagen. Das zweite Tor der Aachener in jenem Spiel, als sich Borussias Torwart Keller und Borussias Abwehrspieler Zé António nicht aufeinander verlassen wollten, sondern sich ohne funktionierende Absprache gegenseitig aus der Situation nahmen, deutete darauf.

Dennoch, der Amerikaner und der Portugiese sind neben Bo Svensson Fixpunkte in der Defensive, die durch Nationalspieler Marcell Jansen auf der linken und höchstwahrscheinlich Oliver Kirch auf der rechten Außenverteidigerposition angereichert wird. Als Alternative würden sich hier theoretisch der zuletzt angeschlagene Belgier Filip Daems und der routinierte Däne Thomas Helveg anbieten, doch ist nicht davon auszugehen, dass sie - oder Jungprofi Tobias Levels - anstelle der im Heimspiel gegen Dortmund doch überzeugenden Außenverteidiger zum Zuge kommen könnten. 

Borussias Offensive  

Defensiv bereits in Bestbesetzung, liegt in der Offensive der Borussia noch so manche Brache. Hier tummeln sich die meisten Verletzten, wie etwa die zuletzt im Krankenstand befindlichen David Degen und Wesley Sonck, hier durchlebt Federico Insúa seine Anpassungsschwierigkeiten. Hier siecht aber auch der ob Achillessehnenschmerzen ausfallende Oliver Neuville, durch seine Spielweise eigentlich prädestiniert für Auswärtspartien, vor sich hin. Der in der Nationalmannschaft zum „Held von Dortmund" aufgestiegene - dort sicherte er sich im Frühjahr sein WM-Ticket gegen die USA, dort verzückte er im Juni ein ganzes Land mit seinem Tor gegen die Polen - befindet sich in einer wesentlich handfesteren Formkrise als der von den Boca Juniors verpflichtete und es mutet schon zuvorkommend an, dass der Boulevard sich zwar an den natürlichen Anpassungsproblemen Insúas in seiner unnachahmlich schäbigen Art und Weise ergötzt, Borussias besten und wichtigsten Stürmer der letzten zwei Jahre aber in Ruhe an sich arbeiten lässt.

Wer aber auf die Idee kommt, jene, durch ihre Arbeitsweise, den (Aas-)Geiern ähnlichen täten dies weil sie (nicht zuletzt aus ihrer eigenen aktiven Laufbahn heraus) nur zu gut noch wissen werden, dass ein Spieler auch Leistungsschwankungen unterlegen ist, der wird sich damit abzufinden haben, dass Neuvilles Formtief nur deshalb kein Thema ist, weil sich Kahe durch zuletzt vier Tore in ebenso vielen Bundesligaspielen nicht nur seinen Zirkumflex auf dem „e" quasi Stück für Stück von uns zurück holt, sondern weil der Hobby-Trophologe zumindest vorübergehend der treffsicherste Angreifer der gesamten Liga ist und man als Boulevardmann mit der Wiederkäuung jener „Auferstehung" all diese irrelevanten Groschengeschichtchen produzieren kann, die die Chefredaktion während der Woche von einem erwartet.

Durch den Ausfalls Neuvilles, den die Borussia letztlich nicht verhindern konnte, werden die Überlegungen von Jupp Heynckes hinsichtlich Michael Deluras Einsatz sicher konkreter. Jener hatte durch seinen starken Auftritt gegen Dortmund Ansprüche auf einen Platz in der Startformation unterstrichen. Entscheidet sich Heynckes zudem für den nach seiner Auffassung zuletzt ebenfalls verbesserten Vaclav Sverkos, wäre allerdings die Frage für welchen Akteur der Startformation er dies noch tun sollte, denn Federico Insúa ist dafür wesentlich zu wichtig und Hassan El Fakiri hat gegen die Westfalen ein ordentliches Spiel geliefert. Es bliebe wohl einzig Eugen Polanski, der sich zur Zeit selbst zu stark unter Druck setzt und infolge dieser übertriebenen Erwartung auf dem Spielfeld immer blasser und durchschaubarer verfährt. Schon die Partie in Aachen, als er mit einer bedenklichen Nonchalance verlorenen Bällen nicht nachsetzte und sich ansonsten geflissentlich mit dem Schinden von „Kann, muss aber nicht"-Standardsituationen die Zeit vertrieb, bot im Grunde ausreichend Anlass den Viersener mit einer Verschnaufpause zu bedenken.

Der Gegner aus Bremen  

Drei Aufgaben waren es, denen man sich am Weserufer in dieser Saison wieder widmen durfte. Einerseits der Herausforderung im DFB-Pokal - die man durch eine Niederlage beim FK Pirmasens verwirkte - und jenen beiden Chancen auf einen Titel in der nationalen wie internationalen Meisterschaft. Auch wenn die Bremer gerade in der Champions League nicht gerade eine innige Duzbekanntschaft mit dem Losglück vollführten, Partien gegen den FC Barcelona und den Ballack-Verein Chelsea London sind in jedem Falle tauglich das internationale Renommee auf Vordermann zu bringen, zumal Werders vorletzte Champions League Saison mit einem 2:7-Debakel bei dem, in Deutschland weiterhin zu Unrecht nicht als internationalen Spitzenklub empfundenen, ehemaligen Klub von Giovane Elber - Olympique Lyon - endete. In Werders Alltagsgeschäft, der Bundesliga, gibt es ohnehin nicht allzu viele echte Herausforderungen für eine Mannschaft, die mittels kaufmännischem Sinn (Geschäftsführer Allofs) und sporttaktischer Weitsicht (Trainer Thomas Schaaf) in dieser Saison nicht nur zu den Mitfavoriten um die Meisterschale, sondern nicht allein beim Autor dieses Vorberichts als glasklarer Favorit gilt.

Jahr für Jahr beweist die meist lobenswert entspannt agierende Führung der Norddeutschen auf finanzieller wie sportlicher Ebene eine Fachkompetenz, von der ein riesengroßer Teil der restlichen Liga sich gerne eine dicke Scheibe abschneiden könnte. Fast eine ganze komplette Mannschaft hat man dem Trainer Schaaf schon genommen - beginnend bei Torhüter Rost über eine Innenverteidigung mit Ismaël und Krstajic, ein Mittelfeld um Frings, Ernst und Bode (Karriereende), bis hin zum einem Paradesturm mit Ailton und Pizarro - und immer immer wieder hatte Werder kostengünstig Ersatz an der Hand der mit ein paar wenigen Tagen Mannschaftstraining so gut in den verbliebenen Kader eingegliedert werden konnte, dass nicht nur der Verein am Ende ein paar Millionen Euro mehr auf dem Konto hatte, dass vor allem die Mannschaft stärker als ihre Vorgängerelf war.

Während sich an anderen Schauplätzen der Liga Vereine vermeintlich in der Spitze wähnen und für ein paar Pünktchen mehr am Saisonende ihre langfristige Handlungsfähigkeit bereitwillig in Frage stellen oder einfach dazu übergehen, ob ihrer vermeintlich unantastbaren Sonderstellung („Mir san mir!") in der Liga, den Umstand zu beweinen, dass man im europäischen Fußball eher eine Art VfL Bochum sein darf, in Bremen war man noch nie unvorbereitet auf den möglichen Abgang eines Schlüsselspielers und wies somit kontinuierlich eine Kompetenz nach, die von eben jener bewundernswerten Gelassenheit erzählt, die echte Qualität und Kompetenz ausmacht. Werder Bremen hat den relativ grauen Platz in der Fußballwelt, der dem Verein trotz allem Glanz weiterhin lediglich übrigbleibt, nicht nur vollständig akzeptiert, sondern auch seit einigen Jahren begonnen mit ihm sukzessive zu kokettieren. Auch gute Spieler wissen, dass sie in Bremen sicher weniger verdienen können als anderswo in Deutschland oder in Europa. Sie wissen mittlerweile aber auch, dass der Spatz in der Hand in diesem schnelllebigen Geschäft oftmals doch besser ist als die „Taube auf dem Dach". So kehrte ein Torsten Frings schlussendlich zurück, so entschied sich ein Mertesacker letztendlich für den SV Werder.
 
Es ist jene Vernunft und diese Geduld. Sie regieren bei Werder, sie werden durch Werder auf allen (auch sportlichen) Ebenen beispielhaft vorgelebt und geben jedem Verein ein taugliches Vorbild ab; es mag konservativ sein und altmodisch klingen, aber langfristiger Erfolg braucht so langfristige Konzepte wie Werder Bremen. 

Bremer Defensive  

Wie üblich, besteht auch bei Werder Bremen die Defensive aus mehr als dem Torwart und zwei zentralen Stoppern. Auf der Torwartposition beschäftigt der SV Werder, wie jede europäische Mannschaft von Format, mehrere Alternativen. Neben Borussias ehemaligem Jugendspieler Christian Vander, der allerdings nur eine untergeordnete Rolle als 3. Mann spielt, konkurrieren der Veteran Andreas Reinke und der häufig hochmütig wirkende Tim Wiese um den Platz im Gehäuse. Der ehemalige U21-Nationaltorhüter hat sich dabei im letzten halben Jahr einen Vorsprung erarbeitet und ihn trotz seiner fortdauernden Anfälligkeit für „billige" Konzentrationsfehler, seiner unbestrittenen Strafraumdefizite und seinem latenten Hang zum unnötig Spektakulären bislang nicht eingebüßt. Schade blieb für seinen Konkurrenten Reinke dabei, dass dieser Wiese seinen angestammten Platz im Tor ob seiner hässlichen Gesichtsverletzung aus dem letzten Winter quasi kampflos übergeben musste. 

Auf der rechten Abwehrseite Werders konkurrierten in der vergangenen Saison der deutsche Nationalspieler Patrick Owomoyela, ein dynamischer wie geschmeidiger Offensivverteidiger, und sein finnisches Pendant Petri Pasanen - im Gegensatz zu Owomoyela eher der defensivorientierte und kopfballstarke Stopper - um die Plätze. Beiden hat pünktlich zum Beginn der aktuellen Saison der zuvor ablösefrei verpflichtete Clemens Fritz, zu Erfurter A-Jugendzeiten auch einst von der Borussia umworben, den Rang abgelaufen. Ähnlich wie Owomoyela verkörpert der gebürtige Thüringer mehr die Gattung jener offensiven Außenverteidiger, die gern auch einmal aus vollem Lauf zu flanken verstehen. Auf der linken Abwehrseite ist es ebenfalls ein Neuzugang, der aus Mailand gekommene Afrikaner Pierre Wome, der einem in DFB-Auswahlspielen gelegentlich prächtig in den Vordergrund tretenden Spieler den Rang abgelaufen hat. Das „Glück" jenes Christian Schulz, mittlerweile immerhin dreifacher deutscher A-Nationalspieler, ist es aber, dass er vielseitig verwendbar ist und sich zudem als Eigengewächs besonderer Aufmerksamkeit der Werder-Familie sicher sein kann. So kommt „Schulle", so der vereinsinterne Kosename des Linksfuß, auch für die halblinke Position oder die zentral defensive im Mittelfeld in Frage, freilich nur dann, wenn Trainer Schaaf dort von seiner Stammbesetzung abweichend plant.
 
Von der im Meisterschaftsjahr 2004 tüchtig erprobten zentralen Achse mit Ismaël, Krstajic & Baumann ist es der einstmals aus Nürnberg gekommene Frank Baumann, der noch immer ein Fixpunkt bei Werder ist. Mittlerweile zählt der unglückliche Eigentorschütze aus dem September 2005 zwar nicht mehr zur Auswahl der deutschen Nationalelf, seine völlig besonnene und akkurat defensive Spielweise wird von seinem Vereinstrainer Thomas Schaaf aber weiterhin geschätzt. Zugute kommt dem eigentlich als Abwehrspieler ausgebildeten Baumann gerade bei der Aufgabenstellung im defensiven Mittelfeld seine Vielseitigkeit wie seine gute Übersicht und Spielzug-Antizipation. Er ist deshalb auch verwarnungsunanfälliger als der bei Werder vorzugsweise im rechten Mittelfeld aufgebotene Multifunktionsspieler Torsten Frings, der aufgrund seiner erheblich aggressiveren Spielweise - die sich mit der eines Eugen Polanski durchaus vergleichen lässt - gerne einmal für mehr als ermahnende Worte von Schiedsrichterseite offen ist. Frings, der in der Nationalmannschaft hauptsächlich (und bei Werder im Bedarfsfall) vor der Abwehr spielt, hat seinem Kollegen Baumann dafür die Dynamik voraus, die es ihm erlaubt von der zentral defensiven Mittelfeldposition das Spieltempo und den Angriffsverlauf maßgeblich zu beeinflussen und zu diktieren.
 
Wird es im defensiven Mittelfeld Werders im hiesigen Match gegen die Borussia wohl auf die bewährte Zusammenstellung mit Baumann zentral und den Kombiakteuren Frings und Borowski - der gebürtige Neubrandenburger Borowski kann ebenso wahlweise defensiv wie offensiv agieren und aus der jeweils vorliegenden Spielsituation intuitiv selbstständig „switchen" - hinauslaufen, hängt in der Abwehrzentrale auf den beiden Innenverteidigerpositionen viel vom Fitnesszustand der generellen Wunschbesetzung Mertesacker/Naldo ab. Der bereits erwähnte Pasanen, der ebenfalls genannte Baumann oder ehemalige dänische Juniorennationalspieler Leon Andreasen stünden zur Auswahl, sollte weder der ehemalige Hannoveraner oder der „Naldo" genannte Ronaldo Aperecido Rodrigues nicht im Vollbesitz der Kräfte sein. Bei einem näheren Blick auf dieses Innenverteidiger-Wunschgespann von Werdertrainer Schaaf wird deutlich, dass im direkten Spiel der Brasilianer als Schwachpunkt herhalten könnte, ist auch er - wie Torwart Wiese - vor allzu leichten Konzentrationsfehlern nicht vollständig immun. Gefährlich wird der geschmeidige wie kopfballfreudige Lateinamerikaner gern durch seine Freistoßkunst, die sich andererseits auf seinen brachialen und dennoch gründlich präzisen Distanzschuss reduzieren ließe. Kollege Mertesacker, im Deckungsverhalten zwar unspektakulärer (aber wesentlich antizipationssicherer) als der unbestritten gelenkigere Naldo, entfaltet sich mittels seiner Kopfballstärke im Offensivspiel einzig über Standards am gegnerischen Strafraum. 

Bremer Offensive  

Wesentlich im Bezug auf die Offensive Werder Bremens ist, dass sie von Spielern wie Tim Borowski und Torsten Frings mitgeprägt ist, die dank einer vorhandenen Vielseitigkeit gleichzeitig in der Defensive wertvolle Tätigkeiten ausüben können. Dass sie darüber hinaus die Offensivbewegung nicht vergessen, sich ganz im Gegenteil sehr gerne offensiv einbringen, wird durch eine Zielstrebigkeit hinterlegt, die durchgängig im Spiel Werder Bremens beheimatet ist und somit auch Werders Angriffsbewegung charakterisieren lässt - es ist ob dieser Multifunktionalität einiger Schlüsselfiguren nicht ungewöhnlich, dass Werder je nach Blickwinkel nominell nur drei vornehmlich offensive Akteure aufbietet und dennoch Torchancen und Tore im Akkord produzieren kann.
 
Die Angriffsreihe des SV Werder Bremen ist die stärkste Besetzung der ganzen Bundesliga, da ist es nicht ungewöhnlich, dass sie mit dem ehemaligen Pfälzer Miroslav Klose den besten aktuellen Bundesligastürmer und einen der besten Stürmer weltweit beherbergt. Der neben dem Platz erfrischend bescheiden agierende Klose ist ein herrlicher Kopfballspieler, aber ebenso stark mit dem Ball am Fuß. Seit einiger Zeit beherrscht er dieses Metier sogar besser als seine früheres Steckenpferd. Klose vereint viele Eigenschaften auf sich, alle die einen guten Stürmer ausmachen. Er ist intuitiv, er ist laufstark, er ist gedankenschnell, er ist wendig wie geschmeidig und der Torschützenkönig der zurückliegenden Weltmeisterschaft ist mittlerweile auch erheblich furchtloser im direkten Aufeinandertreffen mit Gegenspielern. Alles Eigenschaften, die seinen gewöhnlichen Angriffspartner, den in Hamburg geborenen kroatischen Nationalstürmer Ivan Klasnic, ebenso auszeichnen, doch Klasnic ist als erheblich impulsiverer der beiden Stürmer auch formschwankender; gleichwohl jammert man schon auf überdurchschnittlichem Niveau, gehört der ehemalige St.Paulianer natürlich deutlich mehr zur Oberschicht, als zum Bodensatz der Bundesligastürmer.

Zwei mit Weitsicht angeheuerte Legionäre bilden mit dem spurtstarken Eigengewächs Aaron Hunt die Liste der Ersatzspieler für Klose und Klasnic. Mohamed Zidan ist ein in Dänemark herangeführter, in Mainz zum Bundesligastürmer weitergebildeter Angreifer, der körperlich die entgegengesetzten Vorzüge des für ein Jahr mit Kaufoption aus Portugal ausgeliehen Hugo Almeida mitbringt. Almeida ist ein groß gewachsener, kaum geschmeidiger und bei 191 cm Körperlänge hünenhafter Strafraumstürmer, der auch einfach nur den Ball in der gegnerischen Zone abdecken kann. Zidan ist da mehr ein balltragender Akteur mit technischer Qualität und Geschmeidigkeit, der dennoch die Grundlagenfähigkeiten des Torjägers beherrscht und mehr als sporadisch als Scharfschütze aus vielversprechenden Lagen zum Erfolg zu kommen versucht.
 
Abermals ein schon erwähntes „gutes Geschäft" gemacht hat der hanseatische Klub in diesem Sommer beim Austausch seines zentralen offensiven Spielers, der erneut bemerkenswert reibungsfrei über die Bühne ging. Der einst ablösefrei aus der italienischen Liga geholte und teilweise deutlich seine Eigenwilligkeit unterstreichende Johan Micoud ließ die Verantwortlichen seine Neigung zu einem vorzeitigen Ende seines Bremen-Aufenthaltes zugunsten einer Rückkehr zu Girondins Bordeaux ins heimatliche Frankreich erkennen und für einen somit wechselwilligen Über-30-jährigen erzielte man letztlich noch über mehr als 2 Millionen Euro Transferentschädigung. Auf diese sattelte man vier Millionen Euro und erwarb den beim FC Porto in Portugal unglücklich gewordenen 21-jährigen Diego Ribas da Cunha, der vor einigen Jahren im Teenageralter beim brasilianischen Traditionsverein FC Santos in die Notizblöcke aller europäischen Großklubs emporgeschossen war und trotz seines U21-Status schon als herausragender Spieler im Seniorenbereich zu gelten hat. In seinen Debütwochen im Weserstadion hat der im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo geborene Ballvirtuose schon verdeutlicht, dass von ihm prinzipiell ein eindringlicheres Spiel als von dem vom Klub geschiedenen Micoud zu erwarten ist. Steilpässe und die von jedem guten Spieler zu erwartende Torgefahr führt „Diego" ebenso inne wie Variationen im Tempospiel und Gefahr aus ruhenden Bällen. Hat die Borussia ihren Insúa, hat Werder seinen „Diego" und bei aller Wertschätzung für den südamerikanischen Borussen, der an der Weser untergeschlüpfte Lateinamerikaner ist noch eine Stufe besser; auch wenn beide im ersten europäischen Anlauf unter die Räder kamen und sich bei ihrem zweiten Versuch selbstredend von ihrer besten Seite präsentieren wollen und präsentieren werden.

Schiedsrichter  

Die drei letzten Partien, die dem Niedersachsen Florian Meyer mit Beteiligung der Borussia unter die Pfeife gekommen waren, fanden ausschließlich in Mönchengladbach statt. In der Saison 2004/05 pfiff der Kanzleileiter die Siege über Bielefeld (1:0) und Stuttgart (2:0), wobei das Stuttgartmatch die Initialzündung für den erzitterten Klassenverblieb war. Letztes Jahr beaufsichtigte Herr Meyer dann Borussias 2:1 über Aufsteiger Duisburg und verhängte einen von Darius Kampa parierten Elfmeter gegen die Borussia. Das letzte Auswärtsspiel mit Borussenbeteiligung in der Bundesliga unter der Leitung des Mannes vom RSV Braunschweig stieg im März 2004, es war die durch Sladjan Asanins Eigentor in der letzten Minute verursachte 0:1-Niederlage beim damaligen UEFA-Cup Aspiranten VfL Bochum und eine von drei Bundesligaauswärtsspielen mit Meyer seit dem Wiederaufstieg; müßig zu erwähnen, dass Borussia auch in beiden anderen Spielen (Januar 2004 in Köln & April 2003 in München beim TSV 1860) torlos als Verlierer vom Platz schlich.

Bilanz  

Der vorsichtige Umgang mit den Brachialitäten der deutschen Sprache ist selbstverständlich, doch kommt man nicht umhin Borussias Bilanz bei Gastspielen im Bremer Weserstadion als grausam zu betiteln. Sicher, das 7:1 vom Frühling 1987 ist in jeder Erinnerung fest verankert, doch war es auch zum damaligen Zeitpunkt schon ein einzelner Tropfen auf einem völlig heißen Stein. Vor jenem Kantersieg gewann Borussia in der Saison 1981/82 in Bremen (1:0, Torschütze Kurt Pinkall) und davor letztmalig am letzten Spieltag der Meisterschaftssaison 1974/75 (4:1 durch 2x Heynckes, Bonhof und Horst Köppel). Damals war das Kräfteverhältnis beider Klubs noch ein völlig anderes. Insgesamt siegte die Borussia in Bremen fünfmal und holte bei 23 Niederlagen zehn Remis (42:68 Tore), das letzte unter Ewald Lienen am 2. Spieltag der Saison 2003/04 durch einen Treffer von Joris van Hout, eines von lediglich vier (!) Borussientoren im Weserstadion in all jenen letzten 18 Jahren.

Aufstellungen 

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Schulz - Frings, Baumann, Diego, Borowski - Klasnic, Klose.
Ersatz: Vander, Reinke (beide Tor), Pasanen, Owomoyela, L. Andreasen, Womé, Vranjes, D. Jensen, Zidan, Hunt, Polenz.
Es fehlen
: Almeida (Wadenverletzung)

Borussia: Keller - Kirch, Svensson, Zé António, Jansen - Polanski, Thijs, El Fakiri - Insúa - Kahê, Sverkos.
Ersatz: Heimeroth (Tor), Helveg, Levels, Degen, Kluge, Delura, Rafael.
Es fehlen
: Bøgelund, Neuville (verletzt), Sonck, Daems, Svärd (alle Rehabilitationstraining), Melka (nicht im Kader).
 
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)
Assistenten: Thomas Frank, Carsten Kadach
Vierter Offizieller: Thorsten Schriever

SEITENWAHL-Meinung  

Christoph Clausen: Ein Problem an den immer wiederkehrenden blutleeren Auswärtsauftritten ist, dass einem die Formulierungen für den nächsten Tipp ausgehen. Machen wir es also kurz: Gegner nach schwerem Champions League-Spiel erschöpft, Borussia auswärts wieder zu zaghaft. Macht unter dem Strich ein 1:1. Interessant wäre natürlich zu wissen, wie die Fußballwelt im Jahr 1987 vorher getippt hat. 

Michael Heinen: In Bremen ist leider nichts zu holen. Trotz engagierter Spielweise sind die Hanseaten am Ende eine Nummer zu groß für uns und gewinnen mit 2:0. 

Mike Lukanz: Die entscheidende Chance für Borussia wird sein, dass in den Köpfen der Bremer Spieler der Hebel zwischen Barca und Borussia noch nicht umgelegt sein wird. Daher muss man den Gastgeber einlullen, ihm das eigene Spiel diktieren. Ein frühes Tor wäre nicht schlecht. Ach, was reden wir hier? Nach dem Big Point letzte Woche gegen Dortmund kommt nun der nächste. Borussia gewinnt 1:0 und die Liga horcht auf. 

Thomas Zocher: Netter Versuch. Zur Überwindung einer derart chronischen Schwäche fernab der Mutti, wäre es vielleicht ratsam sich eine der machbareren Aufgaben zu erwählen. Werder Bremen hat beim klaren 3:0 kein einziges Problem mit der vor sich hin krebsenden Borussia.

Christian Heimanns:  Letzte Woche hat mein Optimismus es rausgerissen und diesmal? Bremen in der Bundesliga angeschlagen, gegen Barcelona mit dem Schock des Ausgleichs und jetzt eventuell ohne Borowski; Borussia als Tabellenfünfter, das könnte doch ... das gleiche geben wie immer. 3:0 für Bremen, Spielverlauf und Torschützen beliebig. 

Hans-Jürgen Görler: Die Bremer brauchen einen Aufbaugegner, unsere Borussia wird sich vermutlich dazu überreden lassen. Mit einer 0:2-Niederlage geht es wieder heim.

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