„Die Fohlen wieherten hilflos und versuchten einen Ausweg zu finden, während die anderen sich bemühten die Wölfe abzuwehren, aber ohne Erbarmen fielen die Wölfe über sie her, töteten einen nach dem anderen und hinterließen schließlich ein einziges Blutbad.“ Man findet manches wenig Ermutigende, wenn man Google mit den Stichwörtern „Wölfe“ und „Fohlen“ füttert. Auch nicht besser wird es bei dem ersten Link mit einem fußballerischen Bezug: „Wölfe halten Fohlen mit 2:0 in Schach“. Immerhin verteidigen beim nächsten Google-Angebot „Fohlen ihre Stallung“, während der „lahme Geißbock nach München muss“.


Fußballvereine, die mit Tieren assoziiert werden, sind bei vielen Journalisten beliebt, denn sie bringen endlos wieder verwertbare Metaphern gleich mit. Treffen gar zwei solche Vereine aufeinander, potenzieren sich die Möglichkeiten. Insofern darf man sich für Montag schon mal auf entsprechend originelle Überschriften in den einschlägigen Gazetten einstellen, vielleicht gar in Verbindung mit der vor allem beim Boulevard beliebten Mehrfach-Alliteration („Killerklinsi killt King Kahn“). Dabei wäre uns „Freche Wölfe fressen faule Fohlen“ aus sportlichen Gründen weitaus weniger lieb als „Wölfe zahnlos, Fohlen flott“, auch wenn sich das vom sprachlichen Wert her nicht viel gibt. Da am Samstag im heimischen Borussiapark gespielt wird, dürfen wir uns immerhin Hoffnung machen.

Borussia

In der Fremde bleibt die Borussia lohnendes Studienobjekt für alle, die erforschen möchten, wie kollektive Psychosen trotz sukzessiven Austauschs des beteiligten Personals weitergegeben werden können. Zuhause hat das Team zwar auch nicht brilliert, mit drei Siegen ohne Gegentor aber zumindest die Ergebnisse sehr erfreulich gestalten können. Durch den absurden Auftritt im Weserstadion haben sich die Spieler allerdings erneut unter massiven Zugzwang gesetzt, zumal die nächste Reise nach Berlin, zum derzeitigen Spitzenreiter, führen wird. Da es in der Tabelle immer noch recht eng zugeht, bräuchte es also dringend einen Heimsieg, will man sich nicht bald in unwirtlichen Regionen wieder finden.

Borussias Defensive

Auch wenn in Bremen selbst die Säulen der Defensive ungewohnte Schwächen zeigten, sind Kasey Keller und Zé Antonio am Samstag natürlich gesetzt. Das würde auch für Bo Svensson gelten, aber nach aktuellem Stand der Dinge ist ein Einsatz des angeschlagenen Dänen höchst fraglich. Für ihn wird wohl der junge Tobias Levels in die Mannschaft rücken. Auf der linken Abwehrseite ist Borussia eigentlich exzellent besetzt. Dass nicht nur Nationalspieler Marcell Jansen, sondern gleichzeitig auch der in der Vorbereitung so überzeugende Filip Daems mehrere Monate ausfallen würde, ist eine jener Ansammlungen von Missgeschick, die die Personalplanung im Fußball so schwer kalkulierbar macht. Der doppelte Ausfall wird zur Chance für Marvin Compper; alternativ könnte auch Oliver Kirch nach links rücken und seinerseits von Kaspar Bøgelund auf rechts ersetzt werden. Vor der Abwehr wird wohl erneut der gegen Dortmund starke und in Bremen schwache Bernd Thijs auflaufen. Sollte Thijs an seine enttäuschende Leistung aus dem Weserstadion anknüpfen, so würde sich zumindest der Autor wünschen, dass ein Thomas Helveg eine ernsthafte Chance auf dieser Position erhält.

Borussias Offensive

Gegen den zu erwartenden Wolfsburger Abwehrriegel wäre eine Neuauflage des Gladbacher Doppelsechsers eine Überraschung. Wahrscheinlicher ist die Raute, in der offenbar Peer Kluge für die linke Seite vorgesehen ist, während Eugen Polanski und der wieder genesene David Degen um den Platz auf der rechten Außenbahn rangeln. Dabei täte dem mit sich selbst kämpfenden Polanski eine Pause vielleicht gut und könnten Degens Flankenläufe gegen die kompakte Wolfsburger Defensive viel wert sein. Ob es beim Schweizer schon für einen Einsatz von Beginn an reicht, ist derzeit aber noch nicht abzusehen. Wenig Argumente für einen Platz in der Startelf hat derzeit Hassan El Fakiri ins Feld zu führen. Denkbar wäre schließlich, dass Kluge statt Thijs vor der Abwehr spielt und Michael Delura auf der Außenbahn beginnt. Ins offensive Mittelfeld kehrt Federico Insua zurück. Ihn in Bremen zunächst auf der Bank gelassen zu haben, erwies sich im Nachhinein als kluger Schachzug: Die drei Gegentreffer in fünf Minuten hätte auch der Argentinier schwerlich verhindern können, sein Fehlen hinderte aber die Hyänen unter der schreibenden Zunft daran, ihre Pressekampagne gegen Insua mit gleicher Boshaftigkeit fortzuschreiben.

Im Sturm ist trotz dessen schwächeren Auftritts in Bremen ein Platz fest an Kahê vergeben. Ob an seiner Seite Oliver Neuville beginnt, hängt von dessen Fitnesszustand ab. Ansonsten wären Delura oder auch der beim Test in Velbert überzeugende Wesley Sonck Alternativkandidaten. Vaclav Sverkos dagegen eher nicht, denn anders als Kahê hat der Tscheche dem enttäuschenden Eindruck aus Bremen zuwenig positive Argumente entgegenzusetzen.

Der Gegner aus Wolfsburg

Bereitet dem Publikum den Genuss, aus einem Albtraum aufzuwachen! Den Ratschlag Alfred Hitchcocks scheint die bisherige Saison der Wolfsburger befolgt zu haben, auch wenn Hitchcock wohl eingewandt hätte, dass das Opfer zu früh aufgewacht ist. Aber vielleicht scheint das ja auch nur so. Sicher ist, dass man sich bis zum letzten Spieltag in Wolfsburg wie in einem wiederkehrenden Albtraum vorgekommen sein muss. Schon in der letzten Saison war man mit großen Ambitionen gestartet und nach einer Serie von Gruselkicks nur haarscharf dem Absturz in die zweite Liga entgangen. Der hätte gar ins Bodenlose führen können, denn ob und in welchem Ausmaß Sponsor VW seine großzügige finanzielle Unterstützung nach einem Abstieg noch weitergeführt hätte, war trotz manch halbherziger Bekenntnisse unklar. In der Konzernzentrale sähe man das sportliche Aushängeschild ohnehin schon lange am liebsten in der Champions League.

In der neuen Saison sollte alles besser werden. Nachdem VW die Gelder aus dem Petrov-Verkauf entgegen der ursprünglichen Planungen komplett für Transfers zur Verfügung gestellt hatte, konnte sich Klaus Augenthaler Neuzugänge für acht Millionen Euro leisten. Vor allem auf Jonathan Santana, für 3,6 Millionen von River Plate Buenos Aires verpflichtet, ruhten größte Hoffnungen. So hörte man, wie schon vor der letzten Saison, auch diesmal in der Sommerpause manch kecke Töne: „Oben mitspielen“ könne man und vielleicht Rang Fünf erreichen, meinte etwa Mike Hanke.

Aber auch diesmal klafften Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander: Auf drei Unentschieden zum Saisonstart, darunter zwei torlose, folgten zwei Niederlagen, von denen die zuhause gegen den ebenfalls kriselnden Lokalrivalen aus Hannover wohl am meisten schmerzte. Der so hoch gehandelte Santana konnte bislang nicht einmal ein Bruchteil des ihm nachgesagten Potentials abrufen, und wenn sich denn überhaupt mal Torchancen ergaben, wurden sie von den Stürmern, selbst vom Elfmeterpunkt, fahrlässig vergeben. Die in Wolfsburg ohnehin zur Hysterie neigende Lokalpresse rechnete Klaus Augenthaler schon vor, den schlechtesten Punkteschnitt in der Bundesligageschichte der Vereins erzielt zu haben. Auf solchen Datenbank-Journalismus wiederum reagierte der Trainer mit unverhohlener Verachtung und verwies auf taktische Fortschritte, die sich zwar nicht in simple Zahlen fassen ließen, über kurz oder lang aber Früchte tragen würden.

In dieser Situation hätte Augenthaler kaum etwas Besseres passieren können, als den ersten Sieg ausgerechnet gegen den amtierenden Double-Sieger aus München einzufahren. Auch gegen die Bayern wussten die Wolfsburger zwar spielerisch nicht zu brillieren, retteten Mike Hankes Führungstreffer aber dank einer taktisch durchweg disziplinierten und kämpferisch engagierten Defensivleistung über die Zeit. Und nachdem man auch das Testspiel gegen den tschechischen Spitzenclub Slavia Prag für sich entscheiden und dabei gar vier Tore erzielen konnte, ist in Wolfsburg wieder größerer Optimismus ausgebrochen. So rechnet laut vereinseigener Homepage mehr als die Hälfte der Fans mit einem Auswärtssieg im Borussia-Park. Uns wäre es natürlich lieber, wenn das Wolfsburger Drehbuch sich auch weiterhin an Hitchcocks Dramaturgie halten würde. Der nämlich lässt seine filmischen Opfer oft nur deshalb kurzzeitig Hoffnung schöpfen, um sie dann umso unentrinnbarer mit dem Nebel des Albtraums zu umhüllen.

Wolfsburger Defensive

In der letzten Saison noch großes Sorgenkind, präsentiert sich die Defensive in dieser Spielzeit deutlich stabilisiert. Verstärkungen in diesem Bereich hatten besonders im Fokus der Einkaufspolitik gestanden, und tatsächlich werden wohl auch im Borussiapark drei Neuzugänge vor dem gebürtigen Mönchengladbacher Simon Jentzsch auflaufen. Der für 1,3 Millionen Euro aus Berlin verpflichtete Alexander Madlung ist als Partner Kevin Hoflands in der Innenverteidigung erste Wahl, zumal Facundo Quiroga zwar vom Trainer ausdrücklich gelobt wird, aber erst seit wenigen Tagen wieder im Mannschaftstraining ist. Rechts hinten wird sicher Uwe Möhrle, letzte Saison noch Torschütze bei der Duisburger Niederlage in Gladbach, verteidigen, links vermutlich Michael Stegmayer aus der Regionalligamannschaft des FC Bayern. Nachdem Peter van der Heyden verletzt ausfällt, käme statt Stegmayer höchstens Hans Sarpei in Frage. Wahrscheinlicher aber ist, dass der Ghanaer, wie gegen die Bayern, als zusätzlicher defensiver Mittelfeldspieler neben dem fest eingeplanten Sechser Tom van der Leegte auflaufen wird.

Wolfsburger Offensive

In van der Leegtes Rolle wiederum sähe sich Jonathan Santana am liebsten. Der stark kritisierte Argentinier beschwerte sich schon öffentlich über die falsche Position, auf der er seiner Ansicht nach spiele. Augenthaler dagegen will zwar dezidiert an Santana festhalten, hat ihm aber eine stärker offensive Rolle zugedacht. An offensiven Impulsen mangelt es generell im Spiel der Wolfsburger, die ja schon früher zu oft von Form und Stimmung eines Andrès d’Alessandro abhängig waren. Als Lichtblick muss sicher Cedric Makiadi gelten, der in dieser Saison einen enormen Schub gemacht hat. Der 22-jährige kam zumeist im offensiven Mittelfeld, gegen die Bayern allerdings im Sturm zum Einsatz. Von Beginn an spielen dürfte im Mittelfeld auch wieder Jacek Krzynowek: Auf den hält Augenthaler, der Krzynowek aus gemeinsamen Nürnberger Tagen kennt, große Stücke, ein Vertrauensvorschuß, den der Neuzugang aus Leverkusen bislang aber noch wenig bestätigen konnte.

Im Angriff wird aller Voraussicht nach erneut Mike Hanke beginnen, der gegen die Bayern sein erstes und deshalb schon aus logischen Gründen bislang wichtigstes Saisontor erzielen konnte. Falls Augenthaler wieder auf zwei Spitzen setzt, spricht einiges für die Neuauflage des gegen Bayern überzeugenden Duos Hanke – Makiadi, zumal die Alternativen überschaubar sind. Zwar wird der verletzungsgeplagte Isaac Boakye wieder im Kader stehen. Der Ghanaer, von dessen Verpflichtung man sich in Wolfsburg viel erhoffte, könnte sicher auch als Einwechselspieler für beträchtliche Unruhe sorgen, ein Einsatz von Beginn an ist aber unwahrscheinlich. Sicher fehlen wird Diego Klimowicz, der allerdings in dieser Saison ohnehin die gewohnte Treffsicherheit vermissen ließ, nicht nur als er beim 0:0 in Frankfurt zehn Minuten vor Schluss einen Elfmeter verschoss. Denkbar, dass Rick Hoogendorp erneut sein Glück versuchen darf; auch Juan Carlos Menseguez wird in Wolfsburg als Kandidat gehandelt.

Bilanz

In einer vollkommen ausgeglichenen Heimbilanz der Gladbacher gegen Wolfsburg (drei Siege, ein Unentschieden, drei Niederlagen, 9:9 Tore) endete die letzte Partie dank des späten Ausgleichs durch Kaspar Bøgelund mit 1:1, während sich zuvor Siege und Niederlagen regelmäßig abgewechselt hatten. Man soll es nicht beschreien, aber da der letzte Sieg an die Borussia ging, wären nach dem Gesetz der Serie wieder die Gäste dran. Zu unserem Glück aber und zum Unglück der Datenbankfetischisten vom Privatfernsehen durchbricht ja der Fußball Muster immer wieder. Wäre es anders, hätten besagte Fetischisten längst bei Sportwetten größere Vermögen verdient und könnten ihre Zeit sinnvollen Dingen widmen.

Schiedsrichter

Das erste Mal in dieser Saison leitet Günter Perl eine Begegnung der Borussia. In der letzten Spielzeit machten wir mit dem Münchner insofern gute Erfahrungen, als keines der drei Spiele unter seiner Leitung verloren ging. Zuhause schlug die Borussia Mainz (1:0) und Bielefeld (2:0), auswärts reichte es in Berlin zu einem 2:2, dies allerdings nach einer Gladbacher 2:0-Führung. Allerdings konnten sich die Herthaner nach der Partie bei Perl dafür bedanken, das Spiel zu elft beendet zu haben. Zumindest Pantelic hätte nach Ellenbogenschlag gegen Zé Antonio vom Feld gestellt werden müssen, eventuell auch der bereits verwarnte Kovac nach hartem Foulspiel gegen Marcell Jansen. Beim Sieg gegen Mainz dagegen glichen sich die strittigen Entscheidungen aus, denn Perl versagte sowohl den Gästen als auch der heimischen Borussia jeweils einen durchaus vertretbaren Elfmeter. Praktisch fehlerfrei leitete der Unparteiische die Partie gegen Bielefeld.

Aufstellungen

Borussia: Keller – Kirch, Zé Antonio, Levels, Compper – Thijs – Polanski, Kluge – Insua – Kahê, Neuville.
Ersatz: Heimeroth, Bøgelund, Fleßers, Helveg, El Fakiri, Degen, Delura, Rafel, Sonck, Sverkos.
Es fehlen: Svensson, Daems, Jansen, Svärd (alle verletzt).

VfL Wolfsburg: Jentzsch – Möhrle, Madlung, Hofland, Stegmayer – Sarpei, van der Leegte – Santana, Krzynowek – Hanke, Makiadi.
Ersatz: Lenz, Alex, Quiroga, Evljuskin, Lamprecht, Karhan, Fischer, Thiam, Menseguez, Hoogendorp, Boakye, Öztürk.
Es fehlen: van der Heyden, Hristov, Klimowicz (alle verletzt).

Schiedsrichter: Günter Perl (München)
Assistenten: Josef Maier (München), Deniz Aytekin (Nürnberg)
Vierter Offizieller: Christian Fischer (Hemer)

SEITENWAHL-Meinung

Christoph Clausen: Ja, natürlich, irgendwann wird die Serie der Heimsiege reißen und, ich fürchte, früher als die der Auswärtsblamagen. Aber noch nicht am Samstag. Gegen kampfstarke Gäste tut sich die Borussia zwar schwer, siegt letztlich aber mit 2:0.

Christian Heimanns: In Zeiten, wo sich die Mannschaft spielerisch noch nicht gefunden hat, wiegt Jansens Ausfall besonders schwer. Auch wenn es Wolfsburg ist, gehört ein wenig Optimismus dazu, einen 1:0 Sieg für Borussia zu tippen

Thomas Zocher: Ohne Zweifel, der Ausfall von Marcell Jansen macht der Borussia schwer zu schaffen. Ein ebenso ganz üblicher Vorgang ist aber der Heimsieg der Borussia, der sich vor allem gegen Ende der zweiten Halbzeit erzielen lässt und von der Ergebnishöhe her knapp, nämlich mit 2:1, ausfallen wird.

Mike Lukanz: Weiter geht das lustige Spiel über Heimsiege und Auswärtsniederlagen, doch leider sind Spiele selten berechenbar oder verlaufen ständig nach dem gleichen Muster ab. Nach dem 1:1 gegen schwer einzuschätzende Wölfe aus der VW-Stadt wird jedem in Mönchengladbach die Bedeutung von Auswärtsspielen noch mehr bewusst.

Michael Heinen: Ewig kann das mit dem ewigen "Heimsieg folgt Auswärtsniederlage" nicht weitergehen. Auch wenn´s mir lieber wäre, es würde sich auf fremden Plätzen zuerst ändern, fürchte ich, daß es anders kommen wird. Schon am Samstag droht uns der erste Heimpunktverlust, eben weil kaum jemand mit rechnet. Die Wölfe ertrotzen sich ein 1:1 und schicken uns endgültig wieder ins triste Mittelmaß.

Hans-Jürgen Görler: Borussias muntere Achterbahnfahrt geht weiter. Gegen den VfL Wolfsburg sollte und wird ein Sieg drin sein. Das 2:1 wird allen ein gutes Gefühl bereiten, bis es eine Woche später erneut eine Auswärtsklatsche setzt.

Der Gegner im Internet: www.vfl-wolfsburg.de

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