Man kann froh sein, dass in den vergangenen Wochen bereits der Begriff der „Auswärtsdeppen“ im Zusammenhang mit unserer Borussia geprägt wurde. In Anbetracht der nächsten Aufgabe in Frankfurt hätte ein findiger Journalist sonst vielleicht noch vom Kampf der „Auswärts-Würstchen“ in der Main-Metropole gesprochen. Dabei hat unsere Elf gerade dort zuletzt sensationell gute Erfahrungen gesammelt. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison gelang in der Commerzbank-Arena der zweite Auswärtssieg jener Spielzeit, auf den seitdem allerdings schon wieder 5 Niederlagen in 6 Pflichtspielen folgten – bei wohlwollendem Einbezug des Sieges in Roßbach.

Borussia: Borussia befindet sich in einer komplizierten Situation. Rein punktemäßig muss man mit der bisherigen Ausbeute nicht gänzlich unzufrieden sein, verfügt man doch durchaus noch über ein gewisses Punktepolster nach unten hin. Doch angesichts von zuletzt 3 Pflichtspielniederlagen in Folge, der ausgeprägten Verletztenmisere in der Defensive sowie der eklatanten Auswärtsschwäche wirken die kommenden Aufgaben nicht sonderlich viel versprechend. In Frankfurt und Hamburg kann ein normaler Bundesligist zur Zeit recht leicht punkten. Aber kann Borussia in diesen Begegnungen tatsächlich endlich seinen Auswärtsfluch beenden? Sonntag abend wird es die erste Gelegenheit dazu geben und wenn man in der Commerzbank-Arena nicht wenigstens punktet, wird die Ratlosigkeit noch weiter zunehmen.  

Es fällt schwer, nach so vielen Enttäuschungen weiterhin den Glauben und die Hoffnung zu bewahren. Doch trotzdem werden die meisten von uns auch am Sonntag abend wieder – entweder im Stadion, vor dem Fernseher oder dem Radio – darauf warten, dass irgendwie das Wunderbare passiert und Borussia mal endlich ein richtig gutes, beherztes Auswärtsspiel abliefert. Ein Spiel, in dem man von Anfang an merkt, dass man es tatsächlich gewinnen möchte und dafür alles zu geben bereit ist. Tatsächlich wird dann aber natürlich wieder ein eher langweiliges, verhaltenes Spiel zu sehen sein, bei dem Borussia bemüht sein wird, möglichst wenige Fehler zu machen. Man wird sich ganz nett bemühen, viel rennen und auch mal grätschen. Nur nach vorne wird wieder einmal herzlich wenig passieren und man kann nur beten, dass vielleicht eine der maximal zwei herausgespielten Chancen irgendwie im Tor landet oder dass die Standard endlich wieder gefährlich vors Tor kommen.  

Jupp Heynckes wird sich schon die ganze Woche über den Kopf darüber zerbrechen, wie er diese Lethargie durchbrechen kann. Doch neben entsprechender Geduld ist fraglich, inwieweit irgendwelche Personalentscheidungen mit dem aktuellen Kader eine Veränderung herbeiführen könnten. In der Defensive wird er weiterhin auf Bo Svensson verzichten müssen und Tobias Levels so eine erneute Chance zur Bewährung verschaffen. Der vom Muskelfaserriss erholte Eugen Polanski wird vermutlich noch nicht ganze 90 Minuten durchhalten können. Seinem Einsatz von Beginn an steht aber im Grunde nichts mehr entgegen. Neben Thijs könnte er als Doppelsechser agieren, wenngleich dies eine eher defensive Grundausrichtung vorgeben würde und dem eigentlichen Anliegen, auswärts mutiger auftreten zu wollen, eher entgegen spricht. Mutig wäre es hingegen, Polanski in die Innenverteidigung zurückzuversetzen und im Mittelfeld offensiver aufzustellen. Wobei es dann tatsächlich Glückssache wäre, ob jetzt ein Degen oder ein Insua die sinnvollere Wahl wäre, da beide noch nicht konstant ihr Können unter Beweis stellen konnten.  

In der Viererkette könnte es auf der rechten Seite zu einer Veränderung kommen, da Oliver Kirch hier zuletzt Schwächen offenbarte. Kasper Bögelund wird für die Begegnung am Freitag zwar noch nicht bereit stehen. Aber Thomas Helveg könnte seine erste echte Chance in dieser Saison erhalten. Während er als Innenverteidiger zu langsam ist, würde er mit seiner Erfahrung ein Gegengewicht zu den beiden jungen Vertretern in der Viererkette bilden können.  

Im Mittelfeld dürften die Plätze vergeben sein, sofern Heynckes tatsächlich den Doppelsechser mit Thijs und Polanski wählt. An Kluge geht zur Zeit auf links kein Weg vorbei. Und Michael Delura hat zuletzt nicht so schwach gespielt, als dass sein Ziehvater ihm dafür den Stammplatz entziehen würde.  

Doch die Aufstellung ist ohnehin weniger das Problem als die Einstellung, mit der das Team auf den Platz gehen wird. Hier kann es nur darum gehen, dass man sich einmal anschaut, wie andere Vereine auswärts auftreten, die von der Klasse unterhalb unserer Borussia angesiedelt sind. Man schaue hinüber nach Aachen, wie dort bereits zwei Auswärtssiege in Mainz und Hannover möglich wurden. Man schaue selbst zum Tabellenletzten nach Bochum, wie dieser in Dortmund zuletzt von der ersten Minute an sein Heil in Engagement und Offensive suchte. Und das in einer Situation, in der man bestimmt nicht mehr Selbstvertrauen haben konnte als unsere Kicker. Auch wenn wir keinesfalls mit jenen Mannschaften tauschen wollten, da diese ebenso ihre Probleme in anderen Bereichen haben, muss es doch erlaubt sein zu hinterfragen, warum es unserer Elf seit Jahren nicht gelingt, auch nur ansatzweise solche Spiele auf die Beine zu stellen, die anderswo zumindest gelegentlich möglich sind. Mehr Qualität wird man bis zum nächsten Sonntag nicht in die Mannschaft hineinbekommen. Aber der bedingungslose Wille, es jetzt mal allen zu zeigen und beherzt und konsequent nach vorne zu spielen. Das sollte man von unserer Truppe einfach erwarten dürfen.   

Der Gegner aus Frankfurt: Mit dem 1:1 bei Celta Viga glaubt man in Frankfurt den leichten Abwärtstrend der letzten Wochen gestoppt zu haben. Nichtsdestotrotz bleibt unter dem Strich die Realität bestehen, dass man aus den letzten 9 Pflichtspielen nur einen einzigen Sieg einfahren konnte – und diesen auch nur beim unterklassigen Klub aus Essen im Pokal. Frankfurt leidet zur Zeit ein wenig unter der Drei-Punkte-Regel, denn neben Nürnberg gibt es keinen Verein, der so gerne die Punkte teilt wie die Eintracht. Sieben Mal in der Bundesliga und auch schon zweimal im UEFA-Cup kam man auf die identische Trefferzahl wie der Gegner. So kommt es, dass man am letzten Spieltag zwar zum ersten Mal erst ein Meisterschaftsspiel verlor, in der Tabelle aber mit Platz 13 Vorlieb nehmen muss. Gelingt selbst gegen unsere Borussia kein Sieg, so würde das Team um Friedhelm Funkel endgültig in den Abstiegskampf abrutschen. 

In der letzten Woche gestand man sich am Main zudem erstmals in dieser Saison ein, durch die Dreifachbelastung Meisterschaft, UEFA-Cup, DFB-Pokal Kräfte zu lassen. Was sonst nur noch der FC Bayern München zu bestreiten hat, könnte den Frankfurtern einige Probleme bereiten. So muss man am Sonntag bereits knappe 66 Stunden nach dem Spiel in Spanien in der Bundesliga ran. Strapazen, die nicht spurlos an ihnen vorübergehen können. Unsere Elf muss darauf entsprechend vorbereitet sein und gerade in der Anfangsphase aggressiv spielen, um die Hessen gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Mit zunehmender Spieldauer sollten sich dann automatisch Chancen ergeben gegen dann hoffentlich ermüdende Gastgeber. Gelingt diesen aber ein frühes Tor, so werden dadurch i.d.R. Kräfte mobilisiert, die über physische Gegebenheiten zumindest kurzfristig hinweghelfen können.  

Was die Aufstellung betrifft, die Friedhelm Funkel voraussichtlich aufs Feld schicken wird, so lässt sich weniges mit Gewissheit sagen. Beim UEFA-Pokalspiel stellte er gegenüber der vorherigen Partie in München gleich 5 Mal um, wobei besonders die Hereinnahme des 21jährigen Youngsters Alexander Huber auf der rechten Mittelfeldseite überraschte. Der Albert Streit-Ersatz erzielte gleich den wichtigen 1:1-Ausgleich und darf sich daher am Samstag erneut Hoffnungen auf einen Einsatz machen. Allerdings kann es ebenso sein, dass Funkel ihn behutsam aufbauen möchte und somit zunächst Streit zum Zuge kommen lässt. 

In der Defensive blieb Frankfurt bislang nur beim 0:0 am 2.Spieltag gegen Wolfsburg ohne Gegentor. Ansonsten kassiert man regelmäßig 1-2 Treffer. Beinahe sensationell ist dagegen die Statistik der Elfmeter, die gegen sie ausgesprochen wurden. Viermal bereits in dieser Saison bekamen gegnerische Spieler vom ominösen Punkt die Gelegenheit zum Torerfolg. Dreimal blieb Markus Pröll Sieger. Letzten Samstag dagegen war es Oka Nikolov, der den Versuch von Claudio Pizarro vereitelte. Am Sonntag wird aller Voraussicht nach weiter Nikolov das Frankfurter Tor hüten, was schon eine Schwächung bedeutet, da Pröll überraschend gut in die Saison gestartet war. Beim Spiel in Vigo allerdings konnte sich auch sein Vertreter einige Male auszeichnen, so dass man hier nicht unbedingt von einer Schwachstelle reden darf. 

Aber auch in der Innenverteidigung ist Ersatz erforderlich, da Alesksandar Vasocki gesperrt ist. Er könnte durch den jungen Marco Russ ersetzt werden, der schon sechs Mal von Beginn an ran durfte, dabei aber nur selten souverän wirkte. Auch Neuzugang Sotirios Kyrgiakos, der es auf 20 Länderspiele für Griechenland bringt, zählt nicht unbedingt zu den gefürchtetsten Abwehrspielern der Republik, so dass sich hier Chancen für unseren Sturm ergeben sollten, sofern dieser endlich einmal konsequent aus dem Mittelfeld bedient wird.  

Besser sieht es bei Frankfurt auf den Seiten aus, wo rechts Ochs und links Spycher solide, überzeugende Leistungen abzuliefern gewohnt sind. In der Offensive wechseln sie sich mit Alex Meier sowie wahrscheinlich Albert Streit ab, so dass insbesondere unsere Außenleute Obacht geben müssen. Alex Meier z.B.  gilt als torgefährlich und konnte bereits 3 Tore für sich verbuchen. Übertroffen wird er nur noch von Amanatidis, der es im Sturm gar auf 4 Treffer bringt. Umso überraschender, dass Funkel den Griechen am Donnerstag zunächst auf der Bank beließ und ihm ausgerechnet Takahara vorzog. Der Japaner war schon zu Hamburger Zeiten durch Vernichtung größt möglicher Chancen aufgefallen und ist auch im neuen Verein bislang noch nicht wirklich glücklich geworden. Ein anderer Neuzugang ist in einer zwiespältigeren Situation. Michael Thurk, der sich auf reichlich unschöne Art und Weise aus Mainz weg quängelte, wusste nur beim 4:0-Erfolg über Bröndby Kopenhagen so richtig zu überzeugen, als er mit 3 Treffern Mann des Abends war. Zuletzt fand er sich in zwei Spielen (in Essen und München) auf der Bank wieder, ehe er im UEFA-Cup reaktiviert wurde. In einem Heimspiel, das die Eintracht definitiv gewinnen muss, ist aber stark damit zu rechnen, dass auch Thurk unverzichtbar sein wird. 

Bilanz: Besser kann es für unsere auswärtsgepeinigten Spieler eigentlich gar nicht kommen. Eintracht Frankfurt ist nicht nur der letzte Verein, gegen den wir überhaupt einmal auswärts in der Liga punkten konnten – und das gleich dreifach. Von den letzten 7 Partien in Frankfurt konnten wir unglaubliche 4 gewinnen, wenngleich ein Großteil hiervon natürlich in die Zeit vor dem Abstieg fällt. Dabei war der Sieg in der letzten Saison schon ein wenig der besonderen Situation des letzten Spieltags geschuldet. Denn weder für uns noch für die Hessen ging es noch um irgendetwas, so dass man die Motivation der Gastgeber am damaligen Tag arg in Frage stellen darf. 

Schiedsrichter: Nach Dr. Merk pfeift mit Dr. Wack der nächste Zahnarzt ein Auswärts-Spiel der Borussia. Dabei konnten die Leistungen des letzteren in den vergangenen Jahren leider nicht annähernd an die von Markus Merk heranreichen. Dr. Wack gehört leider zu den viel zu zahlreichen Schiedsrichtern, bei dessen Ansetzung man erst einmal enttäuscht die Augen verdreht. In dieser Saison pfiff er bislang 4 Erstligapartien, wobei er einmal grob patzte. So ermöglichte er Borussia Dortmund einen unverdienten Auswärtssieg in Stuttgart, indem er den Schwaben gleich drei mögliche Elfmeter versagte, von denen allermindestens einer hätte gegeben werden müssen. Überraschend gut kam Wack dagegen am letzten Spieltag mit der Partie der beiden unfairsten Mannschaften der Liga zurecht. Bei Aachen – Cottbus hätte man ein Kartenfestival befürchten können, was aber bei lediglich 4 Gelben Karten ausblieb.
Aus Borussen-Sicht kann man nur hoffen, daß Wack an seine Leistungen aus dem Vorjahr anknüpft. Denn damals profitierte unser Team gleich zweimal von Fehlentscheidungen des Referees. In den Heimspielen gegen Leverkusen (1:1) und Berlin (2:2) entschied Wack jeweils nicht auf Elfmeter für das Gästeteam und bewahrte uns so jeweils vor einem Rückstand.   

Aufstellungen 

Borussia: Keller – Helveg, Levels, Zé Antonio, Compper – Delura, Thijs, Polanski, Kluge – Kahê, Neuville
Ersatz: Heimeroth – Degen, Rafael, Fleßers, Kirch, Insua, Sonck
Es fehlen: Jansen, Bögelund, Daems, Svaerd, Svensson (verletzt)  

Frankfurt: Nikolov – Ochs, Kyrgiakos, Russ, Spycher – Streit, Huggel, Fink, Meier – Thurk, Amanatidis
Ersatz: Zimmermann – Weißenberger, Reinhard, Köhler, Takahara, Cimen, Huber
Es fehlt: Vasoski (gesperrt), Pröll, Preuß, Chris, Jones, Rehmer, Toski (verletzt) 

Schiedsrichter: Dr. Franz-Xaver Wack (Biberach)
Assistenten: Sönke Glindemann (Süderholm), Stefan Weber (Eisenach)
Vierter Offizieller: Michael Sahler (Mutterstadt) 

SEITENWAHL-Meinung 

Michael Heinen: Nichts liebt Frankfurt scheinbar mehr als Unentschieden. Nichts liebt Borussia scheinbar mehr als Auswärtsniederlagen. Einer von beiden wird sich leider damit abfinden müssen, nicht immer dasselbe bekommen zu können. Da mein Vertrauen in Borussias Auswärtsschwäche mittlerweile aber wahrlich unerschütterlich geworden ist, fürchte ich, wir werden auch am Sonntag mit 1:2 das Nachsehen haben.

Mike Lukanz: Werden die Blätter gelb und braun, zieht der Wind rauher auf und sinken die Temperaturen, ist eine sportliche Krise am Niederrhein nicht weit. Vier Niederlagen in Folge werden durch das 1:1 zwar vermieden, aber so langsam verliert Borussia den Kontakt nach oben.

Thomas Zocher: Nicht im Vollbesitz ihrer Stärke reist die Borussia nach Frankfurt und trifft da auf einen dennoch schlagbaren Kontrahenten, der nicht die Klasse der Teams besitzt, die sich der Borussia zuletzt in der Liga auswärts entgegenstellten. Dennoch reicht es am Ende lediglich zum ersten Auswärtspunkt, da beide Mannschaften beim 1:1 nur einen Treffer erzielen. 

Christian Heimanns: Tja, es gehen einem die geistreichen Bemerkungen und spritzigen Aphorismen aus. 2:0 Frankfurt. 

Hans-Jürgen Görler: Nachdem die tolle Heimserie gerissen ist, dürfte eigentlich langsam auch einmal die Auswärtsserie reißen. Naja, in der Hinrunde aber wohl noch nicht. Es steht zu befürchten, dass die Borussia sich einmal mehr als Aufbaugegner betätigt und den Frankfurtern verlorenes Selbstvertrauen zurückgibt. Die Remiskönige der Liga werden ihren zweiten Dreier einfahren und mit einem 2:0 für so manche Herbstdepression am Niederrhein sorgen.

Christoph Clausen: Wer die Worte Huhn, blind und Korn bei Google eingibt, kommt auf 50.100 Treffer. Bei "Trendwende" sind es 982.000. Welcher Wert am Sonntag zu erhöhen ist, bleibt zwar abzuwarten, Borussias 1:0-Sieg in Frankfurt könnte aber in beide Kategorien passen.

Der Gegner im Internet: http://www.eintracht-frankfurt.de/ 

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
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  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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