Am morgigen Freitag endet für Borussia endlich das leidige Sportjahr 2006, in dem uns in bislang 35 Pflichtspielen kaum eine beeindruckende Leistung vorgeführt wurde. Mit 32 Punkten in 33 Ligaspielen kommt man zudem auf eine Jahresbilanz, die in der Borussen-Historie nur vom Seuchenjahr 1998 noch unterboten wird. Nimmt man die letzten Wochen und Monate zum Maßstab, so gibt es Weniges, was uns Mut macht, dass sich diese schwache Bilanz an diesem Wochenende beim VfL Bochum noch sonderlich wird verbessern lassen. Vom ersten Auswärtssieg der Saison wagt man kaum zu träumen. Ein Punkt ist immerhin nötig, um den Absturz auf einen Abstiegsplatz zu verhindern.  

 

Borussia:  

Der Hoffnung aus dem Bayern-Spiel ist durch das 1:1 gegen Tabellenschlusslicht Mainz wieder einmal die Ernüchterung gefolgt. Die Krise ist immer noch nicht durchschritten, wenngleich man die Talsohle mit den desolaten Heim-Auftritten gegen Schalke 04 und Hannover 96 überwunden haben sollte. Mindestens so viel Kampf und Einsatz wie bei den Bayern wird nötig sein, wenn man bei den daheim wieder erstarkten Bochumern punkten möchte. Angetrieben von ca. 10.000 Borussen-Fans sollte unseren Spielern die Heimatmosphäre ausreichend Motivation liefern, um sich anständig aus der Hinrunde zu verabschieden. 

Personell wird Borussia wieder mit Oliver Neuville und Tobias Levels planen können, deren Verletzungen weitgehend abgeklungen sind. Levels kann gleich den nächsten Verletzten ablösen, da Bo Svensson die im Mainz-Spiel erlittene Innenbanddehnung an einem Einsatz hindert. In der Viererkette wird  Heynckes eine weitere Änderung vornehmen, nachdem Marvin Compper „aus disziplinarischen Gründen“ aus dem Kader gestrichen wurde, weil er beim Fanprojekt-Nachspiel eine unbedachte Äußerung tätigte, die ein Maulwurf des Express an die Öffentlichkeit brachte. Für den Youngster bietet sich Kasper Bögelund als Alternative mit weit größerer Erfahrung an, der als Rechtsfuß schon für die dänische Nationalmannschaft links hinten ausgeholfen hat.  

Das Mittelfeld hingegen bietet keinen Anlass für eine neuerliche Rotation. Federico Insua gehörte gegen Mainz noch zu den wenigen Lichtblicken und hat sich so seinen Stammplatz fürs erste erspielt. Bei Thijs, Kluge und Kirch spricht auch nichts dagegen, sie weiter in der Startelf zu belassen. Während das Mittelfeld in seiner Besetzung also kaum hinterfragt wird, stehen kurioserweise die beiden Stürmer stärker in der Kritik. Dabei krankt es bei Borussia weniger im Abschluss als daran, überhaupt erst genügend Chancen zu erarbeiten. Laut kicker-Chancenstatistik haben wir bislang mit Abstand die wenigsten Tormöglichkeiten aller Bundesligisten zustande gebracht. Hier muss der Hebel zunächst angesetzt werden, ehe man über die Stürmer diskutiert, die ohne Chancen in jedem Fall in der Luft hängen müssen.
 

Trotzdem steht außer Frage, dass man die Leistungen von Kahê und Delura in der bisherigen Saison kritisch hinterfragen darf. Bei Michael Delura blitzt das Können leider viel zu sporadisch auf. 1 Tor aus bislang 16 Einsätzen ist für einen Stürmer viel zu wenig, zumal er nur selten so zu überzeugen weiß, wie vorletzte Woche bei den Bayern. Kahê wiederum befindet sich seit Wochen im Formtief und empfiehlt sich dringend für einen Platz in der Reserve. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass Heynckes ihm diesen zugesteht, da die Alternativen einmal mehr beschränkt sind. Wesley Sonck konnte wegen Magen-Darm-Problemen in der Woche nicht komplett trainieren, wird aber nicht nur deswegen kaum eine Chance auf einen Einsatz haben. Nachdem er zuletzt dreimal außen vor war, spricht nichts dafür, dass sich seine Lage urplötzlich geändert hat. Eher noch wäre Oliver Neuville eine Alternative. Hier deutet sich aber an, dass der Nationalstürmer im Laufe der zweiten Halbzeit als Joker kommen wird. 
 

Der Gegner aus Bochum:
 

Marcel Koller ist in der beneidenswerten Situation, zum dritten Mal in Folge dieselbe Elf aufbieten zu können. Verletzungssorgen sind den Bochumern seit Wochen fremd. Zuletzt musste man lediglich auf Heiko Butscher verzichten, der im Spiel bei Schalke 04 eine Rote Karte sah und zwei Spiele aussetzte. Sein Einsatz wäre am Freitag zwar wieder möglich. Da Bochum zuletzt aber ansprechende Leistungen auch ohne ihn erzielte und der Ex-Stuttgarter nicht wesentlich stärker einzustufen ist als seine Konkurrenten in der Innenverteidigung, dürfte er sich zunächst auf der Bank wieder finden.  

Defensiv vertraut Bochum auf den Doppel-Sechser, den zuletzt Thomas Zdebel und Christoph Dabrowski zufrieden stellend ausfüllten. Hierdurch soll den Gegnern im Mittelfeld das Leben schwer gemacht werden, was aber nicht immer vollständig gelingt. So wussten nacheinander Leverkusen, Berlin und Frankfurt drei Treffer gegen den VfL zu erzielen. Für die Hessen war es Pech, dass Bochum dem gleich vier eigene Tore entgegensetzte. Jener glanzvolle 4:3-Erfolg, der an unser Spiel gegen selbigen Gegner aus dem Vorjahr erinnerte, wird in Bochum als Wendepunkt angesehen. Zuvor war man bei Heimspielen massiv erfolglos. Nur gegen Bielefeld kam man zum Erfolg, während 5 der ersten 6 Heimspiele verloren gingen. Dem 4:3 über Frankfurt folgte vorletzte Woche ein hart umkämpftes, aber enorm wichtiges 2:1 über den HSV, mit dem man sich im Abstiegskampf bewährte. Denn wenn man in Bochum eins im Laufe der letzten Jahrzehnte gelernt hat, ist es der Umgang mit jener Situation am Tabellenende. Selbst wenn man längst nicht mehr als „unabsteigbar“ gilt, muss sich Borussia auf eine enorm kampfstarke, leidenschaftliche Heimelf einstellen, die fußballerisch dagegen ähnlich limitiert ist wie wir selbst.
 

Für kreative Impulse soll in erster Linie Misimovic sorgen, der in den letzten Wochen immer besser in Schwung kommt und daher sinnbildlich für die verbesserte Situation des Revierklubs gelten kann. Als es beim Ex-Münchener zu Saisonbeginn nicht lief, sackte der VfL in der Tabelle weit ab und wurde bereits als klarer Absteiger gehandelt. Jetzt sieht die Welt schon wieder freundlicher aus und mit einem weiteren Heimsieg kann man sich gar zum Ende der Vorrunde von den Abstiegsrängen befreien, die man an den Spieltagen 2-14 durchgängig beheimatete. 
 

Gegen den HSV glänzte Spielmacher Misimovic u.a. durch einen genialen Freistoß, den er aus 20 Metern in den linken oberen Torwinkel zirkelte. Auf solche Standards sei also Acht gegeben, wie auch das Kopfballspiel zu den Stärken einiger Bochumer Spieler gehört. Maltritz, Gekas und Butcher trafen zuletzt auf diese Weise, aber auch Dabrowski, Drsek und van Hout verfügen über beachtliche Stärken in der Luft. 
 

Im Sturm ist zudem der Grieche Theofanis Gekas zu beachten, der als Einzelkämpfer über einen starken Torriecher verfügt. In 16 Pflichtspielen für Bochum erzielte er bereits 8 Treffer und konnte es sich gar leisten, dabei noch zahlreiche hochkarätige Möglichkeiten zusätzlich zu vergeben. 
 

Bilanz:
Wieder einmal geht es gegen eine Mannschaft, gegen die wir seit über 10 Jahren auswärts sieglos sind. Am 25. März 1995 trafen noch Spieler wie Thomas Kastenmaier und Heiko Herrlich für Borussia, was Nostalgiker in Entzücken versetzen mag. Realisten erkennen daran, wie lange diese besseren Zeiten unseres Vereins schon her sind. In den letzten 6 Spielen im (einstigen) Ruhrstadion setzte es 5 Niederlagen, wenngleich man oft genug gar nicht so schlecht aussah. Erinnert sei an Asanins unsägliches Eigentor in letzter Minute zum 0:1 im Jahr 2004 oder an das 1:1 im Jahr zuvor, als noch Mikael Forssell zur Führung traf und Borussia gut und gerne hätte gewinnen können. Eindeutiger dagegen das 0:3 beim letzten Aufeinandertreffen im Oktober 2004, was Holger Fach ein unrühmliches Ende als Borussen-Trainer bereitete.  

Schiedsrichter: Mit Günter Perl haben beide Mannschaften in dieser Saison bereits gute Erfahrungen gemacht. So gewann Borussia das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg mit 3:1, wobei der Münchener einen möglichen Elfmeter für die Wölfe nicht gab, als Bernd Thijs im eigenen Strafraum etwas ungeschickt Makiadi trat. Bochum wiederum hatte gegen Bielefeld Glück, dass den Gästen ein Elfmeter versagt blieb, der den ersten Saisonheimsieg wahrscheinlich verhindert hätte. Auch sonst konnte Perl in dieser Saison noch nicht wirklich glänzen. So unterließ er es, beim Spiel Cottbus-Hamburg David Jarolim für ein absichtliches Handspiel auf der Linie die Rote Karte zu zeigen, weil er den konkreten Spieler nicht ausmachen konnte. Bei der Partie Dortmund-Bielefeld versagte er zunächst der Dortmunder Führung die Anerkennung, um später dann auf der Gegenseite einen Elfmeter nicht zu pfeifen.
Insgesamt ist Perl aber ein gutes Omen für uns, da wir in 4 Partien unter seiner Leitung nicht verloren haben. Letztes Jahr gab es Heimsiege gegen Mainz (1:0) und Bielefeld (2:0) sowie – hört hört – einen Auswärtspunkt in Berlin (2:2).  

Aufstellungen
 

Borussia:
Keller – Helveg, Levels, Zé Antonio, Bögelund – Kirch, Thijs, Insua, Kluge – Kahê, Delura
Ersatz: Heimeroth – Polanski, El Fakiri, Sonck, Neuville, Degen, Fleßers
Es fehlen: Jansen, Daems, Svärd, Svensson (verletzt) 

Bochum:
Skov-Jensen – Lense, Maltritz, Drsek, Bönig – Schröder, Dabrowski, Zdebel, Trojan, Misimovic - Gekas
Ersatz: Bade – Bechmann, Ilicevic, van Hout, Auer, Grote, Butcher
Es fehlt: keiner 

Schiedsrichter: Günter Perl (München)
Assistenten: Josef Maier (München), Deniz Aytekin (Nürnberg)
Vierter Offizieller: Alexander Schlutius (Lingenfeld)  

SEITENWAHL-Meinung
 

Michael Heinen:
Wie so oft in den letzten Jahren wird Borussia in Bochum bemüht und auch gleichwertig sein. Am Ende stehen wir aber wieder als Verlierer da und müssen nach dem 1:2 damit leben, auf einem Abstiegsrang zu überwintern. Fröhliche Weihnachten!

Mike Lukanz:
8 Grad, Nieselregen, grauer Himmel, genervte Autofahrer und Verkäufer, quälend nervige Werbespots. Alles sichere Zeichen dafür, dass Weihnachten vor der Tür steht. Ein sportlich und spielerisch arg bescheidenes Jahr 2006 neigt sich dem Ende. Wieder werden alle Hoffnungen aufs nächste Jahr verschoben. Nach dem 1:1 in Bochum, das beide Mannschaften nicht gebrauchen können, entgleiten wir in die besinnliche (Un)Ruhe der Festtage und lassen uns überraschen, was uns das Christkind und Peter Pander an Geschenken bringt.

Thomas Zocher:
Vom Stadion an der Castroper Straße bis hin zu Rewirpower, das straßenbahnfreundliche Ruhrstadion trug schon mehrere Bezeichnungen. Unvergessen dabei ein Sieg nach dem ich glaubte die Borussenelf habe das Zeug zum Deutschen Meister. Thomas Kastenmaier donnerte da einen Freistoß, Heiko Herrlich wuchtete einen Kopfball ins Tor. Unvergessen aber auch manch ein Spiel in Bochum in den letzten Jahren. So zum Beispiel ein 2:2 im gemeinsamen Zweitligajahr mit einem schlechten Schiedsrichter und einem Gästetrainer bepöbelnden Ordner. Damals ging es um den Aufstieg, den letztlich der in jenem Match bevorteilte Bochumer VfL vollzog. Dieses Mal geht es um den Klassenerhalt und da sich im Fußball Gerechtigkeit immer ausgleichend zeigt, entschädigt das hauchdünne 2:1 der Borussia beim VfL Bochum bloß für die dubiosen Kuriositäten beim letzten Gastspiel in Bochum.

Christian Heimanns:  Der aktuelle Bochumer Höhenflug kommt höchst unpassend und weckt im Vorhinein Erinnerungen an Holger Fachs Abschied. Ich biete meinen verbliebenen Optimismus auf und wünsche mir mehr als dass ich es tippe, dass der 5stellig vertretene Gladbacher Anhang ein 2:2 herbeijubelt.

Christoph Clausen:
Zum Jahresende reißt sich die Borussia noch einmal zusammen und erkämpft sich ein fulminantes 0:0 in Bochum. Dass man damit knapp vor einem Abstiegsrang überwintert, trägt indes nur sehr bedingt zur Entspannung bei. 

Hans-Jürgen Görler:
Miserable Leistungen, goldene Schuhe, tolle Ausreden - so präsentieren sich die Möchtegern-Borussen Ende 2006. Da ich mittlerweile aber schon richtig gut weihnachtlich gestimmt bin, tippe ich lediglich auf ein 2:0 für den VfL Bochum. An dieser Stelle grüße ich Daniela und Elmar. Geteiltes Leid ist halbes Leid, gell?! :-) 

Der Gegner im Internet:
http://www.vflbochum.de/

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