Endspiel. Ohne einen Sieg am Samstag können wir wohl alle Hoffnungen auf eine nächste Saison in der höchsten deutschen Spielklasse begraben. Endspiel, und es braucht überhaupt Zuversicht, bei 5 Punkten Rückstand die Sache nicht aufzugeben. Endspiel? Auch wenn wir es gewinnen ist jedes Spiel, das bis zum Schluss kommt das gleiche: Ein Endspiel.

Die Lage muss nicht mehr groß bekanntgegeben werden. Wir haben den Kopf in der Schlinge und die Frankfurter kommen, um uns den Stuhl wegzutreten. Die verbleibende Hoffnung gründet sich darauf, dass wir noch 5 Heimspiele haben, dass die Mannschaft sich zuletzt kompakt und geschlossen zeigte, und dass endlich Neuville wieder in die Mannschaft zurückkehrt, wenn auch nicht von Beginn an.. Kerzen sind trotzdem willkommen.

Borussias Defensive

Hier bleibt alles wie gehabt. Aus der Linie Jansen , Ze Antonio, Gohouri, Bögelund ragte in dieser Woche der deutsche Nationalverteidiger vor. Zum einen durch seine besonders in Prag herausragende Leistung, zum anderen durch die dadurch befeuerten Wechselspekulationen. Schon in Leverkusen spielte er fast wie ein Linksaussen, obwohl er immerhin Kießling bewachen musste. Es steht zu hoffen, dass er sich am Mittwoch nicht zu sehr verausgabt hat; halbes Pensum kennt Jansen im fitten Zustand wohl nicht.

Ein Fragezeichen steht zudem hinter Kasper Bögelund, den eine Innenbanddehnung im Knie plagt. Zudem wird er gerade Vater, wofür er einen möglichen Einsatz in der dänischen Nationalelf abgesagt hat.

Dass Keller erst am Freitag vom Länderspieleinsatz für die USA zurückkehrt, sollte den erfahrenen Torwart nicht weiter beeinträchtigen. Unterm Strich bleibt eine Abwehr, die ein Tor weniger kassiert hat als Bremen und nur eines mehr als die Bayern. Wenn es am Ende nicht reichen sollte, hat es am wenigsten am defensiven Bereich gelegen.

Den Part vor der Abwehr gibt erneut Hassan El Fakiri. Der Norweger hat sich überzeugend in die Mannschaft zurückgespielt, schaltet mit seiner Beweglichkeit im Zweikampf gegenwärtig jeden Spielmacher aus. Dass er keine echte Größe im Spielaufbau darstellt, müssen andere auffangen.

Borussias Offensive

Links im Mittelfeld ist weiterhin Peer Kluge gesetzt auf seiner Abschiedstournee. Eine Leistung wie gegen Berlin wäre wünschenswert, lieber noch 8 Leistungen. Das rechte Mittelfeld wird wohl David Degen beackern, denkbar wäre auch ein Einsatz von Thygesen, der im Spiel gegen Leverkusen zum Ende hin kurz aufblitzen liess, warum auch andere Vereine als Borussia am Dänen interessiert waren und weiterhin sind. 

Ein von vielen Fans herbeigesehnter Einsatz von Marko Marin auf dieser Position scheint zu Anfang erst mal ausgeschlossen. Man würde dem jungen Mann eine risikoloseres Debut wünschen; allerdings nähern wir uns eventuell Spielen, in denen sein Einsatz ohnehin kein Risiko mehr darstellt.

Falls Luhukay, durch Deluras Ausfall bedingt, wieder mit 2 Stürmern agiert, wird Federico Insúa aus der Halbstürmerposition zurück hinter die Spitzen gehen. Man wünscht sich, dass sich zu seinen vielen guten Ansätzen, Einfällen und überraschenden Pässen mehr Torgefahr gesellen würde. Der eine Schuss von der Strafraumgrenze gegen Leverkusen war nicht gerade dazu angetan, Adler zu erschrecken. Dass unsere Mannschaft vielleicht die schussschwächste der Liga ist (wer erinnert sich an ein Tor durch einen Weitschuss? Oder überhaupt an einen gefährlichen Weitschuss?) ist nicht alleine Insúas Verschulden, aber auch er könnte es besser machen.

Obwohl Oliver Neuville ursprünglich schon vor 2 Wochen spielen wollte, ist er auch jetzt noch nicht fit für das ganze Spiel. Beim Auftreten mit 2 Stürmern käme dann Kahê wieder zu einem Einsatz von Anfang an neben dem im Moment gesetzten Nando Rafael. Die Alternative zu dieser Aufstellung wäre, Delura als hängende Spitze durch Thygesen zu ersetzen, aber darauf deutet nicht viel hin. 

Der Gegner aus Frankfurt

Der Absturz in den dicksten Abstiegskampf war für die Eintracht zuletzt ungewohnt. Zu schön war die Zeit, in der überall der offensive Fussball, der Einsatz von jungen Spielern aus der weiteren Umgebung und die kontinuierliche Arbeit von Trainer Funkel gelobt wurden. Seit dem Aufstieg vor 2 Jahren ging der Blick mehr nach oben als in den Abstiegskampf, diese Rückrunde war aber eher von Rückschlägen geprägt. Nach dem Niedergang auf einen Abstiegsplatz war schon von einer „Schonfrist für Funkel" die Rede.

Da konkrete Gründe wie z.B. eine Verletzungsserie nicht greifbar waren, musste für den Formverfall die Floskel vom „schweren zweiten Jahr" herhalten. Offenbar steckt es die junge Mannschaft nicht so leicht weg, wenn Leistungsträger wie Alexander Meier ihre Form nicht finden. Viele Gegentore in den Schlussminuten der Spiele stellen ein Symptom dar, keine Ursache und könnten in mangelnder Erfahrung begründet liegen.

Zuletzt verschaffte sich das Team mit einem ihrer traditionellen Heimsiege gegen den FC Bayern Luft. Dabei geriet es aber etwas aus dem Blick, dass das Traumtor von Christoph Preuß den einzigen Schuss der Frankfurter auf des Gegners Kahn darstellte und dass die Bayern eine Vielzahl an eigenen Chancen großzügig ausliessen. Der vielbeachtete Sieg mag daher nicht unbedingt ein Ende der Frankfurter Krise einläuten; ausser 3 Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz wird er aber auch einiges an Selbstvertrauen wieder hergestellt haben.

Frankfurts Defensive

Im Tor wurde bei Elfmeterspezialist Pröll ein Rippenbruch festgestellt, das Tor wird daher wieder Oka Nikolov hüten. Angesichts seiner Erfahrung wird das nicht unbedingt eine Schwächung der Eintracht darstellen, aber vielleicht gibt es ja auch mal wieder einen Strafstoß für uns.

Die Abwehr besetzen links der schnelle Neunationalspieler Ochs, rechts der Schweizer Sypcher sowie zentral der phyisch ungemein starke Kyrgiakos und der zuverlässige Vasoski. Nachdem wir bisher schon aus Standards nicht das Kapital schlagen konnten wie in der vergangenen Saison, erscheint es unwahrscheinlich, dass Gohouri & Co. gegen die kopfballstarke Innenverteidigung zum Erfolg kommen sollten. 

Frankfurts Offensive

Trainer Friedhelm Funkel wechselt gerne Taktik und Aufstellung in Abhängigkeit vom Gegner. Dabei variiert er zwischen 4-2-3-1 und einem 4-4-2, wobei ein Platz im defensiven Mittelfeld immer für Michael Fink reserviert ist, der dort den beinharten Brasilianer Cris abgelöst hat. Christoph Preuss rückt entweder neben ihn oder bei Formation einer Raute auf den linken Platz im Mittelfeld. 

In fittem Zustand rückt Albert Streit ins rechte Mittelfeld, gibt zumeist aber eine Art Rechtsaussen. Technisch beschlagen und dribbelstark mangelt es ihm zwar an Torgefahr, schafft es aber oft, seine Kollegen in Szene zu setzen. Defensiv ist er nicht unbedingt eine Macht, da steht ein interessantes Duell mit Marcell Jansen an.

Hinter den Spitzen wird der lange Alexander Meier auflaufen, dessen zielgenaue Pässe einiges zur positiv verlaufenen Vorsaison der Eintracht beigetragen haben. Diese Saison verlief weit wechselhafter und eine Berufung in die Nationalelf ist schon seit einiger Zeit kein Thema mehr. 

Falls 2 Stürmer auflaufen, wird einer davon voraussichtlich Michael Thurk sein. Das merkwürdige Wechseltheater zu Beginn der Saison hat sich für ihn und seinen neuen Arbeitgeber nicht unbedingt ausgezahlt; Thurk kam nie so zur Geltung wie in Mainz und hat erst drei Treffer zu Buche stehen. Für viele Beobachter kam es durchaus überraschend, dass Naohiro Takahara seinerseits schon 10 mal getroffen hat. Zum Beispiel im Hinspiel gegen uns, als er den schnell ausgeführten Freistoß von Streit verwerten konnte. Ioannis Amanatidis hat sich eine erneute Verletzung zugezogen und fällt für Samstag aus. 

Einer der interessantesten Frankfurter beginnt auf der Bank: Marcel Heller, der pfeilschnelle Mittelfeldspieler, der wie Streit mehr eine Art Aussenstürmer darstellt. Nach gefälligen Leistungen in der U21 (und dem Tor am Dienstag gegen Tschechien) setzt man am Main große Hoffnungen in den 21jährigen, der in der Hinrunde noch für Siegen in der Regionalliga gespielt hat.

Im Fazit ist es ein Handicap, dass Neuville nicht in der Startelf beginnen kann. Auch wenn Borussia zuletzt geschlossener auftrat, ist die mangelnde Torgefahr weiterhin das entscheidende Problem dieser Mannschaft. Setzen wir unsere Hoffnung in die Erinnerung an das Heimspiel der letzten Saison gegen Frankfurt, als das ganze Team, aber besonders Neuville nach der Halbzeitpause so richtig aufdrehte und den 4:3 Sieg erkämpfte.

Bilanz

Es ist das 35. Bundesligaduell beider Mannschaften und alle 35 Duelle fanden auf höchster Ebene, der ersten Fußball-Bundesliga, statt. Insgesamt trug die Borussia in diesen 34 bisherigen Bundesligaheimpartien gegen die Adlerträger aus der hessischen Finanzmetropole 14 Erfolge und 8 Unentschieden davon. Acht Mal unterlag sie der Frankfurter Eintracht vor heimischem Publikum, zuletzt am 14. September 2003 (0:2) in einem deshalb denkwürdigen Spiel, weil es einerseits Ewald Lienens letztes Heimspiel als Borussentrainer war und der ehemalige Spitzbartträger nach dem Match in einem Rundfunkinterview beachtliche Schwächen in der Kenntnis der Biographien seiner ihm zugeordneten Mannschaft offenbarte. In jenem Match war Frankfurt durch Markus Kreuz, der heutzutage in Offenbach Zweitligadienst schiebt, in Führung gegangen und hatte in der Schlußminute durch Henning Bürger eine Kontermöglichkeit genutzt, die aufgrund der angedachten Schlußoffensive der Borussia sich der Elf ihres damaligen Coaches Willi Reimann geboten hatte.
Zwei Tore lagen die Frankfurter auch bei ihrem letzten Mönchengladbach-Besuch in Front, es war der 17. Dezember 2005 und die Borussia hatte zu jenem Zeitpunkt noch rund 70 Minuten Zeit für eine Aufholjagd. Diese leitete Marcell Jansen nach einem Fehler des Frankfurters Rehmer ein. Nachdem sich die Frankfurter wacker gegen eine in Fahrt kommende Köppelelf gewehrt hatten und Nikolov in der 75. Minute einen von Rehmer an Kahê verursachten Strafstoß von Oliver Neuville nicht aus den Maschen hatte holen müssen, wähnten sich die Hessen, die sich zuvor über eine Abseitsendscheidung von Referee Dr. Merk echauffiert hatten, auf der sicheren Seite. Sie fehlinterpretierten vor allem den Ehrgeiz den Fehlschütze Neuville darob entwickelte. In einer der mitreißensten Schlußviertelstunde in der Geschichte des Stadions an der Hennes-Weisweiler-Allee fielen noch vier Tore, davon drei für die Borussia und zwei durch Oliver Neuville. Am Ende stand es 4:3 für Borussia und die Borussia hatte zur Saisonhalbzeit bereits 25 Pluspunkte auf dem Konto.

Schiedsrichter

Mit Thorsten Kinhöfer präsentiert sich im Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee an diesem Spieltag ein 1,92 Meter großer Controller vom RSV Wanne, der in Herne wohnhaft ist und seit September 2001 in der Bundesliga der Parteilichkeit den Kampf angesagt hat. Für Kinhöfer wird die Partie der 82. Bundesligaauftritt, wobei er darauf setzen wird, dass ihm eine bessere Leistung gelingt als in seiner Einundachtzigsten. Diese fand am Sonntag vor einer Woche im Bremer Weserstadion beim Spiel des SV Werder gegen Mainz 05 (2:0) statt und brachte ihm seitens des Mainzer Trainers Jürgen Klopp die für Klopp vom DFB-Sportgericht schließlich mit 12.500 Euro dotierte Beleidigung "Du Idiot" für eine von den Gästen in Zweifel gezogene Freistoßentscheidung ein.
Die Borussia behelligt der Sportsfreund in der laufenden Saison mit dem Spiel gegen Frankfurt zum ersten Mal, seine letzte Partie im Stadion an der Hennes-Weisweiler-Allee datiert nämlich vom 26. Spieltag der vergangenen Saison und erbrachte ein durch ein Kopfballtor Milan Fukals ergeigtes 1:1-Remis gegen den VfB Stuttgart. Zuvor hatte Kinhöfer, der erst zum zweiten Mal seit dem Bökelbergumzug in Mönchengladbach die Pfeife ertönen lassen wird, die Auswärtsniederlage in Wolfsburg (0:2) im Februar 2006 betreut und in der Spielzeit 2004/2005 nach einer knappen Auswärtsniederlage in Kaiserslautern am 25. Spieltag noch der deftigen 1:5-Klatsche am 34. Spieltag bei Bayer Leverkusen beigewohnt. Jenes Spiel, in dem Borussias neuer Sportdirektor Christian Ziege letztmalig in der Bundesliga aktiv gegen den Ball trat.

Aufstellungen

Borussia: Keller - Jansen, Zé António, Gohouri, Bögelund - Kluge, El Fakiri, Insúa, Degen - Rafael, Kahê.
Ersatz: Heimeroth - Svensson, Polanski, Svärd, Kirch, Thijs, Compper, Fleßers, Levels, Baumjohann, Thygesen, Neuville, Marin.
Es fehlen: Daems, Delura (verletzt)

Eintracht: Nikolov - Ochs, Vasoski, Kyrgiakos, Spycher - Preuß, Fink, Meier, Streit - Takahara, Thurk.
Ersatz: Alvarez - Holzhäuser, Rehmer, Cris, Huggel, Reinhard, Russ, Chaftar, Toski, Heller
Es fehlen: Köhler, Weisenberger, Amanatidis, Pröll, Zimmermann (verletzt), Jones (Aufbautraining).

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Schiedsrichterassistenten: Christian Schräer, Detlef Scheppe
Vierter Offizieller: Stefan Schempershauwe

SEITENWAHL-Meinung

Christian Heimanns: Alles andere als einen Sieg zu tippen wäre ein Ausblick auf die zweite Liga. Daher ein 2:1 für Borussia, in Erwartung der nächsten Endspiele.

Mike Lukanz: Jansen will weg, Polanski zögert, Luhukay bekommt Vertrag, der auch für die 2. Liga gilt. Durch die Länderspielpause scheint die Konzentration für das Wesentliche etwas verloren gegangen zu sein. Es gilt nach wie vor: noch 8 Spiele! Nach den jeweils offensiv auftretenden Gästen aus Bremen und Berlin wird das Spiel gegen die sehr defensiv agierenden Hessen ein Geduldsspiel, das schon die Bayern vor knapp 2 Wochen erleiden mussten. Am Ende wird es jedoch zu einem 1:0-Arbeitssieg der Borussia reichen.

H. Jürgen Görler: Die Borussia muss gewinnen und sie wird gewinnen. Nach dem 3:1 gegen die Eintracht aus Frankfurt ist das Glas wieder halb voll.

Christoph Clausen: Borussia lebt noch und siegt 2:0.

Joachim Schwerin: Ja, so geht's aus. 2:0.

Michael Heinen: Oh je, Borussia. Schon die drei fest eingeplanten Punkte gegen die Eintracht werden schwerer zu holen sein, als manch einer glaubt. Am Ende reicht es nur zu einem 1:1 und selbst die letzten Optimisten verlieren so langsam ihren Glauben.

Thomas Zocher: Napoleon Bonaparte ließ sich zwischen Moskau und seiner Herrschaft der Hundert Tage einst dahingehend aus, dass es vom Erhabenen zum Lächerlichen nur ein Schritt sei. Jack Johnson, der erste Boxweltmeister mit afrikanischem Teint, meinte er habe zwar viele Fehler außerhalb des Boxrings gemacht, nie jedoch einen einzigen innerhalb. Und einer derer, die später in derselben Sportart Joe Louis unterlagen, meinte er bekäme allein durch die namentliche Erwähnung dessen schon eine blutige Nase. Was als Botschaft tüchtig martialisch klingt, ist letztlich einfach. Wenn die Frankfurter schon allein von dem Gedanken an das Team Borussia weiche Knie bekommen, hat es die riesige Chance auf dem Feld den Schritt in die richtige Richtung zu machen. Ich setze darauf, ich setze auf das Team. Ich tippe auf Borussia, 2:1.

Der Gegner im Internet: www.eintracht.de

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