Mit einem in der Höhe verdienten 4:1-Heimerfolg verschaffte sich der FSV Mainz 05 am dritten Spieltag der 2. Fußball-Bundesliga den zweiten Saisonsieg. Während die Mainzer glücklich sein durften, konnte man mit Bezug auf Borussia Mönchengladbach feststellen, dass die Mannschaft am heutigen Tage ebenso kopflos und panisch agierte wie große Teile ihrer Anhängerschaft in der zurückliegenden Woche. In einem Spiel, in dem die Borussenelf völlig zusammenhanglos blieb, erzielte Patrick Paauwe den Ehrentreffer für die Borussia, Juniorennationalspieler Marko Marin vergab die nächstbeste von unter dem Strich drei Gladbacher Torchancen durch einen Schuß an den Außenpfosten des Tores der Heimelf.

Im Vergleich zur Startelf des Heimspiels gegen Hoffenheim 1899 nahm Trainer Jos Luhukay zwei Veränderungen vor. Für den erkrankten Sebastian Svärd ließ er Rob Friend auflaufen, der in die Spitze agierte, für den verletzten Marcel Ndjeng absolvierte mit Sharbel Touma ein weiterer Neuzugang sein erstes Pflichtspiel in der Startformation der Borussia. Ansonsten verschob sich ob des Fehlens von Svärd Soumaila Coulibaly in die etwas defensivere Mittelfeldposition an der Seite von Patrick Paauwe und Sascha Rösler rückte in jene offensive Mittelfeldrolle, die Coulibaly gegen Hoffenheim noch ausgeführt hatte.

Mit einer vollauf nervösen Anfangsviertelstunde wiederholte die Borussia einen schon gegen Kaiserslautern und Hoffenheim dargebotenen Spielstart. Dabei bot sie das, was im Spielverlauf ihr symptomatischstes Erkennungsmerkmal werden sollte - die Zusammenhanglosigkeit - in nahezu jeder Szene. Gerade von den Mainzern übernommene Bälle wurden auf dem schnellsten Weg wieder verloren, zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen eröffneten sich meterweite Lücken und inmitten dieser Unansehnlichkeiten ging das Mittelfeld der Borussia ebenso unter wie ein gepflegtes Passspiel. Sowohl im Angriff, wo Rob Friend meist in der Luft gesucht und nicht gefunden wurde (etwa durch Toumas Flankenversuch in der 8. Spielminute), als auch in der Abwehr sprangen und hüpften die mit einem Borussentrikot versehenen Spieler meist planlos umher und hatten sich nicht zu wundern, dass den Mainzern mit ihrer ersten echten Torgelegenheit der Partie in der 12. Spielminute durch Borja der frühe Führungstreffer gelang; Alexander Voigt hatte in der Abwehrbewegung eine entstehende Abseitsfalle aufgelöst und die Position des Ekuadorianers vor dem Tor von Christofer Heimeroth damit legalisiert.

Während sich die Borussia in den folgenden Spielminuten mehr darüber echauffierte, dass ein Mittellinien-Foul gegen Sascha Rösler von Schiedsrichter Perl nicht mit einer Verwarnungskarte gegen die Heimelf bedacht wurde, führten die Gastgeber durch einen auf dem Fuß folgenden direkten Freistoß des Daniel Gunkel bereits in der 16. Spielminute mit 2:0. Roel Brouwers hatte durch ein für Schiedsrichter Perl gelbwürdiges Foul, infolge eines Stellungsfehlers von Kasper Bögelund, einen Freistoß verursacht, den der ehemalige Cottbusser in den Mainzer Kleidern direkt zum Torerfolg nutzte. Dieser umjubelte Treffer sorgte bei den Mainzern schlagartig für mehr Souveränität und Ruhe im Spiel, die ohnehin kopflos agierende Borussia wurde dadurch indes nicht zielstrebiger, verlor sich auch im weiteren Verlauf der ersten Spielhälfte vor allem einmal in hektischem Gebolze und ließ jeglichen Esprit wie auch Spielkultur & Engagement vermissen.

Nachdem sich Marko Marin in der 30. Spielminute beinahe im Strafraum der Gastgeber mit dem Ball gegen den keck zu Werke gehenden Einwechselspieler der Heimelf, Markolf, durchgesetzt hatte und mit leichtem Erstaunen feststellte, dass Schiedsrichter Perl auch in dieser Szene die Gelbe Karte in seiner Brusttasche ließ, erhielt im Gegenzug Patrick Paauwe für ein unbeabsichtigtes Foulspiel im Mittelfeld eben diese Verwarnung vom Schiedsrichter.
Viel eher hätte diese dabei der am heutigen Freitag ebenso wie Soumaila Coulibaly völlig neben sich stehende Sascha Rösler, Borussias Kapitän, sehen müssen, doch dessen rüdes Vergehen gegen Hoogland akzeptierte der Münchener Referee mit relativer Leichtigkeit.

Bis zum relativ pünktlichen Halbzeitpfiff verlief das Spiel wie skizziert. Wenn die Borussia es einmal schaffte den gerade erlangten Ballbesitz nicht sogleich wieder einzubüßen, dann währte ihr Kombinationsfluss jedoch kaum länger als das auf das erste Abspiel folgende zweite Abspiel. Marko Marins seichter Schuss in der 53. Spielminute war für Torwart Wetklo keine Prüfung, eher schon der Versuch Bögelunds infolge eines von Coulibaly kurz ausgeführten Freistoßes in der 40. Spielminute.

In jener Situation bewies die versammelte und versammelt aufgerückte Borussenmannschaft allerdings auch eine ihr über den gesamten Spielverlauf zu attestierende Naivität. Als Wetklo den Versuch Bögelunds gehalten hatte, beförderte der Tormann das Spielgerät umgehend in das Spiel zurück und dort genügten den gedankenschnellen Gastgeber wenige kurze Zuspiele um zu einer weiteren Großchance durch Felix Borja zu gelangen. Borussias bester Mann am heutigen Abend, Christofer Heimeroth, verhinderte jedoch, dass die Rheinhessen mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Halbzeitpause gehen konnten.

Aus der Halbzeitpause kamen beide Mannschaften in unveränderter Verfassung. Die im Hintertreffen befindliche Borussia vermochte auch jetzt zu keinem Zeitpunkt einen imaginären Schalter umzulegen. Zwar wurde hin und wieder das Kombinationsspiel nicht wieder sogleich von einem Fehlpass überschattet, doch merklich zusammenhängender agierte die Equipe trotzdem nicht. Obgleich es der Zufall wollte, dass ein Gunkel-Freistoß aus erheblicher Torentfernung von Steve Gohouris Ellenbogen abgefälscht wurde (51.) und prompt unhaltbar für Christofer Heimeroth im Borussentor zum 3:0 einschlug, die Mainzer waren auch hier in dieser Spielphase wieder die wesentlich ballwilligere Mannschaft, die sich ihre nunmehr glasklare Führung durch echtes Engagement und leidenschaftliches (Zusammen-)Spiel verdiente.

Nachdem bereits in der 55. Spielminute Oliver Neuville den enttäuschenden Sascha Rösler ersetzt hatte, gelang den Mainzern über einen schulbuchmäßigen Konter in der 60. Spielminute ihr viertes Tor. Die Borussia war in jener Situation zu einem Eckball gelangt und wieder waren - wie schon in der ersten Halbzeit bei der Möglichkeit des Felix Borja - sämtliche Borussenspieler so weit aufgerückt, dass das erfolgreiche Vereiteln einer Torchance für Borussia durch Mainz die Mainzer in die Lage brachte einen sehenswerten Tempogegenstoß zu initiieren. Nachdem der eingewechselte Amri das Duell mit dem letzten verbliebenen Borussen, Alexander Voigt, für sich entschieden hatte, demonstrierten die Gastgeber um Torschütze Feulner (60.) mit diesem Spielzug ihre völlige Überlegenheit. Nicht erwähnenswert, dass Heimeroth auch hier wieder sträflich von seinen Teamgefährten im Stich gelassen wurde.

Die Gastgeber hatten nun ihren Torhunger vorerst gestillt und verlangsamten das Spieltempo derart, dass die pomadig umherirrende Borussenelf in optischer Hinsicht mehr Spielanteile bekam. Die mündeten bei verlangsamtem Tempo nun auch ein bisschen öfter in Ansätze von Kombinationsfußball, blieben aber meist Stückwerk und ohne größeren Zusammenhang. So ließ sich auch nunmehr eigentlich nicht von einem Zusammenwirken der Borussenspieler sprechen, auch wenn besonders Oliver Neuville wesentlich besser mit Marko Marin harmonierte als zuvor Sascha Rösler und es daher sporadisch den Eindruck hatte als käme die Borussia langsam in Schwung - etwas, das bei einem Zwischenstand von 0:4 jedoch in jedem Fall zu spät gewesen wäre.

Kurz nachdem Marvin Compper den wirkungsfreien Sharbel Touma ersetzt hatte und Roberto Colautti (für den in der Luft hängenden Rob Friend) zu seinem ersten Pflichtspiel für die Borussia kam, erzielte Patrick Paauwe in Folge einer Ecke von der rechten Angriffsseite der Borussia den eigentlich unverdienten Ehrentreffer für eine Mannschaft, die sich schlichtweg über den die gesamte Spielzeit nicht als solche präsentierte. Hernach, als die Kräfte der Mainzer zusehends weniger wurden, kam die Borussia sogar noch zu zwei weiteren klaren Gelegenheiten vor dem Tor von Mainz-Torwart Wetklo, doch Marko Marin zirkelte die beste Torgelegenheit der Borussia im gesamten Spielverlauf (77.) an den Außenpfosten und beließ es damit bei einem Ehrentreffer für seine Mannschaft.

Es steht außer Frage, dass der Erfolg des FSV Mainz 05 in dieser Partie und auch in dieser Höhe vollauf in Ordnung geht. Im Gegensatz zu ihren Mönchengladbacher Kontrahenten präsentierten sich die Rheinhessen als gemeinsam agierende Mannschaft mit Freude am Fußballspiel. Selbst wenn etwa der zweite Mainzer Treffer aus einer Einzelaktion (direkter Freistoß) fiel und der dritte Ball per Zufall den Weg in das Netz fand, glücklich war der Erfolg des einen Bundesligaabsteigers über den anderen Bundesligaabsteiger in keinem Fall. Er war die Summe aus fußballerischen und mannschaftlichen Komponenten, die dieser Borussenmannschaft am heutigen Tage einfach fehlten. Borussia agierte planlos, kopflos und allenfalls in Fragmenten. Ganz besonders enttäuschten die (Zweitliga-)erfahrenen Spieler in der Stammformation wie Torschütze Patrick Paauwe, Soumaila Coulibaly, Alexander Voigt oder Sascha Rösler, von denen gerade in schwierigen Phasen dieses Spiels genauso wenig zu sehen und zu spüren war wie in entscheidenden Situationen.

Wesentlich erschreckender als die Tatsache der ersten Saisonniederlage ist so die Art und Weise wie diese erste Saisonniederlage der Borussia passierte. Im Grunde fühlte sich mancher Beobachter an die vergangenen Jahre mit all den abscheulichen Auswärtsgesichtern der vielen unterschiedlichen Borussenteams jener Spielzeiten erinnert. Eigentlich bot die Mannschaft allerdings kaum eine andere Leistung als die Mehrzahl derer ob zweier Remis zum Saisonauftakt schon hypernervös auf „Mechanismen des Geschäfts" abzielenden Teile der Anhängerschaft, die in der vergangenen Woche mit ihrer Hyperventilität in und um Borussia Mönchengladbach für die erste große Ernüchterung der noch jungen Spielzeit gesorgt hatten. Inwiefern es diesen Kräften zum Vorteil gereicht, dass die Mannschaft das wahrmachte, was sie ihr im Frust über ein torloses Heimremis gegen einen schon im Vorfeld unterschätzten Zweitligaaufsteiger voraussagten, sei dahingestellt.

Klar ist aber auch, dass die bevorstehende Woche für die Borussia somit kaum noch unruhiger als die vorherige werden kann. Die wirklichen Widrigkeiten dieser letzten Tage - etwa dass ein Umfeld wohl deshalb Umfeld heißt, weil es bei jeder geringfügigen Unwägbarkeit in ein gar unheilvolles Meinungsextrem eben umzufallen pflegt - sind dabei schon großzügig mit eingerechnet. Denn klar ist auch, der Trainer konnte während des heutigen Spiels nur drei der elf Mönchengladbacher Lizenzspieler mit einer vorzeitigen Auswechselung bedenken. Mit Ausnahme von Torwart Heimeroth und (mit wohlwollenden Abstrichen) Talent Marin hatten sich indes alle auf ihre eigene Art und nach Kräften gerade darum beworben.

FSV Mainz 05: Wetklo - Hoogland, Subotic, Noveski, Demirtas (Markolf 23) - Karhan, Gunkel, Pekovic, Feulner (M. Vrancic 78) - Ruman (Amri 46), Borja

Borussia: Heimeroth - Bögelund, Brouwers, Gohouri, Voigt - Coulibaly, Paauwe - Touma (Compper 70), Rösler (Neuville 55), Marin - Friend (Colautti 78)

Tore:  1:0 Borja (12.), 2:0 und 3:0 Gunkel (16., 51.), 4:0 Feulner (60.), 4:1 Paauwe (73.)

Schiedsrichter: Günter Perl (München)

Zuschauer: 20.300 (ausverkauft)

Gelbe Karten (Borussia): Brouwers, Paauwe

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Borussias Neuzugang Soumaila Coulibaly absolvierte am heutigen Tage sein 100. Pflichtspiel in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit Roberto Colautti stand heute ein anderer Neuzugang der Borussia erstmals im Borussentrikot auf dem Fußballfeld.

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  • Für den #effzeh gibt‘s jetzt nur noch eine Rettung. #PeterFürPeter
  • Die Europa League hat angerufen, sie möchte die #fohlenelf zurück! #UEL
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  • @Peter_Ahrens From carlo to cando
  • @JrgNeb "Sie kehrt zurück", steht im ersten Absatz im Artikel & wird ganz genau auf dem Bild angezeigt.
  • @frankie1960 Das ist nahezu das erste Mal, daß man auch in Mönchengladbach einen Treffer von Ulf Kirsten gutfinden kann! 🙂

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