FC Erzgebirge AueEin deutliches Chancenplus, eine energische Darbietung und zwei Tore sahen die Borussia bei ihrem ersten Auswärtssieg in der laufenden Zweitligasaison am heutigen Montagabend in Aue schon zur Halbzeit verdient in Front. Ein verschossener Foulelfmeter von Oliver Neuville und zwei schnelle Tore der Heimelf nach der Halbzeitpause brachten die Gastgeber danach dann auf eine Augenhöhe, die der Kopfballtreffer Roel Brouwers nach rund einer Stunde wieder wettmachte und für die vor allem in der ersten Halbzeit klar spielbestimmende Borussia letztlich auch jene drei Punkte sicherte, die sie in diesem Spiel anvisiert hatte.

Ohne die in Mönchengladbach verbliebenen Coulibaly, Colautti, Daems, Schachten, Bögelund und Touma veränderte Trainer Jos Luhukay seine Anfangsformation im Vergleich zum vorherigen Punktspiel gegen Osnabrück auf drei Positionen. Während Tobias Levels auf der Rechtsverteidigerposition in der Mannschaft blieb, rutschten Steve Gohouri und Marko Marin auf die Ersatzbank. Für sie begannen Sebastian Svärd und Johannes van den Bergh, hinzu gesellte sich der für den virusgeschwächten Coulibaly nominierte Ndjeng, der als Pendant zu dem links im Mittelfeld postierten van den Bergh rechts leicht versetzt zu Sebastian Svärd agierte. Svärd begann für den in die zentrale Deckung zurückgezogenen Paauwe vor der Abwehr, seinerseits leicht gestaffelt zum offensiver wirkenden Sascha Rösler.

Schon in der Anfangsphase probierte sich die Borussenmannschaft in der Offensive. So kam nach zwei Minuten Mannschaftskapitän Oliver Neuville zum Schuss aus gut zwanzig Metern Torentfernung. Diesen Verschuch unterband Tomasz Bobel im Gehäuse der Erzgebirgeelf mit einer Ballaufnahme. Auch in den Folgeminuten war die Elf von Jos Luhukay daran interessiert den Spielfluss der Gastgeber nicht zur Entfaltung kommen zu lassen und verstand es dabei den Ball weiträumig von dem von Christofer Heimeroth bewachten Borussentor entfernt zu halten. Nicht immer allerdings vermochten die ballgewinnenden Borussenspieler den Ball präzise zu verarbeiten und so dauerte es bis zur neunten Spielminute, ehe mit Marcel Ndjeng am Rand des Strafraums der Sachsen erstmals ein Borussenspieler in eine wirklich gute Schussposition kam. Der Schuss des Bonners wurde von einem Auer Abwehrspieler an das Außennetz abgefälscht und taugte somit immerhin zu ersten Eckballsituation der Borussia in diesem Spiel - diese, von Ndjeng übernommen, resultierte gleich in Sascha Röslers Führungstor für die Borussia.

Der Offensivspieler hatte sich im Rücken der Spieler Kos und Feldhahn bei der Eckballflanke Ndjengs, die auf den hinteren Fünfmeterraum des Strafraums der Sachsen abzielte, so in Stellung gelaufen, dass er den Flankenball mit dem Vollspann aus der Bewegung heraus knapp über der Grasnarbe treffen konnte und den in diesem Moment noch vor ihm postierten Auer Spielern samt Torwart dabei keine Chance zur Verhinderung des Führungstreffers für die Borussia lassen brauchte; Die Borussia lag in Front, hatte in diesem schwierigen Auswärtsspiel die erhoffte frühe Führung mit Vehemenz erzwungen.

Bedauerlicherweise wusste die Borussia in den auf den kollektiven Jubel der mitgereisten Borussenanhänger unter den Zuschauern aus diesem Vorteil nicht mehr Kapital als die Spielkontrolle zu schlagen, wobei erwähnt werden muss, dass auch hernach noch wesentlich zu viele Bälle in der Vorwärtsbewegung auf einfache Weise verloren wurden und das generelle Umschalten aus der Verteidigungs- in die Angriffshaltung und Angriffsbewegung weiterhin verlangsamt vollzogen wurde. Dadurch büßte die Borussenmannschaft mitunter die sich ihr unmittelbar gebotenen Räume im Rücken des Gastgebers zu rasch ein und konnte in den seltensten Fällen ein Tempospiel darbieten. Die positivste Begleiterscheinung ihres Führungstreffers - neben der Tatsache in Führung zu liegen - blieb so die Verunsicherung und Disharmonie, die dieses Ereignis in der Elf von Erzgebirge Aue auslöste. Die Elf von Trainer Schädlich hatte sich offenbar den Verlauf der Partie so nicht vorgestellt und ihr Arrangement mit dem frühen Rückstand war kein fließendes, wie erhebliche und teilweise erheblich simple Ballverluste (auch in der Nähe des eigenen Tores) bis hin zur Halbzeitpause zum Ausdruck brachten.
Borussia, die die Spielkontrolle hatte und das Spielgeschehen abzüglich kleinerer Vorstöße der Gastgeber konsequent stets fernab des Tores von Christofer Heimeroth abwickeln konnte, hätte schon vor ihrem zweiten Torerfolg des Spiels mehrfach zu weiteren Jubeleinlagen kommen müssen, doch nicht nur der wieder sehr präsente Rob Friend (26.) - dem in der 35. Minute nach einer sehenswerten Kombination über mehrere Stationen ein direktes Duell mit dem herausstürzenden Torwart Bobel ob einer Abseitsstellung unterbunden worden war - vermochte den Ball in jenen Szenen nicht im Tor der Sachsen unterzubringen.

Dennoch, dem nordamerikanische Neuzugang war es vorbehalten in der 39. Spielminute das längst überfällige zweite Borussentor des Abends zu erzielen. Vorausgegangen war ein Kombinationsspiel über die linke Angriffsseite der Borussia, womit Johannes van den Bergh, Rob Friend und der bis zur Grundlinie durchgestartete Alexander Voigt den Defensivverbund der Hausherren ins Leere laufen ließen. Als Ballführender hatte Voigt, in der Nähe der Grundlinie angelangt, im Zentrum und im Rückraum Optionen, der ehemalige Kölner entschied sich für den Rückraum und bediente den nachstoßenden Friend. Dieser rutschte bei seinem Torschuss noch ein bisschen, doch vor allem die Tatsache, dass der Ball von Aues Abwehrspieler Thomas Paulus noch abgefälscht war, ließ den Ball an Torwart Bobel vorbei in das Tor der Hausherren springen.

Unmissverständlich, während die fernab eines in der Botanik geendeten Kopfballversuches ihres Stürmers Nemec (18.) in der ersten Halbzeit im Grunde gar nicht konkret vor das Borussentor gezogenen Gastgeber weiterhin nach Offensivaktionen fahndeten, hatte Borussia auch vor und gerade auch nach ihrem zweiten Treffer gute Gelegenheiten das Ergebnis bereits vor der Pause in dann für die Erzgebirgself uneinholbare Dimensionen zu verwandeln. So sei dafür ein von Bobel gerade noch so entschärfter Distanzversuch Ndjengs nach 36 Minuten angeführt, aber auch die Szene, die in 43. Spielminute Schiedsrichter Kircher aus Rotteburg zum Elfmeterpfiff für die Borussia animierte. Obschon der mit einer Ballstafette sehenswert im Auer Strafraum freigespielte Johannes van den Bergh den Ball am Tor vorbei bugsierte, die Abwehraktion des Erzegbirgeschlußmannes galt vor allem van den Berghs Beinen. Damit war nach dem Ermessen des eigentlich kaum geforderten Referees der Elfmeterpfiff für die Borussia hinreichend begründet, leider entspricht die Tatsache, dass Oliver Neuville bei der Ausführung dieses Strafstoßes an dem zuvor foulspielenden Schlussmann scheiterte, die Sprache der kurze Zeit später beendeten ersten Spielhälfte: mit besserer Kaltschnäuzigkeit im Abschluß hätte die Borussia zu jenem Spielzeitpunkt gewiss vier Tore Vorsprung haben können.

Tore zu erzielen und nicht zu erzielen, diesen Unterschied bewiesen die nach der Halbzeitpause auf einer Position veränderten Sachsen in der Anfangsviertelstunde der zweiten Spielhälfte, als es ihnen gelang den Zwei-Tore-Vorsprung durch Treffer von Kaufman (48.) und Geißler (58.) zu egalisieren und den Spielverlauf und das Chancenplus der Partie auf den Kopf zu drehen. Nicht verschwiegen sei, dass unmittelbar nach dem Kaufmanschen Anschlusstreffer Marcel Ndjeng in einem Tempogegenstoß (49.) und Patrick Paauwe während der daraus resultierenden Ecke für die Borussia per Kopf solche Torgelegenheiten besaßen, dass die Auer Heller und Geißler jeweils den ins Tor trudelnden Ball „von der Linie kratzen" mussten.

Konnte sich die wiederholt in einem Auswärtsspiel eher passiv in die zweite Spielhälfte gestartete Borussia beim Ausgleichstreffer der Gastgeber durch Geißler noch damit entschuldigen, dass Schiedsrichterassistent Kempter bei der fälligen Abseitsentscheidung gedanklich in jenem Moment zugunsten der Heimelf abgewogen  hatte und die knappe Abseitsposition des Torschützen nicht berücksichtigte, beim Kaufmanschen Anschlusstreffer in der 48. Spielminute hätte beispielsweise der ansonsten wieder sehr solide spielende Tobias Levels den späteren Torschützen - der eine Hereingabe des eingewechselten Heller in Abstaubermanier im Kasten unterbrachte - nicht nur bis zum Fünfmeterraum begleiten müssen. Im Sinne des Fairplaygedankens sei aber auch angemerkt, dass die Borussia schon vor dem Ausgleichstreffer des FC Erzgebirge Aue insofern durch das Schiedsrichtergespann für dessen Fehlentscheidung beim Auer Ausgleichstor entschädigt worden war, als das Trio um FIFA-Mann Kircher eine mit der Hand erfolgte Abwehraktion Alexander Voigts im eigenen Strafraum (52.) nicht mit einem Elfmeterentscheid ahndete.

Hatte Aue die bessere Anfangsviertelstunde, die nächsten fünfzehn Minuten gehörten tendenziell wieder mehr der Borussia, die sich ähnlich wie in Kaiserslautern in der Schlussviertelstunde auch hier wieder für ihren vermeintlich folgenschweren Defensivfauxpas (den Auern ein Comeback zu gestatten) rehabilitieren konnte. Wie schon in Kaiserslautern ergriff sie dafür eine aus dem linken Halbfeld in den Gegnerstrafraum gezogene Standardsituation. War es in der Pfalz Sascha Rösler mit dem Kopf, kurbelte in dieser Partie in der 64. Spielminute Roel Brouwers den Ball mit seinem Kopf in das Gehäuse. Indes, dem aus Paderborn gekommenen Niederländer zu unterstellen, er hätte diese kuriose Flugbahn, die der eigentlich zu flach und zu nah an den kurzen Pfosten getretene Ball bei diesem Freistoß nach der Berührung durch ihn in Richtung zweiter Pfosten nahm, vorausgedacht, es wäre wie zu meinen ein Uwe Seeler hätte beim WM-Viertelfinale 1970 in Leon gegen England ebenso bewusst mit dem Hinterkopf getroffen wie Igor Belanow 1990 für die Borussia gegen Werder Bremen.

Natürlich war die Vollendung des erneuten Führungstreffers der Borussia zufällig, trotzdem entsprach das Resultat ab diesem Zeitpunkt wieder dem Spielverlauf. Selbst wenn die Auer in der Schlussphase, in der Steve Gohouri den glücklosen Oliver Neuville zugunsten einer etwas defensiveren Grundordnung ablöste, die Borussia mitunter an den eigenen Sechzehnmeterraum drückten und die Borussia wieder zwei brenzlige Szenen zu überstehen hatte (während sie zeitgleich nach Balleroberungen oft die falschen Entscheidungen traf und den Ball somit oft zu rasch wieder verlor), die klareren und die meisten eindeutigen Torchancen in diesem Match gingen weiterhin auf das Konto der Borussia, die etwa in der 70. Spielminute erneut alles klar hätte machen müssen, als der erwähnte Neuville während eines Tempogegenstoßes vom wiederholt sehr auffällig agierenden Rob Friend auf die Reise geschickt wurde, seinen Bewacher im Sprint auch auf Distanz halten konnte, allerdings beim Torabschluss scheiterte.

Auch nach der wesentlich ausgeglichener verlaufenen zweiten Spielhälfte gibt es keinen Zweifel daran, dass der erste Auswärtssieg der Borussia in der laufenden Saison in der 2. Bundesliga ein vollauf verdienter war. Die Mannschaft hatte nicht nur die meisten und größten Torgelegenheiten, nicht allein die meisten Treffer beider Teams nach dem Ende der 90 Minuten, sondern hatte das Spiel auch über insgesamt 60 von 90 Minuten im Griff. Lediglich eine fünfzehnminütige Periode zu Beginn der 2. Halbzeit und die letzten 5 Minuten der Partie gehen auf das sächsische Konto. In diesen war die Borussia nicht solide unterwegs, sondern krümmte sich ebenso, wie auch zu konstatieren ist, dass die in und um Mönchengladbach so sehnlichst erwarteten Automatismen, die das Borussenspiel in ästhetischer Weise befruchten werden und sollen, weiter noch nicht zu sehen waren. Erwähnt sei diese Nuance jedoch allein vor dem Hintergrund, dass die Borussia noch wesentlich zu wenig Kapital aus den von ihr und durch ihre Akteure erwirkten Balleroberungen schlägt. Wesentlich zu wenig etwa für einen zu jedem Zeitpunkt ungefährdeten Erfolg in einem Punktspiel.

So war auch diese Partie, wie die Partie gegen Osnabrück vor 2 Wochen, unter dem Attribut des Arbeitserfolgs zu betrachten. Der der Borussia vollauf gelang und worüber die Mannschaft mitsamt ihres Trainers ihr für ihren Saisonverlauf notwendiges Selbstbewusstsein generieren sollte. Borussia hat bei einem Team - dass für seine Heimstärke bekannt ist und seit dem Aufstieg in nur fünf von bis dato 70 Zweitligaheimspielen mehr als 2 Gegentore in einer Partie kassierte - drei wichtige Zähler mit einer insgesamt energischen Mannschaftsleistung erwirkt. Dass dies kein Spaziergang würde, war klar, dass die Borussia es beinahe trotzdem eine ganze Zeit lang eher nach einem Spaziergang hatte aussehen lassen können, das ist ein positiver Aspekt. Negativ ist, dass erneut die Anfangsphase in der 2. Spielhälfte sozusagen verschlafen wurde und es die Mannschaft im zweiten Ligaspiel in Serie nicht geschafft hat eine adäquate Chancenverwertung zu erzielen. Hätte sie, wie schon gegen Osnabrück, vor der Pause zumindest noch ein weiteres Tor erzielt, beide Begegnungen hätten in der jeweiligen zweiten Halbzeit nicht noch einmal derart Fahrt aufgenommen. Ungeachtet der Gegebenheit, dass die Borussia aktuell mit immer so cirka sechs fehlenden Kaderspielern normalerweise noch nicht an so einem Punkt sein kann, wo diese Geringfügigkeiten in der Nachschau als essentiell wichtig eingestuft werden müssten.

Aue: Bobel - Loose, Kos, Paulus (Heller 46), Trehkopf - Feldhahn, Kurth - Geißler (Klinka 77) - Curri, Nemec, Kaufman (Strbac 77).

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Paauwe, Voigt - Ndjeng, Svärd, Rösler, van den Bergh (Compper 72) - Friend, Neuville (Gohouri 83).

Tore: 0:1 Rösler (10.), 0:2 Friend (39.), 1:2 Kaufman (48.), 2:2 Geißler (58.), 2:3 Brouwers (64.).

Schiedsrichter: Knut Kircher (Rottenburg)

Zuschauer: 13.500

Gelbe Karten (Borussia): Rösler

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Die Partie bedeutete das allererste Aufeinandertreffen des FC Erzgebirge Aue (oder einer seiner Vorgängervereine) mit Borussia Mönchengladbach in der Geschichte des deutschen Fußballs. Für die Borussia war die Partie gleichzeitig das zweite Montagabendspiel (am fünften Spieltag) der laufenden Zweitligasaison. Mit dem Erfolg über Aue landete die Borussia den ersten Auswärtssieg in demselben Zeitrahmen, den letzte Erfolg auf fremdem Platz in der 2. Bundesliga hatte die Borussia am 30. Spieltag der Saison 2000/2001 im Duisburger Wedaustadion gegen den MSV Duisburg (23. April 2001, 2:0) durch Tore von Igor Demo und Bernd Korzynietz errungen. Der von Oliver Neuville nicht verwandelte Strafstoß in der 43. Spielminute war der erste Borussia zugesprochene Elfmeter seit dem 1. Spieltag der vergangenen Saison, damals verwandelte Neuville gegen den Cottbusser Torwart Piplica. Den vorletzten Elfmeter der Borussia, beim 4:3-Heimerfolg über Eintracht Frankfurt am 17. Dezember 2005, hatte Neuville ebenso wie den Strafstoß am heutigen Tage nicht verwandeln können. Am 10. März 2007, beim 3:1-Heimerfolg über Hertha BSC Berlin, erzielte die Borussia letztmals drei oder mehr Tore in einem Punktspiel. Drei oder mehr Tore in einem Liga-Auswärtsspiel gelangen Borussia letztmals am 22. November 2003 bei einem 3:1-Erfolg im Stadion des VfL Wolfsburg, die Borussentore erzielten damals Joris van Hout, Arie van Lent und Joonas Kolkka.

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