In einem intensiven und spannenden Spiel bezwang Borussia Mönchengladbach gestern Abend vor über 50.000 Zuschauern Alemannia Aachen mit 2:1 (2:0). Marcel Ndjeng und Rob Friend sicherten mit ihren Toren vor der Halbzeit den fünften Sieg in Folge für Borussia, die nun mindestens bis Sonntag Nachmittag Spitzenreiter der 2. Bundesliga sind und damit einen äußerst erfolgreichen Monat September abschließen können.

Trainer Luhukay nahm im Vergleich zum Auswärtsspiel zwei Änderungen an der Startelf vor. Für den verletzten Roel Brouwers rückte wie erwartet Patrick Paauwe in die Innenverteidigung, seinen Platz im defensiven Mittelfeld übernahm Sebastian Svärd. Dazu entschied sich Luhukay für die offensive Variante im Mittelfeld, indem er Marko Marin für Johannes van den Bergh nominierte.

Vor prächtiger und lautstarker Kulisse übernahm Borussia direkt zu Beginn die Kontrolle über das Spiel. Die vielen Spiele der vergangenen Wochen schienen keinen Akteur der Gastgeber sonderlich zu beeinträchtigen. So dauerte es nur acht Minuten, bis der erste Torschrei dem Publikum über die Lippen flog. Marko Marin und Alex Voigt hatten auf dem linken Flügel schön kombiniert, Voigt flankte in die Mitte auf Sascha Rösler, der den Ball zwar verpasste, dafür Rob Friend am zweiten Pfosten die Gelegenheit gab, seinerseits zum Torerfolg zu kommen. Der Kanadier stoppte den Ball mit der Brust und schoss per Dropkick ans Lattenkreuz des von Stephan Straub gehüteten Aachener Tores.

Vier Minuten war es erneut das Zusammenspiel zwischen Voigt und Marin im linken Mittelfeld, das zu einem Freistoß für Borussia führte. Marcel Ndjeng zog den Ball mit viel Effet Richtung zweiten Pfosten, Patrick Paauwe sprang vorbei, irritierte damit Stephan Straub so nachhaltig, dass die Kugel im langen Eck zur verdienten Führung landete (12.).
Keine drei Minuten später trieb Marin den Ball erneut Richtung Strafraum. Rob Friend spurtete in die Gasse, Marin steckte geschickt durch. Mit seinen langen Beinen stoppte Friend den Ball im letzten Moment, zog im spitzen Winkel aufs Tor und überwand Straub mit einem gefühlvollen Lupfer zum 2:0 (15.).

Während das Stadion vor Freude inzwischen unbekannte Jubelgesänge und Lautstärken erreichte, dominierte Borussia das Spiel weiterhin nach Belieben. Die Gäste aus Aachen waren beeindruckt und kamen zu keiner nennenswerten Torchance. Zwar lief der Ball zum Teil anspruchsvoll durchs Mittelfeld, doch weder Kolev noch Pecka im Aachener Sturm konnten erfolgreich in Szene gesetzt werden. Gladbach spielte ihr schon in den letzten Spielen so erfolgreich eingesetztes Pressing im Mittelfeld, sodass das Aachener Mittelfeld oft zu Fehlern gezwungen wurde.
Sascha Rösler war es dann in der 22. Minute, der nach Vorarbeit vom quirligen Ndjeng zu einer Chance kam, gegen seinen Ex-Klub zu treffen. Nachdem diese Chance ungenutzt blieb, beruhigte sich das Spiel etwas, ohne langweilig zu werden. Der Gastgeber hatte nach wie vor die Kontrolle. Aachen war bemüht, das eigene Spiel aufzuziehen, wurde aber zu keiner Phase wirklich gefährlich.

So ging es unter dem lauten Applaus des Gladbacher Publikums in die Pause. Direkt in der Kabine bleiben durfte der stark spielende Sebastian Svärd, der sich kurz vor Ende der ersten Halbzeit eine gelbe Karte bei Schiedsrichter Babak Rafati abholte, sodass Luhukay aus Angst vor einer gelb-roten Karte Eugen Polanski für den Dänen einwechselte.

Am Spiel selber änderte sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten wenig. Zwar konnte jeder Beobachter sehen, dass die Gäste aus der Kaiserstadt etwas aggressiver und konsequenter in die Zweikämpfe gingen, was zu einigen hitzigen Szenen führte, doch spielerisch war Borussia weiterhin überlegen und kam ihrerseits durch Ndjeng (53.) zu einer guten Möglichkeit. Der Freistoß des aus Bielefeld verpflichteten Ndjeng landete jedoch in den Armen von Straub. Marko Marin, der nach einem schönen Solo in der ersten Halbzeit bereits den passenden Moment des Abspielens verpasste, demonstrierte in der 55. Minute binnen weniger Sekunden all das, was ihn sowohl auszeichnet als auch das, was ihm noch fehlt. Nach einem Einwurf vom rechten Flügel stoppte der U21-Nationalspieler den Ball mit der Brust, überlupfte seinen Gegenspieler mit der Hacke und lief aus spitzem Winkel aufs Tor zu. Doch anstatt auf den im Fünfmeterraum völlig frei stehenden Oliver Neuville zu passen, versuchte es Marin selber, doch sein Schuss ging aus kurzer Distanz ans Außennetz. Jos Luhukay war ob dieser Szene sichtlich aufgebracht, wäre ein 3:0 in dieser Phase des Spiels sicherlich die Vorentscheidung gewesen.

Drei Minuten später durfte sich Marin dann auf der Auswechselbank Gedanken über sein bis dahin trotzdem gutes Spiel machen, für ihn kam Johannes van den Bergh. Alemannia verstärkte in dieser Phase ihre Bemühungen auf den Anschlusstreffer und wurde schnell und überraschend belohnt. Aus einer für Borussia bereits geklärten Situation auf dem rechten Aachener Flügel fiel der Anschlusstreffer durch Tolev. Reghecampf hatte von der linken Gladbacher Seite mangels geeigneter Anspielstationen in den Strafraum geflankt und fand den Kopf von Todor Kolev, der mit einem platzierten Kopfball ins lange Ecke Christofer Heimeroth keine Abwehrchance ließ.

Wie aus dem Nichts war der Gast, nun auch wieder lautstark unterstützt durch die zahlreichen Anhänger aus Aachen, zurück im Spiel. Unmittelbar nach diesem Tor ersetzte Filip Daems den an diesem Abend nur kämpferisch überzeugenden Sascha Rösler. In den letzten 20 Minuten wurde die Partie zwar nach wie vor hitzig und intensiv geführt, große Torchancen waren indes nicht mehr zu verzeichnen. Marcel Ndjeng scheiterte nach einem Konter aus spitzem Winkel nur knapp (79.), und auf Aachener Seite war es in der 87. Minute Krontiris, der die bis dahin eigentlich beste Aachener Gelegenheit ungenutzt ließ. Heimeroth konnte den harten, aber unplatzierten Schuss von Krontiris parieren. Schiedsrichter Babak Rafati schien am Ende der Partie gefallen an selbiger zu haben, denn ohne wirklichen Grund ließ er mehrere Minuten nachspielen. Als der Schlusspfiff dann ertönte, brandete ohrenbetäubender Jubel durchs weite Rund des BorussiaParks. Der fünfte Sieg in Folge, Erfolg im Derby und Tabellenplatz 1: Gründe zum Jubeln gab es an diesem Abend viele.

Borussia zeigte, dass sie auch gegen qualitativ stärkere Gegner ihr gutes Spiel zeigen kann. Zwar ließ sie durch Passivität erneut einen bereits geschlagenen Gegner zurück ins Spiel, doch wie schon der VfL Osnabrück vor einigen Wochen hatte auch Alemannia trotz optischer Überlegenheit in der zweiten Hälfte keine nennenswerten Torchancen mehr, sodass der Sieg insgesamt verdient war. Guido Buchwald sprach in der Pressekonferenz zwar von einer unglücklichen Niederlage für seine Mannschaft und dass diese einen Punkt verdient gehabt hätte, doch widersprach ihm Jos Luhukay anschließend vehement. Ein kleiner verbaler Schlagabtausch, der unter den anwesenden Journalisten für Schmunzeln sorgte.

In einer geschlossenen Mannschaftsleistung konnten Marcel Ndjeng und Patrick Paauwe besonders und bis zu seiner Auswechslung auch Marko Marin gefallen. Oliver Neuville und Sascha Rösler agierten in diesem Spiel weniger auffällig oder dominant, waren beide jedoch läufersich und kämpferisch überzeugend.

Wenn die Ergebnisse am Wochenende entsprechend verlaufen, kann Borussia als Tabellenführer die kommende Trainingswoche angehen, um sich auf das schwere Auswärtsspiel in Koblenz vorzubereiten. Jos Luhukay sagte fast schon reflexartig, dass man diese Momentaufnahme zwar genieße, dies aber nicht zum Anlass nähme, die Zügel schleifen zu lassen.

Borussia: Heimeroth - Levels, Paauwe, Gohouri, Voigt - Svärd (Polanski 46) - Ndjeng, Marin (van den Bergh 59) - Rösler (Daems 67) - Neuville, Friend.

Aachen: Straub - Casper (Reghecampf 56), Klitzpera, Stehle, Leiwakabessy - Fiel, M. Lehmann - Németh (Krontiris 76), Weigelt (Milchraum 56) - Pecka, Kolev.

Tore: 1:0 Ndjeng (12.), 2:0 Friend (15.), 2:1 Kolev (64.).

Gelbe Karten (Borussia): Svärd

Zuschauer: 50.178 (92,83 %)

Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover).

Besondere Vorkommnisse
: Am 23. April 2001 stand Borussia zuletzt an der Spitze der 2. Bundesliga, an diesem Spieltag müsste dafür 1860 München das Heimspiel gegen die TuS Koblenz, der SC Freiburg (gg. Erzgebirge Aue) und auch die SpVgg Greuther Fürth (gg. Carl Zeiss Jena, jeweils 30.09.07) nicht gewinnen bzw. nur mit 1:0 Toren. Durch einen 2:0-Sieg beim MSV Duisburg und der gleichzeiten Niederlage des Spitzenreiters 1.FC Nürnberg gegen den SSV Ulm (1:2) stand Borussia am 30. Spieltag der Saison 2000/01 mit 57 Punkten auf Platz 1 der Tabelle. Vom 21. Spieltag jener Saison, einem Heimsieg über Rot-Weiß Oberhausen, über ein Nachholspiel in Ulm, bis hin zu einem 2:0 beim FC St. Pauli am 24. Spieltag gewann sie damals ebenfalls fünf Spiele hintereinander. Vor dem 19. Spieltag jener Saison (einem 0:0 gegen Osnabrück) war sie ebenfalls in fünf Partien in Folge siegreich. Ausgehend von einem 2:1 bei Arminia Bielefeld, das vielen als Wendepunkt in jener Spielzeit in der Erinnerung sein dürfte, am 14. Spieltag gewann sie hintereinander gegen Hannover (2:0), Greuther Fürth (3:1), in Chemnitz (3:0) und in Saarbrücken (4:0). Insgesamt blieb die Borussia damals zwölf Spiele, vom 25. November 2000 bis zum 18. März 2001 (1:2 bei LR Ahlen), nacheinander ungeschlagen.

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