Filip Daems Viele Sportreporter lieben es, wenn in einem Derby ein Spieler zur entscheidenden Figur wird, der in seiner Karriere schon mal das Trikot des Rivalen trug, am besten von dort im Unfrieden schied. Die Berichterstattung im Vorfeld hatte sich denn auch schon mal auf geeignete Protagonisten eingeschossen. Erster Anwärter war natürlich Alexander Voigt, mit einigem Abstand gefolgt von Marcel Ndjeng und Thomas Broich. Das Spiel stand, so gesehen, dann aber unter der Überschrift „Ungeschriebene Geschichten des Fußballs", denn letztlich sollte keiner von den Dreien die ihm vorher zugedachte Rolle voll ausfüllen.

Ndjeng war zwar Ausgangspunkt beider Gladbacher Tore und verbreitete auch sonst mit Standardsituationen regelmäßig Angst und Schrecken. Zur Hauptfigur der Presse hätte er sich aber wohl nur mit unmittelbaren Assists oder gar eigenen Treffern qualifizieren können. Der eingewechselte Thomas Broich hätte in der 88. Minute zum Kölner Helden werden können, nachdem er in einen Pass, pikanterweise Alexander Voigts, gespritzt war. Da sich die Borussia gerade kollektiv in Vorwärtsbewegung befand, bot sich eine exquisite Konterchance, doch Broichs Zuspiel in die Spitze geriet zu ungenau. 

Am nächsten dran war Voigt, der vor dem Spiel ausgiebig seine erkalteten Gefühle für den Ex-Verein bekundet hatte und von den Kölner Fans darob mit permanentem Pfeifkonzert bedacht wurde. In Köln hatte Voigt ein Image als technischer Analphabet mit sich herumgeschleppt; es hatte mit zu seiner Aussortierung geführt. Diese Reputation widerlegte Voigt spätestens am Montagabend, als er, knapp eine Viertelstunde vor Schluss, zweimal kurz hintereinander phantastische Pässe in die Spitze spielte. Zwei Großchancen ergaben sich daraus, und die Verwertung wenigstens einer davon hätte wohl einen Gladbacher Sieg bedeutet. Allein, beim ersten Mal verschmähte Oliver Neuville den einfachen Abschluss und wählte eine Pirouette mit eingelegtem Hackentrick, an deren Ende der Ball allzu gemächlich Richtung Kölner Torlinie kullerte. Beim zweiten Mal hob Sascha Rösler, halblinks vor dem Tor, den Ball zwar schön über der herausstürzenden Mondragon, fand in der Mitte aber keinen Abnehmer. 

Dass es überhaupt zu derlei Aufregungen kommen würde, war in der ersten Hälfte noch nicht zu erahnen. Christoph Daum hatte in seiner gewohnt lautstarken Art einen Gast angekündigt, der „voll auf Sieg" spielen und die Gladbacher Defensive von Anfang an unter Druck setzen würde. Davon war wenig zu sehen, und auch die Borussia betrieb bis zur Pause in erster Linie Risikominimierung. Die einzig nennenswerten Chancen ergaben sich nach gut einer halben Stunde: Helmes' Schuss aus kurzer Distanz konnte Brouwers noch entscheidend ablenken; Marin vergab einen Freistoß aus exzellenter Position, den er durch ein starkes Solo selbst herausgeholt hatte. Ansonsten aber neutralisierten sich, höflich gesagt, beide Teams.

Die zweite Hälfte hatte mehr zu bieten. Nachdem Ndjeng schon kurz zuvor mit zwei Freistoßflanken für helle Aufregung im Kölner Strafraum gesorgt hatte, schlug er in der 57. Minute eine seiner scharf geschnittenen Ecken in den Strafraum, Rösler setzte sich in der Mitte durch und köpfte Richtung Tor, wo der klug gestartete Neuville aus kurzer Distanz einschob. Die Gladbacher Freude währte indes nur drei Minuten, bis Mohamad nach Freistoßflanke Chihis den vermeidbaren Ausgleich köpfte. Eine Minute darauf kassierte Kölns Mitreski, wegen Meckerns vorbelastet, nach einem Zupfer an Marin, eine gelb-rote Karte. Eine Entscheidung der Kategorie „hart, aber vertretbar", über die allerdings ­Christoph Daum, oberster Verschwörungstheoretiker der Liga, nach dem Spiel seinen Ärger nur sehr mühsam im Zaum halten konnte.

Die Partie hätte sich damit Richtung Borussia neigen können, hätte nicht Ndjeng den sich anschließenden Freistoß direkt in die Beine eines Gegners geschlagen. Den Konter, der sich daraus ergab, vollendete Helmes souverän. Die erneute Wende aber ließ wieder nur drei Minuten auf sich warten. Ndjengs raffinierte Freistoßflanke führte zu größerem Gewusel im Kölner Strafraum, in dessen Verlauf Paauwe erst knapp an Mondragon scheiterte, Filip Daems aber den Abpraller verwertete. Der so lange verletzte Daems, für den suspendierten Gohouri in die Startelf gerückt, krönte damit eine ohnehin bemerkenswerte Leistung. 

Die in der ersten Hälfte so schläfrige Partie war nun mitreißend geworden, und dass sie es weiterhin blieb, lag vor allem an der Borussia. Eine Großchance für Helmes gab es auf Kölner Seite noch zu verzeichnen, ansonsten aber drückten die Gladbacher auf den Siegtreffer. Neben Voigts zwei überragenden Pässen waren es vor allem die Dribblings des quirligen Marin, die immer wieder für Gefahr sorgten. Wie nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit fehlte aber bisweilen der entscheidende Blick für den Mitspieler, speziell in der 71. Minute, als Marin zwingend Friend hätte bedienen müssen, anstatt überhastet selbst abzuschließen. Acht Minuten machte es Marin besser, als er nach starkem Dribbling gefährlich in den Strafraum flankte, wo Neuville nur knapp verpasste. Mit Marin trieben Ndjeng und der in der ersten Hälfte noch unglücklich agierende Rösler das Gladbacher Angriffsspiel nach vorne. Sieben Minute vor Schluss hätten beide das Gladbacher Führungstor duplizieren können, als Rösler nach Ndjengs scharf getretener Ecke aus beinahe identischer Position erneut zum Kopfball kam, das Tor aber verfehlte. Nachdem Ndjeng selbst kurz vor Schluss an Mondragon scheiterte, blieb es am Ende bei einem Unentschieden, mit dem die Borussia nach dem Spielverlauf nicht wirklich zufrieden sein konnte. Das Manko war diesmal die Chancenverwertung, in Koblenz noch Gladbacher Prunkstück.

Borussia:
Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng, Marin - Rösler - Friend, Neuville.

Köln: Mondragón - Mitreski, Mohamad, McKenna, Özat - Scherz (Matip 90), Suazo, Antar (Broich 76), Chihi (Ehret 64) - Helmes, Novakovic.

Tore: 1:0 Neuville (57.), 1:1 Mohamad (60.), 1:2 Helmes (62.), 2:2 Daems (65.).

Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)

Zuschauer: 54.019 (ausverkauft)

Gelbe Karte (Borussia): Daems

Gelb-Rote Karte: Mitreski (61., wiederholtes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Borussia blieb zuhause in dieser Saison zwar unbesiegt, geriet aber das erste Mal in einem Heimspiel in Rückstand. Filip Daems lief erstmals in einem Pflichtspiel als Innenverteidiger auf und erzielte dabei sein erstes Pflichtspieltor für die Borussia. Steve Gohouri war zuvor wegen eines Discobesuchs bis tief in die Sonntagnacht für dieses Spiel suspendiert worden. Das Stadion der Borussia war erstmals in dieser Saison ausverkauft, letztmalig war es am 32. Spieltag der vergangenen Saison (1:1 gegen den FC Bayern München) restlos gefüllt. Nach zuletzt sechs verlustpunktfreien Spieltagen musste die Borussia durch das heutige Remis im siebten Spiel wieder einmal Punkte abgeben. Nachdem am vorherigen Spieltag der Koblenzer Bajic des Feldes verwiesen wurde, wurde beim heutigen Spiel der Kölner Mitreski ausgeschlossen. Es war der vierte Feldverweis bei einem Spiel der Borussia in der laufenden Saison, sämtliche vier Feldverweise wurden gegen Borussias Gegner ausgesprochen, die ersten Drei jedoch während auf des Gegners Platz. 

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