Oliver Neuville „Ein Schweinespiel" erwarte Borussia, so war es vor dem Spiel zu lesen und zu hören. Damit wollte Alexander Voigt klarstellen, dass auch ein Spiel eines Tabellenzweiten gegen den Vorletzten sich nicht von alleine gewinnt, und er ahnte bei diesem Ausspruch wohl nicht, wie sehr ihn seine ehemalige Mannschaft bestätigen sollte. Allerdings hatte Voigt bei dieser Warnung wohl im Kopf, dass man 90 Minuten des Gegners Tor berennen müsse, und so kam es nicht gerade.

Borussia begann in der Aufstellung der letzten Spiele, wieder mit Daems in der Innenverteidigung. Die Rotation der ersten Spiele beschränkt sich inzwischen auf ein Minimum, nämlich gelegentliche Wechsel zwischen Marko Marin und Johannes van den Bergh. Gegen Jena kam wieder die offensivere Variante mit Marin zur Aufführung, und der 18jährige zeigte bereits in der Anfangsphase seinen Wert für Borussias Spiel, als er wiederholt durch die Reihen der Thüringer tanzte. Auch Paauwe schaltete sich direkt in das Spiel nach vorne ein und beförderte Borussias Angriffe durch präzise Pässe. Nachdem Marins erstes Dribbling noch mit einem Schuss am Tor vorbei endete, hatte er in der 9. Minute den Einfall, den Ball auf Neuville in die Spitze zu lupfen. Der Nationalspieler stoppte den Ball in der Luft mit der Aussenseite und schoss ihn an Kraus vorbei, ohne dass die Kugel noch den Boden berührt hätte. Ein länderspielreifes Tor.

Falls Jena sich ausgemalt hatte, bei nur einem nominellen Angreifer Borussia stürmen zu lassen und lange ein Unentschieden zu halten, so war dieser Plan erst einmal dahin. Um zu punkten, mussten sie stürmen, und das taten sie im Lauf der nächsten Minuten immer effektiver. Bei Borussia hatte man ein bisschen den Eindruck, als hätte die Mannschaft einen weiteren Sieg nunmehr fest gebucht; das Pressing in vorderster Linie funktionierte nicht, und Jena kam von nun an laufend mit dem Ball Richtung Borussentor. Auf Seiten der Gladbacher fehlten wiederum ein paar der Aktivposten, die in den letzten Wochen für Siege am laufenden Band gesorgt hatten. So war von Rösler und Ndjeng anfangs kaum etwas zu sehen und auch Friend war nie gefährlich. Das ganze Spiel nach vorne hing an Marin und Neuville.

Auf der anderen Seite lief ein Spieler zu großer Form auf, der im deutschen Fussball schon für mehr Schlagzeilen gesorgt hat, als der Rest der Mannen aus Jena zusammen. Jan Simak wurde bei jedem Spielzug angespielt und hatte sich offenbar vorgenommen, das Spiel ganz allein zu drehen. Und wenn er am Ball war, hatte es durchaus den Anschein, als wäre es dazu in der Lage; er schien sich regelrecht ein Duell mit Marin darum zu liefern, wer heute mehr gegnerische Spieler umdribbeln könnte. Im Gegensatz zum kleinen Gladbacher Wirbelwind suchte Simak aber immer den Abschluss selber, oft auch aus Mangel an gut positionierten Mitspielern. Und wenn er auch in der ersten Halbzeit ein richtiges Feuerwerk abbrannte und Heimeroth immer wieder unter Beschuss nahm, effektiv war der Zauber letzten Endes nicht. 

Das änderte sich, als der Tscheche einmal nicht aufs Tor schoss, sondern in der 34. Minute Stegmayr auf der linken Seite anspielte. In dessen Flanke lief Torghelle und liess den Ball schön mit dem Kopf in die lange Ecke abtropfen, unhaltbar für Heimeroth. Daems war beim Anlauf des Ungarn nicht hinterhergekommen. Sofort mit dem Anpfiff wollten die Borussen Vergebenes nachholen und das Spiel wieder nach vorne verlagern, kamen aber nicht zu gefährlichen Szenen. Röslers Kopfball in der 39. Minute ging harmlos über das Tor. Die Spieler aus Jena, einmal auf den Geschmack gekommen, versuchten weiter, sich ihre Chancen zu erarbeiten, aber Werners Freistoß ging über Heimeroth und über das Gehäuse. Auf der Gegenseite erzeugten Borussias Bemühungen nicht gerade einen echten Angriffswirbel, aber mit der letzten Chance der ersten Halbzeit gaben Marin und Neuville fast eine Wiederholung des ersten Tores zum besten; Rösler konnte Neuvilles Vorlage aber nicht mehr aufs Tor bringen.

Die zweite Halbzeit begannen die Borussen wieder energischer, wenn auch nicht sofort Torgefahr dabei herumkam. Zumindest fand Marcel Ndjeng nun ins Spiel und im Gefolge seiner Flankenläufe wurde Borussia spielerisch dominant und drängte Carl Zeiss in die eigene Hälfte. Es dauerte aber fast eine Viertelstunde, bis sich die erste zwingende Chance einstellte, als Ndjengs Freistoß durch den Fünfmeterraum segelte und Neuville aus 3 Metern in den Ball sprang. Unglaublicherweise beförderte er die Kugel dabei über das Tor. 

Nur eine Minute später war der Jenaer Torhüter Kraus kurz davor, selber für das nächste Tor zu sorgen, als er einen Freistoß direkt auf der Torlinie nicht festhalten konnte. Es gelang ihm so gerade, den Ball noch auf der Linie zu halten. Damit war es mit klaren Chancen aber auch erst einmal vorbei; Borussias spielerische Überlegenheit war rein räumlich. Die Jenaer waren ihrerseits ohne den stark abbauenden Simak weit weniger gefährlich als in Halbzeit 1. Luhukay versuchte sein Glück nun mit der Einwechselung von van den Bergh und Coulibaly, der in München für einige spielerische Lichtblicke gesorgt hatte. 

Nachdem Ndjeng einen Weitschuss neben das von Kraus verlassene Gehäuse gesetzt hatte, sah es nicht mehr so aus als könnten die Borussen ihr Glück an diesem Spieltag erzwingen. Aber in der 80. Minute tauchte Neuville nach einem Freistoß wieder am entfernten Toreck auf und bekam den Ball noch einmal völlig frei zum Schuss. Dieses Mal liess sein Aufsetzer zum 2:1 Torwart Kraus keine Chance. Die Thüringer, die zuvor mit großem Kampf in Fürth und in Aachen jeweils einen Punkt geholt hatten, bliesen zur Schlussoffensive und es wurde kurzzeitig noch einmal eng.  Als Heimeroth nur abklatschen konnte, stolperte Daems den Ball noch zur Ecke, kurz darauf rettete Brouwers bei einer Jenaer Chance. 

Dann war der Kampfgeist der Thüringer erloschen; die letzte Gelegenheit hatte Marin, der den Ball sanft Richtung Kraus schob, und das Spiel war vorbei. Wörter wie „Arbeitssieg" und „glücklich" werden sicher in den Betrachtungen zu diesem Match auftauchen, und nicht zu Unrecht. Oliver Neuvilles Klasse erwies sich als ausschlaggebend, vor allem beim ersten Tor, und Borussias Spielern wurde die heilsame Erkenntnis zuteil, dass man kämpferischen Einsatz und spielerische Kreativität nicht einfach nach Ligazugehörigkeit und Tabellenstand des Gegners dosieren kann. Voigt hatte Recht behalten.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt (74. van den Bergh) - Ndjeng, Paauwe, Rösler (Coulibaly 74), Marin - Neuville (Svärd 85), Friend.

Jena: Kraus - Oniani (Tapalovic 71), Maul, Omodiagbe, Stegmayer - Charalambides, Hansen (Helbig 82), Müller, Simak, Werner - Torghelle.

Tore
: 1:0 Neuville (9.) , 1:1 Torghelle (34.) , 2:1 Neuville, (80.)

Schiedsrichter:  Markus Schmidt  (Stuttgart)

Zuschauer: 28.759 (53,23 %)

Gelbe Karten (Borussia): Voigt

Rote Karte: -

Besondere Vorkommnisse: Die Partie war das erste Pflichtspiel zwischen Borussia und Carl Zeiss Jena in der Geschichte beider Vereine. Durch den Sieg im heutigen Spiel ist die Borussia jetzt seit 9 Punktspielen ungeschlagen. Entgegen seinem Urteil vom 20. Spieltag der Saison 2004/2005 (3:2 gg. den SC Freiburg) verwehrte am heutigen Spieltag Schiedsrichter Schmidt einem Freistoßtor die Anerkennung, dass vor der Nordkurve passiert sein könnte. Damals erkannte er mit seinem Assistenten nach einer unorthodoxen Parade Kasey Kellers in Folge eines Freistoßes von Sascha Riether auf Tor für Freiburg, obwohl selbst Fernsehbilder im Nachhinein nicht nachweisen konnten, ob der Ball dort die Torlinie passiert hatte. Das konnten Fernsehbilder auch nunmehr bei der unorthodoxen Parade von Daniel Kraus in Folge eines Freistoßes von Marcel Ndjeng nicht. Dieses Mal erkannte Referee Schmidt mit seinem Assistenten jedoch auch auf weiterspielen. Drei Mal gewann die Borussia in der laufenden Spielzeit vor heimischem Publikum mit 2:1 (gg. Osnabrück, Aachen & nun Jena), in allen drei Fällen schoss jeweils ein Borussenstürmer (gg. Osnabrück & Jena: Oliver Neuville; gg. Aachen: Rob Friend) sämtliche Borussentreffer des Spiels. Nach 12 Spielen in dieser Spielzeit hat die Borussia mehr Punkt auf ihrem Konto als nach den 34 Spielen der zurückliegenden Saison, als sie 26 Zähler ansammelte. Bereits vor (!) der heutigen Partie hatte sie mit 26 Toren drei Tore mehr erzielt als nach den 34 Spielen der zurückliegenden Saison.

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