Borussia bleibt weiter an der Spitze der 2. Bundesliga. Gestern Abend besiegte die Mannschaft vom Niederrhein Kickers Offenbach in einem einseitigen Spiel mit 3:0 (1:0). Marcel Ndjeng, Roel Brouwers und Patrick Paauwe trafen für die Gastgeber. Vor 36.502 Zuschauern dominierte der Spitzenreiter die Partie durchgängig und hätte bei konsequenterer Spielweise den Sieg noch deutlicher gestalten können. Durch den Sieg gegen die von Borussias ehemaligem Co-Trainer Jörn Andersen trainierten und erschreckend harmlosen Gäste baut Borussia ihren Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz vorläufig auf acht Punkte aus.

Jos Luhukay konnte bis auf den Ausfall von Sascha Rösler personell aus dem Vollen schöpfen. Rösler plagte unter der Woche eine Magen-Darm-Erkrankung, die einen Einsatz des Mittelfeldspielers verhinderten. Für ihn agierte Soumaila Coulibaly auf der Position im offensiven Mittelfeld. Was ein fast komplett vorhandener Kader für Einzelne bedeuten kann, erlebten gestern Eugen Polanski oder Roberto Colautti, die trotz vorhandener Fitness erst gar nicht im Kader waren. Bis auf den Wechsel Coulibaly für Rösler blieb die Mannschaft zu Beginn unverändert.

Bereits nach wenigen Minuten war erkennbar, wie die Rollenverteilung in diesem Spiel geregelt war. Borussia spielte überlegen und selbstbewusst, wenn auch anfangs etwas zerfahren. Die Gäste aus Hessen standen tief in der eigenen Hälfte und konterkarierten damit die vollmundigen Aussagen ihres Trainers Andersen, der unter der Woche mehrfach betonte, seine Mannschaft auch auswärts beim Spitzenreiter offensiv agieren lassen zu wollen.

Borussia bestimmte von der ersten Minute das Spiel und suchte Wege durch die dicht gestaffelte Abwehrreihe der Offenbacher. Dennoch dauerte es nach einigen kleinen Torgelegenheiten für Marin und Coulibaly bis zur 16. Spielminute, bis der Ball zum ersten Mal im Tor des Offenbacher Torhüters Thier lag. Marcel Ndjeng und Marko Marin spielten zentral vor dem Strafraum und auf engstem Raum mehr unfreiwillig Doppelpass, bis Ndjeng der Ball wieder vor die Füße fiel. Mit viel Tempo und sauberer Technik drang der Flügelspieler in den Strafraum ein, umkurvte Torhüter Cesar Thier und schob zur verdienten 1:0-Führung für die Gastgeber ein.

Selbst nach diesem frühen Gegentreffer änderten die Gäste nichts an ihrer defensiven Grundordnung. Die Offenbacher Stürmer Türker und Toppmöller waren durch die Gladbacher Innenverteidigung gut abgestellt, der als halber Rechtsaußen agierende Marko Reich im Dress der Kickers war bei Alex Voigt komplett abgemeldet. Die für Offenbach zentral agierenden Daniyel Cimen und Stefan Sieger waren zu sehr mit Defensivaufgaben beschäftigt, um selber Angriffe einleiten zu können.

Viele Augen waren in diesem Spiel natürlich auf Soumaila Coulibaly gerichtet, der zum ersten Mal seit dem vierten Spieltag wieder in der Anfangsformation stand. Der ehemalige Freiburger war sichtlich bemüht, in diesem Spiel einen guten Eindruck zu hinterlassen. Mit hohem läuferischen Aufwand bot sich Coulibaly immer wieder als Anspielstation an, spielte auch mal den kurzen, klugen Pass. Seine unzweifelhaft starke Ballbehandlung erwies sich speziell gegen die dicht gestaffelte Hintermannschaft der Gäste als Vorteil, konnte Coulibaly somit im Zusammenspiel mit Marin und Ndjeng selbst auf engstem Raum kombinieren. Weiterhin suchte der Offensivspieler aus Mali immer wieder eine gute Schussgelegenheit, um seine wuchtigen, aber meist unplatzierten Schüsse Richtung Gästetor anbringen zu können. Einen eindrucksvollen Beweis seiner Schussstärke lieferte Coulibaly in der 26. Minute. Nach einer Ecke durch Ndjeng von der rechten Seite wurde der Ball aus dem Strafraum geköpft, als Coulibaly an der Strafraumgrenze wartend den Ball per Dropkick und Urgewalt ins Netz jagte. Der Jubel über dieses spektakuläre Tor wurde durch den Pfiff des heutige unglücklich wirkenden Schiedsrichter Willenborg unterbrochen, der beim vorangegangenen Kopfballduell in Folge der Ecke ein Foul gesehen haben will.

Bis zur Halbzeitpause änderte sich am Spielverlauf wenig. Borussia agierte vollkommen überlegen, rannte jedoch aufgrund der eigenen Führung nicht kopflos von Angriff zu Angriff, sondern versuchte durch Geduld und kluge Spielzüge Lücken in der Gästeabwehr zu finden. Bis zur Pause blieb es jedoch beim vorläufigen 1:0 für Borussia.

Direkt zu Beginn der zweiten Halbzeit schaltete der Gastgeber dann einen Gang hoch. Man suchte eine schnelle Vorentscheidung gegen nach wie vor harmlose Gäste. Nach einer schönen Flanke von Alex Voigt stand Marcel Ndjeng frei auf halbrechter Position, verzog den Schuss jedoch deutlich (48.). Weitere drei Minuten später war es Abwehrspieler Brouwers, der nach einer Freistoßflanke von Ndjeng aus kurzer Distanz über das Tor schoss. Dass es der Niederländer besser kann, bewies er in der 61. Minute, als er einen Angriff aus der Abwehr selber einleitete. Der Ball kam zu Neuville, der mit dem Rücken zum Tor stehend kurz für Coulibaly abklatschen ließ. Während Brouwers mit langen Schritten in den Strafraum sprintete, zog Coulibaly ab. Den flach und hart geschossenen Ball konnte Cesar Thier im Tor der Gäste nur zur Seite abklatschen, wo Brouwers inzwischen angekommen war und nur noch abstauben musste (2:0).

Damit war das Spiel entschieden, die Gäste, die nur selten vor dem Tor von Christofer Heimeroth auftauchten, ergaben sich in ihr Schicksal. Die restlichen 20 Minuten glichen eher einem besseren Trainingsspiel. Dennoch spielte Borussia weiter nach vorne, vergab allerdings die ein oder andere gute Torgelegenheit. In der 83. Minute war es dann der neben Brouwers und Ndjeng stärkste Feldspieler Borussias, Patrick Paauwe, der zum Endstand von 3:0 traf. Eine Ecke des für Marko Marin eingewechselten Sharbel Touma flog Richtung langer Pfosten, wo Paauwe seinen Kopfball nicht platzieren konnte. Der Ball landete jedoch direkt vor seinen Füßen, die Abwehr der Offenbacher war einen Moment unaufmerksam, als Paauwe aus acht Metern trocken durch viele Gegenspieler hindurch zum dritten Tor Borussias traf. In den letzten Minuten schwappte sogar die „La Ola" durch den BorussiaPark. Ein Bild, das man als Beobachter schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat. Ebenso lang indes konnte man keinen so schwachen Gegner im Gladbacher Stadion sehen.

Borussia gewinnt diese Pflichtaufgabe mit Souveränität und Dominanz. Gegen harmlose und in weiten Teilen überforderte Gäste aus Offenbach war der Sieg zu keiner Phase des Spiels gefährdet. Soumaila Coulibaly hat gezeigt, dass er durchaus ein ernst zu nehmender Kandidat für die Startelf ist, was er nach dem Spiel auch selbstbewusst in die Mikrofone und Diktiergeräte der Journalisten formulierte. Jos Luhukay wird demnach kommende Woche erneut eine schwere Entscheidung treffen müssen, wenn Sascha Rösler in den Kader zurückkehrt. Ein Problem, das Jörn Andersen als Gäste-Trainer nach der Pressekonferenz in kleiner Runde mit Ironie kommentierte: „Da sehen Sie mal, welche Probleme man als Spitzenreiter hat: Rösler oder Coulibaly? Mehr als die Hälfte der Liga wäre froh, nur einen von beiden zu haben!". Schön, dass Borussia inzwischen nur noch Luxusprobleme zu haben scheint.

Borussia: Heimeroth - Levels, Brouwers, Daems, Voigt - Paauwe - Ndjeng (van den Bergh 86), Marin (Touma 78) - Coulibaly - Neuville, Friend (Rafael 78).

Offenbach: Thier - C. Müller, Bungert, Hysky, Pinske - Sieger, Cimen (Baier 70) - Reich (O. Mokhtari 74), Judt - Türker, Toppmöller (Agritis 86).

Tore: 1:0 Ndjeng (16.), 2:0 Brouwers (63.), 3:0 Paauwe (83.).

Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)

Zuschauer: 36.502 (67,57 %)

Gelbe Karten (Borussia): Daems.

Rote Karten: -

Besondere Vorkommnisse: Für die Borussia war es der neunte Sieg im elften Spiel in Folge ohne Niederlage. Erstmals seit seinem Engagement als Assistenztrainer von Horst Köppel bei der Borussia trat Jörn Andersen in Funktion bei einem anderen Verein gegen die Borussia an, der Ex-Bundesligatorschützenkönig ist seit dem 13. Spieltag 2007/08 Cheftrainer der Offenbacher Kickers. Für Schiedsrichter Frank Willenborg war es das erste Spiel in seiner Karriere unter Beteiligung der Lizenelf der Borussia, in der Vorsaison hatte der z.Zt 28-jährige bereits ein Match der U23 in der Regionalliga geleitet. Nachdem Oliver Neuville rund 44 Stunden vor Anpfiff der Begegnung sein 66. Länderspiel für Deutschland (beim 0:0 gegen Wales in Frankfurt) absolviert hatte, stand er gegen Offenbach gleich wieder in der Startformation der Borussia.

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